
Putin-Lexikon
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Privater, politisch unabhängiger Presse-Blog zum Thema
Osteuropa und Russland
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PUTIN-LEXIKON:
BRISANTE AKTEURE DER PUTIN-ÄRA, DIE SCHLAGZEILEN ERZEUGTEN
K2 (Kam-Kach) Seite
aktualisiert im Nov./Dez. 2024
KAMALOV, Khadzhimurad Magomedovich
II (1965-2011, gew. sowjet. Hydrotechniker, russ.
investigativer Journalist in Dagestan.
Avare
nach Nationalität. Absolvent der Fakultät für
Hydrorekultivierung des Dagestan. Polytechnichnischen
Instituts u. der Technischen Universität Leningrad. Als
Eigentümer des Medienunternehmens "Svoboda Slova"
/Meinungsfreiheit/ gründete er im Aug. 2003 die
Zeitung Chernovik
/Rohentwurf/
u.
war 2005-6 auch dessen Chefredaktor. Ferner war er als Pressesprecher von Präsident
Mukhu Aliev tätig, dessen Amtszeit von 2006-10 dauerte.
Kamalov war auch Mitglied des Rats der Wirtschaftsberater des
Präsidenten unter s. Magomedsalam Magomedov.
Der
Chernovik war
für seine Untersuchungen zur Regierungskorruption in Dagestan
bekannt. Der umstrittenste Artikel, der in diesem Zusammenhang
darin veröffentlicht wurde, war "Terrorist No. 1", der im Juli
2008 Zitate von Rappani Khalilov enthielt u. zu einem
Rechtsstreit zwischen der Regierung u. Chernovik
führte, der bis Mai
2011 andauerte. Khalilov, der wegen seiner Beteiligung an dem
tschetschen. Angriff auf Dagestan
im Aug. 1999 u. einem
Bombenanschlag von 2002, bei dem 40 Menschen ums Leben kamen,
als hochkarätiges terrorist. Ziel gesucht worden, wurde im
Sept. 2007 getötet, bevor der Artikel veröffentlicht wurde.
Der Herausgeber von Chernovik wurde zur Staatsanwaltschaft zitiert u.
verwarnt, bevor Anklage erhoben wurde. Laut Nadira Isaeva, die
Chefredaktorin von Chernovik zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des
Khalilov-Artikels u. während der Rechtsstreitigkeiten war,
hatte Kamalov „viele Feinde, aber keine Angst ... Er liebte
es, Korruption zu untersuchen. Viele von denen, die durch
seine Enthüllungen aufgedeckt wurden – hohe Beamte, Polizisten
u. Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft – hatten eine kriminelle
Vergangenheit u. Gegenwart. Einige waren gefährlich u. hatten
keine Angst vor dem Töten. Oft kam es zu Konfrontationen mit
den Leitern der Stadtverwaltungen von Dagestan, von denen
viele Banditen sind." Bijakaj Magomedov, der derzeitige
Herausgeber von Chernovik, sagte: „Die korrupten Strukturen haben
Angst vor uns gehabt. ... Sie konnten uns vor Gericht nicht
besiegen, weil wir praktisch alle Fälle gewonnen haben." Der
Hauptfall gegen Chernovik endete im Mai 2011 mit einem Freispruch.
Als Chernovik
einmal
seine Geldgeber
verlor, nahm Kamalov Kredite auf u. stellte seine Wohnung als
Sicherheitsgarantie zur Verfügung, obwohl seine Frau u. sein
Kind dort lebten. Auch Bürogeräte verkaufte er, bis er
schliesslich neue Geldgeber fand. Als Eigentümer mischte sich
Kamalov nicht in den redaktionellen Inhalt der Zeitung ein u.
ermutigte seine Journalisten, über die Wahrheit zu
berichten. Mahir Pashaev, ein Wirtschaftsreporter, sagte,
dass Chernovik „die einzige Zeitung ohne Zensur ist".
Kamalov stand nicht nur hinter den Nachrichten, sondern er
wurde auch oft als Quelle für Medien herangezogen, die nach
einem Experten suchten, um die sich verschlechternde Situation
in Dagestan zu analysieren. Im Sept. 2005 organisierte Kamalov
in Makhachkala einen beispiellosen Protest gegen die Aktion
der Föderalen Agentur für Presse u. Massenkommunikation, den
Druck u. die Verteilung von Ausgaben des Chernovik
zu stoppen. An dem Protest beteiligten sich 50 Journalisten u.
Unterstützer.
Im Sept. 2009 wurden in Makhachkala Flugblätter verteilt, in
denen Journalisten, Anwälte u.a. Persönlichkeiten des
öffentl. Lebens aus Dagestan bedroht wurden, darunter auch
Khadzhimurad Kamalov, der als einer von 8 Journalisten auf
einer anonym erstellten Abschussliste stand. Kamalov wurde möglicherweise wegen seiner
eher freundlichen Darstellung von Rebellenkämpfern auf diese
Liste gesetzt. Im Nov. 2011 führte Kamalov eine
Protestkundgebung mit etwa 3-5700 Teilnehmern gegen die
rechtswidrige Anwendung von Gewalt u. das angebliche
Verschwindenlassen von Zivilpersonen durch Sicherheitskräfte
an, ein Schwerpunktthema des Chernovik.
Ermordung: Mitte Dez. 2011 wurde durch
einen maskierten Schützen ein
Attentat auf Kamalov verübt, als
er gegen Mitternacht das Büro von Chernovik in der Magomed Hajiev-Strasse in Makhachkala verliess.
Der Schütze gab insgesamt 14 Schuss auf sein Opfer ab u.
entfernte sich in einem schwarzen Lada Priora unverzüglich vom
Tatort. Der
schwerverwundete Journalist starb auf dem Weg ins
Krankenhaus. Der Trauerzug wurde zur Massenveranstatung.
Sein Tod sollte eine abschreckende Wirkung auf andere
Journalisten haben.
Reaktionen: Nach der Ermordung Kamalovs schrillten
bei den Menschenrechtsvertretern die Alarmglocken. s. Tanja
Lokshina, stv. Direktorin von "Human Rights Watch" in
Moskau, sagte: „Kamalovs Tod ... wird ungeheure Auswirkungen
auf die freie Presse in Dagestan haben" u. machte die russ.
Behörden der Republik Dagestan für den Mord verantwortlich.
Auch wenn sein Tod einen persönlichen Aspekt gehabt habe,
sei er durch die Atmosphäre völliger Straflosigkeit möglich
geworden, die die russ. Behörden dort gedeihen liessen. Auch
das in New York, USA, ansässige "Komitee zum Schutz von
Journalisten" sagte, dass der „Mord an Khadzhimurad Kamalov
… ein tödlicher Schlag für die Pressefreiheit“ sei, seine
Ermordung sei „ein massiver Verlust für den unabhängigen
Journalismus im Nordkaukasus, dem gefährlichsten Ort für
Reporter in Russland". Das UN-Büro des Hohen Kommissars für
Menschenrechte u. die UNESCO forderten eine glaubwürdige
Untersuchung des Mordes an Kamalov. s. Irina Bokova,
damalige Generaldirektorin der UNESCO, sagte: „Angst darf
nicht Medienschaffenden einen Maulkorb anlegen, Reportern
das grundlegende Menschenrecht auf freie Meinungsäusserung
vorenthalten u. Bürgern den Zugang zu Informationen
verwehren.“ Magomedsalam Magomedov, Präsident von Dagestan,
würdigte den Verstorbenen wie folgt: Kamalov „hat sich immer
für Einheit u. Frieden eingesetzt u. den Dialog geführt. ...
Das ist ein grosser Verlust nicht nur für Journalisten,
sondern für die ganze Republik." Das Büro des Präsidenten
übernahm offiziell die Aufsicht über die Mordermittlungen.
Sajgidpasha Umakhanov, ein prominenter Bürgermeister in
Dagestan, sagte: Kamalov „war in der Tat ein unabhängiger u.
ehrlicher Journalist. Es ist unmöglich, einen anderen wie
ihn zu finden … Seine zahlreichen Freunde u. die gesunden
Kräfte in der Gesellschaft werden alles tun, um den Mörder
zu finden . [Aber dafür] müssen wir wirklich vereint sein.“
s. Julija Latynina, eine Expertin für die Kaukasusregion,
verglich die Ermordung Kamalovs u. den damit
verbundenen Verlust von Informationen mit dem Tod s. Anna
Politkovskajas. In Dagestan fielen dem Tötungsterror der
Putin-Zeit auch andere investigative Journalisten zum Opfer
wie s. Malik AKHMEDILOV, s. Akhmednabi
AKHMEDNABIEV, Abdulla Alishaev, Gadzhi Abashilov,
Magomedzagid Varisov,
Jakhja Magomedov u.a. Im
Dez. 2012 wurde Kamalov posthum Preisträger des
Andrej-Sakharov-Preises "Für Journalismus als Tat“.)
KAMENSHCHIK, Dmitrij
Vladimirovich II III IV
V (1968-, sowjet. Energietechniker, russ. Wirtschaftssoziologe,
Unternehmer. Erststudium an der Fakultät für Energie u. Physik
des Moskauer Instituts für Energietechnik. Nach dem
Militärdienst in der Sowjetarmee arbeitete er einige Zeit im
Regionalkomitee für Fernsehen u. Rundfunk in Sverdlovsk. 2000
Abschluss des Studiums an der Soziolog. Fakultät der MSU mit
einer Spezialisierung auf Wirtschaftssoziologie, mit einer
Dissertation zur Erlangung des akadem. Grads eines Kandidaten
der Wirtschaftswissenschaften. 2000-4 Mitglied des
Unternehmerrats der Regierung RF, ferner war er Berater des
Vorsitzenden der Staatsduma FR u. des Gouverneurs des Moskauer
Gebiets.
Vorsitzender des Verwaltungsrats des Flughafens Moskau-Domodedovo u.
Eigentümer der "East Line Group", der
Holdinggesellschaft des Flughafens, die z.Zt. 23 Unternehmen
umfasst, USD-Multimilliardär. 1991 liess der Sverdlovsker bzw.
Ekaterinburger Geschäftsmann s. Anton Bakov die Firma "East
Line" registrieren, um den Lufttransport abzuwickeln. Dmitrij
Kamenshchik figurierte als Generalvertreter des Unternehmens
in Moskau. 1992 erhielt Domodedovo den Status eines
internationalen Flughafens. 2013 bezeichnete sich Bakov in
einem Interview mit Kommersant als Gründer von
"East Line" u. behauptete, er habe das Unternehmen Anfang 1994
verlassen, nachdem er seinen Anteil für 10 Tsd. USD an
Kamenshchik verkauft habe.1998 wurde das Eigentum des
Flugplatzgeländes, das nicht in Privatbesitz überging, d.h.
die Start- u. Landebahnen, Rollwege, Flugzeugparkplätze, für
75 Jahre an die "East Line" mit der Folge verpachtet, dass der
Prozess des Eigentümerwechsels von Flughafenanlagen
abgeschlossen wurde. Im selben Jahr wurde Kamenshchik
Vorstandsvorsitzender des Flughafens Domodedovo. Seit 2004
versuchte die Росимущество, die Übertragung von Eigentum an
Flughafeneinrichtungen u. Pachtrechten am Flugplatz auf die
Gesellschaft "East Line" anzufechten. 2004 verkaufte "East
Line" sowohl seine eigene Fluggesellschaft als auch die daraus
resultierende Maschinenbauholding u. konzentrierte sich auf
das profitablere Flughafengeschäft. 2006-8 bestätigte das
Präsidium des Obersten Schiedsgerichtshofs die Rechtmässigkeit
der Transaktionen in drei Entscheidungen.
Im Jan. 2011 ereignete sich im Flughafen Domodedovo ein Selbstmord-Terroranschlag, bei dem
36 Menschen ums Leben kamen u. weitere
152 Personen verletzt wurden. Nach dem Terroranschlag auf
den Flughafen Domodedovo vom Jan. 2011 versuchten die
Strafverfolgungsbehörden, die endgültigen Eigentümer des
Flughafens zu ermitteln. Im selben Jahr veröffentlichte die
Holdinggesellschaft in Vorbereitung auf den Börsengang Daten
über den Endbegünstigten auf der Website der Londoner Börse
u. nannte Dmitrij Kamenshchik als alleinigen Eigentümer. Im
Sept. 2013 wurde auf der offiziellen Website des Flughafens
Domodedovo die Information veröffentlicht, dass sein
endgültiger Eigentümer Dmitrij Kamenshchik, Vorsitzender des
Verwaltungsrats, sei. Als Eigentümer des Flughafens erhielt
er für 2012-13 etwa 19,1 Mrd. Rubel an Dividenden.
Rechtsprozess: Im Feb. 2016 wurde Kamenshchik nach
einem Verhör im Untersuchungskomitee RF u. einen Tag nach
einem Briefing zur Verteidigung der zuvor inhaftierten
Mitarbeiter wegen Verstosses gegen Art. 238, Teil 3 StGB RF
/"Durchführung von Arbeiten oder Erbringung von
Dienstleistungen, die die Sicherheitsanforderungen nicht
erfüllen u. fahrlässig zum Tod von zwei oder mehr Personen
geführt haben"/ im Fall des Terroranschlags vom Jan. 2011
festgenommen. Das Moskauer Basmannyj-Gericht stellte
Kamenshchik unter Hausarrest bis April u. verlängerte später
die Haft bis Juli. Der stv. Generalstaatsanwalt RF,
Malinovskij, befürwortete jedoch die Einstellung der
strafrechtlichen Verfolgung der Beklagten in der
Untersuchung u. forderte ihre Freilassung aus dem
Hausarrest, wobei er die Kassationsinstanz des Moskauer
Stadtgerichts anrief. Komissarov u. Sukhanov, Leiter der
Abteilungen für Straf- u. Zivilrecht der Jurist. Fakultät
der Staatsuniversität Moskau, Mitglieder des Wissenschaftl.
Beirats des Obersten Gerichtshofs u. des
Untersuchungskomitees RF, erstellten Rechtsgutachten, denen
zufolge den Beklagten bzw. dem Gericht keine Beweise für
strafbare Handlungen in dem Fall vorgelegt werden konnten.
Anfang Juli 2016 entsprach das Präsidium des Moskauer
Stadtgerichts der Vorlage des stv. Generalstaatsanwalts RF
Malinovskij, der die Freilassung Kamenshchiks aus dem
Hausarrest forderte; nach 5 Monaten wurde der
Vorstandsvorsitzende des Flughafens Domodedovo aus dem
Hausarrest entlassen. Im Sept. schloss das
Untersuchungskomitee RF das Strafverfahren gegen Kamenshchik
wegen fehlender Beweise für eine Straftat bei seinen
Handlungen ab. Wirtschaftsombudsmann Boris Titov nannte
diese Entscheidung „einen Triumph des gesunden
Menschenverstands“. Auch die Generalstaatsanwaltschaft RF
anerkannte die Verfolgung des Geschäftsmanns als
rechtswidrig.
Vermögen: Im April 2015 schätzte das Magazin Forbes
das Vermögen von Dmitrij Kamenshchik auf 3,8 Mrd.
USD, was dem 27. Platz in der Rangliste der reichsten
Geschäftsleute Russlands entsprach. Später ging laut
derselben Quelle das Vermögen Kamenshchiks erheblich zurück
u. belief sich im Frühjahr 2019 noch auf 2,8 Mrd. USD; im
April 2020 belegte er laut Forbes mit einem
Vermögen von 2,1 Mrd. USD noch den 46. Platz, 2021 war er
mit ´nur noch´ 1,7 Mrd. USD auf dem 52. Platz gelandet. Im
Jan. 2018 wurde Kamenshchik auf die sog. "Kreml-Liste“ des
US-Finanzministeriums gesetzt.)
KAMINER, Vladimir
Viktorovich
II III IV
(1967-,
in Deutschland lebender Schriftsteller sowjet.-russ.-jüdischer
Herkunft. Er absolvierte eine Ausbildung zum Tonmeister für
Theater u. Hörfunk u. studierte zudem Dramaturgie an der
Moskauer Schule für Theater, Kunst u. Technologie MTKhTU,
heute TXTK. Während seines Studiums verdiente er seinen
Lebensunterhalt auf Partys u. Underground-Konzerten in der
Moskauer Rockszene. Im Juni 1990 erhielt Kaminer Asyl in der
DDR, am 3. Okt. 1990 die DDR-Staatsbürgerschaft u. wurde nach
der Wiedervereinigung Deutschlands automatisch Staatsbürger
der BRD.
Dem widerspricht eine Aussage Kaminers in einem Interview
vom Sept. 2012, dass er 14 Jahre lang mit einem sog.
Fremdenpass gelebt u. kein deutscher Staatsbürger gewesen
sei. Kaminer lebt mit seinen Kindern u. seiner russ.
Frau Olga, die er 1995 in Berlin kennenlernte, im Berliner
Bezirk Prenzlauer Berg. In Berlin war Kaminer viele Jahre
Mitglied der Reformbühne "Heim & Welt" u. las seine
Geschichten jede Woche im "Kaffee Burger" vor, wo er seine
legendäre "Russendisko" organisierte. Dieser Name wurde zum
Titel des bekanntesten, überaus erfolgreichen Buchs von 2000, mit dem er schlagartig
zum neuen Bestsellerautor wurde. Er schreibt
regelmässig Texte für dt. Zeitungen, war Kolumnist der Zeitung
Russkaja Germanija u. moderierte
eine Sendung bei "Radio Multikulti". Themen seiner Bücher,
die er auf Deutsch schreibt, sind das Phänomen „Multikulti“,
das Leben von Einwanderern aus den ehem. Republiken der
Sowjetunion in Deutschland u. die "sowjet. Vergangenheit".
2012 erschien eine Verfilmung der Kurzgeschichtensammlung
dieses Buchs.
2011 kündigte Kaminer an, für das Amt des Regierenden
Bürgermeisters der Stadt Berlin kandidieren
zu wollen.
Kaminer ist Mitgründer des PEN Berlin.
Als entschiedener Gegner der russ. Kriegspolitik V. Putins in der
Ukraine rief Kaminer in einem ZDF-Interview vom März 2022 die
Offiziere Russlands dazu auf, „ihren Oberbefehlshaber zu
entmachten, um diesen Unrechtskrieg sofort zu beenden - sie
sollen Russland retten". An die deutsche Öffentlichkeit
gerichtet, rief Kaminer die deutsche Führung dazu auf,
„jeden Tag dem Kreml klarzumachen, dass dieser Krieg eine
grosse Niederlage, eine grosse Katastrophe für Russland"
sei. Dieser ehem. KGB-Offizier verfüge dennoch über „einen
genug kühlen Kopf, um zu verstehen, dass er sich selbst,
seine Heimat u. seine Familie ... nicht in dem Tod, in einem
atomaren Feuer verheizen will". Trotz der einseitigen
Propaganda wüssten die Russen sehr wohl, was in Russland los
sei. Die russ. Gesellschaft wache langsam aus der Lethargie
auf, u. er hoffe, dass viele Landsleute trotz allem auf die
Strasse gehen, um gegen diesen Krieg zu protestieren. In
einem Beitrag für das "Deutschland Archiv"
der bpb gab sich Kaminer im März 2022
zuversichtlich, dass „die
Zeit vergehen wird, die Schuldfrage ausdiskutiert wird
u. Russland auf Umwegen über kurz oder lang seinen Weg
über Europa wieder findet". In einem Blick-Interview vom März 2024
erzählte er, warum seine Raketenabwehrzentrale die Cessna
mit dem dt. Privatpiloten Matthias Rust an Bord im Anflug auf
Moskau 1987 nicht aufhielt u. dafür bestraft wurde u. warum
er 1991 in die DDR floh. Als Putin an die Macht kam, habe
die Bevölkerung Russlands über keine polit. Instrumente
verfügt, auf die Kremlführung einzuwirken. Putin habe sich
mit der Zeit verändert, was typisch für autoritäre Herrscher
sei, die zu lange in einem von der Aussenwelt abgeschotteten
Raum lebten u. von Leuten besucht werde, die ihm alternative
Fakten zutragen. Er habe Putin seinerzeit in Berlin
getroffen, als er noch kein Feind des Westens gewesen sei,
u. glaube, dass er „privat wahrscheinlich ganz in
Ordnung sei", wie Kaminer sich in seiner typisch ironischen
Art ausdrückte, aber dennoch „möchte er ihn nicht zum
Freund haben", denn er möge „diese Generation der sowjet.
Frührentner der Staatssicherheit nicht" leiden. Die
Russen würden den Krieg nicht mögen u. ergriffen jede
Möglichkeit, ihren Unmit darüber zu äussern, wenn es ohne
Gefahr geschehen kann". Das Putin-Regime habe sich nach den
öffentl. Massenprotesten in Russland von 2011 eindeutig
radikalisiert. Es gebe viele Leute an der russ.
Führungsspitze, die mit dieser Kriegspolitik nicht
einverstanden seien; es brauche für sie eine Exit-Strategie.
Der Krieg könne nicht mehr lange dauern, weil auf beiden
Seiten das Personal fehle.) 11.24
KAMINSKIJ,
Anatolij Vladimirovich
IIa IIb (1950-, sowjet. Maschinenbauer u. Manager, Politiker
der Transnistrischen
Moldauischen Republik
/PMR/ mit ukrain. Herkunft. Absolvent des nach M.V. Lomonosov
benannten Technolog. Instituts für Nahrungsmittelindustrie in
Odessa mit einem Abschluss in Maschinenbau. Danach arbeitete
er als Manager in einer Käsefabrik u. als stv. Direktor u.
Direktor einer Molkerei in der Moldauischen SSR. Ferner war er
für den Komsomol u. die KPdSU tätig. In den 1990ern leitete er
das Hauptquartier für die Verteidigung der Stadt u. des
Gebiets Rybnica u. nahm an den Kampfhandlungen zum Schutz der
PMR teil. 2000-9 war Kaminskij stv. Vorsitzender u. bis 2012
Vorsitzender des Obersten Sowjets des von niemandem
anerkannten "Staats" PMR, dazu Vorsitzender des Zentralrats
der "Erneuerungs"-Partei "Obnovlenie". Bei der Präsidentschaftswahl von 2011 in der PMR
wurde er als von Russland unterstützter Kandidat von seiner
Partei nominiert, wodurch er im 1. Wahlgang 26,30% u. in der
2. Runde 19.6% erhielt u. somit hinter s. Evgenij Shevchuk u.
vor s. Igor Smirnov den 2. Platz belegte. Gemäss der
Verordnung 2005/147/GASP der Europäischen Kommission wurde
Kaminskij zur unerwünschte Person erklärt, der zusammen mit
anderen Führern der PMR die Einreise in die EU-Länder
untersagt ist.)
KANDELAKI, Tinatin (Tina) Givievna II III IV
V VI
VII VIII IX
X
XI XII XIII XIV (1975-, georg.-russ.
Boulevard-Journalistin, TV-Moderatorin, Produzentin u.
Geschäftsfrau mit griech., armen. u. türk. Wurzeln u. russ.
Staatsbürgerschaft. 1993 studierte sie plastische Kosmetik u.
trat dann in die Journalismusabteilung der Staatsuniversität von
Tiflis, Georgien, ein. 2008 schloss sie ihr Studium an der
Fakultät für Internationale Beziehungen der Russ.
Staatsuniversität für Geisteswissenschaften in Moskau ab. Bevor
sie 1995 nach Moskau umzog, arbeitete sie in Tbilisi für den
Radiosender "Radio 105" u. für TV "Kanal 2" u. soll Verbindungen
zur kriminellen Mkhedrioni-Gruppe gehabt haben, die unter der
Führung des "Diebes im Gesetz" Dzhaba Ioseliani agierte. In
Moskau war sie für verschiedene Radio- u. TV-Sender tätig u.
moderierte verschiedene Sendungsformate, v.a. auf dem privaten "STS"-Kanal,
auf "REN TV" u. "Ekho Moskvy".
2011 führte sie ein TV-Interview mit dem Tschetschenführer s.
Ramzan Kadyrov, der sie in der Sendung dafür kritisierte, in zu
aufgereizter Kleidung zu erscheinen. 2013 erhielt sie den Titel
"Verdiente Journalistin der Republik Tschetschenien". 2020-22
moderierte sie die Sendung "Special Guest" auf "RTVi". Im Sept. 2021 verliess sie den
Posten der Generalproduzentin von "Match TV" u. wurde zur stv.
Generaldirektorin von "Gazprom Media" u. zur Geschäftsführerin
von "Gazprom Media Entertainment Television" ernannt. Im Feb.
2022 wurde sie zur amtierenden Direktorin des Senders "TNT" ernannt. Als Geschäftsfrau war
Kandelaki Mitinhaberin einer Consultingfirma
für
Informationstechnologie, die später bankrott ging, u. war 2011
Vorstandsmitglied der "Vjatka-Bank". Sie besitzt ein georgisches Restaurant in Moskau. 2012
unterzeichnete Kandelaki einen Vertrag mit der
schwed.-schweiz. Schönheitspflege-Firma "Oriflame", wonach sie verpflichtet war,
"Oriflame"-Produkte für 2 Jahre in Russland u. den GUS-Staaten
gegen ein Honorar für 2 Mln. USD zu vertreten. 2015 gründete
sie die Kosmetikmarke "AnsaLigy", das entsprechende
Unternehmen stellt Gesichts- u. Körperpflegeprodukte mit
innovativen Formeln her. 2018 wurde die Marke mit 1 Million
Euro bewertet.
Politiknahe Aktivität: Im
Nov. 2007 äusserte sich Kandelaki negativ über die Aktivitäten
des georgischen Präsidenten s. Mikheil Saakaschwili,
bezeichnete ihn als „Tyrann des Mittelalters“ u. rief Georgier
auf der ganzen Welt dazu auf, Saakaschwili zu stoppen. 2009
wurde sie auf Einladung des Präsidenten RF s. Dmitrij Medvedev
zum Mitglied der Gesellschaftl. Kammer RF ernannt, in
deren Rahmen sie eine Reihe von Runden Tischen zu aktuellen
Themen wie Internet u. Bildungssystem organisierte u. leitete.
2010 nahm sie an einer Sitzung zum Thema Bildung beim St.
Petersburger Wirtschaftsforum teil. 2011 wurde sie Mitglied
der Gruppe für staatl. Bildungsstandards beim
Bildungsministerium RF. Bei ihrem Besuch in der Republik
Tatarstan im Feb. 2011 äusserte sie sich zum Trend, dass
„diejenigen, die Twitter nicht nutzen, einfach
hinterherhinken“, woraufhin die Behörden der Republik
begannen, soziale Netzwerke aktiver zu nutzen. 2011
unterzeichnete sie einen Aufruf der Öffentlichkeit gegen die
informationelle Untergrabung des Vertrauens in das
Justizsystem der RF, vor dem Hintergrund des 2. Prozesses im
Fall "Jukos". Im Aug. 2011 organisierte sie das erste
Nationale Bildungsforum im Hotel "Baltschug" u. stellte den
Delegierten das Smart School-Projekt vor. Am 10. Dez. 2011
fand auf dem Bolotnaja-Platz eine Kundgebung statt, bei der
auch Tina Kandelaki anwesend war, die bei den Wahlen für die
Partei "Einiges Russland" gestimmt hatte u. hierherkam, um
sich eine eigene Meinung über die Teilnehmer der
Protestbewegung zu bilden. Am 25. Feb. 2012 leitete Kandelaki
den öffentlichen Rat des Beobachterkorps "Für saubere Wahlen",
der im Jan. vom Koordinierungsrat junger Anwälte organisiert
wurde. Diese Struktur war mit der "Nashi"-Bewegung verbunden, die offen die
derzeitige Regierung unterstützte. Im Aug. 2020 nahm Kandelaki
am Kongress der liberalen polit. Partei "Neue Leute" teil, wo sie als Rednerin
auftrat. Zuvor hatte sie ihre Unterstützung für die Projekte
s. Aleksej Kudrins u. s. Mikhail Prokhorovs zur Schaffung
einer liberalen Opposition angekündigt. Während der
Olympischen Spiele in Tokio 2020 startete sie einen Flashmob
zur Unterstützung des russ. Olympischen Komitees. Die Aktion
wurde sowohl von der Partei "Einiges Russland" wie auch
vom Aussenministerium RF unterstützt, aber der Flashmob
lieferte keine Erklärung dafür, dass russ. SportlerInnen wegen
eines Dopingskandals ihre Flagge u. Hymne nicht verwenden
können.
Skandale u. Kritik:
Die georg. Schönheit ist auch wegen
einiger Aufsehen erregender Vorkommnisse u. Skandale
aufgefallen. Im Nov. 2006 kam es zu einem Autounfall in Nizza,
Frankreich, wobei ein "Ferrari Enzo", gefahren von einem russ.
Geschäftsmann u. Teilzeitabgeordneten der Staatsduma RF von
der LDPR s. Vladimir Zhirinovskijs, s. Sulejman Kerimov, aus
unbekannten Gründen von der Strasse abkam, gegen einen Baum
prallte u. Feuer fing. Während der Geschäftsmann in ernstem
Zustand ins Krankenhaus eingeliefert wurde, erlitt Kandelaki
bei dem Unfall leichte Verbrennungen an Händen u.
Oberschenkeln u. wurde ebenfalls in ein Krankenhaus gebracht,
nach wenigen Stunden jedoch entlassen u. nach Russland
ausgeflogen. An dem Tag, als im Sender "Ekho Moskvy" ein
Programm Kandelakis ausgestrahlt werden sollte, erschien sie
nicht im Radiosender u. berief sich darauf, Mumps zu haben.
Die Moderatorin gab dann aber zu, dass sie mit Kerimov im Auto
sass, u. dass die Story nicht verbreitet werden sollte, um
jeden Verdacht über ihre Beziehung zu ihm zu verbergen.
Laut Forbes kritisierte s. Aleksej Navalnyj den
Exklusivvertrag, der 2012 von "Aeroflot" mit Kandelakis -
später in Konkurs gegangenen - Firma "Apostol" für 64 Mln.
Rubel unter Verstössen gegen die Gesetzgebung der RF, so ohne
öffentl. Ausschreibung u. „nach einem sehr seltsamen
Verfahren“ u. mit fehlenden Informationen über den Vertrag auf
der Website der Fluggesellschaft unterzeichnet wurde, woraus
Navalnyj schloss, dass dieser Vertrag eine Bezahlung für
Kandelakis Dienste durch die russ. Behörden gewesen sei. Unter
Bezugnahme auf die Informationen von s. Ksenija Sobchak warf
Navalnyj Kandelakis Unternehmen "Apostol", das von ihrem 2.
Ehemann s. Vasilij Brovko gegründet wurde, vor, die Arbeit von
Internet-Bots
zu organisieren, die die sozialen Netzwerke mit gegen die russ.
polit. Opposition gerichteten Inhalten verstopfen. Im Okt. 2015 sorgte das von Kandelaki
für 15 Mln. Rubel entwickelte "Neues Moskau"-Logo u. die
Corporate Identity dazu für Kritik in der Staatsduma RF, der
Blogosphäre u. bei Kunden. Sowohl die Kosten als auch die
Originalität des Produkts lösten Zweifel aus. Wie sich
herausstellte, entsprach das Logo fast vollständig der
grafischen Vorlage, die damals kostenlos im Internet
heruntergeladen werden konnte.
Bewertung: Als Medienpersönlichkeit u. Bloggerin
nutze Kandelaki ihre persönl. Marke, die auf ihrem Ruhm als
TV-Moderatorin basiere, um mit berühmten Persönlichkeiten
live zu diskutieren, wobei sie das offizielle Format in
ihren Online-Interviews beibehalte. Beim Bloggen nutze sie
aktiv Selfies. Laut ihren Kollegen verkörpere sie ein
Phänomen namens "Putins Glamour". Sie wurde wegen ihres
angeblichen Mangels an Talent u. wegen ihrer
Selbstdarstellung, ihrer angeblichen Prinzipienlosigkeit u.
ihres Konformismus sowie wegen ihrer Liebe zur gegenwärtigen
Regierung kritisiert, dank derer sie Mitglied der
Gesellschaftskammer geworden sei.
Ukrain. Anklage, Kritik u. Sanktionen: Im Zusammenhang mit dem von Putin
im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskrieg gegen die Ukraine
erschien im März 2022 eine Meldung von Seiten der
Generalstaatsanwältin der Ukraine, s. Iryna Venediktova, dass
die Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine formelle Anklage
gegen Kandelaki erhoben
hat –
gemäss Art. 110, Teil 2 StGB UA wegen "Finanzierung von
Handlungen, die mit dem Ziel begangen werden, die
verfassungsmässige Ordnung gewaltsam zu ändern oder zu stürzen
oder die Staatsgewalt zu ergreifen, die Grenzen des
Territoriums oder der Staatsgrenze der Ukraine zu ändern“. Auf
Antrag der Ukraine sollte Kandelaki auf die internationale
Fahndungsliste gesetzt werden. Kandelaki nannte diese
Anschuldigungen gegen sie falsch u. behauptete, dass „ein Teil
der für die Anklage verwendeten Worte nie von ihr gesagt
wurde“. Kandelaki wurde als Propagandistin u.
„Publizistin s. Ramzan Kadyrovs“ von der "Stiftung
für Korruptionsbekämpfung"
FBK die verkürzte Top-200-Liste der korrupten
Beamten u. Kriegstreiber mit dem Vorschlag gesetzt,
internationale Sanktionen gegen sie zu verhängen. Die
"FBK" stellte fest, dass Kandelaki "in einen
Korruptionsplan des Moskauer Bürgermeisters s. Sergej
Sobjanin verwickelt ist, da sie öffentl. Mittel aus dem
Haushalt der Stadt Moskau für die PR-Unterstützung
Sobjanins u. des herrschenden polit. Regimes unter dem
Vorwand erhalte, über den Sender "RTVi" Dienstleistungen
für die Stadt Moskau bereitzustellen“. Im Okt. 2022 setzte
die "Internationale Arbeitsgruppe für Sanktionsfragen
Ermak-McFaul" Kandelaki auf die Liste der Propagandisten
u. Kriegideologen, die "falsche Narrative im Einklang mit
der Politik des Kremls schaffen“, mit dem Vorschlag,
Sanktionen gegen sie zu verhängen. Vom "Forum
Freies Russland", das die sog. "Putin Liste" führt, wird ihr
öffentl. Unterstützung für den
von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ.
Angriffskrieg gegen die Ukraine vorgeworfen.
Ihr Name ist im Bericht "1500 Kriegstreiber“ erwähnt, der
vom "Forum" erstellt wurde. Das "Forum" strebt Sanktionen
gegen diese Personen in der EU an. Im März 2022
verbot Lettland Kandelaki die Einreise aufgrund ihrer
Unterstützung der russ. Invasion in der Ukraine. Im
Juni 2022 wurde sie zusammen mit ihren beiden Kindern Melanija u. Leontij
Kondrakhin als
eine mit ihrem ebenfalls
von den USA sanktionierten 2. Ehemann s. Vasilij Brovko
in Verbindung stehende Person auf die
US-Sanktionsliste gesetzt, wobei im Okt. ihre Aufnahme in die
Sanktionsliste Kanadas aufgrund ihrer Beteligung an "der Verbreitung russ. Desinformation
u. Propaganda“
u. wegen "Unterstützung der
ungerechtfertigten Invasion u. versuchten Annexion ukrain.
Gebiete durch Russland“ erfolgte. Im
Okt. 2022 wurde sie auf die Sanktionsliste der Ukraine gegen
Personen gesetzt, "die öffentlich zu einem Angriffskrieg
aufrufen sowie die bewaffnete Aggression der RF gegen die
Ukraine u. die vorübergehende Besetzung des Territoriums der
Ukraine rechtfertigen u. als legitim anerkennen“. Im Feb. 2024 wurde Kandelaki iauf die
australische Sanktionsliste gesetzt.)
KANEV,
Sergej II III IV
(1962-, russ. investigativer
Journalist, international bekannt für seine
Berichterstattung über Kriminalität u. Polizeikorruption.
Als er den Behörden zunehmend kritisch gegenüberstand,
wurde er 2005 von einem staatl. Sender entlassen u.
wechselte zur Novaja gazeta, die für ihren
Anti-Establishment-Ansatz im investigativen Journalismus
bekannt wurde. Seine engagierte scharfe Berichterstattung
über Kriminalität u. Korruption hat zu zahlreichen
körperlichen Angriffen gegen ihn geführt, einschliesslich
des Versuchs, ihn mit Draht zu erwürgen. Kanev wurde 2001
vom Innenministerium RF für die Inhaftierung eines
Verbrechers geehrt. 2009 wurde er von der s. "Artjom
Borovik Foundation" ausgezeichnet. 2010 wurde ihm vom
Journalistenverband RF eine Gedenkmedaille verliehen. 2011
ernannte die Financial Times Kanev zu einem der
"25 Russians to Watch". 2012 übernahm er den Job
des Chefredaktors bei einer Moskauer Vorstadtzeitung
namens Читают Все in der Stadt Tschechov, deren
Eigentümer ehrgeizige Pläne für Ermittlungen zur
Korruptionsbekämpfung hatte. 2013 veröffentlichte die
Zeitung ein Exposé mit detaillierten Korruptionsvorwürfen
in einem staatl. Unternehmen für medizin. Versorgung
namens "Medproektremstroj", das die Moskauer
Stadtregierung bei der Auftragsvergabe für
Krankenhausversorgung vertrat. Das Unternehmen verklagte
sowohl den Eigentümer Oleg Strekalov als auch Kanev, aber
seine Ansprüche gegen die beiden wurden zurückgewiesen. Im
März 2013 veröffentlichte Kanev einen Artikel über die
bevorzugte Behandlung tschetschen. Polizisten durch die
russ. Behörden, die 2011 bei einem Erpressungsversuch
einen Mann entführt u. gefoltert hatten. Der Ermittler,
der diesen Fall leitete, wurde entlassen, der Fall
abgeschlossen u. der tschetschen. Polizist freigelassen.
2016 schrieb Kanev einen Artikel über die älteste Tochter
von Präsident V. Putin, s. Marija Voroncova, u. ihr
Privatleben. Sie verwende verschiedene Namen, habe in
mehreren Ländern gelebt u. führe ein Leben im Luxus, was
offiziellen Berichten widerspricht, die besagen, dass die
Familie wie normale Russen lebe, öffentl. Verkehrsmittel
benutze usw. 2018
nahm Kanev an einer "Bellingcat"-Untersuchung zur
Identifizierung der beiden Hauptverdächtigen teil, die von GB
der Vergiftung des ehem. russ. Spions s. Sergej Skripal u.
seiner Tochter beschuldigt wurden. „Hier geht es nicht nur um
Boshirov u. Petrov“, fügte Kanev hinzu u. bezog sich auf die
beiden Hauptverdächtigen der Skripal-Vergiftung in Salisbury
am 4. März 2018. In einem Gespräch mit der russ.
Nachrichtenagentur RBK vom Sept. sagte Kanev, es gebe „eine
Menge meiner Ermittlungen, die bestimmte hochrangige Beamte
verärgert haben.“ Im Sept. 2018
verliess Kanev Russland aus Sorge vor einer möglichen
Strafverfolgung für seine Arbeit.)
KANEVA,
Elena Vjacheslavovna (1972-,
russ. Richterin am Lefortovo-Bezirksgericht in
Moskau. Vom "Forum Freies Russland", das die "Putin-Liste"
erstellt, wird ihr Umsetzung polit. Repression unter
Verwendung offizieller Positionen vorgeworfen. Im April
2015 wurde die Verhaftung des ukrain. Regisseurs s. Oleg
Sencov verlängert, der beschuldigt wurde, nach Art. 205.4
Teil 1 StGB RF eine terrorist. Gemeinschaft gegründet zu
haben u. nach Teil 1 von Art. 30 u. Teil 2 von Art. 205
Terroranschläge vorzubereiten u. zu verüben. Den
Ermittlungen zufolge handelte es sich bei den Angriffen um
Brandstiftung an der Tür des Büros der "Russ. Gemeinschaft
der Krym“ u. am Fenster des Büros der Partei "Einiges
Russland“ in Simferopol, bei denen niemand verletzt wurde.
Nach Angaben der Verteidigung wurden Sencov u.a.
Angeklagte in dem Fall gefoltert, um Geständnisse zu
erpressen.)
KANNER,
Jurij Isaakovich II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVI XXVII XXVIII XXIX XXX XXXI XXXIII XXXIII XXXIV
(1955-, sowjet. Ökonom
bzw. russ.-jüdischer, aus der
Ukraine stammender Unternehmer. Absolvent des
Wirtschaftsinstituts Saratov,
Kandidat der Wirtschaftswissenschaften.
Beruflich arbeitete er in der Sowjetzeit als Vorsitzender
einer grossen Kolchose in einem Dorf des Gebiets Tjumen.
Lebt seit 1993 in Moskau, wo er in den 1990er Jahren
Generaldirektor eines Industriekonsortiums war, das sich
im Rahmen von Investitionsverträgen mit dem Moskauer
Rathaus um den Bau u. die Restaurierung von Gebäuden im
Zentrum der Hauptstadt kümmerte, u. 7 Unternehmen im Bau-
u. Immobilienbereich mitbegründete.
Im Mai 2009 genehmigte das Präsidium des "Russ. Jüdischen Kongresses" REK die
Kandidatur Jurij Kanners für das Amt des 6. Präsidenten
der 1996 gegründeten Organisation. Nach seiner Wahl sagte
er: „Die Mission des Russ.-Jüdischen Kongresses besteht
darin, die Bildung einer pluralist. jüdischen Gemeinschaft
in Russland zu fördern, die stolz auf ihre Vergangenheit
ist, fest auf russ. Boden steht im Angesicht Jerusalems.“
Laut Kanner ist es für den REK von entscheidender
Bedeutung, Programme zu entwickeln, die neue Menschen für
das Gemeinschaftsleben gewinnen. Er betrachtet die Bildung
selbstverwalteter u. selbstfinanzierter jüdischer
Gemeinden im ganzen Land als eine der Hauptaufgaben des
Kongresses. Kanner
ist Mitglied des Kuratoriums der "Moskauer Jüdischen
Religionsgemeinschaft" MERO, die die Moskauer Chorsynagoge
verwaltet. Er nimmt aktiv an einer Reihe von Wohltätigkeits-
u. Gedenkprojekten u. -programmen teil u. ist Leiter der
internationalen Projekte "Restore Dignity“ u. "Bab´i Yary of
Russia“, in deren Rahmen Arbeiten zur Erforschung von Orten
mit Massengräbern von Opfern des Holocaust durchgeführt
werden. Im Sept. 2009 unterzeichneten der Vorsitzende der
"Jewish Agency Sokhnut", Natan Sharansky, u. der Präsident des
REK, Jurij Kanner, in Moskau eine Vereinbarung über
strategische Zusammenarbeit im Bereich der jüdischen Bildung
in Russland. Seit 2017 ist Kanner auch Mitglied des öffentl.
Rats des Moskauer Jüdischen Filmfestivals. Im
Jan. 2020 verglich Kanner den ukrain. Kosakenführer Bogdan Khmelnyckyj in einem Blogbeitrag
auf "Ekho Moskvy" mit Adolf Hitler. Bei der Charakterisierung V. Putins wich Kanner
diplomatisch aus, schätzte dessen Eigenschaften aber
positiv ein.)
KANOKOV, Arsen Bashirovich
II III IV V VI (1957-, sowjet. Handelsökonom u.
Volkswirtschafter, russ. Geschäftsmann u. Politiker in der
Republik Kabardino-Balkarien, Nordkaukasus.
Absolvent der Handels- u. Wirtschaftsfakultät des Moskauer
Instituts für Volkswirtschaft namens G.V. Plekhanov. Doktor
der Wirtschaftswissenschaften /2001/, ordentl. Mitglied der
Akademie für Wirtschaftswissenschaften u. Unternehmertum,
Fachautor einer Reihe von Monographien u. Artikeln über die
Probleme der Kreditvergabe u. Besonderheiten der staatl.
Regulierung einer Marktwirtschaft in der Übergangszeit in
Russland. In der Sowjet- u. Perestrojkazeit arbeitete er als
Geschäftsleiter u. gründete eine Handelsgenossenschaft in
Moskau u. betrieb in
den 1990er Jahren eine Holdinggesellschaft, die sich
auf multifunktionale Einkaufszentren, Banken,
Investitionsmärkte u. Bauwesen in Moskau spezialisierte.
Anfang der 2000er Jahre wurde er Aktionär u. Mitglied des
Vorstandsrats einer Kreditanstalt. Kanokov ist laut dem
Magazin Finance in der Liste der russ. Milliardäre
aufgeführt. 2009 erwarben die Strukturen Kanokovs einen
Mailänder Handels- u. Unterhaltungskomplex mit geschätzten
Kosten von 150 Mln. USD.
Politik: Ab 2003 war Kanokov Abgeordneter der 4. Staatsduma RF, Mitglied der "LDPR"-Fraktion. Ein Jahr später
wechselte er zur Partei "Einiges Russland". Er war stv.
Koordinator des Südlichen Koordinierungsrats der Partei
"Einiges Russland", stv. Vorsitzender des Duma-Ausschusses für
Haushalt u. Steuern sowie Mitglied der Duma-Kommission für die
Probleme des Nordkaukasus.
In Kabardino-Balkarien wurde Kanokov als Philanthrop u.
Sponsor verschiedener Kulturprogramme bekannt. Auf seine
Kosten wurden in Nalchik eine Grossmoschee gebaut, ein Denkmal
für die Opfer des Kaukasuskriegs errichtet, das Hotel
"Intourist" u. das Restaurant "Elbrus" rekonstruiert.
Ausserdem sponserte er den FC "Spartak-Nalchik". Bereits
1998-2003 war er Stv. des Ständigen Vertreters der
Kabardino-Balkarischen Republik beim Präsidenten RF, Mukhamed
Shogenov. Vom Sept. 2005 bis Dez. 2013 war Arsen Kanokov
Präsident bzw. Oberhaupt der Kabardino-Balkarischen Republik.
Im Okt. 2005 verübten Banditen einen bewaffneten Angriff auf
die Hauptstadt Nalchik. Für Kanokov war der Überfall eine
ernsthafte Prüfung. Wie der tschetschen. Terrorist s. Shamil
Basaev später berichtete, blieb der neue Republikschef vom
Angriff unbehelligt, weil er die Wiedereröffnung von Moscheen
angeordnet hatte. 2007 u. 2012 war Kanokov Mitglied des
Präsidiums des Staatsrats RF. 2010 wurde er für eine 2.
Amtszeit zum Präsidenten der Kabardino-Balkarischen Republik
wiedergewählt. Im Dez. 2013 trat er auf eigenen Wunsch von
diesem Amt zurück. Noch im gleichen Monat wurde er Mitglied
des Föderationsrats RF als Nachfolger von Fatima Ivanova. Bis
Feb. 2016 war er Mitglied des Obersten Rats der Partei
"Einiges Russland". Im Okt. 2014 wurde Jurij Kokov von den Abgeordneten des 5.
Parlaments von Kabardino-Balkarien zum Oberhaupt der Republik
gewählt. Dieser ernannte Arsen Kanokov für einen Zeitraum von
5 Jahren zum Vertreter der KB-Regierung im Föderationsrat RF.
Sein Mandat als Senator wurde im Okt. 2019 von dem nächsten
KB-Präsidenten Kazbek Kokov, Sohn von Jurij Kokov, für
weitere 5 Jahre verlängert. Aus diesen Angaben ist zu
schliessen, dass die Minirepublik im Nordkaukasus offenbar von
einem Filz um Kokov-Kanokov mit guten Beziehungen zum Kreml
kontrolliert wird. 2007 erhiet Kanokov von Präsident RF V.
Putin den "Freundschaftsorden", 2017 den
Alexander-Nevskij-Orden 2015 protestierte ein Mann auf offener
Strasse in Moskau gegen Kanokov, dem Gesetzesbruch vorgeworfen
wurde. Seine Tochter Madina Kanokova ist eine erfolgreiche
Geschäftsfrau.
Sanktionen: Im Zusammenhang mit dem von Putin im Feb. 2022
entfesselten russ. Angriffskrieg gegen die Ukraine
wurde Kanokov im März 2022 wegen seiner
"Unterstützung der Verletzungen der Souveränität u. der
territorialen Integrität der Ukraine“ auf die Sanktionsliste
Kanadas als "Verbündeter des [Putin-]Regimes“ gesetzt. Ende
Sept. 2022 wurde er von den USA "wegen der Annexion von
Gebieten der Ukraine durch Putin“ auf die Sanktionsliste
gesetzt. Das Aussenministerium stellte fest, dass der russ.
Senator "für die Genehmigung von Putins Antrag stimmte,
Truppen in die Ukraine zu schicken, was als ungerechtfertigter
Vorwand für eine umfassende russ. Invasion in der Ukraine
diente“. Im Dez. 2022 wurde er auf die EU-Sanktionsliste
gesetzt, weil er "Aktionen u. Massnahmen unterstützte u.
umsetzte, die die territoriale Integrität, Souveränität u.
Unabhängigkeit der Ukraine untergraben u. die Ukraine weiter
destabilisieren“, u. insbes. weil er die Annexion der
besetzten ukrain. Gebiete unterstützte.
Aus ähnlichen Gründen steht sein Name auf den Sanktionslisten
der Schweiz, Australiens, Neuseelands u.
der Ukraine.)
KANTEROV, Igor Jakovlevich
(1938-2018, gew. sowjet. bzw. russ. Jurist u.
Religionswissenschaftler mit Forschungsschwerpunkten
Religionsgeschichte u. -wissenschaft, Atheismus,
Katholizismus/Vatikan, neue religiöse Bewegungen/Sekten in
Russland. Absolvent der Jurist. Fakultät der MSU, anderen
Quellen zufolge der Jurist. Fakultät der Kazaner V.I.
Uljanov-Lenin-Staatsuniversität mit der Qualifikation eines
Rechtsanwalts, sowie der Aspirantur an der Philosoph.
Fakultät der MSU. 1. Dissertation zum Thema "Kritik des
katholischen Konzepts des sozialen Prozesses“ zur Erlangung
des Grads eines Kandidaten der philosoph. Wissenschaften. Er
erhielt den akadem. Titel eines ao. Professors in der
Abteilung für Philosophie des Moskauer Regionalen Pädagog.
Instituts namens N.K. Krupskaja. 1987 verteidigte er seine
2. Dissertation zum Doktor der Philosophie über das Thema
"Kritische Analyse philosoph. u. theolog. Interpretationen
des wissenschaftl. Atheismus: Über die Materialien des
modernen Katholizismus" im Fachgebiet "Wissenschaftl.
Atheismus". 1980-2006 war er Mitarbeiter des Instituts für
Religionsphilosophie u. -wissenschaft der Philosoph.
Fakultät der MSU. Während dieser Zeit war er
Lehrbeauftragter für Lehrveranstaltungen an den Fakultäten
für Geschichte u. Chemie sowie für spezielle Kurse an der
Philosoph. Fakultät. Im Dez. 1990 erhielt er den akadem.
Titel eines Professors an der Fakultät für Philosophie des
Instituts für Umschulung u. Weiterbildung von Lehrern der
Geistes- u. Sozialwissenschaften der MSU. Verdienter
Professor der MSU /2010/. Bis 2013 war er Professor u.
fungierte auch als stv. Leiter des Lehrstuhls. 1998-2007
stv. Vorsitzender des Sachverständigenrats für die
Durchführung staatl. religiöser Gutachten beim
Justizministerium RF u. 2007-9 stv. Vorsitzender des
Sachverständigenrats zur Durchführung staatl.
Religionsgutachten bei Rosreestr. Ab Juni 2013 Professor der
Abteilung für Geschichte u. Theorie der Politik an der
Fakultät für Politikwissenschaft der MSU. In der Sowjetzeit
engagierte sich Kanterov für die Förderung des sog.
wissenschaftl. Atheismus, schrieb eine Reihe von
Monographien u. Artikeln zu diesem Thema, u. las spezielle
Kurse an der MSU über "Moderne nicht-traditionelle religiöse
Bewegungen u. Kulte“, sprich Sekten. Er galt als einer der
modernen sowjet. u. russ. Experten für Katholizismus u. die
Aktivitäten des Vatikans u. verfasste zahlreiche Werke dazu,
z.B zum Thema "Klerikalismus ist eine Ideologie der
spirituellen Gewalt“. In den 2000er Jahren erschienen Bücher
mit Titeln wie "Neue religiöse Bewegungen in Russland",
"Religiöse Vereinigungen Russlands angesichts der Finanz- u.
Wirtschaftskrise“ usw. Ausserdem war er Autor einer Reihe
von Artikeln über Religionen u. Atheismus in verschiedenen
enzyklopäd. Wörterbüchern.
Kontroverse Bewertung: Zunächst wurden seine früheren
Aktivitäten in der Sowjetzeit zur Förderung des wissenschaftl.
Atheismus u. sein Beitrag „zur Verteidigung des Sektierertums“
kritisiert. Von verschiedenen positiv gesinnten KollegInnen
wurde Igor Kanterov als „führender Religionswissenschaftler“,
Experte auf seinem Gebiet u. „berühmter Philosoph" gewürdigt,
der einen bedeutenden Beitrag zur „Entwicklung der
einheimischen Religionswissenschaft, zu einer Methodik der
Untersuchung der Beziehungen zwischen dem Staat u. religiösen
Vereinigungen“ in der russ. Religionswissenschaf u. zur
Entwicklung des Problems der religiösen Bildung der
Persönlichkeit u. der individuellen Religiosität“ in den russ.
Religionswissenschaften geleistet habe. Seine Werke
hätten „den Grundstein für eine objektive, vorurteilsfreie
Untersuchung des Phänomens der neuen Religiosität in Russland u.
ihrer Rolle im modernen religiösen Leben der Gesellschaft
gelegt“. Im postsowjet. Russland
erhielt Igor Kanterov Kritik v.a. dafür, dass er staatliche
religiöse Gutachten im Auftrag des Justizministeriums RF
durchführte. 2001 bezeichnete Prof. M.N. Kuznecov von der
Abteilung für Staatsaufbau u. Recht der RAGS beim Präsidenten
RF Kanterov als „einen festen Marxisten-Leninisten ...
skandalös bekannt in der Öffentlichkeit für seine unverhohlene
Unterstützung asozialer religiöser Sekten. Insbesondere der
Zeugen Jehovas.“ 2009 bezeichnete der Vorsitzende des
Expertenrats s. Aleksandr Dvorkin Kanterov als „einen ehem.
Propagandisten des wissenschaftl. Atheismus“, der „sein ganzes
Leben lang die Religion im Namen einer einzigen wahren
kommunist. Ideologie zerschmettert“ habe. Laut Dvorkin war
Kanterov in der späteren Phase seiner Karriere arbeitslos u.
musste „sich neue ideolog. Kunden suchen, die bereit waren,
für Sektenschutzarbeit zu bezahlen". Dvorkin wies ferner
darauf hin, dass Kanterov selbst zu Sowjetzeiten „den Begriff
‚Sekte‘ aktiv benutzte, als er zum Ruhm der KPdSU das
Sektierertum u. alle Religionen zerschmetterte.“ A.S. Fetisov,
Kandidat der Geschichtswissenschaften, hob 2011 in Bezug auf
die Analyse der Entwicklung der religiösen Situation in
Russland hervor, dass Kanterov eher zu den „typischen Autoren"
derjenigen Richtung gehörte, die „religiöse Organisationen
selbst - hauptsächlich orthodoxe" vertraten, die über das
Schicksal ihrer eigenen Konfessionen besorgt" gewesen seien,
u. weniger zur Gruppe, die echte "akadem. Wissenschaft u.
Forschung" betrieben.)
KANTOR, Vjacheslav Moshe Vladimirovich
II III IV V VI VII (1953-, sowjet. Luft- u.
Raumfahrttechniker, russ., israelischer u. britischer
Geschäftsmann, Milliardär, Kunstsammler. Absolvent des Moskauer
Luftfahrtinstituts MAI, Doktorarbeit im Fachgebiet "Automatische
Steuerung von Raumfahrzeugen", Kandidat der technischen
Wissenschaften. In den späten 1980er Jahren errichtete Kantor
ein Handelszentrum u. befasste sich mit dem Verkauf von
Computerausrüstung u. deren Installation in
Industrieunternehmen. 1989-93 war er Generaldirektor des
russ.-amerikan. Unternehmens "Intelmas". In den 1990er Jahren
erhielt er den Auftrag, eine Umweltprüfung im Chemiewerk "Azot"
in Novgorod durchzuführen u. beteiligte sich an der
Privatisierung von "Azot", das nach der Privatisierung in "Akron" umbenannt u. von einem Team unter
der Leitung von Kantor geleitet wurde. 1994 wurde die Firma
"Dorogobuzh", einer der grössten Hersteller von Mineraldünger im
Gebiet Smolensk in das Unternehmen "Akron" aufgenommen. Ab 2021
besitzt Kantor über 94% der Anteile des Mineraldüngerherstellers
"Akron". Im Jahr 2021 schätzte das "Magazin" Forbes
Kantors Nettovermögen auf 7,5 Mrd. US-Dollar. 2005-9
war Kantorr Präsident des "Russian Jewish
Congress" u. 2007 wurde er Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses EJC,
2008 u. 2012 wurde er für dieses Amt wiedergewählt. Er betätigt
sich international als Philanthrop u. war eines der
Gründungsmitglieder der Stiftung "World Holocaust Forum" u.
des European Jewish Fund. Kantor
gehört zu den Grossspendern des Holocaust History Museum der
Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in
Jerusalem. An der Universität
Tel Aviv richtete er ein "Center
for European Jewish Cultural Studies" ein.
Laut der israel. Tageszeitung The Jerusalem
Post von 2013 zählt/e er zu
den weltweit einflussreichsten jüd. Persönlichkeiten. 2007 wurde
er ferner zum Präsidenten des "International Luxembourg Forum on
Preventing Nuclear Catastrophe" gewählt
u. gründete ein Jahr später die NGO "Europäischer Rat für Toleranz u. Versöhnung" ECTR.
Sanktionen: Wegen
der angebl. „Verbindung zu Putin“ steht er unter Sanktionen der
EU, GB, der Schweiz u. Ukraine.
Nach Beginn des von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine000
verhängte Grossbritannnien im April 2022 persönl. Sanktionen
gegen Kantor als grössten Anteilseigner von "Acron", einem
Unternehmen von strateg. Bedeutung für die russ. Regierung. Im
Sommer 2022 übertrug Kantor einen Anteil von 45,1% an "Akron" an
3 Top-Manager u. hörte formell auf, Eigentümer einer
Mehrheitsbeteiligung zu sein. Nur 40,9% blieben unter der
Kontrolle des Unternehmers. Kantor habe keine offiziellen
Positionen bei "Akron" inne, aber Experten, die von
Kommersant befragt wurden, glauben, dass er das
Unternehmen immer weiterhin leitet. Im April 2022 verhängte auch
die EU Sanktionen gegen Kantor u. die italien. Behörden
beschlossen, 11 Villen des Geschäftsmanns an der Costa Smeralda
im Norden Sardiniens zu beschlagnahmen - eine von ihnen soll
früher der Mutter des ehem. italien MP s. Silvio Berlusconi
gehört haben.
Der Europäische Jüdische Kongress reagierte bestürzt auf die
Verhängungen von Sanktionen gegen Kantor u. rief zu einer
Rücknahme der Entscheidung auf. Wenige Tage später gab der EJC
die Demission Kantors bekannt.)
KAPPELER Andreas II III (1943-, Schweizer u.
österreich. Historiker, emeritierter
Professor für Osteuropäische Geschichte an
der Universität Wien.
Studium der Geschichte, Slavistik u. Osteuropäischen
Geschichte an den Universitäten
Zürich u. Wien.
Promotion über
Ivan Groznyj
an der Universität Zürich, Habilitation im Fach
Osteuropäische Geschichte über die an der Volga lebenden
ethnischen Gruppen. Ehem. verantwortlicher Herausgeber
der Jahrbücher für Osteuropäische
Geschichte. Kappelers Forschungsschwerpunkt
umfasst das Russland der Neuzeit mit
besonderem Augenmerk auf die unterschiedlichen Nationalitäten des
vormodernen Zarenreichs. Er gilt als Spezialist für die
Geschichte der Muslime in Russland u. Zentralasien.
Als einer der ersten Historiker im deutschsprachigen
Raum begann er bereits in den 1980er Jahren, sich mit
der Geschichte der Ukraine zu
beschäftigen, mit Schwerpunkt auf die ehem. habsburgischen
Gebiete der heutigen Ukraine /
Galizien.
Mitglied
der
Ukrain. Akademie der Wissenschaften,
der Tschuwasch. Akademie der Wissenschaften u. der
Österreich. Akademie der Wissenschaften.
Als Hauptwerke Kappelers gelten
"Russlands erste Nationalitäten" /1981/, "Russland als
Vielvölkerreich" /1992, 2008/, "Kleine Geschichte der
Ukraine" /1994, 2014/, "Russische Geschichte" /1997, 2016/,
"Die Kosaken" /2013/. Des weiteren befasst er sich mit
vergleichender Geschichte Russlands u. der Ukraine, mit Geschichtsrevisionismus unter V. Putin,
u.a.m.)
KARA-MURZA, Vladimir Alekseevich
II
III
IV (1959-2019,
gew. sowjet. Historiker u. Geschichtslehrer, russ.
Journalist, TV- u. Radiomoderator. Absolvent der Fakultät für
Geschichte der Staatsuniversität Moskau mit dem Titel "Lehrer
für moderne Geschichte“. Der Vater Aleksej Sergeevich
Kara-Murza war Historiker u. Frontjournalist, der in seinen
Werken über die Schlacht von Stalingrad berichtete. Die
Mutter, Maija Voldemarovna Kara-Murza, geb. Bisenieks -, war
die Tochter des lettischen Revolutionärs Voldemars Bisenieks, der ein Bruder des
lettischen Politikers u. Diplomaten, Konsul Lettlands in
Leningrad, erster Botschafter Lettlands in GB
Georg
Bisenieks war, der beschuldigt wurde, die Ermordung
Sergej Kirovs geplant zu haben, u. 1941 erschossen wurde.
Aufgrund dieser Tatsache galt sie als Verwandte eines
Volksfeinds u. konnte in der Sowjetzeit kein Institut
betreten. Das Stigma des "Volksfeinds" lastete somit
nachhaltig auf der ganzen Familie, zumal V.A. Kara-Murza ein
lautstarker Kritiker von Leonid Brezhnev u. ein Befürworter
der Reformen unter s. Boris Elcyn war. Der Sohn aus erster Ehe
ist der Politiker u. Publizist s. Vladimir Vladimirovich
Kara-Murza. In der Sowjetzeit nahm er an den Aktivitäten der
Moskauer Kunstgruppe "Mukhomory“ teil, gab 1982-92
Privatunterricht in Geschichte u. arbeitete als Hausmeister u.
Heizer. In den 1990er Jahren war V.A. Kara-Murza Mitarbeiter
des Informationsdiensts der Fernsehgesellschaft "NTV" sowie Autor u. Moderator des
Programms "Heute um Mtternacht" auf diesem Kanal. 1996 wurde
er mit dem Preis "Goldene Feder Russlands" der Union der
Journalisten Russlands für seine beruflichen Aktivitäten
ausgezeichnet. In den 2000er Jahren war er Aktivist der
Menschenrechts-Gesellschaft "Memorial". 2000-2
war er Autor u. Moderator der wöchentl. Geschichtssendung
"Zeuge des Jahrhunderts", die auf "NTV" u. dann auf "TV-6" ausgestrahlt wurde. 2007
wurde er Mitglied der Russ. Fernsehakademie. Während des
aggressiven, feindseligen u. ausufernden Konflikts zwischen
dem Eigentümer des Unternehmens " NTV", s. Vladimir Gusinskij,
u. seinem Hauptgläubiger "Gazprom", angezettelt von V. Putin,
kam V.A. Kara-Murza in der Nacht des 14. April 2001 in die
Redaktion des Senders im TV-Zentrum Ostankino , wo er in eine
harte Debatte mit Vertretern von "Gazprom" eintrat. Noch am
selben Tag verfasste er zusammen mit einer Gruppe führender
NTV-Journalisten ein Kündigungsschreiben u. wechselte zum
Sender "TNT", von wo er wenig später in die
Belegschaft von s. Boris Beresovskijs "TV-6" wechselte. Die
letzte Sendung auf "TV-6" fand am 21. Jan. 2002 statt, eine
Stunde bevor der Betrieb auf Anordnung der Gerichtsvollzieher
eingestellt wurde. Nach der Schliessung von "TV-6" trat
Kara-Murza zusammen mit anderen Journalisten in die
Belegschaft des neu gegründeten Kanals "TVS" ein, der im März 2002 den
Rundfunkwettbewerb gewann u. Anfang Juni mit der Ausstrahlung
der Programme begann. Bis 2003 war Kara-Murza Moderator
verschiedener Sendungen auf diesem Kanal. Die letzte Sendung
auf "TVS" fand am 19. Juni 2003 statt. Der "TVS"-Kanal wurde
auf Anordnung des Presseministeriums RF abgeschaltet. 2003-8
war er Moderator der Newssendung "Jetzt in Russland“ auf dem
Sender RTVi.
Von Dez. 2011 bis März 2012 war er Moderator der Sendung "Das
Wichtigste der Woche mit Vladimir Kara-Murza“ im
öffentl.-rechtl. Fernsehen. Im Radio war Kara-Murza auf den
Kanälen "Ekho
Moskvy" u. "Radio Free Europa / Radio Liberty / Svoboda"
bis 2018 zu hören. Ausserdem schrieb er von 2014-19 eine
kritische Kolumne über das moderne russ. Fernsehen u. seine
Moderatoren in der Zeitung Sobesednik. Seit 2000 war
Kara-Murza ein Kritiker von Präsident RF V. Putin u. der russ.
Behörden. 2004 wurden V.A. Kara-Murza u. sein Sohn
Mitbegründer des oppositionellen "Komitees 2008: Freie Wahl“. Im selben
Jahr sagte er: „Da ich eine historisch gebildete Person bin,
glaube ich, dass das Regime in seiner jetzigen Form bis 2008
nicht bestehen kann“. Er irrte sich u. es kam bekanntlich noch
schlimmer. Der Annexion der Krym durch Russland im März 2014
stand er ablehnend gegenüber. 2018 war er Vertrauter von s.
Grigorij Javlinskij bei der russ. Präsidentschaftswahl dieses
Jahres. In seinen letzten Lebensjahren war Vladimir Kara-Murza
schwer krank, erlitt mehrere Schlaganfälle u. starb 60-jährig
im Juli 2019 in Moskau. Sein Sohn s. Vladimir Vladimirovich
Kara-Murza setzte, von den russ. Behörden immer wieder schwer
behindert, die Arbeit im Geiste seines Vaters fort.)
KARA-MURZA, Vladimir Vladimirovich II III
IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV (NZZ) XV XVI XVII XVIII XIX XX (1981-, sruss.
Oppositionspolitiker, TV-Journalist, Regisseur, Publizist. Die
Familie Kara-Murza stammte von tatarischen Aristokraten ab – tatarisch:
kara mirza: schwarzer Prinz –, die sich in Moskau
niederliessen u. im 15. Jh. zum Christentum konvertierten.
Sein Urgrossvater war der Moskauer Anwalt Sergej Kara-Murza
/1876-1956/. Der Grossvater Aleksej Kara-Murza /1914-88/
heiratete nach dem 2. WK Maija Biseniece, Tochter des
lettischen Revolutionärs Voldemars Bisenieks, der ein Bruder
des lettischen Politikers u. Diplomaten, Konsul Lettlands
in Leningrad, erster Botschafter Lettlands in GB
Georg Bisenieks, war, der
beschuldigt wurde, die Ermordung Sergej Kirovs geplant zu
haben, u. 1941 erschossen wurde. Während
ein Bruder des Vaters seiner Grosstante der lettische
Botschafter in GB Georgs Bisenieks war, ist V.V. Kara-Murza
ist also ein Urenkel von Voldemar Bisenieks. Seine Grosseltern tatarischer Herkunft
waren in einem Gulag-Lager inhaftiert, zwei seiner
Urgrosseltern starben dort. V.V. Kara-Murza ist der
Sohn des 2019 verstorbenen russ. Journalisten u. TV-Moderators
s. Vladimir Alekseevich Kara-Murza, einem lautstarken Kritiker
Leonid Brezhnevs u. Befürworter der Reformen unter s. Boris
Elcyn. In
Moskau besuchte er eine französ. Sonderschule. 1997
zog V.V. Kara-Murza mit seiner jüdischen
Mutter Elena Gordon nach London,
GB, wo er das Trinity
Hall College der Universität Cambridge absolvierte u. 2003 seinen BA- u. MA-Abschluss in Geschichte
erhielt. Eines seiner Hauptthemen war die Geschichte der
sowjet. Dissidentenbewegung; seine Dissertation war der
Staatsduma des Russ. Reiches gewidmet. Er u. seine Frau
Evgenija sprechen fliessend Französisch. Er besitzt die russ. u. britische
Staatsangehörigkeit. 1997-2000 war er
Korrespondent der Zeitung Novye izvestija, 2000-4
Korrespondent u. Kolumnist des Verlagshauses "Kommersant", 2002 Chefredaktor des
Wirtschaftsmagazins Russian Investment Review.
2004-12 war er Leiter des Büros der Fernsehgesellschaft "RTVi" in Washington, USA. Er war der
einzige russ. Journalist, der die Übergabe der
Gerichtsvorladung zum "Fall Jukos“ an den Finanzminister RF s.
Aleksej Kudrin filmte, der als erster ein TV-Interview mit dem
Geschäftsmann s. Sergej V. Kolesnikov führte, der über den "Putin-Palast“ am Schwarzen Meer sprach.
Politik: 1999-2001 war
Kara-Murza Mitglied der Partei "Demokrat. Wahl Russlands", 2001-8 der "Union der Rechten Kräfte" SPS, 2000-3
Berater des Vorsitzenden der SPS-Fraktion in der Staatsduma
RF, s. Boris Nemcov. Bei den Parlamentswahlen vom Dez. 2003
kandidierte er als Einzelkandidat von den Parteien SPS u. "Jabloko"
im Tschertanovskij-Wahlkreis Nr. 204 in Moskau für die
Staatsduma RF. Während des Wahlkampfs versuchte das Team des
Kandidaten der Partei "Einiges Russland", s. Vladimir Gruzdev,
Kara-Murza von den Wahlen zu verdrängen - seine Werbetafeln
wurden abgedunkelt, im Zuge von TV-Debatten wurde "aus
technischen Gründen“ der Ton abgeschaltet bzw. ihm das Wort
nicht erteilt; am Abstimmungstag wurden "Karussells“, eine Methode der
Wahlfälschung, angewendet. Im Buch des britischen Journalisten
s. Andrew Jack "Inside Putin’s Russia“ wurde der
Tschertanovskij-Distrikt als Beispiel für Manipulationen bei
den russ. Wahlen 2003 angeführt. Laut den offiziellen
Wahlergebnissen erhielt Gruzdev 53,78%, Kara-Murza 8,59% u.
der Kandidat der KPRF 6,85%. Im Jan. 2004 waren V.V.
Kara-Murza u. sein Vater Mitbegründer des oppositionellen "Komitees
2008: Freie Wahl“. Im Mai 2007 initiierte V.V.
Kara-Murza die Nominierung des Schriftstellers u.
Menschenrechtsaktivisten s. Vladimir Bukovskij als
Präsidentschaftskandidaten der demokrat. Opposition für die
Wahl 2008 u. war Koordinator der entsprechenden
Initiativgruppe von 2007, der bekannte Oppositionelle u.
Kritiker wie s. Viktor Shenderovich, s. Andrej Piontkovskij,
s. Vladimir Pribylovskij u. Aleksandr Podrabinek
angehörten. Im Okt. 2007 war Kara-Murza einer der
Organisatoren der "Kundgebung der Freien Menschen“ zur
Unterstützung von Bukovskijs Kandidatur auf dem
Triumfalnaja-Platz in Moskau. Am 22. Dez. weigerte sich
die Zentrale Wahlkommission RF, Bukovskij zur Wahl zuzulassen.
Auf dem SPS-Kongress vom Dez. 2007 wurde Kara-Murza in den
Föderalen Polit. Rat gewählt. Ende Sept. 2008 trat er aus
Protest gegen den Eintritt der Partei in das Kremlprojekt
"Rechte Sache" aus der SPS aus. Auf dem Gründungskongress der
Vereinigten Demokrat. Bewegung "Solidarität“ vom Dez. 2008 wurde er zum
Mitglied des Föderalen Polit. Rats gewählt. Im März 2010
unterzeichnete er den Aufruf der russ. Opposition "Putin muss gehen“. Seit 2011 beteiligte
er sich an Protestaktionen, die unter dem Motto
"Für faire Wahlen!“ stattfanden. 2011 wurde V.V. Kara-Murzas
Buch
"Reformen oder Revolution: Zur Geschichte eines Versuchs
der Bildung eines verantwortlichen Ministeriums in der Ersten
Staatsduma“ in Moskau u. St. Petersburg vorgestellt. Das Buch
erzählt von der Bemühung der Konstitutionellen Demokrat.
Partei der Kadetten, die die Wahlen zur 1. Duma gewann, im
Frühjahr-Sommer 1906 eine parlamentar. Mehrheitsregierung zu
bilden. Das Buch wurde von der Partei "Jabloko" herausgegeben.
Von Feb. bis Mai 2011 verhandelte Kara-Murza im Namen der
russ. Opposition im US-Kongress "Über die Erweiterung der
Kategorien von Personen, die Visumsanktionen unterliegen“, im
Rahmen des Gesetzentwurfs von s. Sergej Magnickij "Über
Verantwortung u. Rechtsstaatlichkeit“, der ein Einreiseverbot
in die USA u. das Einfrieren von US-Finanzvermögen für russ.
Beamte vorsieht, die für „grobe Menschenrechtsverletzungen“
verantwortlich sind. Im Rahmen der Förderung des "Magnitsky
Act" hielt er zusammen mit Boris Nemcov, s. Mikhail Kasjanov
u. s. Garry Kasparov Treffen mit Mitgliedern des US-Kongresses
ab. Auf dem Vereinigungskongress der "PARNAS" vom Juni 2012 wurde Kara-Murza
in den Föderalen Polit. Rat gewählt. Im Okt. 2012 wurde er in
den Koordinierungsrat der russ. Opposition
gewählt, wo er auf der "Civil
activists list" den
21. Platz belegte.
Entlassung
"Berufsverbot": Als
im Frühjahr 2012 die Kontrolle über RTVi von s. Vladimir
Gusinskij auf Ruslan Sokolov, den ehem. Leiter der staatl.
Medienholding "Zvezda", überging, wurde V.V. Kara-Murza Anfang
Sept. von der neuen Leitung des TV-Senders entlassen; bereits
im Juli wurde seine journalist. Akkreditierung auf Anordnung
des russ. Botschafters in den USA, s. Sergej Kisljak,
widerrufen. Botschaftssprecher Evgenij Khorishko begründete
diese Entscheidung damit, dass Kara-Murza „kein Journalist
mehr ist“. Nach den Informationen, die Boris Nemcov erhielt,
„wurde der Befehl zur Entlassung Kara-Murzas persönlich vom 1.
stv. Leiter der Präsidialverwaltung RF, s. Aleksej Gromov,
erteilt. Gromov warnte alle Medien, einschliessl. die sog.
unabhängigen Medien, dass es besser wäre, den Journalisten
Kara-Murza nicht einzustellen, um Ärger zu vermeiden. Dies war
der erste Fall in der neueren Geschichte des Landes eines
quasi vollständigen Berufsverbots für einen /prominenten u.
oppositionellen/ Journalisten. Kara-Murza selbst bestätigte
die Existenz der "schwarzen Liste“: „Jeder einzelne
Medienmanager, mit dem ich gesprochen habe - einige von ihnen
boten bis vor kurzem selbst eine Zusammenarbeit an -, sagte
höflich, dass eine Zusammenarbeit jetzt unmöglich ist. ... “.
Sowohl Kara-Murza als auch Nemcov verbanden das "Berufsverbot“
mit der aktiven Beteiligung des Journalisten an der
Ausarbeitung u. Förderung des "Magnickij-Gesetzes“.
Im Aug. 2013 wurde Kara-Murza auf der
von Boris Nemcov angeführten "RPR-PARNAS"-Liste als Kandidat
für die Abgeordneten der Gebietsduma von Jaroslavl
registriert; beim Einreichen der Unterlagen wurde er jedoch
aufgrund der von ihm angegebenen doppelten Staatsbürgerschaft
von den Wahlen ausgeschlossen. Nemcov versprach, die
Nichtzulassung Kara-Murzas vor dem Europäischen Gerichtshof
für Menschenrechte anzufechten. Im Dez. 2013 reichte
Kara-Murza beim EGMR eine Beschwerde wegen Verletzung seines
Rechts auf Teilnahme an Wahlen ein. Die Beschwerde wurde vom
Europäischen Gericht im Mai 2017
veröffentlicht.
Vergiftung 2015:
Am 26. Mai 2015 ass V.V. Kara-Murza
zusammen mit einem Kollegen von der Partei "PARNAS" in einem
Restaurant im Zentrum Moskaus zu Mittag u. traf sich
anschliessend im Gebäude des staatl. Medienunternehmens "Rossija Segodnja" mit
2 anderen Kollegen. Während der Sitzung mit ihnen wurde es
Kara-Murza plötzlich schlecht. Zuerst beschleunigte sich sein
Herzschlag, dann begann das Erbrechen. Als der Krankenwagen
eintraf, war der Mann praktisch bewegungsunfähig. Die Ärzte
dachten zunächst an einen Herzinfarkt, diagnostizierten später
aber ein akutes Nierenversagen aufgrund einer Vergiftung.
Kara-Murza wurde zuerst ins Davydovskij-Spital eingeliefert,
u. am Abend desselben Tages wurde er in die kardiologische
Bakulev-Klinik verlegt, wo die Vorbereitung der Operation
begann. Laut Vadim Prokhorov, dem Anwalt Kara-Murzas, kam ein
bekannter Herzchirurg, Mikhail Alshibaja, ins Krankenhaus u. sagte: „Was machen
Sie da? Das Herz ist in Ordnung, das ist eine Vergiftung!" u.
stoppte die Operation. Es wurde beschlossen, den Patienten in
das Pirogov-Spital einzuliefern. Am 27. Mai wurde er ins 1.
Stadtkrankenhaus verlegt. Kara-Murzas Lunge, Herz, Nieren u.
Leber begannen zu versagen. Am 28. Mai wurde er von der
kardiolog. Abteilung auf die 6. Intensivstation dieses
Krankenhauses verlegt. Am 29. Mai fand eine Beratung statt, an
der ein Mitarbeiter des medizin. Komplexes "Assuta" aus Israel
teilnahm. Es wurde entschieden, auf eine Behandlung im Ausland
zu verzichten u. damit in Moskau fortzufahren. Die Behandlung
im 1. Stadtkrankenhaus wurde unter der Leitung des stv.
Chefarztes für Wiederbelebung, des bekannten
Chefreanimationsarztes von Moskau, Denis Procenko, eines Mitglieds des Obersten Rats der
Partei "Einiges Russlands", fortgesetzt. An Kara-Murzas Körper
wurden 8 Geräte zur künstlichen Lebenserhaltung angeschlossen.
Am 2. Juni holten die Ärzte Kara-Murza kurzzeitig aus dem
künstlichen Koma; dieser erkannte seine Frau. Der Chefarzt des
1. Stadtkrankenhauses teilte mit, dass sich der Zustand des
Journalisten stabilisiert habe, es aber zu früh sei, um über
bedeutende Erfolge zu sprechen, der Patient selbst halte den
Druck aus. Am 3. Juni erlangte Kara-Murza laut seinem Vater
das Bewusstsein wieder, obwohl er kaum sprechen konnte. Am 15.
Juni konnte V.V. Kara-Murza von der Intensivstation in die
therapeut. Abteilung verlegt werden. Am 5. Juli war er wieder
so bei Kräften, dass er mit dem Flugzeug in die USA fliegen
konnte. Die Kosten für die Evakuierung u. Behandlung wurden
von s. Mikhail Khodorkovskij übernommen. In den USA unterzog
sich Kara-Murza einer 6-monatigen Rehabilitation. Nach seiner
Rückkehr nach Russland ging er einige Zeit mit einem Stock.
Kara-Murza ist sich sicher, dass er aus Rache für seine
oppositionellen Aktivitäten vergiftet wurde, insbes. für seine
Lobbyarbeit im Westen für Sanktionen gegen russ. Beamte im
Zusammenhang mit der Ermordung Sergej Magnickijs im Nov. 2009
in Moskau, der Krym-Annexion im März 2014 u. der Ermordung von
Boris Nemcov Ende Feb. 2015 in Moskau. Eine in Frankreich
durchgeführte Untersuchung ergab eine erhebliche
Überschreitung der Norm für den Gehalt an Schwermetallen im
Körper Kara-Murzas. Gleichzeitig konnte die in Russland auf
Wunsch von Kara-Murza durchgeführte gerichtsmedizin.
Untersuchung nicht bestätigen, dass es sich um eine Vergiftung
handelte. Im Dez. 2015 reichte Kara-Murza beim
Untersuchungskomitee RF einen Antrag ein, in dem er darum bat,
ein Strafverfahren nach Art. 30 u. 105 StGB RF wegen
"versuchten Mordes" einzuleiten.
Im Juli 2015 wurde Kara-Murza zum
stv. Vorsitzenden der "Partei der Volksfreiheit / PARNAS"
gewählt. Als ein von ihm eingebrachter Resolutionsentwurf am
Parteitag vor den Parlamentswahlen RF 2016 mit dem Vorschlag
scheiterte, auf die Einbeziehung des Nationalisten s.
Vjacheslav Malcev in die Kandidatenliste der Partei zu
verzichten, trat Kara-Murza als stv. Vorsitzender der Partei
zurück u. verliess ihre Reihen. Im Mai 2016 wurde er
Vorstandsvorsitzender der "Boris Nemcov
Stiftung für die Freiheit".
Vergiftung 2017:
Am 2. Feb. 2017 wurde V.V. Kara-Murza
mit denselben Vergiftungssymptomen wie 2015 in kritischem
Zustand in das S.S. Judin-Spital in Moskau eingeliefert. Zu
dieser Zeit war derselbe D.N. Procenko, der Kara-Murza 2015
behandelt hatte, Direktor dieses Krankenhauses. Am 13. Feb.
wurde Kara-Murza von der Intensivstation in die therapeut.
Abteilung verlegt. Am 19. Feb. wurde er aus dem Spital
entlassen. Danach absolvierte er eine Rehabilitation im
Ausland. Proben von Blut, Haaren u. Nägeln Kara-Murzas wurden
zur toxikolog. Analyse nach Frankreich, Israel u. in die USA
geschickt. Im Herbst 2018 wurde bekannt, dass sich das FBI weigerte, die Ergebnisse der
durchgeführten Labortests zu veröffentlichen. Im April 2018
nahm das Untersuchungskomitee RF die Ermittlung der Vergiftung
Kara-Murzas wieder auf. Sein Anwalt Vadim Prokhorov brachte
das erwachende Interesse Grossbritanniens an diesem Fall mit
der Vergiftung der Skripals in Verbindung.
Eine im Feb. 2021 veröffentlichte journalist. Expertise von "Bellingcat"
sprach von einer möglichen Beteiligung an der Vergiftung
Kara-Murzas 2015 u. 2017 u. an dem Giftanschlag auf s. Aleksej Navalnyj im
Aug. 2020 durch dieselbe FSB-Gruppe. Im Mai 2021 wurde bekannt,
dass die Moskauer Verwaltung des Untersuchungskomitees sich
weigerte, ein Strafverfahren im Fall der Vergiftung des
Journalisten Vladimir Kara-Murza in den Jahren 2015 und 2017
einzuleiten.
Im Juli 2019 übernahm Kara-Murza das
Amt des Vizepräsidenten der 2014 gegründeten "Free Russia Foundation", die von russ.
Bürgern gegründet u. in den USA registriert wurde. Die
Foundation wurde in der RF bereits im Juni als sog. unerwünschte Organisation /Nr. 16/ erklärt. Vom Sept. 2019
bis Feb. 2022 war Kara-Murza als Moderator der Sendung
"Грани недели" im
Radiosender "Ekho Moskvy" zu hören.
Strafverfolgung u. Haftverurteilung 2022: Seit Beginn des
russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine
im Feb. 2022
ist V.V. Kara-Murza Mitglied des
Antikriegskomitees Russlands. Am 11. April 2022 wurde er für 15 Tage
festgenommen, am 22. April verhört, woraufhin das
Bezirksgericht Basmannyj den Politiker in eine
Untersuchungshaftanstalt überstellte. Es wird angenommen, dass
der Grund der jurist. Verfolgung Kara-Murzas dessen Rede im
Repräsentantenhaus von Arizona vom 15. März über das
„Putin-Regime“ war, in der der Politiker „Bombenabwürfe auf
Wohngebiete, Krankenhäuser u. Schulen“ in der Ukraine
erwähnte. Am 22. April 2022 fügte das Justizministerium RF
Kara-Murza der Liste der sog. "ausländ. Agenten“
hinzu. Am 12. Aug. weigerte sich das Bezirksgericht
Zamoskvoreckij in Moskau, den Politiker aus dem
"Register der ausländ. Agenten" zu streichen. Am 7. Okt. 2022
wurde V.V. Kara-Murza wegen "Landesverrats" bzw. "Staatsumsturz"
angeklagt. Dem Politiker drohten wegen Verbreitung von
"Falschnachrichten über die russ. Armee" bis zu 10 Jahre
Haft /s. Gesetz über
"Falschnachrichten über die Armee"
nach Art. 207.3 StGB RF/. Am 10.
Okt. 2022 wurde Vladimir Kara-Murza mit dem "Václav-Havel-Menschenrechtspreis" /II III/ ausgezeichnet. Am 17. April 2023
wurde Vladimir Kara-Murza von einem Moskauer Gericht wegen
"Falschinformation", "Hochverrats" u. Zusammenarbeit mit einer
"unerwünschten Organisation" zu 25 Jahren Staflager verurteilt /II/. Nach der Verurteilung äusserte sich
seine Ehefrau Evgenija Kara-Murza u. sein Advokat
Vadim Prokhorov in "Stimme Amerikas". Seine Frau Evgenija will den Kampf weiterführen
/Bund Abo/. Ende
Jan. 2024 erschien im Onlineportal von "Nastojashchee vremja" ein Beitrag, in
dem ein Menschenrechtler, der Leiter der Organisation
"Russland hinter Gittern“ - eine deutsche juristische Person
der Stiftung "Rus‘ Sidjashchaja" - namens Jurij Borovskikh in
einer Sendung von "Nastojashchee vremja" über die harten
Bedingungen berichtete, unter denen Kara-Murza sich in einer
speziellen Isolationszelle im Lager IK-7 in Omsk befand, das
als "Folterkolonie" bekannt ist. Ende Juli 2024 wurde
berichetet, dass nach der Verlegung von zahlreichen polit.
Gefangenen in Russland nach Angaben der Anwälte von V.V.
Kara-Murza jede Spur fehle.
Freilassung u. Ausreise in den Westen: Am 1.
Aug. 2024 wurde V.V. Kara-Murza mit anderen russ. u. ausländ.
Geiselhäftlingen im Rahmen eines grossen Gefangenenaustauschs /II III IV/ zwischen Russland u. dem
Westen freigelassen. Während sich seine Familie zu diesem
Zeitpunkt im Oval Office aufhielt, traf Kara-Murza nach dem
Austausch in Bonn ein. Am 2. Aug. schilderte er auf
einer Pressekonferenz in Bonn /II III/ die Umstände des Austauschs. Der
Politiker flog aus Russland in „Unterhosen, einem Unterhemd u.
Gummipantoffeln zum Duschen“, überquerte die Grenze mit einem
Inlandspass, während ein Auslandspass u. eine
Entlassungsbescheinigung nicht ausgestellt worden seien.
Kara-Murza sagte, er sei gezwungen gewesen, einen Aufruf an
den Präsidenten RF zu schreiben u. ihn um Begnadigung zu
bitten, aber er habe dies abgelehnt. Er stellte fest, dass
Art. 61 der Verfassung RF die Ausweisung von Bürgern der RF
ohne deren Zustimmung verbietet, die Kara-Murza nicht gegeben
habe. Im Sept. 2024 wurde Kara-Murza in der ZDF-Sendung "Lanz"
für ein längeres Gespräch zugeschaltet. An
dieser Stelle sagte er, dass Putin ein Mörder sei, auf dessen
Befehl sowohl Boris Nemcov als auch Aleksej Navalnyj ermordet
worden seien.) Anfang Okt. 2024 erschien Kara-Murza mit seiner
Frau Evgenija in der TV der französischsprachien Schweiz
"RTS", wo sie in fliessendem Französisch ein Interview /II/ gaben. Kara-Murza möchte nach Russland zurückkehren.) 10.24 /
02.25
KARA-OOL,
Sholban Valerevich
II III IV (1966-, sowjet. bzw. russ. Philosoph, Politologe u. Soziologe
tuwinischer Nationalität, Politiker u. ehem.
Oberhaupt der
Republik Tyva/Tuva. Nach
seinem Dienst in der Sowjetarmee in Afghanistan absolvierte er
Studien der Philosophie, Politologie u. Soziologie an der
Philosoph. Fakultät der Uralischen Staatsuniversität mit einem
Abschluss in Philosoph.-Polit. Wissenschaften u. dem
Lehrerdiplom für gesellschaftspolit. Wissenschaften an
Hochschulen. 1996-8 war er stv. Vorsitzender der Stiftung zur
Unterstützung der Familien der Toten, Behinderten u.
Kriegsveteranen des Afghanistankriegs. Im April 1998 wurde er
zum Abgeordneten u. dann zum Vorsitzenden des Obersten Khurals
der Republik Tyva gewählt. Seit 1998 war er von Amts wegen
Mitglied des Föderationsrats RF, stv. Vorsitzender des
Ausschusses für internationale Angelegenheiten. Im Dez. 2001
wurde er erneut zum Abgeordneten des Obersten Khurals der
Republik Tyva der 3. Einberufung gewählt. Im März 2002
kandidierte er für die Wahl des Oberhaupts bzw. des
Regierungschefs der Republik Tyva, verlor die Wahl jedoch
gegen den ehem. Präsidenten von Tyva, Oorzhak Sherig-ool.
Später war er 1. stv. Vorsitzender der Regierung der Republik
Tyva u. bis Jan. 2005 Minister für Handel, Verbraucherdienste
u. Geschäftsentwicklung der Republik Tyva. Als der Präsident
RF V. Putin im April 2007 die Kandidatur Sholban Kara-ools
beim Parlament der Republik Tyva unterstützte, wurde er im
April vom Grossen Khural von Tyva im Amt des Oberhaupts der
Republik bzw. des Vorsitzenden der Regierung der Republik Tyva für 5 Jahre bestätigt. Die Einweihung
fand im Mai statt. 2007-8 war er Mitglied des Präsidiums
des Staatsrats RF. Eine der ersten Massnahmen, die Sholban
Kara-ool in diesem Amt traf, war die vollständige
Rehabilitierung des Gründers der tuwinischen Staatlichkeit Mongush Buyan-Badyry per Dekret des
Oberhaupts von Tyva
vom Juli 2007. Mehrere Jahre lang wurde ein Projekt
entwickelt u. umgesetzt, um ein Denkmal für ihn zu
errichten. Im Sept. 2014 fand schliesslich die feierliche
Eröffnung des Denkmals statt, gleichzeitig verbunden
mit der Feier des 100. Jahrestags der Einheit von Tyva u.
Russland, die in Kysyl unter Beteiligung von Präsident Putin
abgehalten wurde. Nach geltendem Recht hatte die Partei "Einiges
Russland“, deren Mitglied des Obersten Rats Kara-ool
war, dem damaligen Präsidenten RF s. Dmitrij Medvedev 3
Kandidaten für das Amt des Oberhaupts von
Tyva für die nächste 5-jährige Amtszeit
vorgeschlagen. Medvedev wählte Kara-ool aus u. reichte im
Feb. 2012 dessen Kandidatur zur Prüfung durch die
Abgeordneten des Parlaments von Tyva ein, um seine Amtszeit
zu verlängern. Anfang März billigte der Oberste Khural die
Kandidatur Kara-ools einstimmig. 2015 war er erneut Mitglied
des Präsidiums des Staatsrats RF. Als Oberhaupt bzw.
Gouverneur von Tyva Initiierte er eine Reihe von Projekten,
die darauf abzielten, die dringendsten Probleme seiner
Republik zu lösen, mit Prioritäten in der Familien-,
Bildungs-, Gesundheits- Sport- u. Landwirtschaftspolitik.
Dazu gehörten auch die Reparatur der Landebahn des
Flughafens in Kysyl, ein "Jahr der Gastfreundschaft der
Tuviner“, die Gründung eines "Vereins der Ingenieure", einer
"Vereinigung der Mathematiker", die Förderung der russ.
Sprache in der Republik Tyva, der "Bau eines buddhistischen
Tempels", u.a. Im
Mai 2016 trat Kara-ool auf eigenen Wunsch vorzeitig zurück, um
im Sept. desselben Jahres vorgezogene Neuwahlen anzusetzen.
Später wurde er erneut zum Oberhaupt der Republik Tyva
gewählt u. bekleidete diesen Position bis 7. April 2021.
Präsident Putin akzeptierte seinen Rücktritt vom Amt des
Oberhaupts der Republik Tyva, der auf dessen eigenen Wunsch
erfolgte. Sein Nachfolger wurde Vladislav Khovalyg von
der
Partei "Einiges Russland“,
ehem. Bürgermeister von Kyzyl. Seither fungiert Kara-ool als
stv. Vorsitzender der 8. Staatsduma RF.
Kritik u. Sanktionen: Vom "Forum Freies Russland"
wird ihm öffentl. Unterstützung für den
von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine vorgeworfen.
Er ist
in der sog. "Putin-Liste" erwähnt, die vom "Forum"
erstellt wurde, das internationale
Sanktionen gegen diese Personen anstrebt. Bereits am 25.
Feb. 2022 wurde er vor dem Hintergrund der russ. Invasion
in der Ukraine als Reaktion auf die Entscheidung
Russlands, die ukrain. Gebiete Doneck u. Lugansk als
unabhängig anzuerkennen, u. die Entscheidung, russ.
Truppen dorthin zu entsenden, auf die Sanktionsliste der
EU-Länder gesetzt. Aus dem selben Grund wurde er im März
2022 auf die britische Sanktionsliste gesetzt. Im Sept.
2022 wurde er als Reaktion auf die "fiktiven Referenden“
u. die "Annexion ukrain. Gebiete durch russ.
Besatzungstruppen“ auf die US-Sanktionsliste der USA
gesetzt. Im Feb. 2023 wurde er auf die Sanktionsliste Kanadas
der russ. "Regimeverbündeten“
gesetzt, weil er "für Gesetze im Zusammenhang mit der
Invasion u. der versuchten Annexion von 4 Regionen der
Ukraine gestimmt hatte“. Aus ähnlichen Gründen steht sein
Name auf den Sanktionslisten der Schweiz, Australiens, Neuseelands,
Japans u. der Ukraine.
Auch
Angehörige seiner Familie waren oder sind politisch u.
sozial engagiert: Sein Vater als Schuldirektor u.
Vorsitzender des Dorfrats dreier Dörfer, seine Mutter
als Aktivistin der Frauenbewegung, ein Bruder als
Abgeordnete des Obersten Khurals, ein anderer Bruder als
Vorsitzender der Regionalgruppe der Partei
"Einiges Russland“ im Parlament von Tyva. Die Ehefrau ist
ausgebildete Ärztin u. Unternehmerin. Diesem Artikel ist
hinzuzufügen, dass Putin mit seinem Kumpel,
Verteidigungsminister s. Sergej Shojgu, der ebenfalls aus
Tyva stammt, in diesem Land wiederholt seinen Urlaub
verbrachte.)
KARAGANOV, Sergej Aleksandrovich 2010-17:
II III IV V
VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVI XXVII XVIII 2018-22: II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX (1952-,
sowjet. bzws. russ. kremlnaher Ökonom, Historiker u. Politikwissenschaftler.Absolvent
der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der MSU mit
Studienabschluss der Volkswirtschaftslehre u. je einer
Dissertation zur Erlangung des akadem. Grads eines Kandidaten
der Geschichtswissenschaften – zum Thema "Transnationale
Unternehmen u. US-Aussenpolitik" im Fachgebiet Geschichte der
internationalen Beziehungen u. Aussenpolitik – u. eines
Doktors der Geschichtswissenschaften zum Thema "Die Rolle u.
Stellung Westeuropas in der US-Strategie gegenüber der UdSSR
1945-1988“. In der Sowjetzeit absolvierte er einen Stage bei
der UN-Mission der UdSSR u. arbeitete am "Institut der USA u.
Kanadas" der AdW der UdSSR sowie am "Europa-Institut" der AdW
der UdSSR u. befasste sich als Wissenschaftsjournalist mit dem
Afghanistankrieg u. der Rolle des KGB dort. Seine
wissenschaftl. Interessen beziehen sich auf die Aussen- u.
Militärpolitik der UdSSR / Russlands, Beziehungen zwischen
Russland u. dem Westen in den Bereichen Politik, Wirtschaft u.
Sicherheit sowie globale Politik, internationale Integration,
Globalisierung, USA u. GB. Zu diesen Themen hielt er
Vorlesungen u. Vorträge an verschiedenen russ. u. ausländ.
Universitäten u. Forschungsinstituten. 1989-91 war er
offizieller Experte des Ausschusses für auswärtige Beziehungen
des Obersten Sowjets der UdSSR, ab 1991 Mitglied des Rats für
Aussenpolitik des Aussenministeriums RF. In den 1990er Jahren
war Karaganov Vorsitzender des Präsidiums des Rats für Aussen-
u. Verteidigungspolitik RF, Mitglied des Wissenschaftl.
Beirats des Sicherheitsrats RF, Mitglied des Beirats beim
Vorsitzenden des Föderationsrats RF, Co-Vorsitzender des
Kuratoriums der "Stiftung für die Entwicklung des
Parlamentarismus in Russland", ferner Co-Vorsitzender des
"Russ.-Ukrain. Forums, aktuell "Public Business Council of
Russia-Ukraine" genannt, Mitglied weiterer russ. Gremien u.
internationaler Organisationen. Seit 2001 Berater des stv. Leiters
der Verwaltung des Präsidenten RF für Aussenpolitik,
ausserdem wissenschaftl. Beirat des Sicherheitsrats RF,
wissenschaftl. Beirat des Aussenministeriums RF
u. des Menschenrechtsrats beim Präsidenten RF,
Mitgründer des Valdaj-Klubs, Gründer u. Vorsitzender
der Redaktion der Zeitschrift Russland in der globalen Politik
u. Mitglied der Redaktion des Magazins Politia. Seit 2002 Akadem. Leiter der Fakultät
für Weltwirtschaft u. Weltpolitik an der Wirtschafshochschule Moskau, 2006-18
Dekan seiner Fakultät an dieser Schule. Im Nov. 2004
wurde er dem Rat beim Präsidenten RF vorgestellt, um die
Entwicklung zivilgesellschaftl. Institutionen u.
Menschenrechte zu fördern. Seit 2018 Academic Supervisor
derselben Fakultät. Autor u. Herausgeber von 17 Büchern u.
Broschüren, Veröffentlichung von über 250 Artikeln zur
Wirtschaft, Aussenpolitik, Rüstungskontrolle, nationalen
Sicherheitsstrategie, russ. Aussen- u. Militärpolitik. Seine
Artikel u. Bücher wurden in Russland, D, F, GB, NL, SF, DK, GR
u. den USA veröffentlicht.
Geostrateg. Positionen,
Ideen u. Thesen:
Neo-Imperialismus: Nach dem Zusammenbruch der UdSSR
entwickelte Karaganov die sog. Karaganov-Doktrin
des Neo-Imperialismus,
nach der Moskau sich als Verteidiger der Menschenrechte
ethnischer Russen im nahen Ausland, wie etwa der baltischen
Staaten, ausgeben sollte, um in diesen Regionen polit.
Einfluss zu gewinnen. Da die UN die Entwicklungsdefizite nicht
auffangen könne, sei die Lösung in einer multipolaren Welt
mächtiger Staaten zu sehen, denn der Versuch der USA, sich als
einziger Pol durchzusetzen, laufe faktisch auf ein
„amerikanisches Imperium" hinaus. Obwohl die militär. Macht
der USA noch unerreicht sei, reiche dies für die absolute
Vorherrschaft nicht mehr aus, denn ihre Wirtschaft sei nicht
mehr so umfassend dominant u. vital wie in den 1940er
Jahren. Multipolarität alleine sei allerdings eher
konfliktverursachend, es müsste zusätzlich noch ein Konsens
der Mächte erreicht werden. Dabei benutzte Karaganov den
Begriff des „kollektiver Neo-Imperialismus". Dafür solle die
UN-Charta überarbeitet werden.
Grossraum Eurasien: Als Vertreter des sog. Eurasismus
plädiert Karaganov für eine enge
Zusammenarbeit Russlands mit China u. eine Zusammenführung
der Eurasischen
Wirtschaftsunion mit
dem Projekt der Neuen Seidenstrasse. Russland habe dabei die Chance, zu
einem euras. Zentrum zu werden, das v.a. als Exporteur von
Rohstoffen, Produzent energieintensiver u. einiger
hochtechnischer Produkte sowie als Sicherheitsgarant für den
Kontinent fungieren könne. Die EU würde sich
möglicherweise den einschlägigen euras. Organisationen wie der
Euras. Wirtschaftsunion, der Shanghaier Organisation für
Zusammenarbei u. den ASEAN-Staaten anschliessen. Dies würde
gleichzeitig einem Verzicht auf US-Hegemonie gleichkommen u.
dem von der UN vertretenen Prinzip der Gleichberechtigung
entsprechen, das von den USA zugunsten globaler Hegemonie
verlassen worden sei. Das Schwergewicht wirtschaftl. Aktivität
verschiebe sich sowieso nach Asien u. damit nach Eurasien. Ein
Gross-Eurasien werde so einem Gross-Amerika gegenüberstehen,
Russlands relative ökonom. Schwäche würde durch die
wirtschaftl. Stärke Eurasiens ausgeglichen.
Sowjetunion u. Autoritarismus: Eine
Rückkehr zur Sowjetunion ist für Karaganov unvorstellbar, denn
diese habe ein „schreckliches Trauma" hinterlassen. Russland
müsse stärker werden, um demokratischer werden zu können.
Der Autoritarismus Russlands sei zwar nicht
ursprünglich, sondern Ausdruck seiner Bedürfnisse u. des
Willens seiner Menschen. Er sei immer notwendig gewesen, um
das riesige Reich mit seinen zahlreichen Grenzen gegen
Angreifer zu verteidigen. Nicht-autoritäre Herrscher seien
gescheitert u. entthront worden, es sei ein Wunder, dass das
Land das Jahr 1991 langfristig überlebt habe. V. Putin sei ein
autoritärer Führer geworden, weil das Land es verlangt hätte.
Die Demokratie sei nur als ein möglicher – u. langfristig
instabiler – Weg aufzufassen, um komplexe Gesellschaften zu
regieren, er selbst gehe davon aus, dass Europa autoritärer u.
Russland demokratischer werde. Hybride Mischformen würden sich
durchsetzen, Russlands Vorstellung von Demokratie sei nicht
universalistisch, jedes Land könne sein System selbst
bestimmen. Eine kapitalist. Entwicklung sei nicht an die
Demokratie gebunden, sondern an Gesetzesherrschaft, wie etwa
die legalen Traditionen Chinas u. dessen momentane starke
Entwicklung es zeigten. Autoritäre Systeme seien
effektiver u. könnten langfristiger planen, ihre Gefahr sei
aber die Stagnation. Russland bewege sich auf einen
nicht-westlichen Typ der Demokratie zu, es werde in Zukunft
demokratischer sein als viele heutige westliche Länder. Die
Mentalität des russ. Volkes jedoch sei im Kern autoritär, das
könne bedauert, aber nicht geändert werden u. sei ein Erbe der
Mongolenherrschaft.
Nuklearwaffen, Russland als Grossmacht:
2010 warnte Karaganov
vor dem Gedanken, dass nukleare Abrüstung zu mehr Sicherheit
führe; im Gegenteil: weniger Nuklearwaffen würden nukleare
Kriege eher leichter führbar machen, da man dann auf
Abwehrmöglichkeiten hoffen könne. Der Gedanke nuklearer
Vernichtung sei zwar unmoralisch, habe aber grosse Kriege
verhindert. Atomwaffen seien das Feld, auf dem Russland nach
wie vor als "Supermacht“ agieren könne u. in internationalen
Verhandlungen ernst genommen werden müsse. 2012 begrüsste er
die konventionelle u. atomare Aufrüstung Russlands, die zur
Statuserhaltung notwendig sei. Zwar könne ein grossräumiger
Angriff auf die Atommacht Russland ausgeschlossen werden,
keine der anderen Mächte sei diesbezüglich eine reelle
Bedrohung. Aber für niedrigschwellige Konflikte, wie etwa der
Westen sie verantworte, brauche man ein mobiles u.
hochprofessionelles konventionelles Militär, dessen Konzeption
nicht mehr auf grosse Landkriege ausgerichtet wäre. Die
entsprechenden Reformen verliefen sehr erfolgreich u. Russland
nehme wieder eine Rolle als Schlüsselgarant des
internationalen Friedens ein. Zwar wäre es sehr viel besser,
auch über technologische, wirtschaftliche, kulturelle u.
spirituelle Stärke zu verfügen, das sei aber eine spätere
Aufgabe. Zuerst müsse das Militär reformiert werden. 2016 wies
er darauf hin, dass Russland eine weitere Destabilisierung der
Welt verhindern wolle. Russland wolle aber den Status einer
Grossmacht. Es könne darauf leider nicht verzichten, denn
dieser Status sei in den vergangenen 300 Jahren zum Teil
seines Erbguts geworden. Russland möchte aber das Zentrum
eines grossen Eurasien sein, einer Zone von Frieden u.
Zusammenarbeit.
NATO:
Die Verlegung von Waffen u. Militäreinheiten der NATO ins
Baltikum sei „idiotisch", denn im Falle eines Konflikts
würden sie vernichtet, da Russland nie wieder auf eigenem
Territorium kämpfen werde. Sollte die NATO eine Aggression
gegen die Atommacht Russland beginnen, werde sie bestraft
werden. Die NATO sei ein aggressives Bündnis. Sie mache auch
viele Länder unsicherer, weil sie sie automatisch zu Feinden
Russlands mache u. anti-russ. Gefühle stärke. Die NATO sei ein
Problem, eine Krankheit Europas, die geheilt werden sollte.
Der Westen habe einen neuen "Kalten Krieg" begonnen,
u. zwar dadurch, dass er „gierig" die Hand nach früheren
Besitztümern der Sowjetunion ausgestreckt habe u. auch
versuche, Chinas Aufstieg einzudämmen. Die jetzige Zeit sei
gefährlicher als im vergangenen "Kalten Krieg". China u.
Russland seien aber die neuen Garanten weltweiter Sicherheit,
China auf ökonom. Ebene, Russland auf militärischer. Die USA
destabilisierten die Lage. Mit Eurasien u. den USA würden sich
letztendlich zwei Hauptzentren der Macht herausbilden, während
Europa kein solches Zentrum werden könne. Einige Teile Europas
würden sich vielmehr Eurasien anschliessen, andere den USA.
Dadurch, dass es gelungen sei, westliche Pläne zu kontern, die
Ukraine zu einem NATO-Mitglied zu machen, habe Russland einen
Krieg verhindert.
In seinem Beitrag mit dem Titel "Nur der Einsatz von
Atomwaffen kann die Menschheit vor einer globalen
Katastrophe retten für das russ. Magazin
Profile
wies Karaganov im Juni 2023 darauf hin, dass nur ein
präventiver Einsatz von Atomwaffen dem Westen klarmachen
könne, wie gefährlich Russland wirklich ist:
„Diese
Angst muss wiederbelebt werden. Sonst ist die Menschheit
dem Untergang geweiht." Erst dann könne man den Konflikt
zwischen Russland und dem Westen beilegen. Das würde nach
seiner Lesart heissen, dass die Menschheit erst durch den
Einsatz von russ. Atomwaffen vor einer globalen
Katastrophe retten /II russ. III russ./. Solche krankhaften
Analysen sind äusserst gefährlich, denn ein Putin könnte
tatsächlich auf den falschen Ratschlag eines Karaganov
"hören".
Programm zur Entstalinisierung der russ.
Gesellschaft: Anfang Feb. 2011 schlug eine von
Karaganov geleitete Arbeitsgruppe bei einem Treffen des Rats
des Präsidenten RF für die Entwicklung der Zivilgesellschaft
u. der Menschenrechte ein Programm zur „Entstalinisierung der
Gesellschaft“ vor. Karaganovs diesbezügl. Artikel „Nicht Entstalinisierung, sondern
Modernisierung des Bewusstseins“, erschienen in Nezavismaja
gazeta, wurde als Erläuterung des Projekts „Über die
Fortsetzung der Erinnerung an die Opfer des totalitären
Regimes u. über die nationale Versöhnung“ geschrieben. Die
Gesellschaft könne „nicht beginnen, sich selbst u. ihr Land zu
respektieren, wenn sie die schreckliche Sünde von siebzig
Jahren Kommunismus-Stalinismus-Totalitarismus vor sich selbst
verbirgt". Es brauche ein Gesetz, das den öffentl.
Dienst von Beamten, die in den Jahren des Totalitarismus
begangene Verbrechen öffentlich leugnen oder gar
rechtfertigen, verbiete. Es sei „notwendig, die wahre russ.
Identität u. Selbstachtung wiederherzustellen, ohne die es
unmöglich sei, voranzukommen." Der - im Solovjov-TV jeweils
konfuse Ideen äussernde - berüchtigte Anführer der
ultrakonservativen polit. Bewegung "Wesen der Zeit“ s. Sergej Kurginjan
kritisierte Karaganovs Artikel u. warf ihm vor, „einen
Bürgerkrieg angezettelt“ zu haben. Im Juli 2013 stellte
Karaganov bei RIA Novosti einen Programmentwurf zum Thema „Verewigung der Erinnerung an die Opfer
polit. Repression“ vor, das im Rahmen des Projekts
"Istoricheskij pamjat: XX vek" /Hyperlink nicht mehr akrtiv/
durch eine Arbeitsgruppe beim Präsidenten RF zur Entwicklung
der Zivlgesellschaft u. der Menschenrechte betreut wird.
2021:
In diesem Jahr sah Karaganov die Weltpolitik an einer
Wasserscheide angekommen. Ein neuer "Kalter
Krieg" habe bereits begonnen, jedoch würden ihn Russland
u. China vereint gewinnen. Mit China verbinde Russland fast
eine Allianz, aber Russland habe auch gute Beziehungen zu
Indien, den arabischen Staaten, dem Iran u. den EU-Staaten
Österreich u. Ungarn aufgebaut. Man dürfe seine Souveränität
allerdings nicht an China verkaufen, wie Europa es gegenüber
den USA getan habe. Es sei zu hoffen, dass die chines. polit.
Klasse niemals auf die Idee komme, etwas gegen Russland zu
unternehmen. Jeder, der Russland dominieren wollte, sei
gescheitert. Man könne Russland nicht beherrschen. Sollte
China sich aufgrund seiner Macht irgendwann imperialistisch
ausdehnen wollen, würde es auf den Widerstand grösserer
Staaten treffen, darunter Russlands selbst. Die USA hätten
sich durch 3 Fehler selbst geschwächt, darunter die Ablehnung
Russlands als enger Alliierter des Westens u. die sinnlosen
Kriege in Afghanistan u. im Irak. Vor allem aber sei der
Irrglaube zu nennen, China würde durch Demokratisierung zur
Zugehörigkeit zum Westen geführt werden. Binnen kurzer Zeit
würde China nuklear genauso stark sein wie die USA u. das wäre
das Ende ihrer Hegemonie. Russland habe nach dem Untergang der
UdSSR auf eine russ. Ideologie zur Selbstvergewisserung
verzichtet. Dies gelte es zu korrigieren, da grosse Mächte
nicht ohne Ideen existieren könnten. Für Russland müsse diese
Idee die Entwicklung Sibiriens werden u. die
Erkenntnis beinhalten, dass man Teile seiner Kultur historisch
nicht Europa verdanke, sondern den Mongolen u. damit
Asien. Die europäische Epoche Russlands sei vorbei, die
eurasische beginne. Man brauche nichts mehr von Europa, auch
keinen Rat.
Putin-Doktrin:
Mittels „konstruktiver Zerstörung" solle die bisherige
Sicherheitsarchitektur Europas aufgehoben werden. Dieses
Vorgehen lasse sich als Putin-Doktrin verstehen. Die Ende 2021 im Vorfeld des
Ukrainekriegs erfolgte ultimative Aufforderung Russlands an die
NATO u. primär an die USA /NZZ/, den Aufbau militär.
Strukturen nahe Russland generell zu unterlassen u. im
Rahmen von
verbindlichen, schriftlichen u. langfristigen
Sicherheitsgarantien auf jegliche Erweiterung im
Osten zu verzichten, sei der Beginn dieser konstruktiven Zerstörung der seit 1990 bestehenden Ordnung in
Europa, die durch eine andere Art von Beziehungen mit dem
Westen ersetzt werden solle. Die "Charta von Paris" u. die "Nato-Russland-Grundakte" seien aus russ. Schwäche heraus
geborene Fehler gewesen. Komm.: In diesen considerations
fehlt ein Verständnis für die osteuropäischen Länder, sich
unter den Schutz der NATO zwecks Absicherung ihrer staatl.
Souveränität zu begeben, vollständig. Sie stellen lediglich
einen Ersatz für den ehem. Sowjetimperialismus dar, wobei
das Bündnis mit China u. der Widerstand gegen die westl.
Hegemonie durch die USA neu hervorgehoben werden sollen. Die
Strategie des aktuellen Vorgehens Russlands sieht laut
Karaganov u. der Putin-Doktrin vor, sich von einem im
Niedergang befindlichen Europa abzuwenden u. sich China u.
dem sich entwickelnden Asien zuzuwenden. Mit den
europäischen Staaten könne später über den Wiederaufbau
freundlicher Beziehungen zwecks deren Integration in ein
grösseres Eurasien verhandelt werden. Ferner scheint diese
Doktrin dem Glauben anzuhängen, dass die USA niemals
Atomwaffen gegenüber einer anderen Atommacht einsetzen
würden, um Europa zu schützen.
Ukrainekrise u. -krieg 2022: Karaganov gilt als einer der
ideolog. Vordenker innerhalb russ. Führungskreise, dessen
Vorstellungen über die Ukraine u. die Entstehung des
Konflikts mit denjenigen V. Putins weitgehend
übereinzustimmen scheinen. Kurz vor Beginn des von
Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine
hatte Karaganov eine
Eroberung der Ukraine u. die Herrschaft über ein
zerstörtes Land mit feindlich eingestellter Bevölkerung
noch als "Worst-Case-Szenario" betrachtet u. angegeben,
dass nicht Russland mit militär. Handlungen beginnen würde
u. Moskau keinen Krieg wolle. Die Ukraine solle als
Pufferstaat erhalten bleiben. Er glaube auch nicht, dass
tatsächlich russ. Invasionspläne bestünden, in die Ukraine
einzumarschieren. Russland baue lediglich eine Drohkulisse
auf, um den Donbass vor einem Angriff zu schützen. Der
Gedanke, Russland würde nach Kiev vorstossen wollen,
bezeichnete er als kompletten "Nonsense". Die Ukraine
werde nicht bedroht, sondern sei ein „Freund Russlands".
Der Truppenaufmarsch an den Grenzen der Ukraine solle
allein den Westen nervös machen. Wie Putin gab er dann den
verschiedenen NATO-Erweiterungen die Schuld für den
Konflikt u. die Invasion der Ukraine 2022. Ziel der
Militäroperation seien "Denazifizierung" u. Demilitarisierung
der Ukraine, der er wie Putin nur sehr eingeschränkte
nationale Traditionen u. Staatlichkeit zusprach. Denkbar sei
darum eine Aufteilung der Ukraine unter verschiedenen Staaten.
3 Wochen nach Kriegsbeginn gab Karaganov an, dass er den
ukrain. Präsidenten s. Wolodymyr
Zelenskyj „natürlich nicht“ für einen Nazi
halte, jedoch könne Nationalsozialismus nicht allein mit
Antisemitismus identifiziert werden, sondern generell mit der
Herabwürdigung anderer Nationen. Genau dies geschehe eben in
der Ukraine /mit den Russen/, die sich seiner Meinung nach in
die gleiche Richtung wie Hitlerdeutschland entwickle. In
Europa gleiche die Russophobie seit längerem dem Antisemitismus
zwischen den Weltkriegen, die gesamte russ. Kultur werde
verteufelt u. "gecancelt". Die Krise rund um die Ukraine
bewertete er als sehr gefährlich, da die Gefahr eines
Weltkriegs mit thermonuklearer u. Cyperkriegführung real sei.
Dann würde alle Geschichte enden u. es würde auch keinen 4.
Weltkrieg mehr geben. Offenbar geht es um einen Krieg
Russlands gegen die NATO, die ein „Krebs" sei, der „metastasiere" u. eine
ständige Konfrontation zur Eigenstabilisierung brauche. Ein
möglicher NATO-Aufmarsch in der Ukraine sei eine existentielle
Bedrohung Russlands, die man besser früher als später angehe.
Man sei faktisch bereits im Krieg mit dem Westen. Dennoch sei
mit dem Westen ein freundschaftliches Auskommen möglich,
solange dieser nicht von „Ultra-Feminismus" u. „LGBT-Kult" regiert
werde. Hoffentlich würden „vernünftige Kräfte"
den Westen vor dem Fall in einen „moralischen Abgrund"
bewahren. Verlieren werde ausser der Ukraine also auch Europa
– u. auch Russland. Der Ukrainekonflikt werde auch
Auswirkungen auf die russ. Gesellschaft haben, aber man werde
diese im nationalen Sinne militant umformen u. nicht-patriot.
Elemente aus der russ. Elite entfernen. Die Ukraine dürfe nach
Krigsende nur begrenzt u. im Rahmen der Zustimmung Russlands
bewaffnet bleiben. Die gesamte Sicherheitsarchitektur Europas
nach 1990 sei "illegitim" u. müsse nach den Interessen
Russlands umgearbeitet werden, die frühere russ. Zustimmung
zur NATO-Ost-Erweiterungen sei ein schwerer Fehler gewesen.
Ausserdem behauptete er, die Zivilbevölkerung in der Ukraine
werde von den russ. Truppen mit grosser Schonung
behandelt - von russ. Kriegsverbrechen, in Russland selbst
tabuisiert, war freilich keine Rede -, das Massaker von
Butscha hätte gar
nicht stattgefunden, sondern sei gestellt u. eine
„Provokation" gewesen. Komm.: Mit diesen Aussagen
hatte Karaganov, der sonst als ein intelligenter Akademiker
mit interessanten Denkansätzen betrachtet werden kann, seine
Glaubwürdigkeit komplett verspielt.
Seine "Analyse" setzte Karaganov fort, indem er behauptete,
die Annäherung Europas an Eurasien werde nun erstmals nicht
stattfinden, womöglich aber in 10 Jahren. Auch das Verhältnis
Chinas gegenüber Russland schätzte er etwas pessimistischer
ein als früher. Insgesamt erlebe man eine wichtige Zeit, die
Globalisierung sei beendet u. die Demokratie in Europa würde
in bekannter Form aufgrund absehbar fortgesetzter Schocks wohl
nicht überleben. Die Ukraine sei lediglich eine
auszuschaltende Gefahr u. eine Last für Russland, für die man
keine ökonom. Ressourcen verschwenden solle. Der Aufbau
Sibiriens würde „Siedler" aus der
Ukraine anziehen, gemeint waren wohl deportierte ukrain.
Staatsbürger aus den eroberten u. besetzten Gebieten, die
Russland aus der Ukraine dorthin gewaltsam verschleppte u.
umsiedelte - dies wurde schon unter Stalin praktiziert.
Russland sei gezwungen, diesen
Krieg zu gewinnen. Würde Russland allerdings entgegen seinen
Erwartungen im Ukraine-Krieg einen „Nichtsieg oder eine
vermeintliche Niederlage“ davontragen, so würde das eine
existenzielle Bedrohung für Russland bedeuten, die mit hoher
Wahrscheinlichkeit in eine direkte Konfrontation mit den USA
eskalieren würde. Ein Atomwaffeneinsatz sei dann nicht mehr
auszuschliessen u. liege in der Logik eines solchen
Konflikts. Komm.: Es scheint, dass Karaganov bei seinen
vermutlich auf Fehleinschätzungen basierenden Feststellungen
eigentlich nur die tagespolit. geprägten u. mit grausamen
Lügen des Putin-Regimes vollgestopften Unkenrufe aus dem
Kreml in tumbem Opportunismus nachvollzieht u. dabei wohl
ständig hintenherhinkt. Mit seiner Putin unterstützenden
Haltung macht sich Karaganov für den Krieg seines Landes
gegen die Ukraine unweigerlich mitverantwortlich.
Kritik: So wie Karaganov
seine euras. Vorstellungen für realist. Geopolitik hält,
gibt es aber auch in Russland selbst nicht wenige Experten,
die die Plausibilität seiner Theorien bezweifeln. Nadezhda Arbatova vom Institut
für Weltwirtschaft u. internationale Beziehungen u.
Direktorin am Europa-Institut der RAW hält Karaganovs Ideen
für überoptimistisch, überspannt u. spekulativ.
Thomas F. Remington vom "Davis Centre for
Russian and Eurasian Studies" der Universität Harvard
wies auf diverse Widersprüche in Karaganovs Erkenntnissen
bzw. Hoffnungen hin. So gebe es z.B. keinerlei Hinweise
darauf, dass China bereit sei, als ein mit Russland
geteiltes Kondominium aufzutreten oder die
verkehrstechnische Erschliessung Sibiriens in
seine Strategie zu integrieren oder zu finanzieren.
China setze auf bilaterale Verständigung mit einzelnen
Staaten, ohne russ. Sonderwünsche nach multilateralen
regionalen Organisationen zu berücksichtigen. Der russ.
Oppositionspolitiker s. Andrej
Piontkovskij hielt
Karaganov 2017 für einen versteckten Warner vor einer zu
aggressiven Politik gegenüber der Ukraine, denn er habe in
einem Artikel Putin für die Annexion der
Krym von 2014 überschwänglich gelobt. Es sei hingegen
möglich, dass der kremlnahe Karaganov zu jenen gehöre, die
keinen russ.-ukrain. Krieg wünschten. Dennoch forderte
etwa s. Vladislav Inozomcev den Westen auf,
Karaganov neben anderen grossruss. Ideologen mit
Sanktionen zu belegen. Nachdem Karaganov 2023 den Einsatz
von Atomwaffen gegen den Westen vorschlug, um ihn von
seiner Unterstützung der Ukraine abzubringen, zweifelten
einige Experten an seinem Verstand. Während es durchaus
Unterstützung für die Positionen Karaganovs gibt, wurde
von dritter Seite darauf verwiesen,
selbst Putin habe den Vorschlag Karaganovs Mitte Juni 2023
öffentlich als „gefährlich“ zurückgewiesen u. gesagt, dass
es „derzeit“ keine Notwendigkeit für einen Einsatz von
Atomwaffen gebe.
Sanktionen:
Im Jan. 2023 wurde Karaganov im
Zusammenhang mit der russ. Invasion in der Ukraine auf die
Sanktionslisten der Ukraine gesetzt, wobei der Nationale
Sicherheits- u. Verteidigungsrat feststellte, dass "S.
Karaganov in seinen Reden auf der Notwendigkeit besteht,
die "ukrain. Frage" durch bewaffnete Aggression zu lösen“.
Im Feb. 2023 wurde er auf die Sanktionsliste Kanadas wegen
Beteiligung an der Verbreitung russ. Desinformation u.
Propaganda gesetzt.
Im Juni 2023 wurde er auf die Sanktionsliste der EU-Länder
gesetzt, weil er Massnahmen unterstützte, die die
territoriale Integrität, Souveränität u. Unabhängigkeit
der Ukraine untergraben u. bedrohen. Die EU stellte fest,
dass Karaganov "die russ. Invasion rechtfertigte u. russ.
Propaganda über den Krieg verbreitete, indem er
behauptete, der Westen wolle Russland zerstören u. dass
die Militäroperaton auf die Entnazifizierung der Ukraine
u. die Befreiung des Donbass abziele“. Aus ähnlichen
Gründen unterliegt er auch australischen Sanktionen.)
KARAKESHISHEVA,
Elena Nikolaevna (russ. Richterin am
Meshchanskij-Bezirksgericht in Moskau. Vom "Forum
Freies Russland", das die "Putin-Liste" erstellt, wird ihr
Umsetzung polit. Repression unter Verwendung offizieller
Positionen vorgeworfen. Im April
2021 verurteilte die Richterin Pavel Grin-Romanov, einen
23-jährigen Teilnehmer an einer Kundgebung zur Unterstützung von
s. Aleksej Navalnyj, zu 3 Jahren u. 6 Monaten Gefängnis. Dieser
wurde nach Art. 318 Teil 2 StGB RF beschuldigt, Ende Jan.
während einer nicht genehmigten Protestaktion am
Komsomolskaja-Platz duch Sprühen von Pfefferspray ins Gesicht
Gewalt gegen ein namentlich bekanntes Mitglied der Nationalgarde
im Zusammenhang mit der Ausübung seiner offiziellen Pflichten
angewandt zu haben. Anfang Feb. wurde er verhaftet. Richterin
Karakeshisheva weigerte sich bei der Prüfung des Falls,
offensichtliche Ungereimtheiten in dem Fall zu berücksichtigen,
die auf die falsche Angaben hinwiesen, die der Geschädigte dem
Gericht vorgelegt hatte, u. weigerte sich auch, Zeugen
vorzuladen u. der Verteidigung Beweise beizufügen. In dem vom
Untersuchungsausschuss veröffentlichten Video war deutlich zu
sehen, dass der Nationalgardist einen Helm mit
heruntergeklapptem Visier trug. Dennoch bestand die Ermittlung
darauf, dass das Opfer eine chemische Verbrennung ersten Grades
an den Augen u. der Bindehaut hatte. Im Juli 2021 reduzierte das
Moskauer Stadtgericht die Strafe für Pavel Grin-Romanov auf 3
Jahre in einer Strafanstalt mit allgemeinen Vollzug.)
KARAMAN,
Aleksandr Akimovich II III IV (1956-, sowjet. bzw.
moldavisch-transnistrischer Arzt, Politiker der nicht
anerkannten Transnistrischen Republik Moldau PMR u.
der selbsternannten sog. "Volksrepublik Doneck" im Donbass,
Ostukraine. Absolvent das Staatl. Institut für Medizin von
Chiºinãu mit einem Abschluss in
Chirurgie u. Neuropathologie. In den 1990er Jahren war er sowohl
als Arzt wie als Politiker in Transnistrien als Abgeordneter des
Provisor. Obersten Rats der selbsternannten Transnistrischen
Moldauischen Sozialist. Sowjetrepublik u. als 1. Vizepräsident
der PMR /1991-2001/ neben s. Igor Smirnov als Präsident tätig.
Im Dez. 2001 wollte er für das Amt des Präsidenten der PMR
kandidieren, wobei die Zentrale Wahlkommission seine Bewerbung
annullierte. 2002 wurde Karaman per Dekret des Präsidenten der
PMR Igor Smirnov zum Bevollmächtigten Vertreter des Präsidenten
PMR in der RF u. der Republik Belarus im Rang eines Ministers
ernannt, was er bis zur Präsidentschaftswahl 2011 blieb. Zur
gleichen Zeit absolvierte er ein Fernstudium an der Russ.
Akademie für öffentl. Verwaltung beim Präsidenten RF mit einem
Abschluss in Rechtswissenschaften u. einer Dissertation zum
Thema "Schöpfung u. Entwicklung von staatl. Einheiten auf dem
Territorium der ehem. UdSSR als Beispiel für nicht anerkannte
Staaten: Transnistrien, Abchasien, Südossetien u. Berg-Karabach“
zur Erlangung des Titels eines Kandidaten für
Politikwissenschaften. Gleichzeitig war er Berater des
Vorsitzenden des Obersten Rats der PMR, Berater des
Sonderbeauftragten des Obersten Rats der PMR für
interparlamentar. Beziehungen u. Berater des Präsidenten der PMR
in Rechtsfragen. Mit der Machtübernahme des neuen Präsidenten
Evgenij Shevchuk im Jan. 2012 wurde Karaman ein arbeitsloser
Oppositionspolitiker. Er gründete u. leitete die transnistrische
Partei "Rodina" - de facto ein Zweig der gleichnamigen allruss.
Partei - auf der Grundlage von Vereinigungen von Teilen
der transnistrischen Parteien "Respublika"," Narodnaja
Volja" u. "Patriot. Partei". Auf die vereinigte
Oppositionspartei wurde administrativer Druck ausgeübt; so wurde
ihre Website auf dem Territorium der PMR von allen
transnistrischen Anbietern ohne Gerichtsentscheidungen oder
schriftl. Anweisungen der Behörden gesperrt, der Zugriff war nur
durch Umgehung der Sperrung möglich. 2017-19 war Karaman dann
wieder Bevollmächtigter Vertreter des Präsidenten PMR in der RF.
Während der Ukrainekrise von 2014 schloss sich Karaman dem Team
von s. Vladimir Antjufeev an u. kam im Juni 2014 nach Doneck, wo
er im Juli im Rang eines stv. Vorsitzenden des Ministerrats für
soziale Angelegenheiten Teil der Regierung der selbsternannten
"Volksrepublik Donezk" wurde, für 2 Wochen im Aug. auch
Aussenminister. Ab Mai 2015 war er Vorsitzender der Staatl.
Kommission für die Wiederherstellung des sozialen Bereichs, der
kritischen Objekte u. der Organisation der Arbeit mit
humanitären Gütern, die dem Verwaltungszentrum für die
Wiederherstellung der DVR unterstellt war. Ende Mai 2015 leitete
die Staatsanwaltschaft der "DVR" ein Strafverfahren gegen
Aleksandr Karaman ein, bei dem er der Entführung von Menschen
beschuldigt wurde. Im Juni 2016 setzte die Polizei von Doneck
Karaman offiziell auf die Fahndungsliste, weil er sich vor der
Staatsanwaltschaft versteckte, u. veröffentlichte seine Fotos
auf der Tafel der von der Polizei gesuchten Personen. Einer
Version zufolge wurde die Einleitung des Straffalls von s.
Aleksandr Zakharchenko persönlich aufgrund eines Streits über
humanitäre Hilfe aus Russland initiiert - Karaman, der
Vorsitzender der staatl. Kommission für den Empfang u. die
Verteilung humanitärer Hilfe war, enthüllte die Fakten über den
Diebstahl russ. humanitärer Hilfe durch den ehem. Leiter des
Ministeriums für Arbeit u. Sozialpolitik der "DVR", Roman Ljagin. Karaman war gezwungen,
überstürzt nach Russland abzureisen, wo er eine Stelle an der
Fakultät für Verfassungs- u. Völkerrecht einer Universität in
Belgorod erhielt.
Sanktionen: Wegen seiner Verbindung zu V. Antjufeev u.
weil er angeblich den Schutz des stv. russ. MP s. Dmitrij
Rogozin genoss, sowie wegen seiner Zusammenarbeit mit der
"Regierung der Volksrepublik Doneck“, deren Massnahmen u.
Strategien die territoriale Unversehrtheit, Souveränität u.
Unabhängigkeit der Ukraine untergraben, wurde Karaman im
Rahmen internationaler Sanktionen im Sept. 2014 auf die
"Schwarze Liste" der EU
von Russen u. Belarussen gesetzt, die von Australien
unterstützt wird. Die Schweiz erliess
im Nov. 2014 Sanktionen
gegen ihn, es folgten Kanada im
Dez. 2014 u. die USA im März 2015, die ihn
auf ihre Sanktionsliste der Specially Designated Nationals and Blocked
Persons setzten.)
KARANDA, Pavel Leonidovich II III (1964-, sowjet. bzw. russ.
Polizeibeamter u. Politiker, Innenminister der Republik Krym,
Generalleutnant der Polizei. Absolvent der Omsker
Polizeihochschule des Innenministeriums der UdSSR. 1985-2002
arbeitete er bei der Kriminalpolizei, Abteilung für organisierte
Kriminalität. 2002 zum Leiter der Abteilung für innere
Angelegenheiten in Murmansk ernannt, 2005 Leiter der
Kriminalpolizei der Verwaltung für innere Angelegenheiten des
Gebiets Murmansk, 2009 zum Leiter der Verwaltung für innere
Angelegenheiten der Stadt Murmansk ernannt. 2010 übernahm er den
Posten des 1. Leiters der Verwaltung für innere Angelegenheiten
u. des Leiters der Kriminalpolizeiabteilung des
Innenministeriums im Gebiet Murmansk. 2011 zum stv. Polizeichef
des Innenministeriums RF für das Gebiet Vologda ernannt, ab 2013
stv. Leiter des Innenministeriums RF für das Gebiet Vologda als
Polizeichef. Per Dekret des Präsidenten RF wurde Polizeioberst
Karanda Ende Okt. 2016 zum stv. Innenminister der Republik Krym
u. Polizeichef u. im Nov. 2017 zum Generalmajor der Polizei
ernannt. Per Dekret des Präsidenten RF im Sept. 2019 zum Innenminister der Republik Krym u. im
Nov. 2020 zum Generalleutnant der Polizei ernannt.
Kritik: Vom "Forum Freies Russland", das die
"Putin-Liste" erstellt, wird Karanda Komplizenschaft u. direkte
Verwaltung der besetzten Gebiete der annektierten Autonomen
Republik Krym unter Verletzung etablierter Normen des
Völkerrechts, einschliessl. Nichteinhaltung der territorialen
Integrität der Ukraine vorgeworfen. Karanda leitet in leitenden
Positionen in Strafverfolgungsbehörden direkt die Exekutive der
Besatzungsverwaltung der Krym u. ist direkt verantwortlich für
die Verletzung der territorialen Integrität der Ukraine sowie
für die systematische Verletzung der Menschenrechte auf der
Halbinsel. Die systemat. Menschenrechtsverletzungen in der von
Russland annektierten u. besetzten Autonomen Republik Krym
wurden vom Büro des Hohen Kommissars der UN für Menschenrechte
OHCHR in 5 Berichten des UN-Generalsekretärs unter dem Titel
"Die Situation der Menschenrechte in der Autonomen Republik Krym
u. der Stadt Sevastopol, Ukraine“ beschrieben u. umfassen
folgende Bereiche: 1. Rechtspflege u. das Recht auf ein faires
Verfahren, 2. Recht auf Leben, körperliche u. geistige
Unversehrtheit, Freiheit u. Sicherheit: U.a. verzeichnen die
UN-Berichte eine Zunahme willkürlicher Festnahmen u.
Inhaftierungen von Angehörigen religiöser Minderheiten auf der
Krym. 2017-19 verzeichnete das OHCHR 186 Durchsuchungen, von
denen 140 die Wohnungen, Privatunternehmen oder
Versammlungsstätten von Krymtataren betrafen. 3. Versammlungs-
u. Vereinigungsfreiheit: Auf der Krym sind öffentl.
Versammlungen, die eine öffentl. Position zum Ausdruck bringen,
die von der Position der Besatzungsmacht abweicht, verboten u.
werden unterdrückt. Organisatoren von Versammlungen u.
Teilnehmer an öffentl. Demonstrationen werden von Polizisten
eingeschüchtert u. erhalten Sanktions-Drohungen. 4.
Russifizierung u. Vertreibung der Bevölkerung: Viele ukrain.
Staatsbürger entschieden sich, einen Pass der RF zu erhalten, um
nicht einiger ihrer Rechte beraubt zu werden u. das Risiko einer
Vertreibung von der Krym zu vermeiden. Die völkerrechtswidrige
Ausstellung von Pässen der RF auf dem Territorium der besetzten
Halbinsel Krym erfolgt durch den Föderalen Migrationsdienst RF,
der Teil des von Karanda geführten Innenministeriums ist. In der
im April 2021 vom US-Finanzministerium u. vom US-Präsidenten
unterzeichnete Anordnung in Bezug auf die schädliche
Auslandstätigkeit der Regierung RF ist auf der veröffentlichten
Liste der natürlichen u. jurist. Personen insbes. auch der Name
Karandas enthalten.)
KARAPETJAN,
Samvel Sarkisovich
II III IV (1965-, sowjet. Maschinenbauer,
russ. Bauunternehmer armen. Herkunft. Absolvent der Fakultät
für Maschinenbau des Polytechnischen Instituts in Erevan mit
einem Doktorat über die Entwicklung des
Anlageverwaltungssystems in grossen diversifizierten
Unternehmen. 1997 erwarb er in der Stadt Kaluga das
Unternehmen "Kalugaglavsnab", auf dessen Grundlage 1999 die
Bau- u. Industriegruppe "Tashir" gegründet wurde, die nach u.
nach Produktion, Bau, Energieanlagen, Versorgungs- u.
Marketingorganisationen sowie Einkaufszentren, Hotels,
Wohnhäuser, Kinos, Einzelhandelsketten u. Restaurants umfasste
- insgesamt über 200 Unternehmen. 2003 begann er mit dem Kauf
eines Grundstücks auf dem Moskauer Immobilienmarkt zu
expandieren, wo 2 Jahre später das erste moderne
multifunktionale Einkaufs- u. Unterhaltungszentrum "RIO" am Sevastopoler Prospekt in Moskau
eröffnet wurde u. heute das grösste Netzwerk von Einkaufs- u.
Unterhaltungszentren in Russland darstellt. 2006 wurde Samvel
Karapetjan erstmals in das Rating der grössten
Immobilienbesitzer des Magazins Forbes mit 29 Mln.
USD an Mieteinnahmen aus Gewerbeimmobilien aufgenommen, die
sich 2007 auf 67 Mln. USD mehr als verdoppelten. 2011 trat
Karapetjan in die internationale Rangliste der Milliardäre der
Welt des amerikan. Forbes ein u. belegte mit einem
Vermögen von 1,4 Mrd. den
879. Platz. In den vergangenen 9 Jahren /vor 2022/
hatte sich sein Vermögen laut Forbes auf 3,7 Mrd.
USD verfünffacht, wobei die Schätzung 2021 bei 5 Mrd. USD lag.
Seit 2017 ist er bei "Bloomberg" im Ranking der 500 reichsten
Menschen der Welt vertreten. Seit Feb. 2022 lag er mit einem
geschätzten Vermögen von 3,2 Mrd. USD auf Platz 871 der
Rangliste der reichsten Menschen der Welt. Zudem gilt er als
reichster Armenier Russlands. 2018 wurde Karapetjan vom
US-Finanzministerium auf die sog. Putin-Liste gesetzt, die aus
114 hochrangigen Politikern u. 96 Oligarchen besteht, die
allesamt unter dem russ. Präsidenten V. Putin an Bedeutung
gewonnen hatten. 2020 zahlte er einen Teil der Kaution für die
Haftentlassung des ehem. armen. Präsidenten Robert Kocharjan.
Als Präsident der Wohltätigkeitsstiftung "Tashir" finanziert
Karapetjan Projekte in Armenien, Berg-Karabach/Artsakh u. der
Diaspora. 2021 eröffnete die Generalstaatsanwaltschaft
Aserbaidschans ein Strafverfahren gegen Karapetjan wegen
angeblich illegalen Waffentransports nach Berg-Karabach, was Karapetjan bestritt.)
KARASJOV,
Aleksandr Vladimirovich (1971-,
sowjet. Jurist u. russ. Schriftsteller. Absolvent der Jurist. u.
der Geschichtsfakultät der Staatsuniversität des Kuban-Gebiets.
Er trat 2x in die Fremdenlegion ein u. nahm an den
Kriegshandlungen in Tschetschenien u. 2015-17 als
Freiwilliger u. Offizier der "Volksmiliz" der selbsternanten sog. "Volksrepublik Doneck" im Donbass teil. 2007 zog er von Krasnodar
nach St. Petersburg. Ab 2003 erschienen in verschiedenen russ.
Literaturzeitschriften seine Erzählungen, wobei er v.a. als
Autor des Buchs "Tschetschenische Geschichten" /II/, 2008 erschienen, bekannt geworden
ist. Kritiker sehen in dem Autor einen herausstechenden
Vertreter der modernen russ. Kriegsprosa, die die Tradition der
sog. sowjet. "Leutnantsprosa" fortsetze, u. ordnen seine
Prosa der Richtung des "Neuen Realismus“ zu, was der
Schriftsteller selbst bestritt. Seine Werke werden in Schulen u.
Universitäten studiert.)
KARAULOV, Andrej Viktorovich
II IIIa IIIb IIIc IV V VI (1958-, sowjet. Theater- u.
Kunstwissenschaftler, russ. staatsnaher Journalist u.
Propagandist, Autor u. Moderator von TV-Programmen u. Filmen.
Absolvent der Fakultät für Theaterwissenschaft der GITIS, heute
Russ. Akademie für Theaterkunst in Moskau, Promotion in
Kunstwissenschaften. Danach arbeitete er als
Mitarbeiter, Autor u. Redaktor verschiedener
Pressepublikationen, 1992-2016 als Autor u. Moderator der
Sendung "Stunde der Wahrheit", ausgestrahlt auf "RTR", "TNT", "TV Centre" u. im "5. Kanal". 1998-2006 als Autor u.
Moderator der Sendung "Russ. Zeitalter“ auf den Kanälen "NTV" u. "TV Centre". Parallel moderierte
u. produzierte er auch andere Sendungen. Als eingeladener
Experte nahm er mit s. Arkadij Mamontov an den Programmen
"Spezieller Korrespondent" des TV-Senders "Russland-1" teil.
Kritik: Vom "Forum Freies Russland", das die "Putin-Liste" führt, werden Karaulov
folgende Vorwürfe gemacht: Aktive Teilnahme an der aggressiven
Propaganda des Putin-Regimes, an der Produktion u. Verbreitung
von Informationen im Interesse der polit. Führung der RF, die
absichtlich die Realität verzerren, Menschen täuschen u. in der
Gesellschaft Aggressionen, eine Atmosphäre der Angst,
Fremdenfeindlichkeit u. Chauvinismus sowie antiwestl. u.
antiukrain. Ressentiments in der Gesellschaft u. Hass auf die
Führer der Anti-Putin-Opposition schüren u. gleichzeitig V.
Putin verherrlichen. Die Sendung "Stunde der Wahrheit“ hält das
"Forum" für eine Art Lügenspiess, an dem alle extravaganten
Ideen des Autors u. Moderators u. der von ihm engagierten Gäste
zum Ausdruck gebracht werden. Der Kolumnist der "Moskauer Post",
Boris Bystrov, hält Andrej Karaulov weniger für
einen TV-Journalisten als vielmehr für einen
„TV-Geschäftsmann", dessen „Mission nicht darin bestehe, im
Fernsehen die Wahrheit herauszufinden, was auch immer sie sein
mag, sondern Geld mit dem Verkauf eines Fernsehprodukts namens
´Die Stunde der Wahrheit` zu verdienen" . „Jede seiner Sendungen
sei in der Tat absichtlich eine Fälschung, um den Gewinn des
Autors zu maximieren".
2014 veröffentlichte Karaulov den Film "Gewöhnlicher Faschismus,
in dem er der neuen ukrain. Regierung Verbrechen u. Morde an
Gegnern u. Zivilisten vorwarf. In dem Film "Wie die Boeing
unterging" machte er die ukrain. Luftwaffe für den Absturz des
malaysischen Verkehrsflugzeugs MH17 am Himmel über der Ukraine
verantwortlich. 2015 veröffentlichte er das Buch "Russ. Genozid an den Russen in der Ukraine.
Worüber der Westen schweigt“, in dem der Autor erzählt,
wer diesen Völkermord warum begehe, wie der Westen die antiruss.
Kräfte in der Praxis unterstütze u. wie die Ukraine zu einem
Testgelände geworden sei, auf dem die Vernichtung des russ.
Volkes erprobt werde. 2015 wurde Karaulov zusammen mit dem
Leiter der Allruss. staatl. TV- u. Rundfunkgesellschaft s. Oleg
Dobrodeev, dem Generaldirektor von NTV s. Vladimir Kulistikov,
dem Leiter der Nachrichtenagentur "Russia Today" s. Dmitrij
Kiseljov u. den Propaganda-Journalisten Konstantin Semin, s.
Vladimir Solovjov u. s. Arkadij Mamontov sowie dem Abgeordneten
u. TV-Moderator Aleksej Pushkov auf die "Liste von Nemcov“
gesetzt, weil sie laut dem Vorsitzenden der Oppositionspartei
"RPR-PARNAS" s. Mikhail Kasjanov Propagandisten seien, die „die
Menschenrechte schwer verletzt, Hass um s. Boris Nemcov
geschürt, ihn in TV-Kanälen gejagt u. zu Repressalien gegen ihn
angestiftet“ hätten. Diese Leute sollten in die Magnickij-Sanktionsliste aufgenommen
werden. Wenige Tage nach der Veröffentlichung des "FBK"-Ermittlungsfilms
von s. Aleksej Navalnyj "Für euch ist er kein Dimon“
veröffentlichte Karaulov eine Gegenermittlung unter dem Titel "Mit
den Augen eines Clowns: Wie Navalnyj uns alle für Idioten hält“,
die sogar die Präsidialverwaltung u. der FSB RF nicht gut
gefunden haben sollen. 2018 drehte Karaulov nach eigener
Einschätzung den „Hauptfilm des Lebens“ über Putin, dessen
Ausstrahlung jedoch alle TV-Sender abgelehnt haben sollen. 2019
beschuldigte Sergej Ponomarenko, 1. stv. Gouverneur des
Krasnojarsker Landes, Karaulov öffentlich, 2,4 Mln. Rubel
erpresst zu haben, weil er auf die Veröffentlichung von
diskreditierenden Geschichten über das Krasnojarsker Land
verzichtet habe. Karaulov selbst wies die Anschuldigung zurück
u. sagte, er selbst sei verleumdet worden. Noch 1 Monat vor Beginn des
von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die
Ukraine schien Karaulov in einem
Interview mit s. Dmitrij
Gordon zu bezweifeln, dass Putin alles,
was im Land geschehe, unter Kontrolle hat. Auf die
Frage, ob Putin die Ukraine angreifen werde, antwortete
Karaulov, dass er in seiner Position Stärke zeigen
müsse/wolle; in seinem ganzen Leben habe er an
Minderwertigkeitskomplexen gelitten u. er halte sich für
den sträksten Mann der Welt. Als erster werde Putin
jedoch die Grenze nicht überschreiten, wonach ihm Gordon
antwortete, dass er sie doch schon überschritten habe -
aber es ging um das Jahr 2022. Putin sei nicht so mutig,
wie es scheine, sagte Karaulov.)
KARACHINSKIJ, Anatolij Mikhajlovich II III IV V VI
(1959-, sowjet. Ingenieur-Systemtechniker,
russ. Topmanager u. Unternehmer. Absolvent des Moskauer
Instituts für Eisenbahningenieure, heute Russ. Universität für
Verkehr, Fakultät für Technische Kybernetik, Fachrichtung
Systemingenieur. Von 1981 bis 1986 arbeitete er im Rechenzentrum
des All-Union Scientific Research Institute of Railway
Transport. In den 1990er Jahren arbeitete er als Direktor eines
österreichischen Unternehmens u. als technischer Leiter eines
Joint-Ventures. In den 1990er Jahren war er Präsident von "IBS"
u. 1997-2021 Präsident der "IBS Group", einer bedeutenden russ.
IT-Beratungsfirmengruppe, die Geschäftsanwendungen
implementiert, IT-Outsourcing u. Softwareentwicklung mit
Hauptsitz in Moskau betreibt. 2001-19 war er auch
Vorstandsvorsitzender des Softwareentwicklungs-
u. IT-Outsourcing-Unternehmens "Luxoft". In den 1990ern wurde der
Unternehmer im jährlichen Rating "DATOR Top100“ u. "Top-Profi“
regelmässig als eine der massgeblichsten Persönlichkeiten des
russ. Computergeschäfts bezeichnet. 2002 wurde er als erster
russ. Geschäftsmann in die "Stars of Europe“-Liste von Businessweek von Bloomberg
aufgenommen u. galt als einer von 50 Führungskräften an der
Spitze des "positiven Wandels in Europa", wobei die "IBS Group"
laut "Expert
RA" seit 2004 an 1. Stelle in der Liste der grössten
Beratungsfirmengruppen in Russland steht. 2021 belegte
Karachinskij mit einem Vermögen von 800 Mln. USD laut Magazin Forbes
den 149. Platz in der Liste der reichsten Geschäftsleute
Russlands. Karachinskij ist auch Vorstandsmitglied der Russ. Union der Industriellen u. Unternehmer RSPP,
Vorstandsmitglied des Internationalen Computer Clubs "Club
2012“ u. Mitglied der Untergruppe "Innovative Entwicklung“ der
Arbeitsgruppe zur Bildung des Open-Government-Systems in
Russland.
Sanktionen: Im April 2022 wurde Karachinskij
aufgrund
des von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die
Ukraine
auf die SDN-Sanktionsliste des OFAC/USA gesetzt, die
ein Einreiseverbot u. die Sperrung von Vermögenswerten in den
USA vorsieht. Im Mai 2023 wurde er vom US-Finanzministerium von
der Sanktionsliste gestrichen. Dies war offenbar der erste Fall
seit Beginn der russ. Invasion, in dem die Sanktionen gegen
einen grossen russ. Geschäftsmann aufgehoben wurden. Hingegen
figuriert Karachinskij seit Mai 2022 auf der Sanktionsliste der
Ukraine.)
KARELIN, Aleksandr Aleksandrovich
II III IV V VI VII VIIIa VIIIb IX X XI XII XIII XIV (1967-, sowjet. Wrestler, russ.
Politiker, ehem. Abgeordneter der Staatsduma RF von der Partei
"Einiges Russland", Senator des Föderationsrats RF. In seiner
Jugendzeit beschäftigte sich Karelin mit dem Wrestling-Sport,
wurde Sportmeister der UdSSR der internationalen Klasse,
Jugendweltmeister u. Goldmedaillensieger bei den Olymp. Spielen
in Seoul, Barcelona u. Atlanta sowie 9-facher Weltmeister,
12-facher Europameister u.v.a.m. 1996 Verleihung des
Titels "Held Russlands“ für herausragende sportliche
Leistungen durch Erlass des Präsidenten RF. 2000 beendete er
seine Sportkarriere. Ausserhalb des Sports absolvierte er das
Novosibirsker Autotransporttechnikum u. das Omsker Institut für
Körperkultur. In den 1990er Jahren war er Mitarbeiter der
Steuerpolizei RF im Sonderrang eines Obersten der Steuerpolizei.
1995 u. 1998 Verteidigung seiner Doktorarbeit an der nach
Lesgaft benannten St. Petersburger Akademie für Körperkultur.
Politik: 1999 begann seine polit. Karriere als Berater
für Sport u. Körperkultur des Vorsitzenden der Regierung RF V.
Putin, als Leiter der polit. Bewegung "Einheit“ bei den Wahlen
zur Staatsduma u. als gewähltes Mitglied der Staatsduma RF von
der Partei "Einheit". 2001 wurde er Mitglied des Obersten Rats
der polit. Partei "Einiges Russland“. 2003-16 war er
Abgeordneter der 4.-7. Staatsduma RF. Im Parlament war er
Mitglied des Ausschusses für Gesundheit u. Sport, der Kommission
für Geopolitik, des Ausschusses für internationale
Angelegenheiten u. des Ausschusses für Energie. Bei der
Präsidentschaftswahl 2018 war er Mitglied der Initiativgruppe,
die die Kandidatur V. Putins nominierte. Im Sept. 2020 trat er
als Abgeordneter der Staatsduma zurück u. erhielt von den
Abgeordneten der gesetzgebenden Versammlung des Gebiets
Novosibirsk die Befugnisse eines Senators des Föderationsrats
RF.
Kritik: Vom "Forum Freies Russland", das die "Putin-Liste
erstellt, werden Karelin vorgeworfen: Mittäterschaft beim
Verfassungsstreich von 2020 - wo es u.a. um die Nullsetzung der
bisherigen Amtszeiten Putins ging - , Initiierung u.
Verabschiedung repressiver Gesetzentwürfe u. Gesetze,
Mittäterschaft bei der Machtaneignung u. der Verwerfung
demokrat. Standards sowie Beteiligung an der Umwandlung des
milden Autoritarismus der frühen Putin-Zeit in einen
personalist. Typ der Diktatur. Wie aus den Angaben auf der
offiziellen Website der Staatsduma RF hervorgeht, war der
Abgeordnete Karelin der Initiator einer Reihe von fragwürdigen
Gesetzentwürfen, darunter die Verschärfung von Art. 228.1 StGB
RF "Über Illegale Herstellung, Verkauf oder Weitergabe von
Betäubungsmitteln, psychotropen Substanzen oder ihren Analoga
sowie illegaler Verkauf oder Weitergabe von Pflanzen, die
Betäubungsmittel oder psychotrope Substanzen enthalten, oder
Teile davon, die Betäubungsmittel oder psychotrope Substanzen
enthalten"; das Bundesgesetz Nr. 121-FZ von 2012, das das
Konzept einer gemeinnützigen Organisation als sog. "ausländ. Agenten“ einführte u. die meisten
unabhängigen NGOs zwang, ihre Aktivitäten in der RF
einzustellen; das Bundesgesetz Nr. 272-FZ vom Dez. 2012, das
US-Bürgern die Adoption russ. Waisen als Reaktion auf die
Verabschiedung des "Magnitsky-Acts“ durch die USA untersagte,
das Sanktionen gegen russ. Menschenrechtsverletzer verhängte;
das Bundesgesetz "Über /Gegen/Massnahmen in Bezug auf die
Einflussnahme auf unfreundliche Handlungen der USA u.a. ausländ.
Staaten“, das dem Präsidenten erlaubte, Gegensanktionen gegen
„unfreundliche Länder u. Organisationen“ zu verhängen; sowie die
unpopuläre Rentenreform von 2018. Im Jan. 2020 wurde Karelin von
Präsident s. Vladimir Putin zum Mitglied der Arbeitsgruppe für
die Ausarbeitung von Vorschlägen zur Änderung der Verfassung RF
ernannt. Bei einer Sitzung der Staatsduma RF am Morgen des 10.
März 2020 präsentierte der Abgeordnete Karelin plötzlich die
Idee, dass die Parlamentarier nach der Abstimmung über
Verfassungsänderungen ihre Befugnisse vorzeitig beenden u. dass
vorgezogene Wahlen für Sept. angesetzt würden. Am Nachmittag
erschien unerwartet Putin in der Duma, der sich gegen
vorgezogene Wahlen zur Staatsduma RF aussprach, u. Karelin zog
seinen Änderungsantrag sofort zurück. Die Abgeordnete s.
Valentina Tereshkova schlug vor, die Amtszeiten des Präsidenten
RF „auf Null“ zu setzen, um damit den lebenslangen Machterhalt
Putins zu legalisieren, was das "Forum Freies Russland" u. viele
andere Kritiker der Verfassungsänderungen als illegitimen u.
antidemokrat. Verfassungscoup ansehen. Die
Verfassungsänderungen, die die Befugnisse des Präsidenten RF
erweitern, ermöglichen übrigens auch den russ. Behörden, die
Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte
zu ignorieren u. das Konzept der "internen Bedrohungen“
einzuführen, die der Sicherheitsrat RF bekämpfen muss. Somit
wurde die verfassungsrechtl. u. rechtl. Formalisierung der
Putin-Diktatur für eine unabsehbare Zeit vollendet.
Sanktionen:
Aufgrund der Unterstützung des
von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die
Ukraine unterliegt
Karelin persönlichen internationalen Sanktionen verschiedener
Länder. Im März 2022 wurde er aus diesem Grund auf die
Sanktionsliste aller Länder der EU gesetzt, weil er als
Duma-Abgeordneter für die Ratifizierung von
Freundschaftsverträgen mit den selbsternannten "Volksrepubliken"
Doneck u. Lugansk gestimmt hatte. Im gleichen Monat wurde er
wegen der "Unterstützung von Verletzungen der Souveränität u.
territorialen Integrität der Ukraine“ als "Verbündeter des
[Putin-]Regimes“ auch auf die Sanktionsliste Kanadas gesetzt.
Aus ähnlichen Gründen unterliegt der russ. Senator den
Sanktionen Grossbritanniens, Australiens, Neuseelands u. der Schweiz. Per Dekret des Präsidenten V.
Zelenskyj unterliegt er seit Sept. 2022 den Sanktionen der
Ukraine, weil er "die illegalen Versuche Russlands, souveränes
ukrain. Territorium durch die Durchführung fiktiver Referenden
zu annektieren, unterstützt“. Ende Sept. 2022 wurde er "wegen
Putins Annexion von Gebieten der Ukraine“ auf die Sanktionsliste
der USA gesetzt. Das US-Aussenministerium stellte fest, dass die
Senatoren RF "für die Genehmigung von Putins Antrag gestimmt
haben, Truppen in die Ukraine zu schicken, was als
ungerechtfertigter Vorwand für eine umfassende russ. Invasion in
der Ukraine diente“.)
KARELOVA,
Galina Nikolaevna
II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVI XXVII XXVIII XXIX XXX (1950-, sowjet. Ingenieurin-Ökonomin
u. Soziologin, ehem- russ. Staatspolitikerin. Absoventin der
Technischen Staatsuniversität des Urals. Kandidat
der
Wirtschaftswissenschaften, Doktor der Soziologie, Professorin
für Geschlechtersoziologie. Sie arbeitete als Dozentin der
Abteilung für polit. Ökonomie des Instituts für Höhere Studien
der Staatl. M. Gorkij-Universität des Urals in
Sverdlovsk/Ekaterinburg. In den 1990er Jahren war sie Mitglied
des Föderationsrats RF, Abgeordnete der Staatsduma RF,
Vorsitzende des Unterausschusses für internationale humanitäre,
wissenschaftl. u. kulturelle Zusammenarbeit des Duma-Ausschusses
für internationale Angelegenheiten, u. stv. Minister für Arbeit
u. soziale Entwicklung RF. Ab 2000 setzte sie sich als 1. stv.
Minister für Arbeit u. soziale Entwicklung RF für den Schutz der
Rechte von Frauen u. Kindern ein. Unter ihrer Mitwirkung wurde
eine Repräsentanz des UNICEF-Kinderhilfswerks eröffnet. 2003-4
stv. Vorsitzende der Regierung RF zustänidg für soziale Fragen,
2004-7 Vorsitzende des Sozialversicherungsfonds RF. Im Dez. 2007
wurde sie erneut in die /5./ Staatsduma RF gewählt u. wurde stv.
Vorsitzende des Ausschusses für Haushalt u. Steuern. Im Dez.
2011 wurde sie auch in die 6. Staatsduma RF gewählt, Mitglied der
Fraktion "Einiges Russland“, 1. stv. Vorsitzende des
Ausschusses für Arbeit, Sozialpolitik u.
Veteranenangelegenheiten. Im Sept. 2014 wurde sie von der
Regierung des Gebiets Voronezh als Senatorin in den
Föderationsrat RF delegiert, wo sie zur stv. Vorsitzenden der
Kammer gewählt wurde /Mandatsende Sept. 2023/, u. war Mitglied
des Generalrats der Partei "Einiges Russland“.s
Kritik u. Sanktionen:
Vom
"Forum Freies Russland", das die sog. "Putin-Liste" führt,
wird Karelova öffentl. Unterstützung für den
von Putin im Feb. 2022 entfesselten
russ. Angriffskrieg gegen die
Ukraine
vorgeworfen.
Aufgrund ihrer Unterstützung für
den Krieg unterliegt
Karelova persönlichen internationalen Sanktionen verschiedener
Länder. Im März 2022 wurde sie auf die Sanktionsliste aller
Länder der EU gesetzt, weil sie als russ. Senatorin für die
Ratifizierung von Freundschaftsverträgen mit den selbsternannten
"Volksfrepubliken" Doneck u. Lugansk stimmte. Im gleichen Monat
wurde sie wegen Beihilfe zu Verletzungen der Souveränität u.
territorialen Integrität der Ukraine auf die Sanktionsliste
Kanadas als "Verbündete des [Putin-]Regimes“
gesetzt. Im Sept. 2022 wurde sie der US-Sanktionsliste "wegen
der Annexion von Gebieten der Ukraine durch Putin“
hinzugefügt. Das Aussenministerium stellte fest, dass die
Senatorin "für die Genehmigung von Putins Antrag stimmte,
Truppen in die Ukraine zu schicken, was als ungerechtfertigter
Vorwand für eine umfassende russ. Invasion in der Ukraine
diente“. Aus ähnlichen Gründen unterliegt sie seit auch den
Sanktionen Grossbritanniens, Australiens, Neuseelands, der
Schweiz u. der Ukraine.)
KARETNIKOVA, Anna II III V VIa VIb VIc VId VIe
VII (1970-, russ. Juristin, Menschenrechtlerin,
Gefängnisbeobachterin, Blogerin. Absolventin der
Jurist. Fakultät der MSU u. des Maksim-Gorkij-Literatur-Instituts. Arbeitet/e als
Juristin für die Redaktion einer russ. föderalen
Tageszeitung u. als Juristin für die Gruppe "Brennpunkte“
des /aufgrund des Status "ausländ. Agent" aufgelösten/
Menschenrechtszentrums "Memorial“.
Sie vertritt Mandanten vor Gerichten u. korrespondiert/e mit
Strafverfolgungsbehörden über Menschenrechtsverletzungen
im Nordkaukasus. Mitglied des Schriftstellerverbands
Russlands, Mitglied des Rats des Menschenrechtszentrums
"Memorial", Koordinatorin des
Anti-Kriegs-Klubs
u. der
"Union
der Solidarität mit polit. Gefangenen". 1989-91 war sie Koordinatorin des
Komitees zur Gründung der "Partei der Jugendsolidarität".
Nach der Geiselnahme u. anschliessenden Erstürmung des Moskauer Dubrovka-Theaters vom Okt. 2002
kehrte sie in die Politik u. zu den Rechtsschutzaktivitäten
zurück. Davor hatte sie 2 Kriminalromane im Verlag "Eksmo"
veröffentlicht. Mitglied des Moskauer polit. Rats der
Vereinigten Demokrat. Bewegung
"Solidarität"
von s. Boris Nemcov, wurde
dort als Vorsitzende der Kommission für öffentl.
Veranstaltungen gewählt. Sie organisierte eine Kundgebung in
Jasenevo zur Unterstützung des Bitcevskij-Waldes. Mitglied
der Informations- sowie der Menschenrechts- u.
Rechtskommission, ehem. Mitglied der Öffentl.
Überwachungskommission ONK der Stadt Moskau für die
Umsetzung der öffentl. Kontrolle über die Einhaltung der
Menschenrechte in Haftanstalten u. die Unterstützung von
Personen in Haftanstalten. Die ONK leistet kostenlose Hilfe
für von der Polizei festgenommene zivile Aktivisten, besucht
Polizeidienststellen u. Untersuchungsgefängnisse in Moskau
u. überwacht die Einhaltung der Bürgerrechte. Analystin des
Föderalen Strafvollzugsdienstes Russlands
GUFSIN
für die Stadt Moskau.)
KARIMOV, Salavat (1954-, russ. Ermittler für besonders
wichtige Fälle der Generalstaatsanwaltschaft RF, zuvor
amtierender Staatsanwalt von Baschkirien. Absolvent der
Baschkir. Staatsuniversität. Erstmals tauchte der Name
dieses Juristen, der in der Staatsanwaltschaft von
Baschkirien in Ufa zu arbeiten begann, im Mai 1999 in den
russ. Staatsmedien im Zusammenhang mit dem sog.
"Schwulenfall“ auf. In diesem Fall ging es um den ehem.
Direktor des Kolchos-Marktes in Ufa, der seinen
homosexuellen Freund u. Partner getötet hatte u. sich lange
Zeit vor der Justiz verstecken konnte. Karimov hatte in
diesem Prozess eine Entscheidung der Staatsanwaltschaft
gefälscht, woraufhin beschlossen wurde, ihn von seinem
Posten zu entlassen. Karimov behielt jedoch seine Position
u. stieg später sogar zum Leiter der Abteilung für die
Untersuchung besonders wichtiger Fälle auf. Karimovs
hochkarätigsten u. berüchtigtsten Fälle waren hingegen der
Fall von s. Vladimir Gusinskij, "Media-Most" u. "NTV"; der
Fall des ehem. Eisenbahnministers s. Nikolaj Aksjonenko; der
Fall von "SIBUR" u. s. Jakov Goldovskij; der Fall von
"AvtoVAZ" u. s. Boris Berezovskij sowie der Fall von "Yukos"
u. s. Mikhail Khodorkovskij. Die Medien nannten ihn in
diesem Zusammenhang den Schöpfer der "Technologie zur
Vernichtung von Oligarchen" u. verliehen ihm den Titel
"Oligarchenkiller".
Im Sommer 2000 wurde
Karimov zur Generalstaatsanwaltschaft RF als leitender
Ermittler für besonders wichtige Fälle versetzt u. trat dem
Ermittlungsteam im Fall s. Vladimir Gusinskij bei. Bekanntlich
wurde Gusinskij im Juni 2000 als Chef der "Media-Most"-Holding
- zu der auch die TV-Gesellschaft "NTV" gehörte - verhaftet, wegen Betrugs
in besonders grossem Umfang angeklagt, aber noch im gleichen
Monat auf Kaution freigelassen. Im Dez. 2000 übernahm Karimov
die Leitung des Ermittlungsteams, das sich Gusinskijs Fall
erneut annehmen sollte. Dabei nahm die
Generalstaatsanwaltschaft nicht nur die Ermittlungen im 1.
Fall wieder auf, sondern eröffnete auch ein neues Verfahren
gegen Gusinskij wegen einer anderen angebl. Straftat.
Gusinskij, der sich in Spanien aufhielt, wurde auf Ersuchen
der Staatsanwaltschaft RF von örtlichen Behörden festgenommen,
aber einen Monat später freigelassen, u. 15 Monate später
wurden alle Anklagen gegen den Oligarchen fallengelassen.
Im Okt. 2001 leitete Karimov ein Ermittlungsteam im Fall des
entlassenen Eisenbahnministers s. Nikolai Aksjonenko, der
wegen Amtsmissbrauchs und einer Reihe anderer Verbrechen
angeklagt wurde, aber im Juli 2005 verstarb, so dass das
Moskauer Stadtgericht es ablehnte, seinen Fall zu prüfen.
Im Jan. 2002 leitete Karimov die Ermittlungen im Fall des
Präsidenten u. Vizepräsidenten der "Siberian-Ural
Petrochemical Company" SIBUR s. Jakov Goldovskij u. Evgenij
Koshic. Goldovskij wurde des Machtmissbrauchs, der
Veruntreuung von Eigentum, der Geldwäscherei u.
Dokumentenfälschung beschuldigt, Koshice wegen Mitschuld an
diesen Verbrechen angeklagt. Die beiden SIBUR-Bosse wurden zu
7 Monaten Gefängnis verurteilt u. wegen Verbüssung dieser
Frist in der U-Haft freigelassen.
Im Aug. 2002 untersuchte Karimov die Aktivitäten der
Geschäftsleute s. Boris Berezovskij, s. Badri Patarkatsishvili
u. Julij Dubov im Zusammenhang mit Steuerverrechnungen
zwischen dem Unternehmen "AvtoVAZ" u. dem Haushalt des Gebiets
Samara. Die Generalstaatsanwaltschaft beschuldigte die
Unternehmer des Diebstahls von Tausenden Autos durch die Firma
"LogoVAZ" u. leitete ein Strafverfahren ein. Zu diesem
Zeitpunkt war Berezovskij aus Angst vor strafrechtlicher
Verfolgung nach GB ausgereist.
Im Okt. 2003 wurde s. Mikhail Khodorkovskij, Haupteigentümer
des Ölkonzerns "Yukos", festgenommen. Ihm wurden Betrug
u. Steuerhinterziehung vorgeworfen. Im Mai 2005 wurden
Khodorkovskij u. sein Geschäftspartner s. Platon Lebedev nach
6 Artikeln StGB RF für schuldig befunden u. zu je 9 Jahren
Gefängnis verurteilt.
Im April 2005 wurde Karimov auf Anordnung des damaligen
Generalstaatsanwalts RF s. Vladimir Ustinov zum 1. stv.
Staatsanwalt der Republik Baschkirien, Aleksandr Konovalov,
ernannt. Als letzterer im Nov. 2005 von Präsident RF V. Putin
zum bevollmächtigten Vertreter des Präsidenten RF im
Föderationskreis Volga ernannt wurde, stieg Karimov zum
amtierenden Staatsanwalt Baschkiriens auf. In dieser Position
blieb Karimov bis Dez. 2005, wobei er es hauptsächlich nur
noch mit Fälle von Banditentum zu tun hatte.
Im Dez. 2006 wurde Karimov erneut zur Arbeit in der
Generalstaatsanwaltschaft nach Moskau versetzt, wobei über den
wahren Grund spekuliert wurde. Laut verschiedenen Quellen soll
der baschkir. Ermittler nach Moskau zurückbeordert worden
sein, um im Rahmen eines dem Präsidenten RF direkt
unterstellten Sonderteams neue Anschuldigungen gegen
Khodorkovskij u. Lebedev vorzubereiten u. mit anderen
hochkarätigen Geschäftsleuten fertig zu werden. In der Tat
wurden neue Vorwürfe gegen die ehem. Oligarchen Khodorkovskij
u. Lebedev erhoben, so Veruntreuung, Geldwäscherei u.a.
Delikte. Im Sept. 2007 wurde jedoch bekannt, dass Karimov ein
Ruhestandsgesuch eingereicht habe u. dass ihm ohne jede
Erklärung befohlen wurde, den Fall Khodorkovskij u. Lebedev an
den leitenden Ermittler für besonders wichtige Fälle, s.
Aleksandr Drymanov, zu übergeben u. sein Büro zu räumen.
Karimov lehnte die von Generalstaatsanwalt s. Jurij Chajka
vorgeschlagene Position als Berater des Generalstaatsanwalts
RF ab.)
KARLIN, Aleksandr Bogdanovich II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII (1951-, sowjet. bzw. russ.
Jurist-Staatsanwalt u. ehem. Politiker im Land Altaj.
Absolvent der Jurist. Staatsuniversität des Urals in
Sverdlovsk. In der Sowjetzeit arbeitete er in den
Staatsanwaltschaften der Städte Bijsk u. Barnaul u. war
Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft der UdSSR, Assistent
des Generalstaatsanwalts der UdSSR für Sonderaufgaben. In den
1990er Jahren setzte er seine Arbeit in der
Generalstaatsanwaltschaft RF fort. Professor, Doktor der
Rechtswissenschaften; in seiner Dissertation über "Probleme
der rechtlichen Regelung der staatlichen Registrierung des
Eigentums an Immobilien“ fand Dissernet eine beträchtliche Menge an
Plagiaten. In den 2000er Jahren arbeitete Karlin im
Justizministerium FR u. war 1. stv. Justizminister RF, u. trat
in den Dienst der Präsidialverwaltung RF ein, wo er von V.
Putin zum Leiter der Verwaltung des Landes Altaj vorgeschlagen
wurde, nachdem Gouverneur s. Mikhail Evdokimov im Aug. 2005
bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Karlins 1.
Amtszeit als Gouverneur des Landes Altaj dauerte bis 2009. Im
Aug. 2009 trat Karlin offiziell seine 2. Amtszei als
Gouverneur des Landes Altaj an. Eines der aufsehenerregendsten
Ereignisse in Karlins 2. Amtszeit war die Auflösung seines
Konflikts mit dem Bürgermeister von Barnaul, Hauptstadt des
Landes Altaj, Vladimir Kolganov, der die letzten Jahre
andauerte. Im Aug. 2010 wurde Kolganov wegen „Untätigkeit u.
Versäumnissen" in seiner Amtsführung entlassen. Nachdem die
Amtszeit Karlins als Gouverneur im Aug. 2014 endete, wurde er
im Juni dieses Jahres 2014 auf einer ao. Konferenz des
regionalen Zweigs der Partei "Einiges Russland" zum Gouverneur des
Landes Altaj ernannt. Damit Karlin nach dem 25. Aug. im Amt
bleiben konnte, wurde ein polit. Manöver durchgeführt. Ende
Juli reichte Karlin Präsident Putin einen freiwilligen
Rücktritt ein, den Putin akzeptierte u. Karlin per Dekret zum
Interimsgouverneur ernannte. Bei den Wahlen vom Sept. erzielte
Karlin 72,97% der Stimmen u. wurde für eine 3. Amtszeit von 5
Jahren zum Gouverneur des Landes Altaj gewählt. Vor Beginn des
Wahlkampfs unterzeichnete Karlin ein Gesetz zur Einführung der
vorzeitigen Stimmabgabe bei Regionalwahlen, was bei Experten
u. öffentl. Beobachtern grosse Besorgnis hervorrief.
Beobachter der Bewegung zum Schutz der Wählerrechte "Golos“ bezeichneten die letzte
Abstimmung als „Wahlimitation“ u. stellten eine grosse Zahl
von Verstössen u. eine fast 30-prozentige Diskrepanz zwischen
den Ergebnissen der vorgezogenen u. der ordentlichen
Abstimmung fest. 2007 u. 2016 war Karlin von Amtes wegen
Mitglied des Präsidiums des Staatsrats RF. Ende Mai 2018 trat
Aleksandr Karlin als Gouverneur des Landes Altaj zurück.
Experten führten seinen Abgang auf Konflikte mit lokalen
Eliten, das Alter u. schwache Stimmenzahlen im Land Altaj für
"Einiges Russland" u. V. Putin zurück. Im Sept. 2018 wurde
Karlin per Dekret von Gouverneur s. Viktor Tomenko von der
Exekutive des Landes Altaj zum Mitglied des Föderationsrats RF
ernannt. Dort übernahm Karlin die Position des stv.
Vorsitzenden des Ausschusses für Verfassungsrecht u.
Staatsaufbau. Vermögen u. Einkommen: Mit einem
Familieneinkommen von 19,8 Mln. Rubel im Jahr 2011 belegte A.
Karlin den 10. Platz in der Einkommenswertung der Leiter der
russ. Regionen. 2010 betrug das Familieneinkommen von Karlin
18,5 Mln. Rubel. 2012 verdiente Karlin 6x weniger als seine
Frau - 2,98 Mln. Rubel gegenüber 18,7 Mln. Rubel seiner
Frau Galina Viktorovna Karlina, die bis 2016 als
Notarin in Moskau - arbeitete, 2008 wegen Verstössen gegen die
Bedingungen für die Erlangung einer Stelle von der notariellen
Tätigkeit suspendiert wurde sie, aber später weiterarbeitete.
Mit einem Einkommen von 18,7 Mln. Rubel 2012 belegte sie den 3.
Platz in der Liste der reichsten Ehefrauen russ. Gouverneure.
Söhne Andrej u. Viktor Karlin sind ausgebildete Rechtsanwälte.
Viktor Karlin trat in die Fussstapfen seiner Mutter u. wurde
nach dem Karriereende Notar in Moskau.
Kritik u. Sanktionen:
Vom "Forum Freies Russland", das die sog.
"Putin-Liste" führt, wird ihm öffentl.
Unterstützung für den
von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ.
Angriffskriegs gegen die Ukraine
vorgeworfen.
Aufgrund der Unterstützung für
den Krieg unterliegt
Karlin persönlichen internationalen Sanktionen
verschiedener Länder. Im März 2022 wurde er aus diesem
Grund auf die Sanktionsliste aller Länder der EU gesetzt,
weil er als russ. Senator für die Ratifizierung von
Freundschaftsverträgen mit den selbsternannten
"Volksrepubliken" Doneck u. Lugansk gestimmt hatte. Im
gleichen Monat wurde er wegen der "Unterstützung von
Verletzungen der Souveränität u. territorialen Integrität
der Ukraine“ als "Verbündeter des [Putin-]Regimes“ auch
auf die Sanktionsliste Kanadas gesetzt. Aus
ähnlichen Gründen unterliegt der russ. Senator den
Sanktionen Grossbritanniens, Australiens,
Neuseelands
u. der Schweiz.
Per
Dekret des Präsidenten V. Zelenskyj unterliegt er
seit Sept. 2022 den Sanktionen der
Ukraine,
weil er "die illegalen Versuche Russlands,
souveränes ukrain. Territorium durch die
Durchführung fiktiver Referenden zu annektieren,
unterstützt“.
Ende Sept. 2022 wurde er "wegen
Putins Annexion von Gebieten der Ukraine“ auf die
Sanktionsliste der USA gesetzt. Das US-Aussenministerium
stellte fest, dass die Senatoren RF "für die Genehmigung
von Putins Antrag gestimmt haben, Truppen in die Ukraine
zu schicken, was als ungerechtfertigter Vorwand für eine
umfassende russ. Invasion in der Ukraine diente“.)
KARPINSKAJA, Ksenija II
III IV V VI VII VIII IX X XI (russ. Juristin, Advokatin,
Strafprozess-Verteidigerin. Sie verteidigte Mandanten, die
Angeklagte in fragwürdigen Prozessen wurden, in denen
möglicherweise auch polit. Motive eine Rolle spielten. Das
bekannteste Bsp. war etwa der Prozess gegen das "Siebte Studio" s.
Kirill Serebrennikovs, wo Karpinskaja den ehem. Direktor des "Gogol-Zentrums",
s. Aleksej Malobrodskij, vertrat. Den Angeklagten wurde in
diesem Fall vorgeworfen, mind. 68 Mln. Rubel staatl. Gelder, die
dieser Organisation für das Kulturprojekt "Platform“ zugeteilt
wurden, veruntreut zu haben. Vor Gericht wies sie auf rechtlich
zweifelhafte Vorgehensweisen, Verfahrensfehler u. jurist.
Ungereihmtheiten hin, die mit der Gesetzgebung RF nicht
übereinstimmten, oder zweifelte die Legitimität eines staatl.
Prozessteinehmers an. Dabei orientierte sie sich an den
Menschenrechten. In einem anderen Fall vertrat sie den russ.
Historiker u. Politikwissenschaftler Jurij Pivovarov, gegen den
ein Moskauer Gericht einen Haftbefehl erlassen hatte. Pivovarov
leitete 1998-2015 das Institute of Scientific Information on
Social Sciences INION RAN. Im Jan. 2015 wurde die Bibliothek des
Instituts durch einen Brand teilweise zerstört. Pivovarov
verliess seine Position als Institutsleiter u. behielt den Titel
eines akadem. Betreuers. Im Frühjahr 2015 wurde er wegen
Fahrlässigkeit angeklagt. 2017 wurde dem 72-jährigen Historiker
Unterschlagung vorgeworfen. Ausserdem trat Karpinskaja als
kritische Prozessbeobachterin u. -berichterstatterin auf u.
schrieb für Novaja gazeta, Vedomosti u.a.
Zeitungen.)
KARPOV, Anatolij Evgenevich
II IIIa IIIb IV (1951-, sowjet. u. russ.
Schachgrossmeister u.
Staatsolitiker.
Er war von 1975 bis 1985 Schachweltmeister sowie von 1993
bis 1999 FIDE-Weltmeister.
1999-2003 Vorstandsvorsitzender der
"Bundesindustriebank". Seit 2004 Mitglied des Präsidialrats für
Kultur. 2005-11 war er Präsident der Firma "Berghoff-Russland",
besitzt eine Beteiligung an diesem Unternehmen. Seit 2006 ist
Karpov Vorsitzender der Kommission für Umweltsicherheit u.
Umweltschutz der Bürgerkammer RF. Seit 2007 ist er Mitglied des
Öffentlichen Rats des Verteidigungsministeriums RF. In einem
Interview im Jahr 2013 sagte Karpov: „Meine Eltern haben mich
als Kind getauft. ... Ich kannte Patriarch Pimen gut, ich sprach
oft mit dem verstorbenen Patriarchen s. Aleksij II. … Ich bin
überzeugt, dass das Land schon vor langer Zeit in kleine Stücke
zerfallen wäre, wenn wir keine orthodoxe Kirche hätten. Nur dort
blieben die gemeinsamen moralischen Grundlagen“.
Politik: Karpov ist sowohl in sowjet. als auch in russ.
Zeit Staatsmann u. Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Bei
sozialen u. polit. Aktivitäten unterstützt er in der Regel die
derzeitige Regierung. Im Unterschied zu seinem eheam.
Schachrivalen s. Garri Kasparov kritisiert er das Putin-Regie
nicht. 1995 kandidierte Karpov, für die Staatsduma RF auf den
Listen des Vereins "Macht dem Volk!“ 2007 unterstützte, ehem.
Mitglied der KPdSU, bei den Wahlen zur Staatsduma RF die
Moskauer Liste der . Bei
den Parlamentswahlen vom Dez. 2011 wurde
Karpov
als Vertreter des Gebiets Tjumen in
die 6. Staatsduma gewählt.
2016 wurde er in die 7. Staatsduma RF gewählt, wo er Mitglied
der Fraktion
der Partei "Einiges
Russland"
u. Mitglied
des Duma-Ausschusses für natürliche Ressourcen,
Umweltmanagement u. Ökologie u. stv.
Vorsitzender des Duma-Ausschusses für internationale
Angelegenheiten war. Im Okt. 2021 wurde er Abgeordneter der 8.
Staatsduma RF, nachdem er das Mandat von Olga Batalina, der 1.
stv. Leiterin des Arbeitsministeriums, erhalten hatte. Als
Mitglied der Partei "Einiges Russland" stimmte er in der
Staatsduma RF wie alle anderen seiner Partekollegen jeweils für
die Politik V. Putins.
Verhältnis
zur Ukraine: In
einer im März 2022 veröffentlichten Erklärung
hielt der Ex-Schachweltmeister Folgendes fest:
Als Kind sei er im Alter von 10 Jahren 1961 zum ersten Mal
aus dem Ural in die Ukraine, in die Stadt Odessa. Seitdem
sei Odessa sein Lieblingsort auf dem Planeten. Als er
seinen Weg zum WM-Titel begann, habe er immer einen Teil
seiner Vorbereitungen in der Ukraine, in Odessa oder in
Lemberg gemacht. Als das russ. Parlament die Abkommen über
Freundschaft, Zusammenarbeit u. gegenseitige Unterstützung
zwischen Russland u. den Volksrepubliken Doneck und
Luhansk ratifizierte, habe er für die Zivilbürger der
ukrain. Nationalität gestimmt, die seit 8 Jahren täglich
unter Angriffen u. Bombardierungen gelitten hätten. Bis
heute habe Russland über 150 Tsd. Flüchtlinge aus dem
Donbass aufgenommen. Fragen des Einsatzes der Streitkräfte
oblägen anderen Machtebenen: dem Föderationsrat, dem
Sicherheitsrat, dem Präsident RF. Er habe nicht für den
Krieg gestimmt, das se eine Lüge. Er sei seit 40 Jahren
Präsident des Friedensfonds u. habe in dieser Zeit viele
persönl. Anstrengungen unternommen, um das Hilfsprogramm
für ukrain. Bürger durchzuführen, die Opfer der Tragödie
im Kernkraftwerk Tschernobyl geworden seien. Für seine
karitative Tätigkeit habe er höchsten Auszeichnungen in
der Ukraine erhalten, sowoehl von Präsident Leonid
Kutschma 2001 wie auch von Präsident s. Viktor Jushchenko
2006. Er sei Ehrenbürger der Ukraine, Ehrenmitglied des
Rats der Journalisten der Ukraine u. habe 2016 die höchste
Auszeichnung sozialer Organisationen in der Ukraine
erhalten. Zu erklären, dass er ein Feind der Ukraine u.
des ukrain. Volkes sei, bedeute, die Realität völlig zu
ignorieren. Wie Anfang Nov. 2022 gemeldet wurde,
soll Karpov den Ukrainekrieg Putins kritisiert haben.
Der Nachrichtenagentur TASS zufolge soll Karpov bei
einem „häuslichen Unfall" ausgerutscht, gestürzt
u. mit dem Kopf aufgeschlagen sein, wobei er ins
Krankenhaus eingeliefert werden musste, von dem er nach
einer Woche entlassen worden sein soll. Es wurden verschiedene Versionen des
Vorfalls publik u. die Version der Kritik am
Ukrainekrieg wurde nicht offiziell bestätigt. BILD berichtete, Karpov liege im
künstl. Koma. Ein
russ. Geschäftsmann soll zuvor von einem Angriff auf
Karpov auf dem Weg aus der russ. Staatsduma berichtet
haben, dann aber auf "Telegram" geschrieben, Karpovs
Frau habe den Unfall bestätigt.
FIDE berichtete Ende Okt. auf Twitter, Karpov sei schwer
alkoholisiert aufgefunden worden u. befinde sich auf der
Intensivstation.
Kritik u. Sanktionen:
Vom "Forum Freies Russland", das die sog.
"Putin-Liste" führt, wird ihm
öffentl. Unterstützung für den
von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ.
Angriffskriegs gegen die Ukraine
vorgeworfen. Er
verurteilte auch russ.
Schachspieler, die einen Brief gegen
den
von Putin im Feb. 2022
angeordneten russ.
Angriffskrieg gegen die
Ukraine
unterzeichnet hatten.
Aufgrund der Unterstützung für
den Krieg unterliegt
Karlin persönlichen internationalen Sanktionen
verschiedener Länder.
Seit dem 23. Feb. 2022 steht Karpovs Name mit 351 Abgeordneten
der derzeitigen Staatsduma RF
auf der
Sanktionsliste aller Länder der EU u. Kanadas,
weil er als russ. Duma-Abgeordneter für die
Ratifizierung von Freundschaftsverträgen mit den
selbsternannten "Volksrepubliken" Doneck u.
Lugansk gestimmt hatte. Im März 2022 wurde er
wegen seiner "Mitschuld an Putins Krieg“ u.
"Unterstützung der Bemühungen des Kremls, in die
Ukraine einzumarschieren“ auf die
US-Sanktionsliste gesetzt. Das
US-Aussenministerium erklärte, dass die
Abgeordneten der Staatsduma RF ihre Befugnisse
nutzen, um Dissidenten u. polit. Gegner zu
verfolgen, die Informationsfreiheit zu verletzen
u. die Menschenrechte u. Grundfreiheiten der
Bürger Russlands
einzuschränken.
Aus
ähnlichen Gründen unterliegt Karpov den Sanktionen
Grossbritanniens u. der Schweiz
/?/,
seit April 2022 den Sanktionen Australiens,
Neuseelands u. Japans. Per
Dekret des Präsidenten V. Zelenskyj
unterliegt er seit Sept. 2022 den Sanktionen
der
Ukraine,
weil er "die illegalen Versuche Russlands,
souveränes ukrain. Territorium durch die
Durchführung fiktiver Referenden zu
annektieren, unterstützt“.)
KARPOV, Artur Gennadevich
(1969-, russ. Richter am Basmannyj-Bezirksgericht in
Moskau seit 2007. Er kam von
der Militärstaatsanwaltschaft zur Justiz. Vom "Forum
Freies Russland", das die "Putin-Liste" erstellt, wird ihm
Umsetzung polit. Repression unter Verwendung offizieller
Positionen vorgeworfen. Als Beteiligter am "Fall JUKOS" genehmigte der Richter im
Dez. 2009 aufgrund erfundener Anschuldigungen in Abwesenheit
die Verhaftung von Andrej Leonovich, des ehem. Finanzchefs des
Unternehmens "JUKOS-Moskau". 2011-13 war er auch am "Fall Magnickij“ beteiligt; dabei lehnte
der Richter die Beschwerden ab, um die Untersuchung der
Umstände des Mordes an s. Sergej Magnickij in der
Untersuchungshaftanstalt "Matrosskaja Tishina" zu prüfen.
2012-16 erliess er polit. motivierte Entscheidungen über die
Verhaftung von Teilnehmern am "Bolotnaja-Prozess". Im "Fall Yves Rocher" s. Aleksej Navalnyjs von
2014 entschied der EGMR, dass
Art. 6 u. 7 der Menschenrechtskonvention im Laufe der Prüfung
des Falls durch das russ. Gericht verletzt wurden, nämlich dass
das Recht auf ein faires Verfahren verletzt wurde u. das Urteil
willkürlich u. unangemessen war. Im Feb. 2015 verlängerte der
Richter die Haftzeit der ukrain. Pilotin s. Nadezhda Savchenko,
die aus dem Hoheitsgebiet der Ukraine entführt u. in ein
Untersuchungsgefängnis in Russland gebracht wurde. Im April 2021
wurde bekannt, dass Artur Karpov „auf eigenen Wunsch“ von seinem
Amt zurücktrat.)
KARPOV, Pavel (1977-,
ehem. russ. Ermittler der
Hauptermittlungsabteilung der Hauptabteilung für Inneren
Angelegenheiten Moskaus u. des Ermittlungsausschusses des
Innenministeriums RF. Absolvent der Ermittlungsfakultät des
Moskauer Rechtsinstituts des Innenministeriums RF. 1998-2009
arbeitete er in der Hauptermittlungsabteilung der Moskauer
Hauptabteilung für Innere Angelegenheiten, zuletzt als
leitender Ermittler für besonders wichtige Fälle. 2009
wechselte er nach einer Beförderung in den
Untersuchungsausschuss des Innenministeriums RF. Im Juli 2012
trat er im Rang eines Oberstleutnants der Justiz in den
Ruhestand.
Vom "Forum Freies Russland", das
die "Putin-Liste" erstellt, wird Pavel Karpov vorgeworfen:
kriminelle Bereicherung u. Komplizenschaft bei der
illegalen Strafverfolgung, die zum Tod von s. Sergej
Magnickij führte, der Korruptionssysteme in Russland
aufdeckte, sowie bei der Verfolgung anderer Personen, die
ähnliche Gesetzesverbrechen aufgedeckt haben. Wie aus den
Unterlagen unabhängiger Ermittlungen hervorgeht, war Pavel
Karpov zusammen mit Artjom Kuznecov direkt am Diebstahl
von 5,4 Mrd. Rubel u. an Repressionen gegen Sergej
Magnickij beteiligt. Danach erwarb er Immobilien im Wert
von über 1 Mln. USD. Im April 2013 setzte das
US-Finanzministerium Pavel Karpov auf die Liste der
Menschenrechtsverletzer gemäss dem "Magnitsky Act". Im April 2016
forderte Pavel Karpov ein Strafverfahren gegen den Chef
der "Hermitage Capital Management", s. William Browder. Im
Mai 2016 wurde auf Antrag von Pavel Karpov ein
Strafverfahren gegen s. Aleksej Navalnyj eingeleitet, u.
Anfang Juli wurde bei ihm eine Durchsuchung durchgeführt,
bei der die gesamte Ausrüstung beschlagnahmt wurde. Im
Okt. 2018 wurde Navalnyj offiziell wegen Verleumdung
angeklagt. Die Veröffentlichungen, die eine Liste von
Karpovs Eigentum wie Luxusimmobilien, Luxusautos usw.
enthiellten, wurden als verleumderisch bezeichnet. Karpov
selbst erklärte zuvor, dass er Gelder für ein luxuriöses
Leben „als Geschenk von seinem wohlhabenden Freund“
erhalten habe. /Ausführlicher s. entsprechende Webseite/.)
KARTAPOLOV, Andrej Valerievich
II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI (1963-, russ. Militärführer u.
Staatspolitiker. Absolvent der Moskauer Allgemeinen Militär.
Kommandohochschule, der M.V. Frunze-Militärakademie u. der
Militärakademie des Generalstabs der Streitkräfte RF.
Seine Militärkarriere begann der in Weimar, DDR, Geborene als
Zugführer u. Kommandeur einer motorisierten Schützendivision in
der Gruppe der Sowjet. Streitkräfte in Deutschland
u. dem Fernöstlichen Militärbezirk. In der 2.
Hälfte der 2000er Jahren diente er als stv. Befehlshaber der
Armee im Sibirischen Militärbezirk, Stabschef der
22. Garde-Armee im Moskauer Militärbezirk u. Leiter der Operativen Hauptverwaltung des Generalstabs
der Streitkräfte RF. Ab 2010 Kommandeur der 58. Armee des
Nordkaukasischen, dann des Südliche Militärbezirks, stv.
Kommandeur des Südlichen Militärbezirks, Stabschef des
Westlichen Militärbezirks, Leiter der Haupteinsatzverwaltung -
u. stv. Generalstabschef der Streitkräfte RF. Dez. 2012
Generalleutnant, Juni 2015 Generaloberst. Im Nov. 2015 vom
Verteidigungsminister RF zum Kommandeur des Westlichen Militärbezirks ernannt. Dez.
2016 - März 2017 Kommandant der russ. Truppen in der Arabischen
Republik Syrien. Ende Juli 2018 wurde er per Dekret des
Präsidenten RF Putin zum stv. Verteidigungsminister RF u. Leiter
der Militärpolit. Hauptverwaltung der
Streitkräfte RF GVPU ernannt. Damit wurde Generaloberst
Kartapolov zum 9. stv. Verteidigungsminister RF u.gleichzeitig
Leiter der neu gegründeten Abteilung für die Stärkung der
militärpatriot. Ausbildung in den Streitkräften RF, der GVPU. In
der von Kartapolov befehligten GVPU waren die Kulturabteilung
des Verteidigungsministeriums RF sowie das Büro des
Verteidigungsministeriums RF für die Arbeit mit Bürgerbegehren
u. der Militärheraldische Dienst der Streitkräfte RF
angesiedelt. Vorstandsmitglied des Verteidigungsministeriums RF
u. Mitglied der Redaktion der Zeitschrift Voennaja Mysl.
Politik: 2021 nahm Kartapolov an den Wahlen zur 8.
Staatsduma RF auf der Parteiliste von "Einiges Russland" in Moskau teil u.
wurde gewählt. Im Okt. 2021 wurde er durch Dekret des
Präsidenten RF von seinem Posten als Leiter der GVPU entbunden
u. im Zusammenhang mit seiner Versetzung zur Arbeit in der
Staatsduma RF aus dem Militärdienst entlassen. Gleichzeitig
wurde er zum Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses der
Staatsduma RF gewählt.
Kritik: Vorwurf der Beteiligung am Abschuss der MH17 im Juli 2014 über dem
Territorium der Ostukraine mit 298 Todesopfern: Nach Ansicht von
Experten erfolgte die Verlegung von Flugabwehrsystemen durch
Kartapolovs Untergebene der 53.
Luftverteidigungs-Flugabwehrbrigade RF, die zum Westlichen
Militärbezirk gehörte, dessen Stabschef damals Kartapolov war,
auf das Territorium der Ukraine u. der Angriff auf Luftziele
über ihrem Territorium mit Kartapolovs Wissen u. auf dessen
Befehl.
Vorwurf der Beteiligung an der Fabrikation falscher Beweise: Am
21. Juli 2014 setzte Kartapolov an einer Pressekonferenz des
Verteidigungsministeriums RF die Behauptung in die Welt, dass
die Radarüberwachung des Verteidigungsministeriums RF kurz vor
dem Absturz der MH17 ein Su-25-Flugzeug der ukrain. Streitkräfte
aufzeichnete, das in einer Entfernung von 3-5 km von der
malaysischen Boeing flog. Laut Mitteilungen, die auf der "Bellingcat"-Website veröffentlicht wurden,
ergab eine von internationalen Experten durchgeführte
Überprüfung, dass die von Kartapolov präsentierten Daten
absichtlich fabriziert wurden u. am Tag der Katastrophe keine
ukrain. Militärflugzeuge in der Nähe der Boeing registriert
wurden. Das Verteidigungsministerium RF vertrat jedoch weiterhin
die Version Kartapolovs. Im Sept. 2016 sagte Viktor
Meshcherjakov, stv. Chefkonstrukteur der Forschungs- u.
Produktionsvereinigung der Elektromechan. Fabrik von
Lianozovskij, bei einem Briefing des Verteidigungsministeriums
RF, dass das Radarsystem "Utjos T" gezeigt habe, dass sich zur
fraglichen Zeit keine Luftobjekte von Dritten in der Nähe des
malaysischen Flugzeugs befunden hätten. Diese Erklärung wurde in
Anwesenheit des offiziellen Vertreters des
Verteidigungsministeriums RF, Generalmajor s. Igor Konashenkov,
u. des Leiters der funktechnischen Truppen der Luft- u.
Raumfahrtstreitkräfte, Generalmajor Andrej Koban abgegeben.
Diese Information ist eine De-facto-Widerlegung der Aussage
Andrej Kartapolovs, die er 2 Jahre zuvor machte. Der Name
Kartapolovs fehlte im Haager MH17-Urteil vom 17. Nov. 2022.
Die "Stiftung für Korruptionsbekämpfung" FBK
von s. Aleksej Navalnyj beschuldigte Kartapolov, die Entführung
ihrer Mitarbeiter Ruslan Shaveddinov, Artem Ionov u. Ivan
Konovalov koordiniert zu haben. Dafür wurde Kartapolov von der
"FBK" auf die "Liste der 35" gesetzt, bestehend aus
hochrangigen russ. Staatsbeamten, gegen die Sanktionen empfohlen
wurden. Vor den Wahlen 2021 veröffentlichte die "FBK" eine
Untersuchung, wonach die Tochter Kartapolovs eine Beteiligung am
genehmigten Kapital des "Brasov Machine-Building Plant" besitzt,
das auch Spezialbehälter für Munition herstellt.
Vom "Forum Freies Russland", das die "Putin-Liste" führt, wird
Kartopolov Beteiligung an den Kriegshandlungen in der Ukraine u.
in Syrien, an der Organisation der Tötung von Soldaten in
Ilovajsk sowie Falschaussagen im Fall der malaysischen Boeing
vorgeworfen.
Sanktionen: Im Feb. 2015 wurde
Kartapolov auf die EU-Sanktionsliste der Personen gesetzt, deren
Vermögenswerte in der EU eingefroren sind u. gegen die
Visabeschränkungen verhängt werden. Im Zusammenhang mit den
Massnahmen Russlands gegen die Ukraine, die im Zuge des
von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ.
Angriffskriegs gegen die Ukraine
zur Untergrabung
der territorialen
Integrität, Souveränität u. Unabhängigkeit u. zur
Destabilisierung der Ukraine führten, wurde Kartapolov von der
EU sowie von Grossbritannien, Kanada, Australien, Neuseeland,
Japan, der Schweiz u. der Ukraine mit Sanktionen für
Personen belegt, deren Vermögen in der EU eingefroren wurden u.
für die Visabeschränkungen bzw. ein Einreiseverbot
bestehen. Im März 2022 wurde er wegen seiner "Mitschuld an
Putins Krieg“ u. der "Unterstützung der Bemühungen des Kremls,
in die Ukraine einzumarschieren“ auf die US-Sanktionsliste
gesetzt, auch weil die Abgeordneten der Staatsduma RF ihre Macht
nutzen, um Andersdenkende u. polit. Gegner zu verfolgen, die
Informationsfreiheit zu verletzen u. die Menschenrechte u.
Grundfreiheiten der russ. Bürger einzuschränken.)
KARJAKIN,
Aleksej Vjacheslavovich II III (1980-, ukrain.-russ.
Fahrzeugreparateur, proruss. Politiker in der selbsternannten
sog. "Volksrepublik Lugansk" LVR. Absolvent der
Stakhanov-Technikschule mit einem Abschluss in Fahrzeugwartung
u. -reparatur ab. Dann führte er ein eigenes kleines Geschäft in
Stakhanov, Gebiet Lugansk/Luhansk. Im April 2014 beteiligte sich
Karjakin an den Aktionen gegen die Politik der ukrain. Regierung
in Kiev im Rahmen des "Russ. Frühlings“ in der Stadt Stakhanov, ukrain. Kadijivka, im Gebiet
Lugansk/Luhansk, Donbass, Ostukraine. Dabei wurde er zusammen
mit 5 anderen Aktivisten festgenommen u. in die Haftanstalt der
Abteilung für innere Angelegenheiten des Lenin-Bezirks in
Lugansk verbracht, wurde aber bald, nach der Erstürmung des
Gebäudes der SBU in Lugansk, freigelassen. Er
beteiligte sich an Kundgebungen zur Unterstützung der "Berkut“, der Spezialeinheit des ukrain.
Innenministeriums, sammelte Geld für verletzte Soldaten der
Einheit u. vertrat die Bürger, die das SBU-Gebäude in Lugansk
besetzt hatten, bei einem Treffen mit Vertretern der
OSZE-Beobachtergruppe. Im Mai 2014 wurde er zum Vorsitzenden des
"Volksrats"/Parlaments der sog. "Volksrepublik Lugansk" gewählt.
Daraufhin wurde er wegen "Verdachts auf Hochverrat“ vom SBU auf
die Fahndungslistegesetzt. Im Okt.-Dez. leitete er die Zentrale
Rechnungsprüfungskommission der öffentl. Bewegung "Frieden für das Lugansker Gebiet“. Im Nov.
2014 wurde er erneut zum Vorsitzenden des "Volksrats der LVR"
gewählt. Im März 2016 wurde er aus diesem Amt entlassen, wobei
er 3 Tage später die "LVR" in Richtung Russland verliess. Ende
April wurden ihm die parlamentar. Befugnisse entzogen. Im Sept.
2016 wurde er von der Generalstaatsanwaltschaft der "LVR" im
Zusammenhang mit einem Putschversuch auf die Fahndungsliste
gesetzt. Nachdem der Chef der "LVR", s. Igor Plotnickij, im Nov.
2017 zurückgetreten u nach Russland ausgereist war, kehrte
Karjakin in die "LVR" zurück. Im Juni 2019 wurde er zum 1.
Vorsitzenden der neu geschaffenen Öffentl. Kammer der "LVR"
gewählt. 2022 war er als Freiwilliger der Mobilisierung der
russ. Armee in der Ukraine gemeldet. Aufgrund des
von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ.
Angriffskriegs gegen die Ukraine
gelangte
er auf die Sanktionslisten der EU, Grossbritanniens, der USA u.
einer Reihe weiterer Länder. 2023 war er Mitglied der öffentl.
Zentrale zur Überwachung der von Russland organisierten "Wahlen“ in den von Russland besetzten
Gebieten der Ost- u. Südostkraine.)
KASATONOV, Vladimir Lvovich II III (1962-, sowjet. bzw. russ.
Militärführer der Marine RF, Vizeadmiral. Absolvent verschiedener Marineschulen u.
Militärakademien von 1977 bis 2008. Er diente als Kommandeur
auf den Schiffen der Nordflotte u. dem schweren
Atomraketenkreuzer "Kirov", als Befehlshaber zweier
Zerstörer, als Kommandeur des schweren Atomraketenkreuzers "Peter der Grosse" sowie als Stabschef u.
Kommandeur einer Division der Raketenschiffe der Nordflotte.
2010 wurde er zum Kommandeur der Kola-Flottille der Streitkräfte der
Nordflotte u. 2012 zum Stabschef u. 1. stv. Kommandeur der Pazifikflotte ernannt. 2016-19 war er
Leiter der nach N.G. Kuznecov benannten Seekriegsakademie.
Im Dez. 2019 wurde er per Dekret des Präsidenten RF V. Putin
zum stv. Oberbefehlshaber der Marine ernannt.
Rolle beim Unglück des U-Boots "Kursk" 2000: Von
März 2000 bis Juli 2005 war Kasatonov Kapitän des
Schlachtkreuzers "Pjotr Velikij" / Peter der Grosse". Während
der jährlichen Übungen der Nordflotte in der Barentssee vom Aug.
2000 erlitt bekanntlich das U-Boot K-141 "Kursk" einen verheerenden
Unfall u. sank. Am Morgen des 12. Aug. sollte die "Kursk" einen
Schein-Torpedoangriff auf die "Pjotr Velikij" durchführen.
Während der Vorbereitungen für den Angriff ereignete sich auf
der "Kursk" eine Explosion mit einem Brand in ihrem Torpedoraum,
gefolgt von einer 2. grösseren Explosion, die das Boot zum
Sinken brachte. Kasatonovs Sonarbetreiber an Bord der "Pjotr Velikij"
meldeten die Geräusche von 2 Explosionen aus der Nähe der
"Kursk", u. als sich das U-Boot nicht wie geplant meldete,
begannen Suchoperationen. Um 4.30 Uhr Ortszeit, 5 Std. nach
Beginn der Suche u. 16 Std. nach dem Untergang des U-Boots,
entdeckte das Sonarsystem von "Pjotr Velikij" das Wrack der
"Kursk" in 108 m Tiefe, etwa 105 km von Severomorsk entfernt.
Die Rettungsaktionen begannen unter der Koordination von Admiral
Popov an Bord der "Pjotr Velikij". Zu diesem Zeitpunkt waren die
Überlebenden der Explosion wahrscheinlich bereits tot. Kasatonov
u. sein Schiff bewachten die Stelle des Wracks während der
Rettungs- u. anschliessenden Bergungsarbeiten bis Okt. 2000. In
diesem Monat wurde die "Pjotr Velikij" zum besten Schiff der
Nordflotte erklärt. Kasatonov wurde im Feb. 2003 zum
Konteradmiral befördert. Im März 2004 wurde Kasatonov vom
Oberbefehlshaber der Marine, Flottenadmiral Vladimir Kuroedov, wegen des Zustands der
"Pjotr Velikij" kritisiert. Kuroedov, der das Schiff in den
Hafen einlaufen liess, wurde mit den Worten zitiert: „An den
Orten an Bord, wo die Admirale tatsächlich hingehen, ist alles
in Ordnung, aber wo sie nicht hingehen, ist alles in einem
solchen Zustand, dass es in den Himmel gehen könnte. ... Und
damit meine ich auch den Zustand des Kernreaktors.“ Später
bestritt er, dass von dem Kernreaktor eine Bedrohung ausgegangen
sei. Beobachter stellten fest, dass die Kommentare
wahrscheinlich interne Kämpfe im Oberkommando der Marine
widerspiegelten, wo Kuroedov nach einer Reihe von Unfällen,
darunter dem Verlust der "Kursk" u. dem Untergang der "K-159" im Aug. 2003, unter Druck stand.
Sie stellten auch fest, dass Kasatonovs Onkel, Admiral Igor
Kasatonov, Kuroedov wegen des Verlusts von Menschenleben beim
Untergang der "K-159" äusserst kritisch gegenübergestand.
Als Militärwissenschaftler ist Kasatonov als Autor von über 30
wissenschaftl. Artikeln u. Monographien hervorgetreten. Sein
wissenschaftl. Interessenbereich umfasst die allgemeinen
Grundlagen der Militärwissenschaft, den Aufbau des Militärs u.
der Streitkräfte. 2022 erschien sein Buch über "Neue Militärkunst. Buch 1. Theorie.“, das
die Richtungen zur Verbesserung der Theorie der Militärkunst als
Wissenschaft behandelt. Das Hauptaugenmerk des Werks liegt auf
der Schaffung eines grundlegenden Gesetzessystems, das die
Konfrontation zwischen 2 gleichberechtigten Gegnern bestimmt.
Kritik u. Sanktionen: Vom "Forum
Freies Russland" werden Kasatonov eine Mitschuld an der
militär. Aggression Russlands gegen die Ukraine u.
Kriegsverbrechen vorgeworfen. Vor dem
Hintergrund des
von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ.
Angriffskriegs gegen die Ukraine wurde Kasatonov im
Feb. 2022 auf die EU-Sanktionsliste gesetzt, indem er als
"verantwortlich für die Operationen der russ. Flotte, auch
in der Ukraine oder auf ihrem Territorium“ eingestuft
wurde. Daher sei er für die aktive Unterstützung u.
Umsetzung von Massnahmen u. Richtlinien verantwortlich,
die die territoriale Integrität, Souveränität u.
Unabhängigkeit der Ukraine sowie die Stabilität oder
Sicherheit in der Ukraine untergraben u. bedrohen.“ Im
März 2022 wurde Kasatonov auf die Sanktionsliste Kanadas
als "enger Verbündeter des Regimes“ gesetzt, weil er
"Präsident Putins Entscheidung, in ein friedliches u.
souveränes Land einzudringen, erleichtert u. unterstützt"
habe. Aus ähnlichen Gründen unterliegt er Sanktionen
Grossbritanniens, Australiens, Japans, Neuseelands, der
Schweiz u. Ukrainet.)
KASPAROV, Garri Kimovich II III IVa
IVb V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV (ehem. sowjet. bzw. russ.
Schachweltmeister armen. u. jüdischer Herkunft,
geb. als Garik Weinstein /Wajnshtejn/ u. aufgewachsen in
Baku, Aserbaidschan. SSR.
1985-93 war er offizieller Weltmeister des
Weltschachverbands FIDE. Nachdem er sich 1993 von
dieser Organisation getrennt hatte, blieb er noch bis 2000
der vom Grossteil der Schachwelt anerkannte Träger dieses
Titels. Im März 2005 beendete er, an der Spitze der
Weltrangliste stehend, offiziell seine professionelle
Schachkarriere. Seit dem
Rückzug vom Schach ist Kasparov v.a. als russ.
Oppositionsaktivist u. Buchautor in Erscheinung getreten.
Polit. Aktivität:
1984 trat Kasparov der KPdSU bei, verliess diese 1990
u. beteiligte sich an der Gründung der "Demokrat.
Partei", deren stv. Vorsitzender er wurde. Ein Jahr später
trat er nach Auseinandersetzungen über das Programm auch
aus dieser Partei aus. 1993 war er an der Gründung der
Partei "Russlands Wahl" beteiligt. Bei
den russ. Präsidentschaftswahlen 1996 setzte er
sich für die Wiederwahl von s. Boris Elcyn ein.
Ab 1999 veröffentlichte Kasparov eine Reihe von polit.
Kommentaren in US-Zeitungen wie dem The Wall
Street Journal. Nach der Wahl V. Putins zum
Präsidenten RF im März 2000 betrachtete Kasparov ihn
zunächst als „jungen pragmat. Führer“, der zur Entwicklung
der Demokratie in Russland beitragen könne, war jedoch
bald desillusioniert von ihm, sah seine Fehleinschätzung
ein u. wurde sein entschiedener Kritiker u. Gegner. 2001
unterzeichnete er einen Brief zur Verteidigung des Senders
"NTV".
2003 gehörte er zu den Persönlichkeiten aus Kultur u.
Wissenschaft, die die russ. Behörden aufforderten, den
Krieg in Tschetschenien zu beenden u. den
Verhandlungsprozess fortzusetzen. Er wurde Mitgründer u.
Vorsitzender des im Jan. 2004 errichteten "Komitees 2008: Freie Wahl“, das das
Ziel verfolgte, eine weitere Amtszeit Putins zu
verhindern. Ausserdem wurde er Co-Vorsitzender des
Organisationskomitees des Allruss. Bürgerkongresses
"Russland für Demokratie, gegen Diktatur“ VGK zusammen mit
der Menschenrechtlerin s. Ljudmila Alekseeva u. dem ehem.
Elcyn-Berater s. Georgij Satarov. Im März 2005 verkündete
Kasparov das Ende seiner Sportkarriere u. teilte mit, an
der russ. Politik als neues Lebensziel teilhaben zu wollen
u. potenzieller Kandidat für die Präsidentschaftswahlen RF
2008 zu werden. Er gründete die "Vereinigte Bürgerfront" u.
wurde Mitglied beim regierungskritischen
Parteienbund "Das andere Russland". Zweck dieser
oppositionellen Koalition verschiedener polit.
Überzeugungsrichtungen sollte sein, sich der Politik
Putins u. seiner Partei "Einiges Russland"
entgegenzustellen u. die Macht vom Präsidenten auf das
Parlament u. die Regionen umzuverteilen. Im April 2005
kündigte Kasparov gemeinsam mit dem
russ. Duma-Abgeordneten s. Vladimir
Ryzhkov die Gründung einer
neuen liberalen Partei an. Seit 2006 war
Kasparov auch einer der Organisatoren des "Marsches der Unzufriedenen“, der
vom "Anderen Russland" veranstaltet wurde. Mitte
Dez. 2006 veranstaltete Kasparov in Moskau eine
Demonstration gegen die Putin-Regierung, an der etwa 2000
Menschen teilnahmen. Wegen seiner kritischen Haltung
gegenüber dem Putin-Regime geriet er ins Visier der
Behörden u. hatte künftig verschiedene behördl. Schikanen
zu gegenwärtigen. Wenige Tage vor der Kundgebung waren im
Zusammenhang hiermit die Räume des von Kasparov geleiteten
Komitees durchsucht worden. Im April 2007 organisierte
Kasparov eine weitere Oppositionskundgebung in Moskau. Auf
dem Weg zu dieser nicht genehmigten Veranstaltung nahm die
Polizei ihn u. seine Begleiter fest, wobei er einige
Stunden später gegen Bezahlung einer Geldstrafe von
1000 Rubel wieder freikam. Im Mai 2007 fand
in Samara der EU-Russland-Gipfel statt, zu dem auch
einige russ. Oppositionelle, darunter Kasparov, anreisen
wollten. Laut eigener Aussagen wurde Kasparov am Moskauer
Flughafen festgehalten, während sein Pass u. das
Flugticket abgenommen wurden. Kasparov bezeichnete
Russland daraufhin als einen „Polizeistaat“. Die dt.
Bundeskanzlerin s. Angela Merkel übte offen
Kritik am Vorgehen der russ.
Behörden. Der Europäische Gerichtshof für
Menschenrechte EGMR urteilte im Okt. 2016, das
Vorgehen gegen Kasparov sei unrechtmässig gewesen. Im Juli
2007 verglich Kasparov in The Wall Street Journal die
Regierung Putin mit der Mafia, wie sie in Romanen
von Mario Puzo beschrieben werde. Im Sept. 2007
bezeichnete Kasparov
den tschetschen. Präsidenten s. Ramzan
Kadyrov als „Banditen“, worauf das tschetschen.
Parlament eine Klage wegen Beleidigung gegen Kasparov
einreichte. Ende Sept. 2007 begann eine Kampagne zur
Nominierung Kasparovs als Kandidat des "Anderen Russlands“
für die Präsidentschaft RF bei der Wahl vom März 2008,
wobei Kasparov eine Vorwahl für die Nominierung
als Präsidentschaftskandidat des
Oppositionsbündnisses "Anderes Russland" in
Moskau gegen den früheren PM RF s. Mikhail
Kasjanov u. den früheren Zentralbankchef s. Viktor Gerashchenko
gewann. Im Okt. 2007 hatte
Kasparov mehrere Auftritte in bekannten TV-Sendungen der
USA wie The Colbert Report, Real Time
with Bill Maher u. CNN Late
Edition. Im Nov. 2007, eine Woche vor den
Parlamentswahlen in Russland, wurde Kasparov in Moskau
nach einer genehmigten Kundgebung bei einem nicht
genehmigtem Protestmarsch verhaftet u. zu 5 Tagen
Gefängnis verurteilt. "Amnesty
International" bezeichnete ihn als „polit.
Gefangenen“ u. forderte seine sofortige
Freilassung. Nach fünftägiger Haft an einem geheim
gehaltenen Ort kam Kasparov wieder frei. 2016 stellte
der EGMR bei der Verhaftung Kasparovs vom Nov. 2007
keine Verletzungen des Rechts auf Freiheit u.
Unverletzlichkeit der Person fest, sah jedoch seine
Rechte auf ein faires Verfahren u. die
Versammlungsfreiheit als verletzt an. Im Dez. 2007 gab
Kasparov seinen Rücktritt von seiner
Präsidentschaftskandidatur bekannt, da er von den
Behörden massiv behindert werde. Gleichzeitig zeigten
Umfragen, dass die Unterstützung für Kasparov in
Russland gering war u. er keine Chance hatte, bei diesen
Wahlen zu gewinnen. Im Dez. 2008 gründeten Kasparov
u. s. Boris Nemcov eine neue
Oppositionsbewegung unter dem Namen "Solidarnost". Am Gründungskongress
in einem Hotel nahe Moskau nahmen über 150 Delegierte
von Organisationen, Bürgerbewegungen u. polit. Parteien
teil, darunter auch der liberalen Partei "Jabloko. Kasparov wurde als
Mitglied des Präsidiums des föderalen polit. Rats der
Bewegung gewählt. Kasparov rief die Delegierten auf, den
beschädigten Ruf der russ. Demokratie mit einem
gemeinsamen Vorgehen gegen die Kreml-Führung zu retten,
u. warf der polit. Führung in Moskau vor, „unter dem
Mantra liberaler Prinzipien eine vollständige Diktatur
geschaffen“ zu haben. Im März 2010 unterzeichnete
Kasparov den Appell der russ. Opposition "Putin muss gehen“, wobei Kasparov
Mitglied der Autorengruppe war. Im Frühjahr/Sommer
wurden Unterschriften gesammelt u. im Herbst/Winter
fanden in Moskau Kundgebungen für Putins Rücktritt
statt, bei denen auch Kasparov sprach. Im Herbst 2011
rief Kasparov zum Boykott der Wahlen zur Staatsduma RF
auf. Im Okt. kam es beim Bürgerforum "Letzter Herbst“ zu
Debatten zwischen Vertretern dreier Positionen in Bezug
auf die Wahlen: Garri Kasparov, Boris Nemcov u. s.
Aleksej Navalnyj. Im Dez. sprach Kasparov auf
Massenkundgebungen in Moskau. Im Mai 2012 wurde Kasparov
zum Vorsitzenden des internationalen Rats der "Human Rights Foundation" HRF
gewählt. Im Aug. wurde er während einer
Demonstration gegen die Verurteilung von 3 Mitgliedern
der Punk-Rock-Gruppe "Pussy Riot" zusammen mit rd. 60
anderen Demonstranten von der russ. Polizei verhaftet u.
wegen Verstosses gegen das Demonstrationsrecht
angeklagt. Das Verfahren gegen Kasparov wurde jedoch
bald eingestellt u. der Beschuldigte freigesprochen. Im
Okt. 2012 belegte Kasparov bei den Wahlen zum
Koordinierungsrat der Opposition auf der allgemeinen
Bürgerliste den 3. Platz; den 1. u. 2. Platz erhielten
Aleksej Navalnyj u. s. Dmitrij Bykov. Anfang April 2013
verliess Kasparov den Vorstand von "Solidarnost", blieb
aber Mitglied der Organisation. Er begründete seine
Entscheidung damit, dass er der Umwandlung von
"Solidarnost“ in „ein Anhängsel der Partei "RPR-PARNAS“ u. der Teilnahme an
„Aktionen zur Legitimierung der bestehenden Regierung“
wie Wahlen nicht zustimmen konnte. Inzwischen hatte
Kasparov Russland verlassen. Anfang Juli 2013 sagte er,
er sei seit Feb. 2013 nicht nach Russland zurückgekehrt,
weil er befürchtete, dass gegen ihn wegen polit.
Proteste ermittelt wird u. er an einer Wiederausreise
gehindert werden könnte. Er habe keine Pläne, aus dem
Ausland nach Russland zurückzukehren u. werde weiterhin
auf internationaler Ebene gegen die „Kreml-Verbrecher“
kämpfen. Von diesem Moment an lebte er in New York, USA.
Kasparov sagte auch, dass er den Vorsitz des "We
Choose“-Ausschusses zur Unterstützung fairer Wahlen im
Iran führe. m Juni 2013
wurde Kasparov in Genf für seinen gewaltlosen Einsatz
für die Menschenrechte in Russland mit
dem "Morris B. Abram Human Rights Award" der
Organisation "UN Watch" ausgezeichnet. Im
Nov. 2013 beantragte Kasparov
die lettische Staatsbürgerschaft, da er in
Russland polit. Verfolgung fürchtete. Im Feb. 2014
erhielt Kasparov die kroatische Staatsbürgerschaft. Im
März 2014 wurde auf Ersuchen der
Generalstaatsanwaltschaft RF u. ohne Gerichtsentscheid
von "Roskomnadzor" die Website
kasparov.ru wegen „Aufrufen zu illegalen Aktivitäten u.
zur Teilnahme an ordnungswidrigen Massenveranstaltungen“
in Russland gesperrt. Im Aug. 2014 wurde die
Rechtmässigkeit der Sperrung der Website durch das
Moskauer Gericht Khamovniki bestätigt. 2020 erkannte der
EGMR an, dass die Sperrung der Website vom Aug. 2014
gegen die Europäische Konvention zum Schutz der
Menschenrechte u. Grundfreiheiten verstiess, u.
verurteilte Russland zur Zahlung von 10 Tsd. Euro an das
Portal. 2014 verurteilte Kasparov, der die Krym als
ukrain. Staatsterritorium betrachtet, die Annexion der Krym durch Russland
u. Russlands Vorgehen im Zusammenhang mit dem
bewaffneten Konflikt in der Ostukraine u. forderte die
Führungen der westlichen Welt auf, den Druck auf Putin
zu erhöhen. Er unterstützte das Verbot russ. sozialer
Netzwerke u. russ. Suchmaschinen in der Ukraine,
forderte die europäischen Länder auf, dasselbe zu tun,
u. sprach sich für die Freilassung des in Russland
inhaftierten ukrain. Regisseurs s. Oleg Sencov aus. Nach
der Ermordung des oppositionellen Politikers s.
Boris Nemcov Anfang März 2015 in Moskau gab
Kasparov mehrere Interviews. Als Vorsitzender der
HRF gab er vor dem Unterausschuss des US-Senats für
Europa u. regionale Sicherheitszusammenarbeit eine
Stellungnahme zum Thema „Russ. Aggression in Osteuropa“
ab. Im Aug. 2015 erklärte Kasparov, dass es „keine
Chancen für den Frieden" gebe, „solange Putin im Kreml"
sei, denn „der Friede bedeute für Putin das „Ende seiner
Macht.“ 2015 wurde Kasparovs Buch "Winter is Coming: Why We Should
Stop Vladimir Putin and the Enemies of the Free World“
veröffentlicht, das sich der scharfsinnigen,
schonungslos kritischen u. wahrhaften oppositionellen
Analyse der destruktiven u. gefährlichen Politik V.
Putins u. der Appeasement-Politik westlicher Führer
widmet, die Russland in die Katastrophe geführt habe,
mit fatalen Folgen für die Sicherheit u. den Frieden auf
der Welt. Das Buch, das ein engagiertes Plädoyer gegen
Putin u. dessen revanchistische u. rachegeleitete
Politik enthält, ist auf Deutsch unter dem Titel "Warum wir Putin stoppen müssen"
erschienen /II III/. Seit 2016 ist Vilnius,
Litauen, Gastgeber von Konferenzen russ.
Oppositionspolitiker, des "Forums Freies Russland“, das von
Kasparov u. dem ehem. Exekutivdirektor von
"Solidarnost", Ivan Tjutrin, eingerichtet wurde. Eines
der Projekte des Forums ist die Zusammenstellung einer
"Putin-Liste“ mit Vorschlägen für die Sanktionierung
russ. Bürger durch die USA u. EU, weil sie die
Kriegsaggression des Kremls gegen die Ukraine
unterstützen. Im Okt. 2017 schlug Kasparov vor, die
russ. Präsidentschaftswahl 2018 zu boykottieren. Als
überzeugter Anhänger der US-Republikaner lobte Kasparov
die Aussenpolitik der USA, insbes. Ronald Reagans
gegenüber der Sowjetunion, ignorierte jedoch Vorwürfe
über Menschenrechtsverletzungen, für die dessen
Administration verantwortlich gemacht wurde. 2018
veröffentlichte die "Initiative für die Erneuerung der
Demokratie", der Kasparov, William Kristol, s. Anne
Applebaum, Mario Vargas Llosa u.a. Schriftsteller,
polit. Kommentatoren u. Intellektuelle angehören, eine
Sammlung von Essays zur Präsidentschaft von s. Donald
Trump unter dem Titel "Fight for Liberty: Defending
Democracy in the Age of Trump".
2019 unterzeichnete Kasparov einen "Offenen Brief gegen die polit.
Repression in Russland". Im
Feb. 2022, dem Monat des Beginns des
von Putin
entfesselten russ.
Angriffskriegs
gegen die
Ukraine
wurde
Kasparov Mitglied des "Antikriegskomitees Russlands".
Im Mai 2022 wurde er vom Justizministerium RF
auf die personenbezogene Liste der sog. "ausländ. Agenten“ gesetzt.
Im Okt. 2022 sagte Kasparov angesichts der russ.
Misserfolge im Ukrainekrieg
einen
Zusammenbruch der unter Putins Führung stehenden
RF für 2023 voraus u. erklärte, dass s.
Mikhail Khodorkovskij der Mann der Stunde
für die Zeit nach Putin sein werde. Er selbst
strebe kein polit. Amt mehr in Russland an, sei
aber bereit, Zeit, Energie u. Ruf zu
investieren, „um Russland zu helfen, als
Mitglied der zivilisierten Welt zurückzukehren.“
Im Feb. 2023 wurde das "Forum Freies Russland"
vom Putin-Regime verboten u. Kasparov selbst Im
März 2024 von "Rosfinmonitoring"
auf
die Liste der Terroristen u. Extremisten
gesetzt. Im April 2024 verhaftete das
Stadtgericht Syktyvkar Kasparov in Abwesenheit
aufgrund der Vorwürfe der Gründung einer
terrorist. Gemeinschaft sowie der Finanzierung
terrorist. Aktivitäten u. öffentl. Aufrufe zum
Terrorismus. Zusammen mit ihm wurden weitere
Mitglieder des Rats des "Forums Freies
Russland“, so s. Ivan Tjutrin, s. Evgenija
Chirikova u. s. Gennadij Gudkov, in Abwesenheit
verhaftet. Die Medien verbanden die
strafrechtliche Verfolgung dieser
Oppositionellen mit einer im Nov. 2023
vom
"Forum" durchgeführten
Auktion
zur Unterstützung russ. Freiwilliger, die für
die Ukraine kämpften. In einem Interview vom Feb. 2025
sagte Kasparov in Genf, Europa könne die Ukraine
auch ohne die USA verteidigen. Von der Schweiz
zeigte er sich enttäuscht.) 08.24 / 02.25
KASPERSKAJA (geb. SHTUCER /
STUZER/STUTZER), Natalja Ivanovna II 2010-18: II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII
XIV
XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVI XXVII XXVIII XXIX XXX XXXI XXXII XXXIII XXXIV XXXV XXXVI XXXVII XXXVIII XXXIX XL 2019-22:
II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVI XXVII XXVIII XXIX XXX XXXI XXXII XXXIII XXXIV 2025.
II
(1966-, sowjet. Mathematikerin
bzw. russ. Top-Unternehmerin im
IT-Bereich. Absolventin der Fakultät für Angewandte
Mathematik am Moskauer Institut für Elektrotechnik u.
Mathematik MIEM. Das Thema ihrer Diplomarbeit lautete "Das
mathemat. Modell des Kühlsystems eines Kernreaktors“.
Darüber hinaus erwarb sie einen Bachelor-Abschluss in
Betriebswirtschaft von der "Open University" in GB. Nach
ihrem Abschluss am Institut arbeitete Kasperskaja 6 Monate
im Moskauer Zentralen Forschungs- u. Konstrutionsbüro CNKB
als wissenschaftl. Mitarbeiterin. Ihren
1. Ehemann, s. Evgenij Kasperskij, lernte die 20-jährige Natalja
1987 kennen u. heiratete ihn im gleichen Jahr. Das Ehepaar liess
sich 1998 auf Initiative von Evgenij scheiden, verschwieg die
Scheidung jedoch aufgrund des insgesamt schnell wachsenden
Geschäfts noch ein paar Jahre.
In den 1990er Jahren leitete Kasperskaja die
Antiviren-Vertriebsabteilung von "AntiViral Toolkit Pro", in
der das Entwicklungsteam von Evgenij Kasperskij gearbeitet
hatte. Im Juni 1997 leitete sie die Entstehung von "Kaspersky Lab" ein. Die anfängliche
Verteilung der Anteile an "Kaspersky Lab" war wie folgt: 50%
gehörten Evgenij, weitere 20% gehörten 2 seiner
Programmierkollegen, während Nataljas Anteil 10% betrug.
Seit 1997 verdoppelte sich der Umsatz jährlich; 2001 betrug
der Umsatz des Unternehmens etwa 7 Mln. USD, 2006 waren es
über 67 Mln. USD. Im Aug. 2007 wurde Natalja aufgrund einer
sich vertiefenden ideolog. Spaltung mit Evgenij Kasperskij
von ihrem Posten entlassen u. von ihren wichtigsten
Führungsfunktionen entfernt; sie blieb jedoch Vorsitzende
des Direktoriums von "Kaspersky Lab". Ihr endgültiger
Abschied von dem einst gemeinsamen Geschäft erfolgte 2011.
Unter der Leitung von Natalja Kasperskaja entwickelte sich
"Kaspersky Lab" zu einem der grössten
Antivirus-Software-Unternehmen mit einem Netzwerk regionaler
Niederlassungen auf der ganzen Welt. Zum Zeitpunkt des
Führungswechsels 2007 betrug der Umsatz des "Laboratoriums“
126 Mln. USD. 2011 wurde sein Kapital auf über 1,3 Mrd. USD
geschätzt, während der Jahresumsatz 700 Mln. USD betrug.
Nach dem Führungswechsel verringerte sich dessen
Wachstumsrate merklich: 2009 sank der weltweite Umsatz von
"Kaspersky Lab" um 40%, 2011 um 13,7%, 2012 um 3%, 2013 um
6%. 2007-11 kaufte "Kaspersky Lab" den Anteil Nataljas an
diesem Unternehmen vollständig auf.
"InfoWatch":
2001-2 entwickelten die Spezialisten von "Kaspersky Lab" ein
System, das später unter der Marke "InfoWatch Traffic Monitor
Enterprise" bekannt wurde u. sich mit dem Schutz von
Unternehmensbenutzern vor internen Bedrohungen befasste. Im
Dez. 2003 wurde eine Tochtergesellschaft namens "InfoWatch"
gegründet, um das neue Produkt zu entwickeln u. zu vertreiben.
2005 gründete Kasperskaja zusammen
mit
Igor Ashmanov, ihrem 2. Ehemann ab 2001, das Unternehmen
"Nanosemantics",
das sich mit der Entwicklung von Online-Diensten beschäftigt,
die auf einem direkten Dialog zwischen einem Computer u. einem
Benutzer basieren. Das Unternehmen ist auf Technologien der
künstlichen Intelligenz spezialisiert. Ab Okt. 2007 war
Natalja Kasperskaja CEO u. Mehrheitseigentümerin von
"InfoWatch", eine Firma, die Teil ihres Anteils an der
Geschäftsteilung mit ihrem Ex-Mann war. Kasperskaja richtete
ihre Hauptinvestitionen auf "InfoWatch", auf gemeinsame
Unternehmen von "Kribrum" u. "Nanosemantics" mit Igor Ashmanov
sowie auf das dt. Antivirenunternehmen "G Data Software AG".
Die Firma "Kribrum" wurde 2010 von Natalja Kasperskaja u. Igor
Ashmanov als Teil der "InfoWatch"-Unternehmensgruppe
gegründet; die Firma vertritt ein Überwachungsdienst für
soziale Medien, der darauf ausgelegt ist, die
Informationssicherheit im Internet zu gewährleisten. 2012
wurde bekannt, dass die Antiviren-Firma "Kaspersky Lab" u.
"Infowatch" unter der Leitung von Natalja Kasperskaja
beschlossen, sich als vollständig unabhängige Unternehmen
aufzustellen. Das anfänglich unrentable Geschäft des
Unternehmens "InfoWatch" erreichte 2012 erstmals ein Plus u.
wuchs rasant weiter, um 60-70% pro Jahr. Laut Forbes
belief sich der Umsatz von "InfoWatch" 2014 auf 831 Mln.
Rubel; unabhängige Experten, die im Frühjahr 2015 von Kommersant
befragt wurden, schätzten dieses Geschäft 40-50 Mln. USD
schwer. Heute ist "InfoWatch" eine bedeutende
Unternehmensgruppe aus mehreren Tochterunternehmen, die sich
in 2 Richtungen gruppieren – Schutz von Unternehmen vor
inneren Bedrohungen u. vor gezielten Angriffen von aussen. Es
nimmt etwa 50% des russ. Markts für vertrauliche
Datenschutzsysteme /DLP-Systeme/ ein. Zu den langjährigen
Kunden gehören russ. Regierungsbehörden sowie "Sberbank",
"Bilajn", "Lukoil", "Tatneft", "Surgutneftegaz", "Sukhoj",
"Magnitogorsker Metallurg. Kombinat" u.a. Ausserdem fördert
das Unternehmen aktiv seine Geschäfte in Deutschland, im
Mittleren Osten, in den Ländern Süd- u. Südostasiens. Die
derzeitigen Anteilseigner von "InfoWatch" sind Natalja
Kasperskaja u. der stv. Generaldirektor des Unternehmens,
Rustem Khajretdinov.
Seit 2017 besitzt Kasperskaja über die zypriot.
Offshore-Firmen "Organat Financial Ltd.“ u. "Fiduciana
Nominees Ltd." die russ. "Neklis"-Bank. Deren Lizenz wurde im
Jan. 2020 von der Zentralbank RF widerrufen. Sogleich wurde
bekannt, dass Kasperskaja ihre Mitgliedschaft im Vorstand der
"Bank
Otkrytie Financial Corporation" suspendiert
habe.
Kasperskaja,
nunmehr
eine der bekanntesten,
renommiertesten u. einflussreichsten Personen in der russ.
IT-Branche,
ist Vorstandsmitglied wichtiger Verbände, so
Vorstandsvorsitzende des Verbands der Softwareentwickler
ARPP "Оtechestvennyj soft“, u. Mitglied
anderer bedeutender Organisationen u. Gremien /s. dt.
Wikipedia/.
Kritik: Vom "Forum Freies Russland", das die sog.
"Putin-Liste" führt, wird ihr
Mittäterschaft
bei einem Verfassungsstreich, Lobbyarbeit für staatl.
digitale Überwachung der Bürger u. Verletzung digitaler
Freiheiten vorgeworfen:
Sie ist
in der sog. "Putin-Liste" erwähnt, die vom Forum
erstellt wurde, das internationale
Sanktionen gegen diese Personen anstrebt. Durch die
fruchtbare Zusammenarbeit mit russ. Regierungsbehörden,
staatl. Körperschaften u. staatsnahen Unternehmen habe
Kasperskaja die wichtigsten Bestrebungen dieses Umfelds
kennengelernt. Kurz nach der Annexion der Krym
2014 u. der endgültigen Errichtung eines Regimes der
personalist. Diktatur in Russland habe sie begonnen, sich
aktiv für staatl. Eingriffe in die digitale Sphäre
einzusetzen, bis hin zur totalen Kontrolle über den
Internetverkehr der Bürger. Sie habe das berüchtigte
"Jarovaja-Paket“ unterstützt, die Forderung an ausländ.
soziale Netzwerke, Daten von Russen auf Servern in der RF zu
speichern, das Gesetz zur Isolierung des Runet sowie jüngste
Verfassungsänderungen, die die Sicherung der staatl.
Regulierung der Informationstechnologie gewährleisten. Ferner
habe sie schon 2015 während des
"Internet Ekonomika Forum" vorgeschlagen, dass Putin die
persönl. Daten von Russen im Namen der Terrorismusbekämpfung
regulieren solle. Dazu bedürfe es ihrer Meinung nach der
Festlegung von Auflagen für ausländ. Webstes, darunter auch
Facebook, ihre Zertifikate unbedingt an den russ. Staat zu
übertragen, wenn sie in Russland t#tig sein wollten. 2016 habe
sie die Pläne der Behörden, den gesamten Internetverkehr der
Russen zu entschlüsseln, bestätigt. Bemerkenswert sei, dass
Kasperskaja die chinesische Digitalspionage als kleineres Übel
betrachte, da sie „im Gegensatz zu unseren westlichen Partnern
keine militär. Gegner Russlands“ seien. Im selben Jahr habe
sie erklärt, dass Daten über die Aktivitäten von Russen im
Internet „Eigentum des Staates" sein sollten. Es wurde darauf
hingewiesen, dass das sog. "Jarovaja-Gesetz" in der Staatsduma
RF tatsächlich beschlossen wurde. Laut dem Leiter des
"Zentrums für den Schutz digitaler Rechte", Sarkis Darbinjan,
sei dieses Gesetz das gefährlichste von allen, die in den
letzten Jahren von der Staatsduma verabschiedet worden seien,
denn es gebe den Weg frei für die „totale Überwachung jedes
Russen.“ Im Jan. 2020 sei Kasperskaja von Putin zum Mitglied
der Arbeitsgruppe zur Ausarbeitung von Vorschlägen zur
Änderung der russ. Verfassung zur „Nullsetzung der Amtszeit
des Präsidenten“ ernannt worden, die auf eine direkte u.
lebenslange Machtübernahme durch Putin abzielten. Darüber
hinaus habe Putin Kasperskajas Vorschlag unterstützt, die
Regulierung der Informationstechnologie der Gerichtsbarkeit
der RF zu unterstellen, was es dem Staat ermögliche, den
freien Internetraum weiter einzuengen u. die digitalen Rechte
der Bürger u. die Privatsphäre ihrer persönl. Daten
einzuschränken. Diese Änderungen hätten die
verfassungsrechtliche u. rechtliche Formalisierung von Putins
Diktatur vervollständigt u. würden vom "Forum Freies Russland"
als illegitimer u. antidemokrat. Verfassungsstreich angesehen.
Ausserdem habe "InfoWatch" u. "Kribrum", das Unternehmen von
Kasperskajas Ehemann Igor Ashmanov, 2016 in eine Software für
die weltweite Suche nach Extremismus in sozialen Netzwerken
für die russ. Strafverfolgungsbehörden investiert. "Infowatch"
habe ferner ein System zur Überwachung von Handygesprächen im
Büro entwickelt, wodurch das Brief- u.
Kommunikationsgeheimnis grob verletzt worden sei. Den
Putin-treuen Strukturen von Kasperskaja u. Ashmanov wird dazu
vorgeworfen, dass sie bereit seien, dem Kreml bei der
Umsetzung von Plänen zur Zensur des Internets zu helfen u.
ihre Entwicklungen für das Ausspionieren der Worte u. Gedanken
der Bürger für kommerzielle Zwecke zu nutzen.
Bei einer Sitzung des Ausschusses für Informationspolitik
der Staatsduma RF vom März 2022 verwies
Kasperskaja
auf den Exodus von
IT-Personal aus Russland ins Ausland
im
Frühjahr 2022
nach Beginn des
von Putin
entfesselten russ.
Angriffskriegs
gegen die
Ukraine
u.
forderte den Staat auf, der IT-Branche beizustehen. Sie
drückte dabei die Überzeugung aus, „dass sich für
heimische Unternehmen jetzt sehr gute Chancen eröffnen u.
dass man diese nicht verpassen dürfe“. Im Juni 2022
bezeichnete Kasperskaja die Sanktionen der EU gegen
Russland als „Bestrafung derjenigen, die nicht daran
beteiligt waren“ /in Bezug auf die Sanktionierung von
"Jandex"-CEO s. Arkadij Volozh/. Kasperskaja selbst
scheint persönlich von den Sanktionen nicht betroffen zu
sein. Sie kritisierte die Sanktionen
als
„völlig
willkürlich, sie widersprechen völlig allen Gesetzen u.
dem, was westliche Länder selbst seit langem über
Unternehmensfreiheit usw. predigen". In einem Interview
mit der Zeitschrift Expert vom Frühjahr 2024
stellte Kasperskaja fest, dass trotz sehr bemerkenswerter
Erfolge beim Ersatz von IT-Lösungen westlicher
Unternehmen, die Russland nach 2022 verlassen haben,
weiterhin grosse Lücken bei hochspezialisierter Software -
für Druck, Medizin, Luftfahrt usw. - u. in der
Systemsoftware - Programmiersprachen, Compiler etc. bestehen,
die dringend durch
inländ. Entwicklungen
geschlossen werden müssen.
Vermögen: Nach
Angaben des Magazins Forbes betrug das
Vermögen von Natalja Kasperskaja im März 2013 rd. 220
Mln. USD. 2014 wurde es auf 230 Mln. USD u. 2015
auf 270 Mln. USD geschätzt. Im Juli 2015 gab Der
Spiegel das Ergebnis seiner Berechnungen mit
207 Mln. Euro an. 2020 schätzte Forbes
ihr Vermögen auf 270 Mln. USD, womit sie Platz 17 auf
der Liste der reichsten Frauen Russlands belegte.
Wie Der Spiegel schrieb, stamme ein
Grossteil des persönl. Vermögens von Kasperskaja aus dem
Erlös des Verkaufs von Vermögenswerten.)
03.25
KASPERSKIJ, Evgenij Valentinovich II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI
XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVI XXVII XXVIII XXIX XXX XXXI XXXII XXXIII XXXIV XXXV XXXVI (1965-, sowjet. bzw. russ.
Mathematiker-Ingenieur, Informatiker u. Programmierer, einer der
weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der IT- bzw.
Cyber-Sicherheit. Einer der Gründer, Haupteigentümer u.
derzeitiger Chef von "Kaspersky Lab" /"Laboratorii Kasperskogo"/,
einem internationalen Unternehmen für IT-Sicherheitslösungen mit
über 30 regionalen Niederlassungen u. Vertrieb in 200 Ländern.
Im Westen ist er als Eugene Kaspersky bekannt. Absolvent des
A.N. Kolmogorov- Internats für Physik u. Mathematik Nr. 18 an
der MSU u. der 4. technischen Fakultät der KGB-Hochschule,
derzeit Institut für Kryptographie, Kommunikation u. Informatik
der Akademie des FSB RF in Moskau, wo er Mathematik,
Kryptographie u. Computertechnik studierte u. die Qualifikation
"Mathematiker-Ingenieur“ erlangte. 1987 trat Kasperskij einem
multidisziplinären Forschungsinstitut des
Verteidigungsministeriums der UdSSR bei. Hier begann er,
Computerviren zu untersuchen, nachdem er 1989 auf den
Cascade-Virus gestossen war. Nach der Analyse des Virencodes
entwickelte er ein spezielles Hilfsprogramm für seine Behandlung
u. interessierte sich für dieses Thema. In den 1990er Jahren
arbeitete Kasperskij im "KAMI Information Technology Center", wo
er eine kleine Gruppe von Spezialisten leitete, die
Antivirenlösungen entwickelten. Im Nov. 1992 veröffentlichte die
Gruppe ihr erstes vollwertiges Produkt, AVP 1.0., u. gewann
einen Vergleichstest des Prüflabors der Universität Hamburg.
Dies verschaffte dem Produkt internationale Bekanntheit u. die
Entwickler begannen, ihre Technologien an ausländ.
IT-Unternehmen zu lizenzieren. 1997 gründeten Kasperskij u.
seine Kollegen ihr eigenes Unternehmen:
"Kaspersky Lab". Evgenij
wollte nicht, dass sein Nachname als Name des Unternehmens
erscheint, aber er wurde von s. Natalja Kasperskaja, Evgenijs
damaliger Ehefrau, die auch eine der Mitgründerinnen des
"Laboratoriums" war, überredet. Im Nov. 2000 wurde das
AVP-Produkt in "Kaspersky Anti-Virus" umbenannt.
Kasperskij leitete die Antivirus-Forschung des Unternehmens vom
Gründungstag bis 2007, als er selbst die Position des CEO von
"Kaspersky Lab" übernahm u. ein Büro in einem neuen
Geschäftszentrum an der Leningrader Chausee bezog. Heute ist
Evgenij Kasperskij einer der weltweit führenden Experten im
Bereich Cyber-Virenschutz. Er ist Autor zahlreicher Beiträge zum
Problem der Computervirologie, Co-Autor mehrerer Patente auf dem
Gebiet der IT-Sicherheit u. tritt regelmässig auf Fachseminaren
u. Konferenzen in Russland u. im Ausland auf. Er ist Mitglied
der "Computer Virus Research Organization" CARO, die Experten
auf diesem Gebiet zusammenbringt, sowie des International
Advisers Board der "International Multilateral Partnership
Against Cyber Threats" IMPACT. Im Dez. 2012 platzierte das
US-Magazin Wired Kasperskij auf Platz 8 der Liste der
„gefährlichsten Menschen der Welt“ – wegen der Aufdeckung
amerikan. Cyberwaffen, die dazu bestimmt waren, im Nahen Osten
auszuspionieren u. das iranische Atomprogramm zu stören.
Positionen zur Cyber- u. IT-Sicherheit: Seit mehreren
Jahren äussert Kasperskij offen seine Besorgnis über die Gefahr
eines Cyberangriffs auf kritische Infrastrukturen, der „katastrophale"
Folgen haben könnte. Auf seinen Reisen rund um die Welt, in
Veranstaltungen u. in seinem Blog
behandelt er IT-Sicherheitsthemen
u. spricht immer wieder über die Gefahren von
Cyberkriegen u. die Notwendigkeit, der Eskalation von
Cyberbedrohungen auf globaler Ebene entgegenzuwirken u. die
wachsenden Sicherheitsbedrohungen in der internationalen
Zusammenarbeit zu bekämpfen. Er unterstützt die Idee eines
Abkommens über die Nichtverbreitung von Cyberwaffen, da er der
Ansicht ist, dass die Weltgemeinschaft dem Cyber-Wettrüsten ein
Ende setzen sollte. Sollte ein Land dem Abkommen nicht zustimmen
oder es ignorieren, schlug er vor, das Internet in diesem Land
einfach abzuschalten. In der Cyber-Sicherheitserziehung sieht er
einen Schlüssel zur erfolgreichen Bekämpfung von
Cyber-Bedrohungen. Einer solchen sollten sowohl normale Anwender
als IT-Sicherheitsspezialisten, denen oft die entsprechende
Qualifikation fehle, unterzogen werden. Eine verbesserte
Anwendung u. höhere Kontrolle des Internets durch die User
sollten seiner Ansicht nach u.a. mit der Einführung von
Schulungen für Anwender allgemein wie auch für
IT-Security-Mitarbeiter im Bereich Cyber-Sicherheit, mit
Anwenderprüfungen analog zu einem Führerschein, mit speziellen
Internet-Pässen u. Internet-Sicherheitsbehörden erreicht werden.
Laut Kasperskij ist die Anonymität des Internets dessen grösste
Schwachstelle. Um das World Wide Web sicherheitsmässig weniger
anfällig zu machen, sei es notwendig, jeden seiner Benutzer
genau zu identifizieren. Er unterstützt auch Pläne für
Internet-IDs für kritische Transaktionen wie Wahlen,
Online-Banking, Kommunikation mit Behörden u.ä. Er unterstützt
auch aktiv die Idee der universellen Standardisierung u. Annahme
einheitlicher Richtlinien im Bereich der Cybersicherheit sowie
die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Regierungsbehörden
u. der IT-Sicherheitsindustrie. Um die Einhaltung der
Rechtsstaatlichkeit im Netz zu kontrollieren, soll eine
spezielle Internetpolizei, genannt "Internet Interpol",
geschaffen werden. Man dürfe nicht vergessen, dass das Internet
ursprünglich nicht für den öffentl. Gebrauch, sondern für
Wissenschaftler u. das US-Militär konzipiert worden sei. Es sei
ein Fehler gewesen, das Internet in dieser Art wie heute der
Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.
In einem Interview mit dem russ. Medienmagazin Lenta.ru vom
Okt. 2013 äusserte sich Kasperskij zum Verhältnis seines
Unternehmens zur Überwachung des Internets durch Geheimdienste
so: „Wir
kooperieren nicht nur mit dem FSB,
sondern auch mit den Amerikanern u.
Brasilianern u. mit einer Reihe von
europäischen Agenturen in Sicherheitsfragen u.
Cyberkriminalität. … Wir haben nicht die Möglichkeit, uns um
alle Arten von Detektivarbeit zu kümmern, das ist nicht unser
Job. Aber wir geben ihnen die Informationen, mit denen sie
weiter Verbrecher fangen können.“ In
dem Interview erwähnte Kasperskij auch russ. Oppositionelle,
soweit sie gegen russ. Gesetze verstiessen, zu solchen
Verbrechern u. nannte dabei namentlich den russ.
Oppositionellen u. Internet-Blogger s. Aleksej
Navalnyj.
Des weiteren äusserte Kasperskij seine Bewunderung für die
polit. Systeme in Singapur u. China,
die besonders effektiv seien, u. meinte, er könne keinen
Unterschied
zwischen dem Ein-Parteien-System der Sowjetunion,
die er als Kind für ein glückliches u. gerechtes Land gehalten
habe, u. dem „Zwei-Parteien“-System der USA
erkennen.
Im März 2015 veröffentlichte "Bloomberg" Material, aus dem
hervorging, dass die Verbindungen von Kasperskij zu den russ.
Geheimdiensten seit 2012 dramatisch zugenommen hätten u.
„Personen mit engen Verbindungen zu russ. Militär- oder
Geheimdienststrukturen“ Schlüsselpositionen im Management von
"Kasperskij Lab" besetzt hätten. Laut
"Bloomberg" besuche Kasperskij manchmal mit Bekannten,
darunter auch Angehörigen russ. Sonderdienste, das Badehaus.
Kasperskij kritisierte den Artikel in seinem Blog u. nannte
die Berichterstattung „sensationalistisch"
u. beschuldigte den Autor od. die Autoren,
„Paranoia
auszunutzen", um „die
Leserschaft zu erhöhen".Ohne diese Tatsache zu leugnen,
erklärte der Unternehmer, dass seine Firma bei der Bekämpfung
der Cyberkriminalität mit vielen Spezialdiensten verschiedener
Länder zusammenarbeite u. die Kommunikation manchmal in einem
informellen Rahmen fortgesetzt werde.
Vermögen: 2013 schätzte das Magazin CEO
Kasperskijs Vermögen auf 1 Mrd. USD. 2016 schätzte das Magazin Forbes
sein Vermögen auf 1,1 Mrd. USD.
Im April 2011 wurde der 20-jährige Kasperskij-Sohn Ivan auf dem
Weg zur Arbeit aus der Metrostation Strogino entführt. Die
Entführer brachten ihn in ein Dorf des Bezirks Sergiev Posad im
Moskauer Gebiet u. forderten von seinen Eltern telefonisch 3
Mln. Euro Lösegeld. 5 Tage später wurde Ivan infolge einer
gemeinsamen Sonderaktion der Moskauer Kriminalpolizei mit
FSB-Agenten u. der Unterstützung einer OMSN-Einheit der Moskauer
Kriminalpolizei befreit. 5
Entführer wurden verhaftet u. später teilweise zu hohen
Haftstrafen verurteilt.
Westliche
Warnungen vor der Verwendung
von "Kaspersky"-Antiviren-Software: Im
März 2022
warnte das dt. Bundesamt für Sicherheit in der
Informationstechnik nach
dem
von Putin im Feb. 2022 angeordneten russ. Überfall auf die Ukraine vor
der Nutzung von "Kaspersky"-Antiviren
u. Cloud-Software u. empfahl, diese Produkte durch
entsprechende Software anderer Hersteller zu ersetzen. Aufgrund
bestimmter Aktionen russ. Militär- u. Geheimdienstkräfte
sowie der Drohungen Russlands gegen die EU, NATO u. BRD im
Rahmen der russ. Invasion in der Ukraine von 2022 könne die
Verwendung dieser Software nicht länger als vertrauenswürdig
angesehen werden u. stelle ein ernsthaftes Risiko für einen
erfolgreichen Cyberangriff dar. Kasperskij antwortete, dass
die Warnung politisch motiviert sei u. dass sich die
Rechenzentren seines Unternehmens in der Schweiz befänden,
während der Quellcode einsehbar sei u. unabhängig überprüft
werde. Eine Klage von Seiten Kasperskijs gegen die
Warnung vor dem Verwaltungsgericht Köln wurde Anfang April
2022 zurückgewiesen. Daraufhin reichte Kasperskij Beschwerde
beim Oberverwaltungsgericht Münster ein,
das sie mit Entscheid vom 28. April 2022 rechtskräftig
zurückwies. Auf der Support-Website von "Kaspersky"
ist eine Anleitung zu finden,
die das Problem blockierter oder nicht mehr zugänglicher
Internet-Websites aufgrund installierter
"Kaspersky"-Software erklärt. Dort ist u.a. zu lesen, dass
dies der Fall sei, wenn z.B.
die Kindersicherung aktiviert u. der Zugriff auf eine
solche Website somit gesperrt sei. Auf der Website von "Avast" ist eine Seite
aufgeschaltet worden, die einen Beitrag zum Thema "Ist die
Verwendung von Kaspersky im Jahr 2023 noch sicher?"
enthält.
Bereits 2017 habe
die US-Regierung von Trump Bundesangestellten die Verwendung von "Kaspersky" verboten.
Im März 2022 habe die US Federal Communications Commission
FCC das Unternehmen auf ihre Liste der nationalen Sicherheitsrisiken gesetzt.
Ausser den USA hätten auch die Regierungsbehörden
Deutschlands, Italiens, Litauens u.a. Länder Verbraucher u.
Betreiber kritischer Infrastrukturen vor potenziellen
Sicherheitsrisiken bei Verwendung von "Kaspersky"-Software
gewarnt. Auch GB habe auf Risiken der Verwendung von
"Kaspersky" hingewiesen, die Niederlande hätten
"Kaspersky"-Produkte aus dem Verkehr genommen u. das
Europäische Parlament habe die EU aufgefordert,
"Kaspersky" zu verbieten. Der
Beitrag argumentiert, dass die Risiken, auf die westliche
Regierungen hinweisen, auf der Frage
beruhten, inwieweit "Kaspersky" in der Lage sei, sein
Geschäft – u. die Netzwerke, in denen sensible Kundendaten
verarbeitet werden – vor der russ. Regierung geheim zu
halten. Da das Unternehmen seinen Hauptsitz in Moskau habe,
bestehe die Sorge, dass sein Netzwerk missbraucht werden
könnte. Bislang gebe es zwar keine direkten Beweise für
diese Behauptung. Im Rahmen der laufenden "Global
Transparency Initiative" von "Kaspersky"
sei ein Grossteil der Kerninfrastruktur u. der Kundendaten
in die Schweiz verlagert worden, was die Datenbanken des
Unternehmens vor unerwünschten staatlichen Ein- oder
Zugriffen schützen soll.
Situation der Verwendung der Kaspersky-Software in der Schweiz: Nachdem die
US-Regierung unter Präsident s. Joe Biden wegen Spionage- u.
Sicherheitsbedenken 2024 weitreichende Sanktionen u. ein
allgemeines Verbot der bekannten Antiviren-Software verfügt
hatte, weil Kaspersky wegen der Kreml-Hacker, die sich
heimlich Zugriff auf fremde Netzwerke verschafften,
eine Bedrohung für die nationale
Sicherheit bedeute, hatte sich wegen der hybriden
Kriegsführung Russlands gegen den Westen, von der auch
die Schweiz betroffen ist, auch das per
1. Jan. 2024 neu geschaffene u. im
Eidgenöss. Departement für Verteidigung,
Bevölkerungsschutz u. Sport VBS angesiedelte Schweizer
Bundesamt für Cybersicherheit BACS mit dieser Problematik zu
befassen, wie "Watson"
auf Nachfrage bei diesem Bundesamt erfuhr. Während das
Nationale Zentrum für Cybersicherheit NCSC, die
Vorgängerorganisation des BACS, 2022
auf Anfrage von "Watson" noch mitgeteilt hatte, dass
„Lösungen von Kaspersky in der Bundesverwaltung nur sehr
vereinzelt im Einsatz“ seien, hiess es 2 Jahre später von
Seiten des BACS nun, dass die Arbeit mit Kaspersky-Software
in den Schweizer Bundesstellen „heute
nicht mehr der Fall" sei. Es habe aber keine interne Weisung
bezüglich Kaspersky-Software oder ein Verbot der
entsprechenden Produkte gegeben. „Wenn Verträge mit
bestehenden Lieferanten/Leistungsbringern auslaufen, liegt
es in der Entscheidungskompetenz der jeweiligen
Bundesstelle, ob die bestehende Software weitergeführt oder
durch eine Lösung eines anderen Herstellers abgelöst werden
soll“, wurde der stv. Medien- u. Informationsverantwortliche
des BACS auf Nachfrage von "Watson" von Letzterem zitiert.
Das BACS halte sich streng an die eigene Vorgabe, dass nur
vor Produkten gewarnt werde, „bei denen dem BACS gesicherte
technische Hinweise vorliegen, dass die Verwendung eines
Produkts oder einer Dienstleistung zu Sicherheitsrisiken
führt“, erklärte der von "Watson" zitiert Sprecher. Dem
Bundesamt für Cybersicherheit sei „bisher kein Missbrauch“
der Virenschutz-Software Kaspersky in der Schweiz gemeldet
worden. Und falls man gesicherte Informationen über einen
Missbrauch erhalte, werde die Öffentlichkeit umgehend
informiert u. gewarnt. Die Cybersicherheit liege in der
Verantwortung der Unternehmen, Behörden sowie
Privatpersonen, habe eine andere von "Watson" genannte
Mediensprecherin erklärt.
Es ist aber offensichtlich, dass die Kaspersky-Software bei
der Risikoanalyse
des Bundes in den sicherheitspolit.
Überlegungen eine Rolle spielte. Während die US-Behörden
also die Kaspersky-Software verbot, beschränkte sich die
entsprechende deutsche Bundesbehörde auf eine Warnung, wobei
die CH-Behörden auf die eine oder andere Variante
verzichtete. Beim Kauf eines lizenzierten Sets der nach wie
vor empfohlenen Kaspersky-Antivirus-Software in der Schweiz
erhält man im Detailhandel etwa die Antwort, dass die in der
Schweiz offiziell vertriebene Kaspersky-Software aus der
Schweiz stamme, wenn man den Verkäufer auf die hier
beschriebene Kaspersky-Problematik anspricht.
Bei der Verwendung dieser Software fällt auf, dass der
Zugriff etwa auf gewisse "unsichere" russ. Websites durch
den recht strengen Antivirenschutz gesperrt ist.
Kritik u.
Sanktionen: Von
der "Stiftung für Korruptionsbekämpfung" FBK von s. Aleksej
Navalnyj wurde Kasperskij
auf die
Liste der "6000 Korruptionäre u.
Kriegstreiber" gesetzt, da er "die
Schaffung einer digitalen Infrastruktur zur
staatlichen Kontrolle des russ. Segments des
Internets fördert“. Vom "Forum Freies Russland", das
sich auf hier reflektierte Quellen wie Bloomberg
bezieht, wird Evgenij Kasperskij grobe Einmischung
in die Angelegenheiten eines fremden Staates,
korrupte Verbindungen zu Vertretern der russ.
Sonderdienste sowie Spionage im Interesse des FSB
vorgeworfen: Er ist
in der sog. "Putin-Liste" erwähnt, die
vom "Forum" erstellt wurde, das internationale
Sanktionen gegen diese Personen anstrebt. Im
Sept. 2015 wurde Kasperskij für einen Zeitraum von 1
Jahr auf die Sanktionsliste der Ukraine gegen Personen
gesetzt, die "für die Annexion der Krym u. die
Aggression im Donbass verantwortlich sind“.
Im Zuge des
von Putin
entfesselten russ.
Angriffskriegs
gegen die
Ukraine
wurde
er im April 2022 wegen
indirekter Unterstützung der Aggression gegen die Ukraine
auf die Sanktionsliste Polens gesetzt. Im Okt. 2022 wurde er
abermals u. für die Dauer von 10 Jahren auf
die Sanktionsliste der Ukraine gesetzt, da er "der groben
Einmischung in die Angelegenheiten eines ausländ. Staates,
der korrupten Verbindungen zu Vertretern der russ.
Sonderdienste u. der Spionage im Interesse des FSB
verdächtigt wird“.)
KASJANOV,
Mikhail Mikhajlovich
II IIIa IIIb IV V VI VII
VIII
IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIIsI
(1957-, sowjet. Bauingenieur,
ehem. russ.
Regierungspolitiker, ehem.
PM RF /2000-4/, danach Oppositionspolitiker. Absolvent des
Moskauer Automobil- u. Strasseninstituts MADI mit einem
Abschluss als Diplom-Bauingenieur
u. der Höheren Wirtschaftskurse des Staatl. Planungskomitees
der UdSSR. In der Sowjetzeit arbeitete er im Apparat des
Staatl. Planungsausschusses "Gosplan" der RSFSR. In der 1.
Hälfte der 1990er Jahre war er in leitenden Funktionen in
entsprechenden Abteilungen für Aussenwirtschaftsbeziehungen im
Wirtschaftsministerium RF tätig u. trat 1993 als Leiter der
Abteilung für Auslandskredite u. -schulden in das
Finanzministerium RF ein, wo er zudem zum Mitglied des
Kollegiums des Finanzministeriums RF ernannt wurde. Im Nov.
1995 wurde er zum Stv. des Finanzministers RF Vladimir Panskov
ernannt. Nach der Bildung der neuen Regierung RF von PM
Chernomyrdin im Aug. 1996 wurde das Finanzministerium von
Aleksandr Livshic geleitet - Kasjanov behielt die Position des
Stv. 1994-96 verhandelte Kasjanov mit Gläubigern des Pariser
u. Londoner Clubs über die Begleichung der Schulden der ehem.
UdSSR u. erzielte für damalige Bedingungen einige Vorteile für
Russland auf dem internationalen Finanzmarkt. Später arbeitete
er als stv. Finanzminister, als Livshic von s. Anatolij
Chubajs u. dann von Mikhail Zadornov abgelöst wurde. Nach der
Zahlungsunfähigkeit Russlands infolge der Wirtschaftskrise vom
Aug. 1998 wurde Kasjanov zum Vorsitzenden einer Arbeitsgruppe
ernannt, um die Restrukturierung der russ. Staatsschulden im
Ausland u. der Auslandsschulden der Privatbanken des Landes zu
verhandeln; er führte auch Verhandlungen mit russ. Gläubigern
zur Begleichung der inländ. Staatsschulden. Kasjanov gelang
es, eine Einigung mit dem Internationalen Währungsfonds IWF zu
erzielen. Diese Erfolge verschafften ihm den Status u. die
Aura eines erfolgreichen Unterhändlers u.
„Cheffinanzdiplomaten“. Im Feb. 1999 ernannte ihn MP s.
Evgenij Primakov zum 1. stv. Finanzminister. Im März wurde
Kasjanov stv. Gouverneur der "Europäischen Bank für
Wiederaufbau u. Entwicklung" u. Mitglied der Staatsvertreter
im Aufsichtsrat der Russ. Entwicklungsbank. Nachdem im
Mai dieses Jahres die Regierung Primakov entlassen worden war,
ernannte Präsident RF s. Boris Elcyn im Rahmen der neuen
Regierung von s. Sergej Stepashin Kasjanov zum Finanzminister
RF. Er konzentrierte sich auf das Problem der
Auslandsverschuldung u. auf die Schaffung eines defizitfreien
Haushalts für 2000. Als sich nach der Balkankrise von 1999 die
Beziehungen zum Westen wieder verbesserten, nutzte er dies, um
die Verhandlungen mit dem IWF bezügl. abzuschliessen u. mit den
Gläubigern die globale Umstrukturierung aller sowjet. Schulden
zu regeln, wobei er eine teilweise Abschreibung dieser Schulden
vorschlug. Im Juni wurde er Mitglied des Sicherheitsrats RF.
Nachdem die Regierung Stepashin im Aug. aufgelöst u. durch eine
Regierung von V. Putin ersetzt wurde, behielt Kasjanov seine
Position. Der Ausbruch des Kriegs in Tschetschenien trug dazu
bei, dass die Verhandlungen mit dem Londoner Club ausgesetzt
wurden, während der IWF neue Kredite für Russland ablehnte.
Dennoch arbeitete Kasjanov an der Lösung der russ.
Auslandsverschuldung weiter u. sorgte für weiteres
Wirtschaftswachstum in Russland. Ab Jan. 2000 war Kasjanov 1.
stv. PM RF, u. aufgrund der Tatsache, dass PM Putin gleichzeitig
amtierender Präsident RF war, leitete Kasjanov de facto die
Regierung RF sowie gleichzeitig weiterhin das Finanzministerium
RF. Ab 7. Mai 2000, dem Tag der Amtseinführung Putins als
Präsident RF fungierte Kasjanov als Vorsitzender der Regierung
RF u. leitete nach wie vor gleichzeitig das Finanzministerium
RF. Der vom Finanzministerium RF entwickelte Haushaltsentwurf
für 2000 wurde erstmals in den postsowjet. Jahren von allen
Instanzen der Exekutive u. Legislative gebilligt, selbst die
unberechenbare Staatsduma RF, die vor einigen Jahren noch
gegen den Präsidenten u. die Regierung kämpfte, stimmte dem
Dokument zu. Mit der Verabschiedung des Haushaltsplans für 2000
beseitigte Russland das Haushaltsdefizit, Löhne u. Renten
konnten wieder ausbezahlt werden. Seit Anfang 2000 setzte eine
allgemeine Belebung der Wirtschaft u. eine Steigerung der
Produktion ein. Kasjanov gelang es, die Verhandlungen mit dem
Londoner Club abzuschliessen, um 35% der sowjet. Schulden
abzuschreiben. Bis Mai 2000 wurde unter der Führung Kasjanovs
auch ein Plan für die bevorstehenden Wirtschaftsreformen
entwickelt. Die Verlagsgruppe "Euromoney Publications" ernannte
Kasjanov im Jahr 2000 zum besten Finanzminister in den Ländern
Mittel- u. Osteuropas. Auch Boris Nemcov, dem Kasjanov
freundschftlich verbunden war, hielt ihn angeblich
„für den besten PM seit Stalin". Kasjanov selbst sagte
beschieden, dass einige Projekte seiner Amszeit erfolgreich,
andere weniger erfolgreich gewesen seien /Gordon 2017/.
Regierungschef RF 2000-4: Am 7. Mai 2000 bestätigte
die Staatsduma RF auf Vorschlag von Präsident Putin Kasjanov als
Vorsitzenden der Regierung RF. Unmittelbar danach wurde eine neue Regierung gebildet. Zu den
Strukturreformen, die Kasjanov duchführen liess, gehörtetn
Steuer-, Haushalts- u. Rentenreformen, Liberalisierung der
Devisenregulierung u. des Aussenhandels, Bodenreform u.
marktwirtschaftl. Massnahmen zur Stützung der Landwirtschaft
u.a. Reformen. Experten bezeichneten die Steuerreform 2000-2 als
eine der erfolgreichsten Reformen der Regierung Kasjanov. Ein
aktualisiertes Steuersystem wurde mit einer pauschalen
Einkommenssteuer von 13% eingeführt, während Umsatzsteuern u.
Gebühren abgeschafft wurden. 2003 reformierte die Regierung auch
das Steuersystem für Öl- u. Gasunternehmen. Einer der
wichtigsten Verdienste des Kabinetts Kasjanov war nicht zuletzt
die Unterstützung der Regierung für die Entwicklung von KMU. Die
Regierung genehmigte das volle Eigentum an Land u. begann mit
der Privatisierung landwirtschaftlicher Flächen. Marktbasierte
Wege zur Unterstützung der Landwirtschaft ermöglichten Russland
erstmals seit 90 Jahren, vollständig auf den Getreideeinkauf im
Ausland zu verzichten, sich nicht nur selbst mit Getreide zu
versorgen, sondern auch wieder zu einem führenden Exporteur auf
den Weltgetreidemärkten zu werden. Bei
der Verwaltungsreform wurden 20% von 5000 staatl. Funktionen
als überflüssig anerkannt u. abgeschafft, während weitere 30%
dieser Funktionen von der Regierung als klärungsbedürftig
betrachtet wurden. Die Amtszeit Kasjanovs als PM RF wird von
Experten als eine der produktivsten Wirtschaftsperioden in der
Geschichte des modernen Russlands eingeschätzt. 2000-4 betrug
die durchschnittl. jährliche Wachstumsrate des russ. BIP 6,8%.
Das gesamte BIP des Landes wuchs 1999-2000 um ganze 38%. Dies
trug zum schnellen Wachstum der Einkommen der Bevölkerung bei,
während die Gehälter mit einer durchschnittl. Rate von 20% pro
Jahr zu steigen begannen. Die Zahl der Armen im Land ging von
42 Mln. im Jahr 2000 auf 24 Mln. im Jahr 2004 zurück. Die
Gold- u. Devisenreserven der Zentralbank wuchsen von 33 Mrd.
USD auf 87 Mrd. USD, trotz eines relativ tiefen Ölpreises von
20-25 USD pro Barrel. Die Beziehungen zwischen MP Kasjanov u.
Präsident Putin waren aber ziemlich angespannt. Kasjanov muss
mit Schrecken erkannt haben, mit was für einer hochproblemat.
Figur er es bei Putin zu tun hatte. Im Okt. 2002, unmittelbar
nachdem tschetschen. Terroristen im Theater Dubrovka Geiseln genommen
hatten, widersetzte sich Kasjanov auf einer Sitzung des
Sicherheitsrats RF der unverzüglichen Erstürmung des Gebäudes
durch eine Spezialtruppe u. bestand darauf, Verhandlungen mit
den Geiselnehmern zu führen. Der Präsident u. der PM waren
sich auch uneins über die Reform des Gassektors. Putin
forderte Kasjanov 3x auf, diese Reform zu verschieben, u.
blockierte sie. Gleichzeitig begannen
Meinungsverschiedenheiten über Russlands Politik gegenüber der
Ukraine u. Belarus. Im Juli 2003 verurteilte Kasjanov das
Vorgehen der Staatsanwaltschaft RF im Fall "Jukos" u. sagte, er betrachte die
Verhaftung eines der Miteigentümer der Firma, s. Platon
Lebedev, als „exzessive Massnahme“, die das Investitionsklima
im Land zerstöre. Im Okt. verurteilte Kasjanov auch die
Verhaftung von s. Mikhail Khodorkovskij, bei der Putin eine
führende Rolle spielte. Am 24. Feb. 2004, 2 Wochen vor der
Präsidentschaftswahl, wurde Kasjanov zusammen mit der
Regierung RF auf Beschluss des Präsidenten RF vom Posten des
Vorsitzenden der Regierung RF entlassen. Offenbar fürchtete
Putin eine Verschwörung von Seiten Kasjanovs u. s. Boris
Nemcovs gegen seine Wiederwahl. Laut Kasjanov bot Putin ihm
nach seinem Rücktritt an, den Posten des Sekretärs des
Sicherheitsrats RF zu übernehmen, was Kasjanov mit der
Begründung ablehnte, er habe entschieden, nicht weiter im
Staatsdienst arbeiten zu wollen /Gordon 2017/. Putin bot ihm
auch an, an der Gründung einer internationalen Bank für die
Zusammenarbeit mit der EU zu arbeiten. 2 Monate nach den Ereignissen in Beslan im Sept. 2004
teilte Kasjanov Putin mit, dass er seine Zusammenarbeit mit
ihm beende. Nachfolger Kasjanovs an der Spitze der russ.
Regierung wurde s. Mikhail Fradkov, der keine polit.
Ambitionen hatte. Danach zog sich Kasjanov ins Privat- u.
Berufsleben zurück. Er reiste ins Ausland, u.a. nach GB u. in die
USA, wo er als polit. Experte Referate hielt /Min. 39/,
u. verstand, dass Putin auf ihn als seinen Kritiker aufmerksam
wurde.
Polit.
Aktivitäten nach der Regierungszeit:
Datschenaffäre: Ab nun geriet Kasjanov sozusagen ins Visier der
Behörden als Putin-Kritiker, u. die bürokrat. Mühlen des
repressiven Staats begannen, gegen Kasjanov zu mahlen. Seine
´Verfolgung´ begann mit einem Rechtsstreit im Fall einer
Immobilie. Im Juli 2005 erhob der Abgeordnete der Staatsduma RF
von der Fraktion "Einiges Russland“, s. Aleksandr Khinshtejn,
Anschuldigungen gegen Mikhail Kasjanov. Ihm zufolge
privatisierte dieser als MP 2003 zu einem reduzierten Preis die
ehem. Staatsdatscha des Mitglieds des Politbüros des ZK der
KPdSU Mikhail Suslov "Sosnovka-1“. Die veröffentlichten
Unterlagen wurden von der Generalstaatsanwaltschaft als Vorwand
für die Einleitung eines Strafverfahrens Anfang Juli 2005 gegen
einen gewissen Ramil Gajsin, Generaldirektor des staatl.
Unternehmens "VPK Invest“ gemäss Art. 165 Teil 3 StGB RF wegen
"Verursachung von Sachschäden in besonders grossem Umfang durch
Täuschung oder Untreue“ genutzt. Kasjanov, der sich zu diesem
Zeitpunkt im Urlaub befand u. nach Moskau zurückkehrte, sagte,
dass er keinen Zweifel daran habe, dass die
Verleumdungskampagne, die auf Lügen u. Tatsachenverdrehungen
basiere, zu seiner Diskreditierung gestartet worden sei u. Teil
der allgemeinen Strategie der Behörden sei, das polit. Feld
vollständig zu säubern. Es werde mit solchen Manövern quasi
versucht, von der wachsenden sozialen Entfremdung u.
Unsicherheit der Bürger über ihre Zukunft, der Verlangsamung des
Wirtschaftswachstums vor dem Hintergrund von Rekordexportpreisen
u. vor dem stetigen Rückgang des internationalen Ansehens
Russlands abzulenken. Khinshtejns Annahmen wurden zunächst nicht
bestätigt. Das Objekt "Sosnovka-1" sei von Kasjanov nach dem
Ausscheiden aus dem Staatsdienst rechtlich legal erworben
worden. 1996 wurde die Anlage von der Föderalen Agentur für Staatseigentum
/Gosimushchestvo/ für 49 Jahre an das Unternehmen "Evikhon"
verpachtet. Dann wurde sie an die Firma "VPK-Invest" übertragen,
die 2003 das Recht erhielt, Datschen zu verkaufen. Zunächst
wurde "Sosnovka-1" von "Amelija" erworben u. 2004 an Mikhail
Kasjanov weiterverkauft. 2006 erkannte das Moskauer
Schiedsgericht Kasjanov als rechtmässigen Käufer an u. weigerte
sich, das Eigentum an den Staat zurückzugeben. Dennoch reichte
die Föderale Agentur für Staatseigentum /Rosimushchestvo/ neue
Klagen ein u. 2007 wurde die Datscha per Gerichtsbeschluss
wieder in Staatseigentum überführt.
Erfolglose Präsidentschaftswahl-Kampagne 2005-8: 2005
beschloss Kasjanov, in die Politik zurückzukehren /Min. 54/.
Im April 2005 sagte s. Boris Berezovskij in einem Interview,
dass Kasjanov gut als öffentlicher Politiker sei, aber wegen
seiner Unentschlossenheit nicht genug Willen habe, um die
Protestbewegung gegen das Putin-Regime zu führen. Im
Sept. 2005 kündigte Kasjanov, der sich in einen polit.
Oppositionellen u. Dissidenten verwandelt hatte, seine Absicht
an, an der Präsidentschaftswahl RF 2008 gegen Putin
teilzunehmen. Im Nov. verkündete er seine Absicht, die "Demokrat. Partei Russlands" zu führen u.
sich während seines Wahlkampfs auf sie zu verlassen. Um dies
zu verhindern, organisierten die russ. Behörden hastig einen
"parallelen“ Kongress der DPR, bei dem die Parteiführung an s.
Andrej Bogdanov übertragen wurde. Im April 2006 führte
Kasjanov die neue interregionale Bewegung namens "Demokrat. Volksunion Russlands" RNDS an.
Anfang Juli wurde die Bewegung in die gesamtruss. Bewegung
"Russ. Demokrat. Volksunion“ umgewandelt. Im Juli nahm er am
nationalen Oppositionsforum "Das andere Russland“ teil, danach
erschien er am Treffen der polit. Koalition, die die Schaffung
eines demokrat. Staats anstrebt. Auf dem 2. Kongress der RNDS,
der Anfang Juni 2007 stattfand, sagte einer der Führer des
"Anderen Russlands", s. Eduard Limonov, dass er Mikhail
Kasjanov gerne als Einheitskandidaten des "Anderen Russlands"
sähe. Anfang Juli gab Kasjanov jedoch seinen Austritt aus der
Koalition "Anderes Russland“ bekannt. Im Sept. wurde Kasjanov
zum Vorsitzenden der Partei "Volk für Demokratie u. Gerechtigkeit"
NDS gewählt, die auf der Grundlage der RNDS gegründet wurde.
Im Jan. 2008 wurde Kasjanov die Registrierung als Kandidat für
das Präsidentenamt der RF offiziell verweigert. Formaler Grund
für die Ablehnung war die angeblich schlechte Qualität der
Unterschriftenbögen. Der Föderale Registrierungsdienst
weigerte sich auch, die Partei innerhalb eines Tages zu
registrieren. Kasjanov versuchte vergeblich, die Weigerung der
Zentralen Wahlkommission RF vor dem Obersten Gericht RF
anzufechten. An weiteren Präsidentschaftskampagnen nahm er
nicht mehr teil.
Laut einem 2009 unter dem Titel "Ohne Putin. Polit. Dialoge mit Evgenij
Kiseljov." veröffentlichten Buch des ehem.
Regierungschefs RF s. Mikhail Kasjanov habe sich s. Boris
Elcyn zunächst nach seinem Rücktritt sehr für die
Ereignisse im Land interessiert, habe Regierungsmitglieder
in seine Datscha eingeladen u. danach gefragt, wie die
Dinge liefen. Putin habe Kasjanov jedoch bald „höflich
darum gebeten, dafür zu sorgen, dass die
Regierungsmitglieder aufhören, Elcyn zu belästigen, u.
habe die Tatsache angeführt, dass Ärzte solche Treffen
nicht empfehlen" würden. Laut Kasjanov sei es im
Wesentlichen ein Befehl gewesen: „Niemand sonst sollte zu
Elcyn gehen". Laut Boris Nemcov sei Elcyn im Ruhestand
äusserst verärgert darüber gewesen, dass unter Putin die
Meinungsfreiheit eingeschränkt u. die
Institution der Wahlen zerstört worden sei. Er wolte
darüber nicht öffentlich sprechen, aber bei einem
Treffen mit Nemcov habe er ihm wiederholt davon erzählt.
Weitere polit. Aktivitäten: Im Sept. 2010 führte Mikhail
Kasjanov als Co-Vorsitzender zusammen mit s. Boris Nemcov, s.
Vladimir Ryzhkov u. s. Vladimir Milov die Koalition "Für
Russland ohne Willkür u. Korruption“ an, die im Dez. desselben
Jahres in die "Partei der
Volksfreiheit" PARNAS
umgewandelt wurde. Im Juni 2011, am Vorabend der regulären
Wahlen zur Staatsduma RF, weigerte sich das Justizministerium
RF, die Partei zu registrieren.
Im April 2015 stellte Kasjanov die sog. "Nemcov-Liste“
zusammen, die eine Reihe von bekannten Vertretern russ.
Staatsmedien umfasste: s. Vladimir Solovjov, s. Arkadij
Mamontov, s. Andrej Karaulov, s. Dmitrij Kiseljov, Konstantin Sjomin,
s. Vladimir Kulistikov, s. Oleg Dobrodeev u. s. Aleksej
Pushkov. Die Liste russ. Journalisten, die seiner Meinung nach
an der medialen Verfolgung Boris Nemcovs beteiligt waren,
übergab Kasjanov der Führung des US-Kongresses. Sie sollten in
die Sanktionsliste nach dem "Magnitsky-Gesetz" aufgenommen werden,
um gegen diese Personen Einreiseverbote u. das Einfrieren von
in den USA deponierten Vermögenswerten zu ermöglichen. Damit
beging Kasjanov aus Sicht des Putin-Regimes einen
entscheidenden, kaum mehr wieder gut zu machenden Fehler, denn
aus der Sicht Putins verriet er seine Leute an die Amerikaner.
Die damalige Menschenrechtskommissarin Russlands, s. Ella
Pamfilova, die sich immer als Vertreterin des Putin-Regimes
profilierte, kritisierte das Vorgehen Kasjanovs. Sie fand „es
unanständig, an den Kongress eines fremden Landes anstatt an
das eigene Volk zu appellieren". Die Verhängung von Sanktionen
gegen Journalisten sei „noch unanständiger". „Jede Art von
administrativen Massnahmen diskreditiere die Meinungs- u.
Informationsfreiheit“.
Im Dez. 2015 kündigte s. Aleksej Navalnyj auf dem Forum der
Demokrat. Koalition an, dass Kasjanov die Koalitionsliste
bei den Wahlen zur Staatsduma RF von 2016 anführen werde.
2017 ernannte das Magazin Forbes Kasjanov zu einem
der effektivsten Premierminister in der Geschichte des
modernen Russlands.
Polit. Ansichten: Kasjanov steht der Sowjetzeit
kritisch gegenüber, hält Denkmäler für Dzerzhinskij für
inakzeptabel u. ist der Meinung, dass Lenins Leichnam aus
dem Mausoleum genommen u. begraben werden sollte. Er billigt die Aussenpolitik Russlands
von 2014-15 gegenüber der Ukraine nicht. Insbesondere erklärte
er im April 2014 in einem Interview mit im Radio "Ekho
Moskvy", dass Russland die Krym annektiert habe, dass „Putin
de facto den Bewohnern der Krym die Möglichkeit gestohlen hat,
irgendwann in der Zukunft über ihr Schicksal durch ein echtes
Referendum im Einvernehmen mit den ukrain. Behörden“ zu
entscheiden." Im Sept. 2014 unterzeichnete Kasjanov eine
Erklärung, in der er forderte, „das aggressive Abenteuer zu
beenden: russ. Truppen vom Territorium der Ukraine abzuziehen
u. die Propaganda sowie die materielle u. militärische
Unterstützung der Separatisten im Südosten der Ukraine
einzustellen“. Im März 2015 sagte er vor dem Europäischen
Parlament, er halte es für richtig, dass der Westen Sanktionen
gegen russ. Regierungsbeamte verhängt. In der Innenpolitik
kritisiert er die Korruption u. hält die illegale Migration
für deren Folge. Mikhail Kasyanov wird sowohl als Liberaler
als auch als Konservativer bezeichnet, in einem Interview mit
Radio Baltkom sagte er: „ ... wir /ParNaS/ ... sind liberale
Konservative oder konservative Liberale ...“.
2017 bestätigte Kasjanov in einem Interview mit s. Dmitrij Gordon, dass er
sehr gute Beziehungen zu Boris Elcyn bis zu dessen Tod
gepflegt habe, dass es jedoch bei der Bestimmung von Elcyns
Nachfolge mit Kasjanov keine Übereinkunft gegeben habe, dass
er Putins Nachfoger als PM werden sollte, dies sei eine
Erfindung von Politologen. Seine Ernennung als PM sei eine
Initiative Putins gewesen, die mit Elcyn besprochen worden
sei. In diesem Interview sagte Kasjanov auch, dass er die
Eigenschaften Putins nicht charakterisieren wolle, denn er sei
weder ein Politologe noch ein Psychologe, man könne selbst
beochaten, was für ein Mensch er sei. Seine Mentalität stimme
jedoch mit derjenigen eines Mitarbeiters des
Staatssicherheitsdientes überein. Elcyn habe mit Kasjanov
darüber gesprochen, dass er es bedauert habe, Putin als seinen
Nachfolger auszuwählen, aber ausführlicher dazu wollte
Kasjanov nicht reden. Er habe schon vor seiner Entlassung als
PM die Absicht gehabt, nach Ablauf seiner Amtszeit die
Regierung zu verlassen, dennoch sei der Moment seiner
Entlassug durch Putin 2 Wochen vor der präsidentschaftswahl
unerwartet gekommen. s. Donald Trump hielt Kasjanov nicht für
den "Mann Putins", er sei ein spezif. inneramerikan. Produkt.
Diskreditierungsversuche, Bedrohungen u. Angriffe: Anfang
April 2016 zeigte der Sender "NTV" den Film "Kasjanovs Tag“ /II/, der u.a. eine Videoaufzeichnung
intimer Szenen enthielt, an der laut den Autoren das
"PARNAS"-Mitglied s. Natalja Pelevina u. Mikhail Kasjanov
teilnahmen. Der Film enthielt auch Aufzeichnungen eines
Gesprächs, in dem sich die Teilnehmer negativ über Vertreter
der Opposition äusserten, darunter über Aleksej Navalnyj u. s.
Ilja Jashin. Im Feb. 2016 gab Kasjanov Nachrichten über
Morddrohungen bekannt, die er Ende 2015 u. Anfang 2016
erhalten hatte. Nach der Ermordung seines Verbündeten Boris
Nemcov u. der Entscheidung, die "ParNaS"-Liste bei den Wahlen
zur Staatsduma RF anzuführen, hätten ihn der Kreml u.
nationalist. Gruppen nach Angaben des Politikers zum "Feind
Nummer eins" ernannt. Wenige Tage zuvor war es zu mehreren
Angriffen auf den Politiker gekommen. Unbekannte versprühten
bei einem Treffen zwischen Kasjanov u. Aktivisten in St.
Petersburg Pfefferspray. Eine Gruppe von Menschen, die
schetschen. Sprache miteinander kommunizierten, warf in
einem Moskauer Restaurant einen Kuchen auf ihn u. schrie ihm
Drohungen zu. Diesen Angriffen ging die Veröffentlichung eines
Videos auf "Instagram" durch den Chef Tschetscheniens, s.
Ramzan Kadyrov, voraus, in dem Kasjanov im Zielfernrohr eines
Scharfschützengewehrs abgebildet war. Während eines Marsches
zum Gedenken an den ermordeten Boris Nemcov vom Feb. 2017 in
Moskau sprühte ein unbekannter Mann dem Oppositionellen
Kasjanov grüne Farbe aus einer Spritze ins Gesicht.
Öffentl. Abrechnung Putins mit Kasjanov: In einer
Ausgabe der Sendung "Prjamaja linija" vom Dez. 2011 auf die
Frage warum es im Land keine wirkliche Opposition gebe u.
warum das Justizministerium die Registrierung der Partei
"Volksfreiheit" von Mikhail Kasjanov nicht zulasse, rechnete
ein verstimmter V. Putin mit Kasjanov öffentlich ab u. sprach
alles andere als kollegial u. fair davon, wie während
Kasjanovs Amtszeit als PM die Minister Gref u. Kudrin zu ihm,
Putin, gekommen seien, gefordert hätten, Kasjanov von der
Regierung abzulösen, u. gesagt hätten, dass sie mit diesem
Betrüger /sic, zhulik/ nicht zusammenarbeiten wollten -
entweder er oder wir. Weiter sagte Putin, Kasjanov habe den
Spitznamen "Misha 2 Prozent" getragen u. sei angeblich in
einige Korruptionsaffären verwickelt gewesen. Da es dafür aber
keine Anhaltspunkte gegeben habe u. er, Putin, ausser
zwischenmenschlichen Vorlieben u. Abneigungen nichts
feststellen konnte, habe er ihm erlaubt, bis zum Ende seiner
Amtszeit zu arbeiten. Zur Frage, ob Kasjanov als PM effizient
gewesen sei, sagte Putin, dass er in den ersten anderthalb
Jahren versucht habe, etwas zu tun. In den zwei weiteren
Jahren sei die Aktivität aber gleich null gewesen. Er habe
wohl schon damals daran gedacht, selbst Präsident zu werden u.
habe Angst davor gehabt, leichtsinnige Schritte zu
unternehmen, weil die Arbeit an der Spitze der Regierung RF
mit ständigen Bedrohungen verbunden sei. In einem solchen Amt
müssten viele Entscheidungen getroffen werden. In der Tat habe
sich Kasjanov von diesen Entscheidungen losgelöst, aber er
habe sie dennoch zum Abschluss gebracht. Die in Putins
Äusserungen erwähnten Minister kommentierten übrigens seine
Behauptungen auf unterschiedliche Weise. "Sberbank"-Chef s.
German Gref bestätigte dies, während der ehem. Finanzminister
s. Aleksej Kudrin sagte, seine Meinungsverschiedenheiten mit
Kasjanov hätten das Tempo der Reformen u. betroffen u. er habe
Kasjanov nicht des Betrugs beschuldigt. Wie sich Kasjanov 2009
erinnerte, habe Putin nach seinem Rücktritt vom Amt des PM
gesagt: „Wissen Sie, wenn Sie anfängen, sich bei
oppositionellen Aktivitäten zu engagieren, werde ich Sie so
oder so zerquetschen."
Kriegsgegnerschaft u. staatl.
Verfolgung, Interviews: Nach Beginn des
von Putin
entfesselten russ.
Angriffskriegs
gegen die
Ukraine
trat
Kasjanov dem "Antikriegskomitee Russlands" bei. Im Juni
2022 verliess Kasjanov Russland u. ging nach eigenen
Worten als Reaktion auf den Angriff auf die Ukraine ins Exil
nach Europa. In einem Videointerview mit der Nachrichtenagentur
"AFP" /II/ äusserte
Kasjanov düstere Prognosen über die Zukunft des Kriegs in der
Ukraine. Sollte das Land fallen, würde sich der Krieg auf
benachbarte Staaten ausweiten, insbes. die baltischen, warnte
er. Kasjanov glaubte aber, dass
Putin bald von den Geheimdiensten ersetzt werden könnte. Der
Westen dürfe Putin jedoch keine Zugeständnisse machen. Dabei
lehnte er Äusserungen wie von Frankreichs Staatschef s.
Emmanuel Macron ab, Putin dürfe nicht „gedemütigt“ werden. Für
ebenso „falsch" hielt
er Forderungen nach Gebietsabtretungen der Ukraine, um einen
Frieden zu erreichen, denn „Putin verdiene dies nicht“.
Kasjanov zeigte sich davon überzeugt, „dass Russland auf den
Weg hin zum Aufbau eines demokrat. Staats zurückkehren wird“,
auch wenn dies „insbesondere nach diesem kriminellen Krieg
schwierig“ sein würde. Der Krieg gegen die Ukraine werde noch
etwa zwei Jahre andauern. Putin habe in den vergangenen 20
Jahren ein auf Angst u. Straflosigkeit basierendes System
etabliert. Russland sei nach wie vor „ein
KGB-System, das auf völliger Rechtlosigkeit basiert“ u. unter
Putin mit einer „noch
zynischeren u. brutaleren Weise vorgeht, als dies im
Endstadium der Sowjetunion der Fall gewesen“ sei. Nach
dieser „Tragödie“ werde sich die russ. Opposition „zweifellos“
vereinen. Ausserdem müsse das Vertrauen
der europäischen Staaten wiederhergestellt werden, denn
diese seien doch die „natürlichen Partner“ Russlands. Dieser
Prozess u. die „Ent-Putinisierung“ des Landes würden aber
ein gutes Jahrzehnt dauern. Im Juli veröffentlichte
Dmitrij Gordon ein Interview mit
Kasjanov, mit dem er in gewohnter kritischer
Manier über Putin u. seinen Krieg gegen die Ukraine sprach.
Nachdem Elcyn Putin als Nachfolger installiert hatte, habe er
den Fehler seiner Tat 100% eingesehen. In seinen Interviews
mit der Presse wiederholte Kasjanov seine Meinung, dass Putin
mit dem Ukrainekrieg einen grossen Fehler begangen habe u.
dass diese Politik früher oder später zum Ende der Herrschaft
Putins u. Russland in den Kollaps führen werde. In einem Interview mit s. Ksenija Larina vom Feb.
2023 wies Kasjanov darauf hin, dass Putin die Realitäten in
der heutigen Ukraine komplett falsch ein- u. den Heldenmut der
Ukrainer u. insbes. ihre Bereitschaft, ihre Freiheit, Heimat
u. ihr Territorium zu verteidigen, unterschätzt habe. Nachdem
die Weltöffentlichkeit verstanden habe, was dort abgeht,
schaue sie heute mit einem ganz anderen Verständnis auf
Russland u. die Ukraine. sIm Mai 2023 ordnete das Oberste
Gericht RF auf Antrag des Justizministeriums RF die Auflösung der Partei an, deren
Vorsitzender Kasjanov nach wie vor war. In einem längeren Interview
mit s. Lev Shlosberg wurde im Mai 2023 mit Kasjanov u.a.
über die Gründe für das Scheitern der demokrat. Reformen in
Russland, über die Anfänge der Herrschaft Putins u. die
Konflikte mit ihm sowie über die Beziehungen zwischen Russland
u. der übrigen Welt sowie über den Militäreinsatz in der
Ukraine u. die Zukunft Russlands gesprochen. Was die
Veränderungen in Putins Auftreten betreffe, erlebe man jetzt
einen „anderen", nämlich den „wahren
Putin", dessen Weltsicht aus dem KGB stammt, während es vor 20
Jahren um einen Putin gehandelt habe, der ein anderes
Benehmens „imitiert" habe u. noch
nicht in der heutigen Form als „Diktator"
in Erscheinung trat. Als
Putin als Präsident vorgeschlagen wurde, hätten alle Politiker
seines Umfelds geglaubt, dass es der richtige sein werde.
Bereits nach einigen Jahren habe man jedoch verstanden, dass
es nicht der richtige sei. Jetzt sehe man, dass er sich „einfach
in einen Diktator verwandelt" habe. Ein Militärputsch in
Russland könne zwar zu einem Wechsel des Regimes führen, aber
nicht zu einer Demokratisierung Russlands, denn
die Bedingungen dazu fehlten in der Gesellschaft,
die „schwer krank"
sei /Min. 1:12:20/. Er habe nicht mit einem
Angriff Putins auf die Ukraine gerechnet, obwohl die USA u.a.
Länder davor gewarnt hatten /Min.
1:21:40/. Er sei davon überzeugt, dass Putin keine
Atomwaffen einsetzen werde, weil er daraus keinen Vorteil
erzielen würde; er sei sich der verheerenden Konsequenzen
bewusst, die ihm kommuniziert wurden. Er benutze dieses
Mittel, um anderen Angst einzujagen u. seine eigene Situation
auszusitzen. /Min. 1:24:42/. Verhandlungen
mit Putin würden wahrscheinlich nur dazu führen, um die
Annexionen Russlands zu zementieren /Min.
1:26:13/. Auserdem sei er davon
übetrzeugt, dass die Ukrainer das besetzte Territorium
militärisch zurückerobern werden /Min.
1:34:40/. Und solange Putin an der Macht bleibe, gebe
es mit Russland keine Verhandlungen, denn kein Staat
der Welt akzeptiere die russ. Eroberungen in der
Ukraine /Min.
1:38:00/. Nov.
2023 wurde Kasjanov vom Justizministerium RF der Liste der
sog. "ausländ. Agenten" hinzugefügt.)
KATANAEV, Ivan Mikhajlovich
II III
IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV (1983-, russ. Informatiker u.
rechtsradikaler kremlfreundlicher Aktivist, ehem. Anführer der
Fanbewegung des FC "Spartak Moskau", Unternehmer,
Kriegsteilnehmer auf russ. Seite in der Ukraine. Absolvent der
"Nationalen Nuklearen Forschungsuniversität" MEPhI mit einem
Abschluss als Computerprogrammierer. Ende der 1990er Jahre
schloss sich Katanaev der Bewegung ultrarechter Skinheads u.
Fussballfans an. Er unterstützte den FC "Spartak Moskau" u. war
ein
Anführer der russ. Fanbewegung dieses Clubs. Gleichzeitig
war er nach eigenen Angaben Mitglied der Moskauer Niederlassung
des internationalen rechtsextremen Netzwerks "Blut u. Ehre“. In den frühen 2000er Jahren
beschäftigte er sich mit dem Weiterverkauf von aus Europa
mitgebrachten Modeartikeln in Russland, hauptsächlich unter Fans
u. rechten Zuschauern. Im Zuge der Verschärfung der
"Anti-Extremismus“-Gesetzgebung in Russlands u. der allgemeinen
repressiven Praxis seitens der russ. "Strafverfolgungsbehörden“
sah er sich gezwungen, vom ultrarechten Umfeld abzurücken u. in
eine für die Behörden „akzeptablere“ u. für ihn „bequemere“
Sphäre des „offiziellen Fussballfanatismus“ zu „wandern“, was
etwa in der 2. Hälfte der 2000er Jahre passierte. So wurde
Katanaev der breiten fussballnahen Öffentlichkeit in Russland
als einer der wichtigsten Antreiber u. "Show“-Koordinatoren zur
Unterstützung der Fussballmannschaft auf der "Fan-Tribüne“ von
"Spartak" u. als Organisator der Vereinigung "Fratria" von Fans des
"Spartak"-Sportvereins bekannt, die der kremlnahen
Jugendbewegung "Nashi"
nahestand. Dieser 2005 gegründete Verein hatte Schätzungen
zufolge damals etwa 10 Tsd. Mitglieder u. galt als grösste
Fanorganisation der "Spartak"-Gesellschaft. Katanaev gehörte zu
den Hauptaktivisten des 2007 von ihm mitgegründeten Allruss. Fanverbands VOB, der für die
Zusammenarbeit mit Fussballfans u. die Bereitstellung von
Eintrittskarten für Spiele verantwortlich war u. im Grunde als
staatl. Einrichtung zur Kontrolle der Fanbewegung diente. 2010
wurde Katanaev, der als berühmtester Fanatiker von "Spartak"
galt, jedoch aufgrund eines Skandals im Zusammenhang mit einem
Diebstahl von Geldern in Rubelmillionenhöhe aus einem Fanfonds
aus der "Fratria" ausgeschlossen u. als unerwünschte Person in der rot-weissen
Fanbewegung erklärt. 2015 gab Katanaev öffentlich zu, dass
er 2007 zusammen mit anderen Gründern des VOB 3 Mln. Rubel aus
dem Verkauf von mehreren Tsd. Tickets für das Spiel
"Russland-Deutschland“ unterschlagen hatte. 2018 leitete die
FIFA im Zusammenhang mit diesen Enthüllungen von Katanaev eine
Untersuchung gegen Russland ein. Katanaev selbst distanzierte
sich von der Fussball-Fanbewegung, die er mit radikalen u.
diskreditierenden Äusserungen öffentlich verunglimpfte. Als
„russ. Patriot" fand er eine neue "Nische“ u. schloss sich um
2014 der berüchtigten russ.-radikalnationalist. Organisation "Sorok
Sorokov" s. Andrej Kormukhins an, die für ihre radikale
Unterstützung der russ.-orthodoxen Kirche ROK u. ihre Intoleranz
gegenüber Vertretern anderer Religionen u. Dissidenzen bekannt
wurde, u. stellte sich als ihr Koordinator zur Verfügung. Als Bsp. für
seine „Unterstützung“ dieser Kirche ist der Konflikt um den Torfjanka-Park im Norden
Moskau im Juni 2015 /II/ anzuführen, wo er die Rolle eines Provokateurs
unter Demonstranten spielte u. von der Polizei festgenommen
wurde, während seine Frau /eine/ ältere Teilnehmerin/nen/
angriff. Im Zusammenhang mit diesen Skandalen soll die ROK
Katanaevs "Dienste an der Kirche" abgelehnt haben. Als
Pseudonyme führt/e er die Namen "Kisa“, "Combat 18“, "Kombat“ u.
„Kompot“.
Als "Unternehmer" war Katanaev Miteigentümer des
Bekleidungsgeschäfts "Drittes Rom" am Novyj Arbat. 2007-9 diente
er in der russ. Armee. 2011-14 war er als Miteigentümer u.
/oder/ Direktor verschiedener Gastronomiebetriebe im
Restaurantgeschäft in der Touristenzone Balis/Indonesiens u.
2015 in einem „Fahrradhandelsunternehmen“ tätig. Nach seinen
eigenen Worten war er kurzzeitig beim "Euromajdan" in Kiev anwesend. 2014-15
beteiligte er sich aktiv an der Unterstützung - auch mit Waffen
- pro-russ. militär. Formationen im Donbass. Zu weiteren
Provokationen gehörte, als Katanaev im Sept. 2014 bei einem
"Friedensmarsch“ im Zentrum Moskaus mit einer Gruppe von
Freunden u. "Spartak"-Fans mit der Flagge "Neurusslands“ u. der "DVR" erschien, als Demonstranten eines
Antikriegsmarsches sich über die Aggression des Putin-Regimes
gegen die Ukraine empörten. Darüber hinaus erklärte er
öffentlich, dass seiner Meinung nach „der Ukrainer ein Russe
ist, der zu einem Biest geworden“ sei. Katanaev beteiligte sich
am Krieg im Donbass auf der Seite proruss. Separatisten u.
begleitete bewaffnet "Lifenews"-Journalisten u. kämpfte 2015-16
in der Gegend von Debalcevo u. Bakhmut. Während des
von Putin
entfesselten russ.
Angriffskriegs
gegen die
Ukraine
transportierte
er Hilfsgüter für die russ. Armee in die besetzten Gebiete u.
sammelte Geld dafür. Dank fehlender Sanktionen gegen ihn konnte
er 2023 mit seiner Frau nach Italien reisen, was in den
italienischen Medien grosses Interesse erregte.
2016-20 übte er in Moskau verschiedene Stellen im Zusammenhang
mit Marketing u. Geschäftsentwicklung bei "InStat Sports" aus,
dessen Tätigkeitsbereich als „Unternehmen zur Analyse von
Sportergebnissen“ bezeichnet wird. 2020-22 war er u.a. u. nach
eigenen Angaben als stv. Generaldirektor bei einer Firma namens
"Sportrecs" tätig. Stand Mai 2023 soll er - seit Nov. 2022
- als Vizepräsident von "SportTech" in der Yandex-Struktur tätig
sein. Ausserdem soll er nach eigenen Angaben seit Jan. 2020 auch
„Dozent an der Wirtschaftshochschule" u. - seit Okt. 2019 -
„Mitglied des Ausschusses für Körperkultur, Sport, Tourismus u.
Jugendangelegenheiten in der Staatsduma RF“ sein, obwohl er
weder Abgeordneter der Staatsduma noch in irgendeiner Weise auf
der Webseite dieses Ausschusses erwähnt ist. Von Katanaev
stammen auch diverse zweifelhafte Aussagen u. Behauptungen wie
sein Bedauern, dass die ROK unzureichend im öffentl. Leben
Russlands präsent sei, dass es in russ. Städten viel zu wenige
Kirchen gebe u. dass der Luxus, in dem die Kirchenführer lebten,
i.O. sei. Ferner behauptete er, „Navalnyj unterstützt“ zu haben,
Anfang 2014 auf dem Kiever Majdan anwesend gewesen u. ein
glühender Anhänger s. Ramzan Kadyrovs zu sein. 2015 erklärte
Katanaev in einem Interview mit dem Journalisten u. Blogger s.
Jurij Dud, dass „Europa bald verschwinden, zerfallen u.
aus allen Nähten platzen“ werde. V. Putin nennt er einen Führer,
dem er „folgen möchte“, u. zitiert Putins fragwürdigen Argumente
über die „Wahrheit eines russ. Menschen“. s. Irina Jarovaja u.
s. Elena Misulina bezeichnet er als vorbildliche russ. Politiker
u. schlägt vor, „viele Liberale“ „wegen staatsfeindlicher
Aktivitäten“ ins Gefängnis zu stecken. Gleichzeitig schätzt
Katanaev die russ. Gerichte sehr u. glaubt, dass sie „dem
Buchstaben des Gesetzes folgen“. In den letzten Jahren trat
Katanaev im öffentl. Raum seltener in einem gesellschaftspolit.
Kontext auf, aber häufiger als Vertreter "sportnaher“
kommerzieller Strukturen. Seine wirren Ansichten u. wüsten
Stellungnahmen, die teilweise an Fake bzw. Unsinn grenzen, etwa
dass die Ziele Russlands u. der USA im Ukrainekrieg, den er
öffentlich befürwortet, völlig übereinstimmten, äussert er
hemmungslos v.a. im russ. sozialen Netzwerk "Vkontakte", wo er ein paar Tsd. Followers
hat. Zu finden sind dort auch höhnische Kommentare zum ganzen
irrsinnigen u. zynischen russ. Gerede über russ. Kriegserfolge
u. Anschläge auf Energieanlagen in der Ukraine, dunkle Nächte in
Kiev, den Einsatz von Atomwaffen, die Annexion von 4
südostukrain. Gebieten, die Wiederherstellung zerbombter ukrain.
Städte durch Russland, die Idealisierung der kämpfenden jungen,
starken russ. Männer als ein absolut einzigartiges Erlebnis, die
Heroisierung Putins als „unser Präsident u. der neue Führer der
freien Welt", usw. usf.
Kritik: Das "Forum Freies Russland", das die sog.
"Putin-Liste" führt, wirft Katanaev direkte Beteiligung am
Angriffs- u. Raubkrieg Russlands gegen die Ukraine u. an der
Propaganda dieses Kriegs sowie an provokativen „politiknahen“
Aktivitäten im Interesse des Kremls innerhalb Russlands vor. Als
Begründung dieser Vorwürfe nennt das "Forum" Katanaevs die
direkte Teilnahme an der Bewegung "Sorok Sorokov u. seine
provokativen Aktivitäten gegen Dissidenten u. Gegner des
Putin-Regimes sowie seine konkreten Handlungen im Zusammenhang
mit der direkten Beteiligung an der russ. Invasion u. Okkupation
der Ukraine 2014-15 u. seine Propaganda u. Rechtfertigung des
umfassenden Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine, der im
Feb. 2022 begann. Katanaevs Teilnahme an Kriegshandlungen im
Gebiet des Donbass wird durch eine beträchtliche Anzahl von
Fotos bestätigt u. bewiesen, die ihn mit Waffen in der Hand u.
in Kampfpositionen zeigen. Ferner soll er Geld für den Kauf von
Ausrüstung für Soldaten u. angeworbene Söldner gesammelt haben.
Nach Angaben der ukrain. Website "Mirotvorec"
/II/ nahm Katanaev, wie er
selbst berichtete, im März-April 2015 an den Kämpfen in der
Gegend von Debalceve u. Bakhmut/Artjomovsk teil u. schloss sich
der berüchtigten "Union
der Donbass-Freiwilligen" /II/ an. Einem ukrain. Newsportal erzählte er,
dass er 2015 in Gorlovka den "DVR"-Milizen s. Igor
Girkins/Strelkovs mit Geld u. Waren geholfen habe. Bei dieser
Gelegenheit sagte er auch, dass im Donbass auch 10-20
Fussballfanatiker anderer russ. Fussballclubs an der Seite der
Separatisten gekämpft hätten. Er denke, dass in der Ukraine ein
„jugoslavisches Szenario" entstehen werde, dass die Ukraine die
besetzten Gebiete für immer verloren habe u. dass es die Ukraine
selbst bald nicht mehr geben werde.)
KATANANDOV, Sergej Leonidovich
II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVI
(1955-, sowjet. Industrie- u. Bauingenieur, russ.
Politiker in Karelien, ehem. Oberhaupt
der Republik Karelien /1998-2010/. Absolvent der Fakultät für Industrie- u.
ziviles Bauwesen der nach O.V. Kuusinen benannten
Staatsuniversität Petrozavodsk, des Nordwestl.
Personalzentrums bzw. des Instituts für Staatsdienst, Fach
Staats- u. Gemeindeverwaltung, u. der Nordwestl. Akademie für
Staatsdienst in SPB, Fach Rechtswissenschaften. Kandidat
der Philosoph. Wissenschaften. Ehrendokor der
Staatsuniversität Petrozavodsk, Ehrenbürger der Stadt
Petrozavodsk u. der Repubik Karelien.
Aktivmitglied der Russ. Ingenieursakademie. Seine Mutter
war stv. Staatsanwältin von Petrozavodsk u. Mitglied des
Obersten Gerichtshofs von Karelien. 1987 wurde Katanandov zum
Abgeordneten des Volksdeputiertenrats der Stadt Petrozavodsk
gewählt, 1990 Vorsitzender des Exekutivkomitees des
Volksdeputiertenrats der Stadt Petrozavodsk, ehem.
Bürgermeister von Petrozavodsk /1990-8/. In der Gesetzgebenden
Versammlung /Parlament/ der Republik Karelien war er als
Gemeindevorsteher Mitglied der Republikskammer u. diente als
Vorsitzender des Verfassungsausschusses. Im März 1998 trat er
vorzeitig zurück, um an den Wahlen zum Oberhaupt der Republik
teilzunehmen. Im
Kampf gegen den aktuellen Republikchef Viktor Stepanov
sicherte sich Sergej Katanandov die polit. Unterstützung der
Partei "Unser Haus Russland" u. der "LDPR" sowie die finanzielle
Unterstützung des Petrozavodsker Geschäftsmanns Leonid
Beluga u. des St. Petersburger Konzerns "Orimi". Bei den
Wahlen vom April 1998 belegte er mit 36% der Stimmen den
1. Platz, gewann im 2. Wahlgang vom Mai mit 49,48% u. trat
Anfang Juni sein Amt als Oberhaupt der Republik Karelien an.
Als Vorsitzender der
Regierung/PM der Republik Karelien erhielt er die Befugnisse
eines Mitglieds des Föderationsrats RF. Im Nov. 1998
beteiligte er sich an der Gründung der Bewegung von s. Jurij
Luzhkov, "Vaterland", u. wurde im Aug. 1999 Mitglied ihres
Zentralrats. Bei den Dumawahlen RF 1999 leitete er die
Regionalgruppe der Republik Karelien u. der Gebiete Novgorod
u. Pskov auf der föderalen Liste des Blocks "Vaterland-Ganz
Russland". In Karelien erzielte der Block jedoch nur 9% der
Wählerstimmen, während die interregionale Bewegung "Einigkeit“
31,8% der Stimmen erhielt. Im März 2000, am Vorabend der
Präsidentschaftswahl RF, sprach sich Sergej Katanandov für
eine 7-jährige oder sogar lebenslange Amtszeit des Präsidenten
RF aus u. stimmte der Idee zu, die Wählbarkeit der Oberhäupter
der Subjekte RF durch die Ernennung per Dekret des Präsidenten
RF zu ersetzen. 2001 Mitglied des Präsidiums des Staatsrats
RF. Im Dez. 2001 verliess er den Föderationsrat RF aufgrund
einer Änderung des Verfahrens zu seiner Bildung. Katanandov
leitete den regionalen Zweig der Partei "Einiges Russland" in der Republik
Karelien seit seiner Gründung im März 2002 u. wurde
Parteimitglied im Dez. 2004. Schon 2002 äusserte
Katanandov die Idee, auf Direktwahlen zu verzichten u. die
regionalen Führer durch die föderalen Behörden zu ernennen. Im April 2002 gewann Katanandov bei der
Wahl des Oberhaupts der Republik Karelien
im 1. Wahlgang mit 53,35% der Stimmen. Von Mai bis Dez. 2002
arbeitete er als "Premierminister der Regierung der Republik
Karelien“, wie der Posten nach einem Referendum genannt wurde. Ende Feb. 2006 reichte Präsident RF V. Putin
die Kandidatur Katanandovs zur Prüfung durch die Gesetzgebende
Versammlung Kareliens ein; Anfang März wurde er von den
Abgeordneten einstimmig als Oberhaupt der Republik für 5 Jahre
bestätigt. Neben verschiedenen polit. Krisen wurde die grösste
Krise für die Republik Karelien während der Regierungszeit
Katanandovs durch die Unruhen in Kondopoga vom Sept. 2006
ausgelöst, was zu einem Köpferollen bei Bezirksvorstehern u.
den Vorsitzenden der staatl. Komitees für lokale u. nationale
Selbstverwaltung führte. Katanandov selbst wurde von Präsident
Putin scharf kritisiert, als er in Portugal Urlaub machte u.
unerreichbar war, ohne die Bildung der Lokalbehörden im Bezirk
Kondopoga abzuwarten. Bei den im Okt. 2006 abgehaltenen Wahlen zum republikan. Parlament Kareliens
führte Katanandov die Parteiliste von "Einiges Russland“ an,
die 38,92% der Stimmen erhielt. Bei den im folgenden Jahr
durchgeführten Dumawahlen RF erreichte er die Spitze der
Regionalgruppe der Parteiliste, die in Karelien 57,3% erhielt.
In beiden Fällen lehnte er das ihm zustehende
Abgeordnetenmandat ab. Der Herbst 2007 war geprägt von einem
Konflikt zwischen dem Republikschef Katanandov u. dem Petrozavodsker Stadtrat, deren führenden
Kräfte Vertreter der Fraktionen "Gerechtes Russland“ u. "Jabloko“ waren, angeführt vom
Ratsvorsitzenden Vasilij Popov, der im Sept. einen Aufruf an
den Präsidenten RF richtete, in dem Katanandovs Rücktritt
gefordert wurde. Es wurde ihm Korruption u. Lobbyarbeit
zugunsten der Interessen der Wirtschaft, insbes. für den
Eigentümer der Holding "Lotos", Leonid Beluga, der Katanandov
bei Wahlen finanziell unterstützt hatte, vorgeworfen. Als
Reaktion darauf beschuldigte Katanandov die Abgeordneten der
Verleumdung u. reichte beim Stadtgericht eine Klage ein, in
der er 50 Mln. Rubel für den ihm zugefügten moralischen
Schaden forderte. Das Gericht erfüllte die Forderung u.
reduzierte den Betrag auf 200 Tsd. Rubel. Ein 2. Aufruf an den
Präsidenten RF im Nov. desselben Jahres blieb wie der erste
unbeantwortet, wobei die Staatsanwaltschaft von Karelien den
Abgeordneten mit einem Strafverfahren drohte. Ende Mai 2009
setzte Katanandov die Vasilij Popov gehörende Petrozavodsker
Gratiszeitung Iskra wegen der Veröffentlichung eines
kritischen Artikels über Präsident RF s. Dmitrij Medvedev
unter Druck. Ende Juni 2010 trat Katanandov auf eigenen Wunsch
vorzeitig als Oberhaupt Kareliens zurück, obwohl seine
Amtszeit erst im März 2011 abgelaufen wäre. Im Grunde war
Katanandovs Rücktritt seit Jahren erwartet worden, zumal sein
Rating stetig sank. Ausser Skandalen um
Schottervorkommen u. der schwierigen Situation im Wohnungswesen
zählten der Konflikt zwischen Katanandov u. dem Bevollmächtigten
des Präsidenten RF für den Nordwesten, Ilja Klebanov, die
Niederlage von "Einiges Russland" bei den Wahlen der
Gemeindevorsteher, der Skandal um die Wahl des Bürgermeisters
von Petrozavodsk u.a. Probleme zu den Gründen für den Rücktritt.
2010-17 Mitglied des Föderationsrats RF für die Republik
Karelien. Träger zahlreicher Orden u. Auszeichnungen.)
KAUROV,
Pjotr Alekseevich II III (1952-2000, gew. sowjet. Eisenbahningenieur,
russ. Politiker, Bürgermeister der Stadt Murom
/1991–2000/. Absolvent des belaruss. Instituts für
Eisenbahningenieure mit einem Abschluss in Industrie- u.
Zivilbau. Bevor er Politiker wurde, arbeitete er in der
Sowjetzeit als Bauleiter bei der Eisenbahn u. Chefingenieur
am Bahnhof Murom, als Abteilungsleiter für Bau- u.
Wirtschaftswesen des Stadtkomitees der KPdSU u. als Leiter
einer Bauverwaltung des "Muromstroj"-Trusts. 1991 wurde er
zum Leiter der Verwaltung der Stadt Murom ernannt,
um moderne städtische u. Verwaltungsstrukturen zu
entwickeln. Seine nächste Amtszeit war dann bereits vom Volk
mit 80% der Stimmen bestätigt worden.
1994 besuchte er im Rahmen des
russ.-amerikan. Informationsaustauschprogramms die USA, wo
er einen Business-Stage durchlief. Während der 9 Jahre an
der Spitze der Stadtverwaltung von Murom gab er viele
architekton. Projekte der soziokulturellen Sphäre in
Auftrag, so ein Denkmal für Ilja Muromec, eine neue Brücke
u. eine Sekundar-, Mittel- u. eine Kunstschule u.a. Unter
seiner polit. u. wirtschaftl. Führung entwickelte sich das
Kleinunternehmen in Murom in schwierigen Jahren sehr
günstig, während gleichzeitig die Flaggschiffe der Muromer
Industrie nicht untergingen.
Der Bürgermeister tat auch viel, um die Stadt in ein
Touristenzentrum zu verwandeln. Kaurov war Mitglied des
Kongresses u. der Union der Kleinstädte Russlands,
Vorsitzender der Vereinigung der Leiter der
Kommunalverwaltungen des Gebiets Vladimir. Ende der 1990er
Jahre war der Bürgermeister von Murom einer der beliebtesten
Politiker im Gebiet Vladimir.
Ermordung: Der 48-jährige Kaurov wurde im Dez. 2000
5 Tage vor der Wahl des Gouverneurs des Gebiets Vladimir u. der
Abgeordneten der gesetzgebenden Versammlung des Gebiets getötet.
Gemäss Presseberichten fand an diesem Tag in der Muromer
Verwaltung eine Sitzung einer Stadtratskommission statt, an der
u.a. die Frage des Stadthaushalts für 2001 diskutiert worden
sei. Kaurov, der bei dem Treffen anwesend war, verliess gegen 18
Uhr den Arbeitsort u. fuhr mit seinem Auto in unbekannte
Richtung davon u. erschien an diesem Abend nicht zu Hause in der
Leninstrasse. Passanten fanden ihn am
nächsten Morgen in einer Garage im Hof eines Hauses in der
Leninstrasse neben dem Auto in einer gefrorenen Blutlache mit
einem Schuss durch den Kopf. Laut Polizeibericht wurde der
Bürgermeister fast aus nächster Nähe erschossen, als er das
Auto in die Garage fuhr. Ausser den regionalen
Polizeien, der Staatsanwaltschaft sowie des FSB wurden der
Innenminister RF u. die Verwaltung des Präsidenten RF /Putin/
über den Aufsehen erregenden Mordfall informiert u. ein
Strafverfahren umgehend eingeleitet. Da keine polit. Motive
festgestellt werden konnten, wurde eine kriminelle Tat auf der
Ebene der Wirtschaftsbeziehungen nicht ausgeschlossen, da
bekannt war, dass Moskauer u.a. Gruppierungen ein verstärktes
Interesse am Wirtschaftsstandort Murom zeigten. Die meisten
Einwohner Muroms glaubten, dass Kaurov aufgrund seines aktiven
Widerstands gegen das Eindringen von Moskauer kriminellen
Gruppen in die Wirtschaft Muroms u. wegen der Verhinderung von
Versuchen, grosse Industrieunternehmen zu erbeuten,
untereinander aufzuteilen oder auszuplündern /razderbanit/, auf
diese Weise entfernt wurde. Obwohl den Ermittlungsbehörden
bekannt gewesen sei, wer vom Tod des Bürgermeisters der Stadt
Murom profitieren könnte, wurden die Auftraggeber des Mordes u.
die Täter selbst auch 18 Jahre nach der Mordtat nicht
identifiziert, u. das mehrteilige Strafverfahren wurde nicht
abgeschlossen. Wie der Sohn des ermordeten Bürgermeisters einer TV-Station erklärte, wurde kurz nach dem
Tod Kaurovs dessen Datscha von Unbekannten niedergebrannt, u.
Monate später wurde seine Wohnung in Murom ausgeraubt. Der Sohn
Aleksej Petrovich, der an bestimmte oppositionelle Haltungen
seines Vaters erinnerte, schloss nicht aus, dass sein Vater aus
polit. Gründen ermordet worden sein könnte.
2013 wurde Kaurov posthum der
Titel "Ehrenbürger von Murom“ verliehen.)
KAUROV, Valerij Vladimirovich (ukrain.
Volodymyrovych) II III IV V VI (1956-, ehem. pro-russ.
Politiker u. orthodoxer Aktivist in Odessa u. "Neurussland", Ukraine.
Im Alter von 17 Jahren wurde er wegen
Rowdytums zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt u. verbüsste eine
7-jährige Haftstrafe in einer Strafarbeitsanstalt im Gebiet
Chernihiv, Ukrain. SSR. Nach seiner Entlassung arbeitete er
bis Mitte der 1980er Jahre als Handwerker in einem Elektrowerk
in Odessa. Nach dem Verlassen der Fabrik organisierte er eine
Genossenschaft zum Schneidern von Hosen, an die Etiketten
berühmter Unternehmen geformt u. die als Originale verkauft
wurden. In
den 1990er Jahren war er in einem profitableren Geschäft
tätig u. wurde Generaldirektor einer Firma namens
"Interodeks". Mitte 1990er Jahre wurde er wegen
Steuerhinterziehung erneut festgenommen. Während der
Ermittlungen verbrachte Kaurov 2 Monate in Einzelhaft,
wurde schliesslich freigelassen u. später im Rahmen einer
Amnestie freigesprochen. Danach gab er seinen Anteil an
seinen Partner im Unternehmen ab, der kriminellen
Autorität Ihor Markov, genannt "Maradonna", u. war nicht
mehr im Geschäft tätig. Zu dieser Zeit wurde er religiös
u. gläubig u. nahm an den Aktivitäten der orthodoxen
Gemeinde von Odessa teil, organisierte Pilgerreisen zu
heiligen Stätten u. wurde Gründungsmitglied einer Kirche
in Chernomorka bei Odessa. Ausserdem
arbeitete er in der Kreditgesellschaft "Ukraine" in
Odessa, deren Führungskräften Finanzbetrug vorgeworfen
wurde, nachdem sie in Konkurs gegangenen war.
Der
Leiter dieser Gesellschaft, Kaurov, wurde beschuldigt,
über 59 Mln. Grivna/Hryvnja illegal unterschlagen zu
haben. Dennoch
war Kaurov noch Jahre Leiter dieser Kreditgenossenschaft u.
soll Tausenden
Einlegern geholfen haben, die unter dem Betrug des
vorherigen Managements gelitten u. ihre Ersparnisse verloren
hatten, ihr Geld zurück zu erlangen. Den Einwohnern
Odessas blieb Kaurov auch v.a. für seine Reden zur
Verteidigung der betrogenen Sparer der
Kreditgenossenschaft "Ukraine" in Erinnerung /Fortsetzung
s. unten/.
Politik: Kaurov begann
seine polit. Tätigkeit 2001, als er als Zeichen des
Protests gegen den Besuch von Papst Johannes Paul II. in
der Ukraine die Odessaer Regionalorganisation
"Vereinigtes Vaterland“ gründete u. leitete u. in Kiev an
Protesten gegen den Papstbesuch teilnahm.
Während der "Orangenen Revolution" unterstützte
er s. Viktor Janukovych. Anlässlich der Wiederholung der
2. Runde der Präsidentschaftswahl war er der Initiator von
Protestaktionen, insbes. mittels Zerkleinerung von Orangen
mit einem Bulldozer in Odessa u. der Sperrung der Autobahn
Odessa-Kiev. Im Dez. 2004 leitete die Staatsanwaltschaft
des Gebiets Odessa ein Strafverfahren gegen Kaurov gemäss
Art. 279 StGB UA wegen der Sperrung der Autobahn ein.
Seine Aktionen erregten landesweit Aufsehen u. das
"Vereinigte Vaterland“ war eine der 10 am meisten in
den Medien erwähnten russ.-orthodoxen Organisationen
in der Ukraine u. verfügte über ein breites Netzwerk
von Zweigstellen im ganzen Land.
Ferner fungierte er als Chefredaktor des Portals
"Edinoe Otechestvo“ u. der Zeitung Pravoslavnyj
Telegraf.
Im
Sept. 2005
gründete Kaurov die "Union orthodoxer Bürger der Ukraine“
SPGU, eine öffentl. Organisation in der Ukraine zur
Verteidigung der russ. Orthodoxie, die für die Konsolidierung
u. Mobilisierung orthodoxer Gläubiger zum Zwecke koordinierter
Bürgeraktionen zur Verteidigung ihrer Rechte u. Freiheiten vor
„Feinden der kanonischen Orthodoxie“ sowie gegen die Trennung
der Ukrain.-Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats, unter dessen Schirmherrschaft die SPGU
gestellt werden sollte, von der Russ.-Orthodoxen
Kirche plädierte. Weitere Bestandteile der
Zielsetzungen waren Aktivitäten
zum Schutz der russ. Sprache u. der Rechte der
russischsprachigen Bürger u. russ. Landsleute in der
Ukraine sowie der Kampf gegen die Rehabilitierung von
Soldaten der berüchtigten "Ukrain. Aufstandsarmee"
OUN-UPA, gegen eine antiruss.
Interpretation des sog. Holodomors der 1930er Jahre
u. gegen
den Beitritt der Ukraine zur NATO. Auf dem
Konstituierenden Kongress in Kiev wurde Kaurov zum
Vorsitzenden der SPGU, die ein Bestandteil der "Union
orthodoxer Bürger" sein sollte, gewählt.
Die SPGU genoss die Unterstützung der "Progressiven Sozialist. Partei der Ukraine"
/Vorsitzende s. Natalija Vitrenko/
- u. der ehem. "Partei der Regionen"
Janukovychs. Kaurov
organisierte zahlreiche
Prozessionen u. Gebetswachen
u. beteiligte sich an der
"Verteidigung" u. "Befreiung" von Kirchen in der ganzen
Ukraine, darunter in der Stadt Ostrog, Diözese Rivne, im
Svjatogorsker Kloster, Diözese Doneck, in der Stadt
Chernigov, in Odessa, Chernovcy u.a. Diözesen der
Ukrain.-Orthodoxen Kirche. Dabei
erwies sich Kaurov als
fanatischer orthodoxer Politiker, der die
verfassungsmässigen Rechte der Gläubigen der
Ukrain.-Orthodoxen Kirche, Moskauer Patriarchat MP,
kompromisslos verteidigte, als entschiedener Kämpfer gegen
jegliche Formen der Autokephalie u. als Kämpfer für die
Wahrung der unzerstörbaren geistigen Einheit der
Ukrain.-Orthodoxen Kirche mit den Russ.-Orthodoxe Kirche
gegen die "spirituelle Aggression des Westens"
usw. So wurde Kaurov auch als einer der wichtigsten
Popularisierer der Doktrin der "Russ. Welt“ in der Ukraine
bekannt.
Kaurovs Aktivitäten fanden grossen Anklang in
der gesamten Ukraine, insbes. in der Region Odessa, wo
sowohl Abgeordnete der Gemeinderäte, Regierungsbeamte
als auch Führer verschiedener öffentl. Organisationen u.
Parteien mit ihm zusammenarbeiteten.
Für seine vielfältigen Aktivitäten u. Verdienste wurde Kaurov
mit einigen kirchlichen u. öffentl. Preisen ausgezeichnet, die
seine Unterstützung seitens Russlands u. v.a. der
Russ.-Orthodoxen Kirche, MP, demonstrieren sollten:
Im Sept. 2003 wurde Kaurov durch den Metropoliten Vladimir von
Kiev u. der gesamten Ukraine mit dem "Hl.
Grossfürst-Vladimir-Orden III Grad" geehrt; im Mai 2004
überreichte ihm derselbe Metropolit die Urkunde "Segen für
harte Arbeit zum Ruhm der Hl. Kirche“; im Sept. 2006 wurde ihm
die Urkunde des Metropoliten Agafangel von Odessa "für die
Befreiung der St.-Andreas-Kirche in Odessa" überreicht - mit
Kaurov wurden 45 weitere Mitglieder des "Vereinigten
Vaterlands" ausgezeichnet; im Juni 2007 verlieh
ihm Patriarch s. Aleksij II den "Orden des rechtschaffenen Hl.
Fürsten Daniil von Moskau III Grad" für Kaurovs
Aufmerksamkeit u. Arbeit zum Wohle der Kirche u. im Zusammenhang
mit seinem 50. Geburtstag. Der Orden wurde ihm im
Kloster des Hl. Daniil vom derzeitigen Patriarchen
s. Kirill, der damals Leiter der Abteilung für Äussere
Kirchliche Beziehungen des MP war, überreicht. Im
April 2010 wurde Kaurov von Marija Vladimirovna, Oberhaupt des
Kaiserhauses der Romanovs, der "Kaiserin u. Souveränin von
ganz Russland", der "Hl.-Anna-Orden III Grad" verliehen.
Umstrittene
Aktionen: 2006 gründete Kaurov das "Anti-NATO-Komitee“
u. nahm zusammen mit anderen Gegnern der NATO-Übungen in der
Ukraine an Protesten u. Blockaden von NATO-Aktivitäten in
Feodosija u. Odessa teil, was
zur Unterbrechung der Übungen
führte. 2006 stand Kaurov auf Platz 10 der von Natalija
Vitrenko geführten "Progressiven Sozialist. Partei", aber da
diese Partei die 3%-Hürde nicht überwand, wurde sie nicht
ins ukrain. Parlament gewählt. 2006 fungierte Kaurov auch an
der Spitze des sog. "Russ. Marsches" in Odessa, wo es neben
Aufrufen zur Einheit mit Russland auch antisemit. Parolen
gab. Eine Reihe von öffentl. Organisationen u. religiösen
Vereinigungen äusserten sich besorgt über die Aktivitäten
Kaurovs u. seiner Organisation u. beschuldigten ihn, die
religiöse u. soziale Situation in der Region zu
destabilisieren. Als
es 2007 erneut Versuche gab, die NATO-Ausbildung zu behindern,
wurden auf Anordnung des Primorskij-Gerichts von Odessa
Proteste gegen die Übungen verboten. Nichtsdestotrotz wurde
dem "Vereinigten Vaterland" erlaubt, einen Marsch zu Ehren des
letzten russ. Kaisers Nikolaus II. abzuhalten. Als die
Demonstration von der erlaubten Route abwich u. den Verkehr
behinderte, wurde Kaurov festgenommen u. mit einer Geldstrafe
von 170 Grivna belegt. Im April 2007 beteiligten sich Kaurov
u. das "Vereinigte Vaterland" an einer Aktion zur Verteidigung
der russ. Sprache "Ich spreche Russisch!“ Während
einer dieser Kundgebungen wurden in Odessa 10 Liter Fäkalien auf
Kaurov gegossen, wobei die "Bruderschaft" von Dmytro Korchynskyj
die Verantwortung für diese Aktion übernahm /offenbar handelte
es sich dabei um den gagausischen Flügel der "Bruderschaft", der
Kaurov eine "Auszeichnung" bzw. einen "Preis" überreichen
wollte/. Laut den Organisatoren war diese Aktion eine Reaktion
auf Kaurovs Aufruf in Bezug auf die angebl. „zwischenethnische
Feindschaft unter dem multiethnischen ukrain. Volk ...", die mit
„gewalttätigen Methoden auf Kosten Russlands" stattfinde. Nach
dem Angriff wurden die Aktivisten vorübergehend festgenommen.
Die Teilnehmer der Aktion gegen Kaurov wurde von der
Korchynskyj-"Bruderschaft" kritisiert u. Natalija Vitrenko
distanzierte sich ihrerseits von Kaurov, dessen Aktvitäten u.
der "Bruderschaft" selbst. Insgesamt
wurden im Zeitraum 2006-10 im ganzen Land über 90 grosse
Aktionen zur "Verteidigung der Orthodoxie u. der
russischsprachigen Bevölkerung" der Ukraine durchgeführt.
2005-6 kritisierte Kaurov den
damaligen Bürgermeister von Odessa, Eduard
Hurvits, scharf, unterstützte ihn jedoch
unerwartet bei den Wahlen von 2010.
Aber es
gab auch Kritik. Im Nov. 2007 sandte eine grosse Zahl
orthodoxer, mit der Ukrain.-Orthodoxen Kirche, MP, verbundener
u. pro-russ. Organisationen der Ukraine einen gemeinsamen Brief
an den Aussenminister RF, den russ. Botschafter in der Ukraine
u.a. Funktionsträger, in dem Valerij Kaurovs öffentl.
Aktivitäten verurteilt u. er selbst des polit. u. finanziellen
Betrugs beschuldigt wurden. Im Dez. 2007 verabschiedete die
Bischofssynode der Ukrain.-Orthodoxen Kirche, MP, eine
Sonderresolution zu den Aktivitäten der Organisation "Union der
orthodoxen Bürger der Ukraine“ u. ihres Vorsitzenden Valerij
Kaurov, in der zum Ausdruck gebracht wurde, dass die Aktivitäten
der genannten Organisation „nichts mit der Ukrain.-Orthodoxen
Kirche zu tun" hätten. Weiter hiess es, der Leiter dieser
Organisation, Kaurov, habe nicht das Recht, die Positionen der
Ukrain.-Orthodoxen Kirche, MP, zu vertreten oder in ihrem Namen
zu sprechen. Die Synode hielt auch fest, dass bestimmte
Handlungen u. Äusserungen Kaurovs „gegen die Ukrain.-orthodoxe
Kirche gerichtet" seien. Es war die Rede von der Definition der
„polit. Orthodoxie“. Kaurov griff danach die Resolution scharf
an.
Skandal um die
Kreditgesellschafz "Ukraina" /Forts./: Im Nov. 2011 meldete die Presse, dass
Kaurov nicht mehr Aufsichtsratsvorsitzender der
Kreditgesellschaft "Ukraine" sei; zu dieser Schlussfolgerung sei das
Berufungsgericht des Gebiets Odessa mit seiner Entscheidung vom Sept.
2011 gekommen, das
die Rechtswidrigkeit von 2 Hauptversammlungen der
Mitglieder der genannten öffentl. Organisation anerkannt
habe, die vor 2 Jahren stattgefunden habe.
Wie der derzeitige Aufsichtsratsvorsitzende der
Gesellschaft, Aleksandr Gaev, berichtete, habe die ehem.
Führung das Vermögen der Gesellschaft verschwendet. Ein Teil
des Gelds, das für zuvor vergebene Kredite verpfändet wurde,
sei in eine unbekannte Richtung abgeflossen.
Es gebe eine Klage auf Rückgabe eines Büros der
Gesellschaft. Der Fall, in dem Eigentum im Wert von 157 Mln.
Grivna beschlagnahmt wurde, werde seit langem vor dem
Primorskij-Gericht der Stadt Odessa verhandelt. V. Kaurov
habe zu seiner Zeit den Status eines Opfervertreters mit dem
Recht innegehabt, persönlich über die Gelder zu verfügen,
die als Schadensersatz gezahlt werden konnten.
Der Prozess habe vor dem Wirtschaftsgericht
begonnen, wo das Insolvenzverfahren für die
Kreditgesellschaft eröffnet worden sei. Laut A. Gaev hätten
Einleger weiterhin die Möglichkeit, einen entsprechenden
Antrag auf Anerkennung als Gläubiger zu stellen. Es werde
ein Gläubigerausschuss gebildet, der im Fall der Erklärung
der Insolvenz der Kreditgesellschaft das Recht habe, über
das verbleibende Vermögen u. die verbleibenden Gelder zu
verfügen. Wie die neue Vorstandsvorsitzende
Alena Babinina feststellte, erhalte jeder Einleger die
Möglichkeit, Opferstatus zu erlangen. Dazu sei es
erforderlich, einen Reisepass,
Original u. Kopie des Mitgliedsbuchs, des Vertrags u.
der Quittung der Einzahlung vorzulegen. Kaurov, der
einige Tage zuvor im Fernsehen aufgetreten war,
bezichtigte das neue Leitungsteam der Kreditgesellschaft
des Vandalismus u. beteuerte weiterhin seine Unschuld.
2014-: Im Mai 2014 gab sich Valerij Kaurov als neu
gewählter Präsident einer "Republik Odessa" bzw. eines "Föderativen Staats Neurussland" oder einer
"Konföderation Neurussland", bestehend aus der "Volksrepublik
Doneck" u. der "Volksrepublik Lugansk/Luhansk" zu erkennen,
deren Gründung von einigen orthodoxen Aktivisten in Odessa
angekündigt wurde. Als Politiker von "Neurussland"
befürwortet Kaurov die Idee, die ukrain. Staatlichkeit durch
Föderalisierung u. anschliessende Abtrennung ihrer Territorien
zu zerstören. In diesem Zusammenhang sei Kaurov von Seiten der Ukraine /SBU/ mitgeteilt
worden, „dass im Falle der Fortsetzung öffentl. Reden, die
darauf abzielen, die Prüfung der Frage der Änderung des Status
der regionalen Gebiete der Ukraine einzuleiten, entsprechende
Massnahmen gegen ihn angewendet würden, einschliesslich der
Strafverfolgung." In der Folge wandte sich Kaurov an Präsident
RF V. Putin mit der „Bitte, ihn, Valerij Vladimirovich Kaurov,
u. die Mitglieder seiner Familie vor polit. Repression u.
möglichen körperlichen Auswirkungen zu schützen u. ihm u. seinen
Familienmitgliedern auch die russ. Staatsbürgerschaft zu
gewähren." In den folgenden Wochen hielt sich Kaurov auf der im
März 2014 von Russland annektierten Krym auf, so auch während
der
Ausschreitungen in Odessa vom 2. Mai 2014
zwischen proukrain. u. proruss. Demonstranten,
bei denen 48 Menschen ums Leben kamen u. über 200 verletzt
wurden. Aufgrund interner Spaltungen u. ausbleibender
Erfolge der Separatisten erwies sich die Bedeutung der
Föderation von Neurussland als irrelevant, ebenso die polit.
Rolle Kaurovs. Im Mai 2015 wurde das Ende der "Föderativen
Republik Novorossija" unter Beibehaltung der "Volksrepubliken"
von Doneck u. Lugansk verkündet. Im Juni u. Juli 2014 wurde
Kaurov von den USA u. der EU Im Zusammenhang mit der Einberufung
russ. Streitkräfte in die Ukraine zusammen mit anderen Personen
mit Sanktionen belegt. Laut der ukrain. Website "Myrotvorec"
/II/
schrieb der SBU des Gebiets Odessa am 7. Okt.
2014 Kaurov nach Art. 110 Teil 1 StGB UA zur Fahndung aus. Ende
2014 weilte Kaurov in Odessa, ab/nach 2015 hielt er sich aber
vermutlich in Russland auf; nach Angaben des SBU wohne er
bereits seit März 2014 in Moskau u. besuche regelmässig die
Krym. 7 Jahre nach den Ereignissen von 2014 begann in der
Ukraine eine vorgerichtliche Untersuchung der Aktivitäten eines
der Anführer der "Antimajdan"-Bewegung von Odessa. Das
Primorskij-Bezirksgericht in Odessa habe dem SBU erlaubt, eine
vorgerichtliche Untersuchung in Abwesenheit gegen Valerij
Kaurov durchzuführen, denn er werde verdächtigt, in die
territoriale Integrität u. Unverletzlichkeit der Ukraine
eingegriffen zu haben. Seit 2022 wird Kaurov als Leiter des
Pressediensts der regionalen Gesellschaft "Union der orthodoxen
Bürger von Taurien“ erwähnt, deren Registrationsort das Dorf
Pishchane im Bezirk Bakhchyssaraj auf der besetzten Krym war. Im
Sept. 2022 veröffentlichte Kaurov im Namen dieser Gesellschaft
eine Erklärung bzw. einen Aufruf religiösen u. antikukrain.
Charakters.)
KASHIN,
Oleg Vladimirovich
II III IV
V VI VII VIII
IX
X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII
XIX
XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVIa XXVIIb XXVIII XXIX
XXX XXXI XXXII XXXIII XXXIV XXXV XXXVI
XXXVII XXXVIII
XXXIX XL XLI XLII XLIII
XLIV XLV XLVI XLVII XLVIII XLIX L LI LII LIII
LIV
LV
LVI
LVII
LVIII
LIX
LX
LXI
LXII
LXIII
LXIV LXV (1980-,
russ. kritischer polit. Journalist, Publizist, Kolumnist u.
Schriftsteller/Buchautor. Absolvent
eines Studiums der "Navigation
auf Seewegen“ an der Baltischen
Staatsakademie der Fischereiflotte in Kaliningrad. Er fuhr
2x zur See auf dem Segelschiff "Kruzenshtern“ als Deck- u. Navigationspraktikant
u.
war Teilnehmer internationaler
Segelregatten. Seine journalist. Karriere begann er 2001-3 als
Sonderkorrespondent der Komsomolskaja pravda in
Kaliningrad. 2003 zog er nach Moskau u. war bis 2005
Korrespondent der Abteilung Gesellschaft des Verlags
"Kommersant". Von Anfang an geriet Kashin ins Visier
derjenigen, die kritische Journalisten wie ihn für "Feinde
Russlands" u. "Verräter" abqualifizieren. Er ist ein
besonders eindrückliches u. tragisches Beispiel dafür, wie
kritische Journalisten in Putins Russland behandelt
werden. Anfang Juni 2004 wurde Kashin, als er im Auftrag
der Zeitung Kommersant arbeitete, um
einen Bericht über die Aktion der "Vorhut der Roten Jugend" in der Nähe
des Regierungsgebäudes in Moskau zu erstellen, von
Mitarbeitern des FSO angegriffen, wobei ihm ins
Gesicht u. in die Nieren geschlagen u. von ihm eine
Speicherkarte gefordert wurde, auf der der Fotojournalist
von Kommersant Jurij Martjanov die Aktion
aufgezeichnet hatte. Der Angriff führte zu einer
Gehirnerschütterung u. zu Prellungen. Der Pressedienst des
FSO erklärte, dass „zur Gruppe der Übertreter
möglicherweise Journalisten anwesend waren, die ihre
Ausweise oder Akkreditierungskarten nicht vorwiesen“,
wobei die Gerichte später keine Schuld in den Handlungen
des FSO fanden. Im Feb. 2005 nahm Kashin als
Korrespondent des Kommersant am 1. Kongress der
kremlfreundlichen Jugendbewegung "Nashi" in Solnechnogorsk teil.
Laut
Kashin brachten "Nashi"-Aktivisten ihn gewaltsam auf die
Bühne u. erklärten ihn zu „einem Feind Russlands u.
insbesondere der Nashi“, woraufhin sie ihn bis zur Ankunft
des Anführers der Bewegung, s. Vasilij Jakimenko, illegal
in einem verschlossenen Zimmer festhielten. Von Sept.-Okt.
2005 war Kashin Sonderkorrespondent der Zeitung
Izvestija, 2005-7 Kolumnist der Zeitschrift
Ekspert u. arbeitete
für andere Publikationsorgane. Ab April 2007
war er stv. Chefredaktor der Zeitschrift Russkaja zhizn.
2009 kehrte er zum
"Kommersant"-Verlag zurück, dessen Sonderkorrespondent er 2011
bis 2012 war. Im Nov. 2012 wurde er im Einvernehmen der
Parteien aus fadenscheinigen Gründen entlassen, wobei er
weiterhin mit dem Verlag als freiberuflicher Kolumnist
zusammenarbeitete. Im Okt. 2010 verweigerte der Pressedienst
des Präsidenten RF Oleg Kashin, der von "Kommersant"
akkreditiert war, die Teilnahme an einem Treffen des russ.
Präsidenten s. Dmitrij Medvedev mit Rockmusikern mit dem
Argument, dass der Journalist im Zusammenhang mit seiner
Inhaftierung anlässlich des "Marsches der Unzufriedenen" im Frühjahr
2007 auf der "schwarzen Liste“ des FSO stehe. Der Verlag
"Kommersant" hielt die Weigerung für rechtswidrig. Zu den
Spezialthemen von Kashins journalist. Tätigkeit gehörten
damals polit. Jugendverbände /wie "Nashi", "Junge Garde"/ u.
das Problem rund um den Wald von Khimki,
wo es um das umstrittene Bauprojekt einer Autobahn ging, für
die ein Waldstück bei Moskau abgeholzt werden sollte. Damit
exponierte er sich in der Öffentlichkeit, was nicht
ohne Antwort seitens der Betroffenen blieb. Die
Hauptverwaltung für innere Angelegenheiten des Moskauer
Gebiets versuchte, die Redaktion zu zwingen, Quellen
offenzulegen, was ihr verweigert wurde. Der Vertreter der "Jungen
Garde" der Partei "Einiges Russland" nannte Kashin u.
seine Kollegen vom Kommersant im Zusammenhang mit
der Veröffentlichung eines Interviews „Feinde des gesamten
russ. Volkes“ u. „Verräter“ u. erklärte, Kashin „betreibe
halbunterirdische journalist. Sabotageaktivitäten zur
Verführung der Leser “; dies könne „nicht ohne
schwerwiegendste Folgen bleiben“, denn „Feinde“ „werden
bestraft“. Diese unerhörte Diktion erinnerte unweigerlich an
stalinist. Unzeiten, die unter Putin wiederbelebt wurde.
Kashin
gehört/e zu den aktivsten russ. Nutzern von "Twitter", wobei
seine Beiträge auf "Twitter" u. in seinem
"LiveJournal"-Weblog von Journalisten-Kollegen als teilweise
provozierend bezeichnet wurden.
Überfall auf Kashin, Folgen u. Reaktionen: Am 6.
Nov. 2010 wurde Kashin gegen 00.40 Uhr von 2 Unbekannten,
die in der Nähe seines Hauses in der Pjatnickaja-Strasse in
Moskau auf ihn warteten, überfallen u. schwer
zusammengeschlagen. Der brutale Angriff auf den Journalisten
wurde von einer Überwachungskamera
vor Kashins Haus aufgezeichnet. Den Aufzeichnungen zufolge
hielt einer der Angreifer Kashin fest, wobei der zweite ihn
1,5 Min. lang mit einer Eisenstange traktierte u. ihm 56
Schläge versetzte. Der Journalist wurde in ein Krankenhaus
in Moskau gebracht, wo bei ihm Frakturen des Unterschenkels,
des Ober- u. Unterkiefers u. der Hand, einschliesslich der
Trennung zweier Fingerglieder, sowie Schädel-Hirn- u.
schwere innere Verletzungen diagnostiziert wurden. Die Ärzte
versetzten Oleg in ein künstliches Koma u. führten 2
Operationen durch. Am 10. Nov. kam Kashin wieder zu
Bewusstsein. Am 17. Nov. machte er seine erste Aussage in
dem Fall. Sein Zustand verbesserte sich von schwer auf
mittelschwer u. er wurde von der neurochirurg.
Intensivstation in die Traumaabteilung verlegt. Laut Kashin
selbst sagten die Ärzte seine Rückkehr zur aktiven Arbeit
frühestens im Frühjahr 2011 voraus. Am Tag
des Angriffs auf Kashin schrieb
Präsident Medvedev in einer öffentl. Reaktion auf "Twitter",
dass die Täter gefunden u. bestraft werden müssen. Am 8. Nov.
sagte er bei einem Treffen mit Journalisten der Rossijskaja
gazeta im Zusammenhang mit dem Überfall auf Kashin, dass
„es Kräfte gibt, die glauben, dass man mit Hilfe solcher
Methoden jeden zum Schweigen bringen kann – einen Journalisten,
einen Politiker – u. dass zur Lösung der eigenen Probleme alle
Mittel gut sind“. Wer an diesem Verbrechen beteiligt war, „wird
bestraft, unabhängig von seiner Position, seinem Platz im
sozialen Koordinatensystem u. seinen anderen Verdiensten, falls
vorhanden“. Aktivisten der Zivilgesellschaft u. Journalisten
hielten Ein-Mann-Streikposten in der Nähe des Gebäudes der
Moskauer Polizeibehörde ab u. forderten, die Verbrecher zu
finden u. zu bestrafen. Am 9. Nov. fand ein Treffen dreier
Kommissionen der Bürgerkammer RF statt. Am 11. Nov. wurde eine
Sitzung der Öffentl. Kommission der Moskauer Hauptverwaltung für
innere Angelegenheiten einberufen. Eine
Initiativgruppe von Studenten der Fakultät für Journalismus
der Moskauer Staatsuniversität hängte ein Transparent mit der
Aufschrift „Wer schlug Kashin?“ am Universitätsgebäude an der
Mokhovaja auf. Streikposten forderten auch in anderen
russ. Städten, die Verbrecher zu finden u. zu bestrafen.
Im Zusammenhang mit dem Angriff auf Kashin fanden auch weitere
Aktionen statt. Im Dez. 2010 veröffentlichte die New York
Times einen Artikel von Oleg Kashin, in dem er den
Angriff mit den Aktivitäten der "Nashi"-Jugendbewegung in
Verbindung brachte. Aufgrund des Angriffs wurde ein
Strafverfahren nach Art. 30 Teil 3 u. Art. 105 Teil 2 Abs. "g“
StGB RF wegen "versuchten Mords durch eine Personengruppe"
eröffnet. Präsident Dmitrij Medvedev wies den
Generalstaatsanwalt s. Jurij Chajka u. den Innenminister RF s.
Rashid Nurgaliev an, die Untersuchung des Verbrechens zu
überwachenen. Die einflussreiche britische Zeitung The
Times veröffentlichte im Zusammenhang mit dem Schlag
gegen Kashin einen Beitrag ihres Moskauer Korrespondenten über
die unerfreuliche Lage von Journalisten in Russland. Das
US-Aussenministerium, die OSZE, Amnesty International u.
"Freedom House" forderten die russ. Behörden auf, die
Sicherheit u. Handlungsfreiheit von Journalisten zu
gewährleisten. Am 6. Nov. 2011, dem Jahrestag des Angriffs,
wurde erneut eine Reihe von Einzeldemos abgehalten, an denen
etwa 40 Personen, darunter Kashin selbst, teilnahmen, wobei 2
Teilnehmer von der Polizei festgenommen wurden.
Das Manuskript zu seinem satirischen Buchroman "Rossija
vperjod’’, der als sein literar. Debüt 2010
bei "Ad Marginem Press" in Moskau erschien, hatte Kashin
kurz vor einem brutalen Überfall vom 6. Nov. 2010 auf ihn
abgegeben, wobei ihm zur Warnung Hände u. Füsse gebrochen
wurden. Die dt. Übersetzung mit dem Titel "Es geht voran" erschien 2012 im Berliner
Aufbau-Verlag. Es gibt auch eine engl.
Ausgabe.
Im Sept. 2015 veröffentlichte Kashin Informationen darüber,
dass der Fall des Attentats auf ihn inzwischen gelöst worden
sei, 2 Verdächtige der Mittäterschaft festgenommen worden
seien, der 3. sich auf dem Territorium von Belarus versteckt
halte; alle 3 Verdächtigen hätten im Sicherheitsdienst einer
Fabrik in St. Petersburg gearbeitet, die Teil einer Holding
sei, die Verwandten des Pskover Gouverneurs s. Andrej Turchak
gehöre. Im Aug. 2010 soll Kashin Turchak beleidigt haben,
wofür dieser von Kashin verlangt habe, sich innerhalb von 24
Std. zu entschuldigen, ohne dass Kashin dies getan habe. Im
Nov. 2018 veröffentlichte Kashin ein halbstündiges Video der
Vernehmung des Verdächtigen Danil Veselov, in dem er die
Umstände des Angriffs schilderte u. auch Andrej Turchak als
Auftraggeber der Tat erwähnte. Als Hauptmotiv für den Angriff
wurde die berufliche Tätigkeit des Journalisten angesehen. Zu
Kashins Beiträgen, die angeblich den Angriff provozierten,
gehörten Veröffentlichungen, die die Konflikte um den
Khimki-Wald, mit kremlfreundlichen Jugendorganisationen u. dem
Gouverneur des Gebiets Pskov, Andrej Turchak, beschreiben.
Oppositionsaktivität: Im März 2011 trat Oleg Kashin dem
Aufsichtsrat bei, der die Sammlung von Geldern für die
Veröffentlichung des Berichts "Putin. Korruption.“ kontrolliert. Im Juni
2011 nahm er am Bürgerforum "Anti-Seliger" teil, einer Veranstaltung
von Bürger- u. Umweltaktivisten, die von der Bewegung zum Schutz
des Khimki-Waldes initiiert wurde u. im Khimki-Wald bei Moskau
stattfand. Im Okt. 2012 wurde er in den Koordinierungsrat der russ. Opposition
gewählt. Einer Version zufolge war dies der Grund für seine
Entlassung beim "Kommersant"-Verlag, die Ende
Nov. 2012 im gegenseitigen Einvernehmen der Parteien u. gegen
eine Zahlung von einer halben Mln. Rubel an Kashin erfolgte.
Der Chefredaktor der Zeitung erklärte die Entlassung damit,
dass Kashin „aufhörte, als Journalist zu arbeiten u. „polit.
Aktivitäten aufnahm“. 2012 absolvierte Kashin als Stipendiat
der "Paul Klebnikov Foundation" ein Praktikum am US-amerikan.
"Harriman Institute". Im März 2013 nahm Kashin an
einer Reihe von Einzeldemos für die Freilassung der "Pussy Riot"-Mitglieder s. Marija Aljokhina
u. s. Nadezhda Tolokonnikova teil.
Exil: Im Mai 2013 zog Kashin mit seiner Frau, die
für ein internationales Unternehmen arbeitete, nach Genf,
Schweiz, wobei der Journalist jeden 2. Monat nach Russland
zurückkehrte, wo er weiterhin für verschiedene zweitrangige
Presseorgane schrieb. 2014 eröffnete er seine eigene Website
Kashin.guru für die „neue russ. Intelligenz“. Er unterstützte
die Annexion der Krym vom März 2014 durch
Russland, die er als „Wiederherstellung der histor.
Gerechtigkeit“ bezeichnete, von der seine ganze Generation
geträumt habe. Im Mai 2014 befürwortete er auch den Einsatz russ. Truppen im Donbass, um
den bewaffneten Konflikt in der Ostukraine, den er einen
„Bürgerkrieg“ nannte, zu beenden. In diesem Kontext folgten
anti-ukrain. u. anti-tatar. Äusserungen von seiner Seite.
Für die einflussreiche russ.-nationalist. Publikation Sputnik
i Pogrom berichtete
er
über die Ereignisse auf der Krym von 2014 u. den Krieg
im Donbass. Im Juni 2015 kündigte Kashin seine Rückkehr nach
Russland an, weil der Vertrag seiner Frau in Genf ausgelaufen
sei. Im April 2016 siedelte er nach London über.
Weitere journalist. Karriere: Von Sept. 2015 bis Jan. 2020
moderierte er die Autorensendung „Kashin. Guru" auf dem
TV-Kanal "Dozhd".
Ab Dez. 2016 war er Gast einer Sendung des Radiokanals "Ekho Moskvy" u. ab 2017 exklusiver Autor
der Online-Publikation "Republic.ru“. Bis Mai 2022 arbeitete er
mit Republic zusammen, um sich danach auf seinen
eigenen "Telegram"-Kanal "Kashin Plus" zu konzentrieren. 2019
startete er seine eigenen Sendungen auf "YouTube" u. war
Gastkommentator für die Website der Zeitung
Komsomolskaja pravda sowie von Juli 2019 bis Mai 2021
mit s. Marija Baronova Co-Moderator der Sendung
"Moskau-London" u. 2020-21 Co-Moderator der Sendung "Krieg u.
Frieden“ im Radio "Komsomolskaja pravda", wo u.a.
der Militärjournalist u. Oberst
i.R. s. Viktor Baranec den Ton angibt - nach
seiner Entlassung führte Baronova das Programm allein weiter.
Seit 2020 war er auch Gastkommentator einer YouTube-Sendung
von s. Ilja Varlamov. In der Periode 2021-22 war er
zusammen mit der ehem. Pressesprecherin des Kulturministers s.
Vladimir Medinskij, Liza Lazerson, Co-Moderator eines Programms
auf "Ekho Moskvy". Er verliess den Sender nach einem Streit mit
dem 1. stv. Chefredaktor wegen seiner Redaktionspolitik
gegenüber der Ukraine. Ferner war Kashin Co-Moderator einer
Sendung auf dem YouTube-Kanal von "SVTV" u. Kolumnist der
Online-Newsagentur "Znak.com", die im März 2022 geschlossen
wurde.
Ukrainekrieg 2022 u. Kritik: Am Tag vor dem Beginn des
von Putin
entfesselten russ.
Angriffskriegs
gegen die
Ukraine
sagte Kashin, dass er es nicht für möglich halte, russ. Truppen
über die Kontaktlinie hinaus zu schicken. Obwohl
er eine harte Antikriegshaltung einnahm, wurde Kashin im April
2022 auf eine Liste gesetzt, die von Mitarbeitern s. Aleksej
Navalnyjs von der "Stiftung für Korruptionsbekämpfung" FBK
zusammengestellt wurde, die über 6000 russ. „korrupte Beamte
u. Kriegshetzer“ umfasste, die es verdienten, mit
entsprechenden internationalen Sanktionen wegen Russlands
Angriffskriegs gegen die Ukraine belegt zu werden. Kashin fiel
in die Kategorie "Propaganda“. Im Zusammenhang mit zahlreichen
öffentl. Erklärungen zur Unterstützung Kashins erklärten die
FBK-Mitglieder, dass sie seine Position für ambivalent hielten
u. bereit seien, ihre Entscheidung erst dann zu überdenken,
wenn der Journalist seine ausdrückliche Verurteilung des
Kriegs u. seiner eigenen früheren Äusserungen dazu zum
Ausdruck gebracht habe. Kashin selbst verband seine Aufnahme
in die FBK-Liste damit, dass „er die Leute kritisiert habe,
die jetzt für Navalnyj sprechen". Nachdem das Europ. Parlament
den EU-Rat im Mai aufgefordert hatte, Personen auf der
FBK-Liste mit persönl. Sanktionen zu belegen, begann Kashin
mit Klagen zu drohen u. forderte eine Entschuldigung von der
FBK.
Auch vom "Forum Freies Russland", das die "Putin-Liste" führt,
wird Kashin kritisiert, indem ihm eine Mitschuld an der
Propaganda des Putin-Regimes attestiert wird. Als Grundlage
für die Beschuldigung dient die Nutzung des Status eines
öffentlichen, populären u. tonangebenden Publizisten zur
Legitimierung der aggressiven Politik der russ. Führung u.
ihrer Propaganda des Grossmachtchauvinismus, indem er sich
auch im russ. Staatsfernsehen offizielle Standpunkte zu eigen
machte. Im Dez. 2018 sprach Kashin in der Propaganda-Talkshow
"60 Minuten“ auf dem Sender "Russland-1" scharf u. zweideutig
über den ukrain. polit. Gefangenen s. Oleg Sencov, indem er
erklärte, dass „wir Feinde für ihn sind u. er ein Feind für
uns ist". Später relativierte er diese Aussage. Im Jan. 2019
kritisierte Kashin die Ergebnisse der Untersuchung, die s.
Evgenij Prigozhins Beteiligung an der Ermordung einer Gruppe
russ. Journalisten in der Zentralafrikan. Republik im Juli
2018 bestätigten. Im April 2019 unterstützte Kashin die
provokative Entscheidung über die massenhafte Verleihung der
russ. Staatsbürgerschaft an ukrain. Staatsbürger, die in den
Gebieten Doneck u. Lugansk leben. Im Sept. 2019 sagte Kashin
in einem Interview mit Komsomolskaja pravda: „Ein
guter Ukrainer wird sich Russe nennen.“ Ein indirekter Beweis
für seine affine Haltung gegenüber der aktuellen russ. Politik
ist Kashins ständiger öffentl. Ausdruck von Sympathie u.
Solidarität mit fanatischen russ. kremlnahen Propagandisten
wie s. Evgenij Popov, s. Olga Skabeeva u. s. Margarita
Simonjan, die er als seine Kollegen oder Freunde betrachtet.
Paradoxerweise trug das Justizministerium RF Oleg Kashin im
Juni 2022 als sog. "ausländ. Agenten“ in das
berühmt-berüchtigte Medienregister ein, das von der westl.
Welt verurteilt wird.
Im April 2022
berichtete news.de, im britischen Boulevardblatt
The Sun sei ein Bericht zu lesen, der V. Putin mit
einem Faible für „Blutrituale
u. Gedankenlesen" in Verbindung bringe. Als Experte für die
vermeintliche Besessenheit Putins wurde von The Sun
u.a. der in London lebende russ. Schriftsteller Oleg Kashin
erwähnt, der die Verbindungen des russ. Staatspräsidenten
zum Okkultismus eingehend erforscht habe. Danach glaubten
Putin u. sein innerer Kreis „an
eine Menge magischer Dinge", wobei einige dieser
Überzeugungen „zum Teil zu Russlands katastrophaler
Invasion in der Ukraine geführt haben könnten".
Im Sept. 2022 entschied das
Leningrader Bezirksgericht in Kaliningrad, den
Journalisten Oleg Kashin, der in der RF als "ausländ.
Agent" bezeichnet wird, wegen Begehung einer "Ordnungswidrigkeit" mit
einer "Verwaltungstrafe" von 10 Tsd. Rubel /zum
derzeitigen Kurs umgerechnet ca. 150 Euro) zu belegen,
weil er in seinen Videos auf "YouTube" u. "Telegram"
einen Medienschaffenden, der in Russland als "ausländ.
Agent" eingetragen ist, nicht als solchen gekennzeichnet
hatte. Diese Entscheidung wurde von Kashin so kommentiert,
dass er keinen Grund sehe, „die Forderung eines
verfassungswidrigen Gesetzes zu erfüllen“ u. auch
weiterhin keine Angaben über den Status eines ausländ.
Agenten in seinen sozialen Netzwerken platzieren werde.
Wie im Nov. 2022 au "IPG" zu lesen war, sei
die öffentl. Unterstützung für den Ukrainekrieg in
Russland laut Oleg Kashin ein Indikator für die
Loyalität gegenüber dem Kreml-Chef, der den Krieg als
eigenes Projekt losgetreten habe. Es gebe „nur eine
Person in der russ. Regierung, die wirklich vom Krieg
begeistert ist, u. das ist Vladimir Putin." Für alle
anderen sei die Unterstützung des Kriegs nichts anderes
als ein formales Zeichen der Loyalität gegenüber dem
Anführer. Kashin
glaube nicht an so etwas wie einen Bürgerkrieg in
Russland zwischen Anhängern u. Gegnern Putins. Die
regionalen Eliten, die von Putin geschwächt worden
seien, seien dennoch in der Lage, zu verhandeln u.
Kriege zu vermeiden, da sie reich seien u. in Frieden
leben wollten.)
KAC (KATZ), Maksim Evgenevich
II III IV V VI
VII VIII IX X XI (1984-,
russ. Stadtplaner, Oppositionspolitiker u.
Wahlkampfmanager, Videoblogger. Als Kac 7 Jahre alt war, wanderte seine
Familie nach Israel aus. Mit 17 Jahren kehrte er nach
Russland zurück. 2012
sagte er in einem Interview mit dem Radiosender
"Komsomolskaja pravda", er habe an 3 russ. Universitäten
studiert, sie aber wegen Unzufriedenheit mit der Qualität
der Ausbildung ohne Abschluss verlassen. Später spielte er
Poker in Moskauer Casinos u. wurde Gewinner der WSOP u.
2007 russ. Meister im
Sportpoker.
Urbanistik:
2012 gründete er zusammen mit s. Ilja Varlamov die Stiftung
"Stadtprojekte" für urbane Entwicklung, in der Kac die
Position des Direktors innehat. Als Abgeordneter des
Moskauer Stadtteils Shchukino führte er eine Studie über
Problemzonen durch u. erreichte mit Unterstützung der
Anwohner insbes. die Einrichtung von Bänken u. Spielplätzen.
Eine weitere Initiative von Kac, Haltestellen öffentl.
Verkehrsmittel in Shchukino mit Heizgeräten auszustatten,
wurde von "Mosgortrans" nicht unterstützt. Des weiteren führte Kac 2012 zusammen
mit Varlamov eine Studie über den Zustand der
Tverskaja-Strasse durch u. veröffentlichte eine Broschüre
mit Daten darüber, wie 340 geparkte Autos auf den
Bürgersteigen der Tverskaja den Durchgang von 100 Tsd.
Fussgängern pro Tag behindern. Die Studie wurde dem
Bürgermeisteramt übergeben, woraufhin das Parken verboten
wurde. Nach 2012 begann das Büro des Bürgermeisters von
Moskau damit, das Parken auf Bürgersteigen in der ganzen
Stadt zu verbieten. Eine
weitere Studie führten Kac u. Varlamov 2012 über die
Auswirkungen von Drehkreuzen auf den öffentl. Verkehr durch,
deren Ergebnisse zeigten, dass der öffentl. Verkehr in Moskau
aufgrund von Drehkreuzen um 15% langsamer fährt u. Bussgelder
in Industrieländern effizienter funktionieren. Die Vorschläge
der Autoren wurden an das Verkehrsministerium übermittelt.
2018 wurden Drehkreuze im Bodenverkehr in Moskau abgeschafft.
2012 nahmen "Stadtprojekte" u. Kac an einem neuen öffentl.
Wettbewerb für das beste Moskauer U-Bahn-Linienprojekt teil.
Unter 35 Bewerbern gewann jedoch ein anderer Teilnehmer. 2013
organisierte Kac zusammen mit Varlamov eine Kundgebung auf dem
Triumfalnaja-Platz, bei der gefordert wurde, dass die
Ergebnisse einer zuvor angekündigten Ausschreibung für den
Wiederaufbau des Platzes annulliert u. ein offener
Architekturwettbewerb durchgeführt wird. Die Ausschreibung
wurde storniert u. eine offene Ausschreibung angekündigt.
2014 eröffnete Kac eine Filiale von "Stadtprojekte" in St.
Petersburg. Seine Projekte umfassten: Untersuchung des
Nevskij-Prospekts u. Veröffentlichung von Vorschlägen für eine
bessere Fussgängerzone; Erstellung von Projekten zur
Optimierung des Geländes in der Nähe der Kazaner Kathedrale;
Erkundung der Bolshaja Morskaja-Strasse mit Vorschlägen für
urbanist. Verbesserungen nach dem Muster des Times Square in
New York mit kostenlosem WLAN-Internetzugang u. öffentlich
aufgestellten Tischen u. Stühlen; Optimierung der
Shpalernaja-Strasse, usw. "Stadtprojekte" schlug auch ein
neues Nachtbusverkehrssystem, ein neues Tarifsystem für
öffentl. Verkehrsmittel u. die Wiederherstellung des
Strassenbahnverkehrs zum Litejnyj-Prospekt vor. 2019
eröffneten Kac u. Varlamov ein Online-Hauptquartier für die
Umgestaltung von SPB u. schlugen 18 Projekte zur Veränderung
der Strassen, Plätze u. Boulevards der Stadt vor. Um diese
Projekte umzusetzen, wurden die Petersburger aufgerufen, an
Kommunalwahlen teilzunehmen, wobei Kac in die Wahlzentrale der
"Stadtprojekte" u. der Partei "Jabloko" in SPB berufen wurde.
2014 startete Kac ein Projekt, das aufzeigte, warum ober- u.
unterirdische Über- u. Untergänge mit Kreuzungen unvorteilhaft
für die Sicherheit u. Nutzung der Menschen mit eingeschränkter
Mobilität, die 30% der Bevölkerung ausmachen, seien u. eine
unbequeme städtische Umgebung schafften.
2016 startete Kac eine Informationskampagne zur Verteidigung
der Moskauer Trolleybusse. Trotzdem wurden nach u.
nach viele Linien gestrichen u. mit Dieselbussen ersetzt, obwohl
das Moskauer Bürgermeisteramt versprach, das
Trolleybussnetz nicht zu reduzieren. Im Aug. 2020
wurde der Trolleybusverkehr in Moskau vollständig eingestellt,
während Auto- u. Elektrobusse entlang der Trolleybuslinien
eingeführt wurden. Kac kritisierte die Einführung von
Elektrobussen als Ersatz für Trolleybusse u. begründete dies mit
verschiedenen Argumenten, so mit den Nachteilen des Aufladens
der Batterien, der Wartung der Busse u. der Logistik dies
Busverkehrs, mit der erforderlichen Anzahl von benötigten
Elektrobussen, mit dem benötigten u. weniger umweltfreundlichen
Dieselbetrieb mit seinen Abgasen, mit den Gesamtkosten für den
Kauf u. Betrieb von Elektrobussen u. der Installation von
Ladestationen, die Moskauer Elektrobusse würden oft kaputt
gehen, u.a. Kac nannte die Einführung Elektrobusse eine
„PR-Verteidigungslinie“ des Bürgermeisteramts. 2017 startete
"Stadtprojekte" die "Null-Todes-Kampagne, um die Zahl der
Todesfälle auf russ. Strassen zu reduzieren, inspiriert von den
Erfahrungen eines entspeechenden schwedischen Programms. Die
Ideen u. Pläne zur Einführung entsprechender Massnahmen seien
von den Behörden auch auf Bundesebe diskutiert worden, etwa die
Einführung höherer Bussgelder für
Geschwindigkeitsüberschreitungen. Während seiner Reisen in
verschiedene Städte auf der ganzen Welt interessierte sich Kac
für die Probleme der Stadtplanung u. -entwicklun; im Okt. 2011
erhielt er in Jan Gehls Stadtplanungsbüro in Kopenhagen,
Dänemark, eine entsprechene Ausbildung.
Politik u. Wahlkampfmanagement: Um seine Ansichten
über die Entwicklung der Stadt Moskau in die Praxis umzusetzen,
beschloss Kac, sich politisch u. sozial zu engagieren, er habe
zu diesem Zweck ein passives Einkommen aus dem Pokergeschäft zur
Verfügung. Zu Beginn seiner polit. Karriere nahm er, wie
erwähnt, an der Wahl der Abgeordneten der Gemeindeversammlung
des Moskauer Stadtbezirks Shchukino für die Partei "Jabloko"
teil. Kac´ Wahlkampane erregte die Aufmerksamkeit vieler Medien
u. sorgte für erhebliches Aufsehen in den sozialen Netzwerken.
Bei der entsprechenden Abstimmung im März 2012 belegte Kac den
4. Platz, der ihm die Position eines Abgeordneten in der
Gemeindeversammlung sicherte u. er also Abgeordneter der 3.
Gemeindeversammlung des Moskauer Bezirks Shchukino von
2012-16 für die Partei "Jabloko" wurde.
Kac nahm an Protesten gegen Wahlbetrug teil u. war
einer der Redner bei der Kundgebung am 10. März 2012. Nach den
Massenverhaftungen eröffnete er zusammen mit anderen Politikern
den "Stab für Hilfe für die Verhafteten", später "Rosuznik“
genannt, ein Menschenrechtsprojekt, dessen Zweck es war, Spenden
zu sammeln, um Menschen zu unterstützen, die nach Kundgebungen
in den Polizeidienststellen u. speziellen Aufnahmezentren des
Innenministeriums RF landeten, hauptsächlich um Rechtsanwälte
einzustellen. Im Okt. 2012 wurde Kac in den Koordinationsrat der Opposition gewählt,
aus dem er im Mai 2013 wieder austrat. 2022 bezeichnete er in
einem Interview seinen Austritt aus dem Koordinierungsrat als
Fehler. 2012 war er Leiter der
Wahlzentrale von Ilja Varlamov bei der Wahl des Bürgermeisters
von Omsk. 2013 war er stv. Leiter der Wahlzentrale von s.
Aleksej Navalnyj bei der Wahl des Moskauer Bürgermeisters.
Laut Varlamov gab es damals einen persönl. Konflikt zwischen
Kac u. Stabschef s. Leonid Volkov, der einen etwas mysteriösen
Hintergrund hatte. Navalnyj selbst soll die Erfahrungen mit
der Zusammenarbeit mit Kac negativ bewertet haben, wobei er
die Möglichkeit einer weiteren Interaktion ausschloss. Im
Okt. 2013 erklärte Kac sich bereit, 2014 als Abgeordneter der
Moskauer Stadtduma zu kandidieren. Obwohl er als Kandidat
zugelassen wurde, blieb er bei den Wahlen vom Sept. 2014
erfolglos, es gewann der Kandidat der Partei "Einiges Russland".
Als Grund für die Niederlage nannte Kac die geringe
Wahlbeteiligung u. mangelnde Unterstützung durch die Partei
"Jabloko". 2014 startete Kac vor dem Hintergrund der Ereignisse in der Ukraine das Projekt
"Anti-Propaganda – Nachrichtenanalyse", in dessen Rahmen er auf
verschiedenen Internetplattformen eine Analyse russ.
TV-Nachrichten mit fehlerhaften Informationen veröffentlichte.
Nachdem die Behörden einen Monat nach der Ermordung von s. Boris
Nemcov das am Ort der Mordtat errichtete Denkmal entfernen
liessen, half Kac bei der Wiederherstellung des Denkmals u.
brachte zunächst persönlich Blumen dorthin. Dann lancierte er
ein Projekt, mittels dessen von überall im Land Blumen online
bestellt werden konnten, die von Freiwilligen beim Denkmal am
Ort der Mordtat niedergelegt wurden. Mit seiner oppositionellen
Haltung geriet Kac automatisch ins Visier der Putin-Instanzen. 2014 wurde berichtet, dass Kac die
israel. Staatsbürgerschaft besitze, was ihn daran hinderte, an
Wahlen in Russland teilzunehmen. Später beantragte ein
Staatsduma-Abgeordneter von "Einiges Russland", s. Evgenij
Fjodorov, in dieser Angelegenheit beim russ.
Untersuchungsausschuss die Eröffnung eines Strafverfahrens,
wobei ein Prozess nicht stattfand. 2015 trat Kac dem
Föderalrat der Partei "Bürgerinitiative" bei u. leitete die
Wahlkampfzentrale der Partei bei den Wahlen zur Gebietsduma
von Kaluga. 2016 leitete er die Wahlzentrale des Abgeordneten
der 6. Staatsduma RF s. Dmitrij Gudkov, der bei den Wahlen zur
Staatsduma RF im Sept. im Wahlkreis Tushino von der Partei
"Jabloko" nominiert wurde. Die
Online-Plattform zur Durchführung des Wahlkampfs wurde vom
Verband amerikan. Politikberater u. die Kampagne selbst
wurde mit dem Award "International – Best in Show“
ausgezeichnet. 2016 trat Kac eine Magistratur der Fakultät
für Sozial- u. Politikwissenschaften der Universität
Glasgow, Schottland GB, an u. spezialisierte sich auf
Stadtverwaltung u. öffentl. Politik. Im Feb.
2017 wurde Kac gemäss eines Beschlusses des Regionalrats der
Partei aus "Jabloko" wegen Verursachung von polit. Schaden
ausgeschlossen. Trotzdem setzte Kac seine polit. Arbeit fort,
von dessen Früchten "Jabloko" profitieren konnte.
Im März 2017 gründete er zusammen mit Dmitrij Gudkov das Projekt
"Vereinigte Demokraten" mit dem Ziel, bei den kommunalen Wahlen
vom Sept. demokratisch gesinnte Moskauer als Gemeindeabgeordnete
wählen zu lassen. Dazu diente eine von Kac u. Gudkov erstellte
Website. Insgesamt bewarben sich 3500 Personen als
Abgeordnetenkandidaten, aber nur
diejenigen, die klare demokrat. u. oppositionelle Positionen
vertraten u. eine negative Haltung gegenüber dem amtierenden
Präsidenten RF V. Putin hatten, wurden zugelassen. Von 999
Nominierten wurden 267 zu Abgeordnetenkandidaten gewählt,
wobei in 17 von 125 Bezirken Moskaus solche Kandidaten
die Mehrheit der Mandate gewannen. So wurde "Jabloko" mit 177
kommunalen Abgeordneten zweitgrösste Partei in der Stadt
Moskau in Bezug auf die Anzahl der Abgeordnetenmandate.
"Jabloko"-Chef s. Grigorij Javlinskij nannte Kac daraufhin
einen „effektiven Verbündeten“ u. wies darauf hin, dass das
Interesse der Jugend an den Wahlen geweckt worden sei. Im Jan.
2018 brach Dmitrij Gudkov die Zusammenarbeit mit Kac aufgrund
von Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf "Jabloko" u. das
Wahlbeobachtungsprojekt ab. Im April 2018 wurde der
Parteiausschlussbeschluss gegen Kac vom Bundesvorstand der
Partei aufgehoben. Im Okt. 2018 wurde Kac für die Kommunalwahlen
2019 zum Stabschef der SPB-er "Jabloko“ ernannt. Anfang Dez.
2018 wurde er zum Vorsitzenden der örtlichen Zweigstelle der
Partei "Jabloko" im Moskauer Nordwestbezirk gewählt. Als
Ergebnis der Kampagne wurden bei den Wahlen 2019 in SPB 99
Vertreter der Partei "Jabloko" als Gemeindeabgeordnete gewählt,
während die Partei zuvor keine Abgeordnete in SPB stellte.
2019 beteiligte Kac sich an der Leitung der Wahlkampagnen
von s. Darja Besedina u. Anastasija Brjukhanova, Mitarbeiterinnen
von "Stadtprojekte" von Kac u. Varlamov, für ihre Wahl in die
Moskauer Stadtduma. Während Besedina zugelassen wurde, von
Navalnyjs "Smart voting" unterstützt wurde u.
die Wahl als Abgeordnete der Moskauer Stadtduma gewann, wurde
Brjukhanova die Kandidatur verweigert, was Massenproteste in
Moskau auslöste. 2021 wurde Kac Leiter der Wahlzentrale von
Anastasija Brjukhanova bei den Wahlen zur Staatsduma RF. Obwohl
die Kandidatin von der Wahlkommission zugelassen wurde, verlor
sie die Wahl unter Berücksichtigung der elektron.
Fernabstimmung. Nachdem es im Feb. 2020 Informationen über die
Unzufriedenheit der Anhänger von Maksim Kac mit dem Verfahren
zur Wahl der Führungsgremien der Partei gab, wurde er auf
Beschluss des Bundesvorstands erneut aus der Partei "Jabloko",
zusammen mit 15 Anhängern ausgeschlossen. Danach kündigte Kac
Pläne an, eine städtische "Jabloko"-Fraktion zu gründen, sowie
seine Absicht, die Partei zu leiten. Im Juli 2020 wurde Kac vom
stv. Vorsitzenden der Partei, Kirill Goncharov, beschuldigt,
sich für die Interessen der Trolleybushersteller einzusetzen,
was den Ruf von "Jabloko" schädige.
Im Aug. 2020 begann Kac mit der
Veröffentlichung von Videos von Protesten nach den Wahlen in
Weissrussland, was ihm etwa 35% der Zuschauer aus
Weissrussland bescherte. Vom März 2020 bis Nov. 2022 wuchs der
"YouTube"-Kanal von Maksim Kac von 13´800 auf 1,6 Mln.
Abonnenten, während die Anzahl der Aufrufe etwas weniger als
470 Mln. betrug. Im Feb. 2021 stellte Kac‘ Team ein
Projekt vor, das im Zusammenhang mit Verhaftungen bei Protesten
zur Unterstützung von s. Aleksej Navalnyj entwickelt wurde. Das
Projekt sollte Menschen helfen, die bei Protesten festgenommen
wurden. Demnach sollten Kac' Leute Geld direkt an die
Inhaftierten schicken, um ihre Geldstrafe zu bezahlen. Im März
2021 gab Kac den Abschluss des Projekts bekannt, nachdem 26,79
Mln. Rubel gesammelt worden waren, um 1028 Menschen zu helfen. Emigration u. Strafverfolgung:
Nach dem Beginn des
von Putin
entfesselten russ.
Angriffskriegs
gegen die
Ukraine
verliess er Russland in Richtung
Israel, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt. Im Juli 2022 fügte das
Justizministerium RF Kac der Liste der
sog. "ausländ.
Agenten“
hinzu. Im Okt. 2022 nahm auch die ukrain. Website
"Mirotvorec"
/II III/ Kac in ihre Datenbank von
Personen auf, die angeblich die nationale Sicherheit des
Landes bedrohen. Als Begründung wurden Screenshots seiner
Kommentare in sozialen Netzwerken beigefügt, in denen es
z.B. etwa hiess, dass „die russ. Opposition niemandem etwas
schulde, insbesondere nicht den Ukrainern“. Kac kommentierte
den Eintrag in die "schwarzen Listen“, indem er seine
Anerkennung als "ausländ. Agent“ in Russland als „Medaille“
annahm u. seine Aufnahme in die "Peacemaker“-Liste der
Ukraine als „eine
wichtige Errungenschaft“ bezeichnete. Ende Okt. 2022 setzte
das Innenministerium RF Kac auf die föderale Fahndungsliste,
ohne Angabe des Gesetzesartikels, weswegen er von der Justiz
verfolgt werde. Offenbar wurde gegen ihn wegen eines Videos
über das Massaker von Butscha ein
Strafverfahren eröffnet. Im März 2023 verhaftete das
Basmannyj-Gericht in Moskau Kac in Abwesenheit wegen der
Verbreitung von "Fake News“ über die russ. Armee. Im Aug.
2023 beantragte die Staatsanwaltschaft RF 10 Jahre Haft in
einem Gefängnis des allgemeinem Vollzugs mit einem
5-jährigen Verbot der Verwaltung von Websites.
Dies war das erste Mal, dass die Staatsanwaltschaft die
Höchststrafe nach diesem Artikel forderte. Am nächsten Tag
wurde Kac in Abwesenheit vom Basmannyj-Gericht in Moskau zu
8 Jahren Haft in einem Gefängnis des allgemeinem
Vollzugs mit einem 4-jährigen Verbot der Verwaltung
von Websites verurteilt. Im Mai 2023 erhielt er einen
Master-Abschluss von der Universität Tel Aviv u. schloss
damit das Ausbildungsprogramm für Schuldirektoren ab.)
KACYV, Pjotr Dmitrievich
II III IV (1953-, sowjet. Ingenieur im Auto-
u. Verkehrswesen, ehem. hoher russ. Staats- u.
Regierungsbeamter des Verkehrswesens im Moskauer Gebiet.
Absolvent des Moskauer
Automobil- u. Strasseninstituts MADI. In der Sowjetzeit
arbeitete er als Ingenieur in einem Automobilunternehmen in
Khimki im Moskauer Gebiet u. später bei der Moskauer
Abteilung für Personenverkehr "Mosgortrans" u. als
Generaldirektor des Staatsunternehmens "Mostransavto".
2001-12 war er Verkehrsminister des Moskauer Gebiets. 2012
wurde er Leiter der Hauptverwaltung des Moskauer Gebiets für
die Zusammenarbeit mit föderalen Regierungsbehörden im Rang
eines Ministers. Nach der Auflösung des Ministeriums wurde
er 2014 zum Vizepräsidenten der Russ. Eisenbahnen u. Leiter
des Zentrums für die Entwicklung des Moskauer
Verkehrsknotenpunkts ernannt, 2017 wurde er stv.
Generaldirektor. 2019 trat er von diesem Posten zurück.
Das "Forum Freies Russland", das die sog.
"Putin-Liste" führt, wirft Pjotr Kacyv
Beteiligung an Geldwäscherei u. Korruption vor. Das
"Forum" strebt internationale Sanktionen gegen diese
Personen an. Im
Moskauer Gebiet wurde der Name Pjotr Kacyv mit dem ehem.
Finanzminister des Gebiets Aleksej Kuznecov in Verbindung
gebracht, mit dem er gemeinsame Geschäftsinteressen hatte u.
dem vorgeworfen wurde, durch finanzielle Mittel den
Gegenwert von 1 Mrd. USD aus dem Haushalt des Gebiets
gestohlen zu haben. Ausserdem wäre der Name des Regierungsbeamten Pjotr
Kacyv wohl auch nicht in der Öffentlichkeit aufgetaucht,
wenn die Geschäftsaffären seines Sohnes Denis Kacyv nicht bekannt geworden
wären. Diesem wird vom "Forum Freies Russland" Betrug,
Geldwäscherei, Korruption u. Steuerhinterziehung
vorgeworfen. Denn als
Eigentümer von "Mosobltrans-1" erhielt dieser 2006-10 50
Regierungsaufträge für fast 1 Mrd. Rubel, während
die Kunden dieser Verträge
ausschliesslich staatl. Institutionen waren, darunter das
Verkehrsministerium des Moskauer Gebiets, das unter der
Leitung seines Vaters Pjotr Kacyv selbst stand. In den
frühen 2000er Jahren gründete Denis Kacyv zusammen mit
seinem Vater 3 Offshore-Firmen mit Konten bei einer israel.
Bank. Im
Rahmen der Anwendung des Gesetzes "Über das Verbot der
Geldwäsche“ in Israel wurden 2005 die Konten vieler Kunden
beschlagnahmt, wobei auch Pjotr Kacyv betroffen war,
der beschuldigt wurde, x-Mln.
USD von der Bank an seinen Sohn überwiesen zu haben, u.
somit der Geldwäscherei verdächtigt wurde. Die betroffenen Parteien lösten das
Problem mit dem Abschluss einer Vergleichsvereinbarung.
Die israel. u. dann die
US-amerikan. Justiz hatten jedoch Grund zur Annahme, dass
Dutzende u. Hunderte Mln. USD des "erfolgreichen
Geschäftsmanns“ Denis Kacyv eigentlich seinem Vater
gehörten. 2013
gab s. William "Bill" Browder, der Eigentümer der
"Hermitage"-Stiftung, der für seine Lobbyarbeit für die
"Magnitsky-Liste“ bekannt wurde, bei der
US-Staatsanwaltschaft eine Erklärung ab, in der er Kacyvs
zypriot. Unternehmen "Prevezon Holdings" u. dessen
Tochtergesellschaften der Geldwäscherei, unsauberen
Steuerpolitik u. Nichtzahlung von Steuern durch Verstecken
von Realeinkommen beschuldigte. Die
New Yorker Staatsanwaltschaft forderte vor Gericht das
Einfrieren der Bankkonten eines Unternehmens von Kacyv Jr.
u. die Beschlagnahmung von 2 seiner Wohnungen im Wert von 13
Mln. USD. "Prevezon
Holdings" u. ihre Tochtergesellschaften waren in den USA an
der Geldwäsche von 230 Mln. USD beteiligt, die der US-Justiz
zufolge während der Steuerbetrugsaffäre im Zusammenhang mit
der "Hermitage"-Stiftung aus dem russ. Haushalt gestohlen
wurden. 2017
wurde der Fall abgeschlossen, nachdem "Prevezon Holdings"
eine Vereinbarung mit den US-Behörden getroffen u. eine
Geldstrafe von 5,9 Mln. USD bezahlt hatte, ohne eine Schuld
zuzugeben. Nachdem
die Namen Pjotr Kacyvs u. seines Sohnes Denis auch in den
2019 veröffentlichten Ermittlungen von US-Staatsanwalt
Mueller u. US-Geheimdiensten erwähnt wurden, wurde die
Häufung von Skandalen für die russ. Seite wohl zum Problem
u. könnte dazu geführt haben, dass Pjotr Kacyv in hohen öffentl. Ämtern
nicht mehr haltbar war, was vermutlich zu dessen Abgang bei
den Russ. Eisenbahnen führte.)
KACHMAZOV, Jurij Mikhajlovich
(1966-, russ. Top-Unternehmer ossetischer
Nationalität. War
Student am Polytechn. Institut in Samara. Er begann mit
dem An- u. Weiterverkauf von Gold auf dem Markt u. wurde
dann für den Weiterverkauf von Autos von "AvtoVAZ"
umgeschult. Das
Unternehmen hiess "SOK" u. befand sich auf dem Turm des
Samaraer Hippodroms. Kachmazovs Geschäft genoss die
Unterstützung der Steuerpolizei u. zweier namentlich
bekannter FSB-Generäle.
1998-2008
war er Vorstandsmitglied von "RosLada" u. 1998-2010 Präsident u.
Vorsitzender des Verwaltungsrats der "SOK"-Unternehmensgruppe. Nach dem
Rating des russ. Forbes von 2007 lag er mit einem Vermögen
von 700 Mln. USD auf Platz 93 der "Goldenen Hundert". Im
Ranking der Zeitschrift Finance der reichsten
Russen von 2010 belegte er mit einem Vermögen von 26,5 Mrd.
Rubel den 126. Platz. Er kontrollierte die Firmen "AvtoVAZ", "IzhAvto/Lada Izhevsk", "Volgomost", das "Skopinskij"-Autoaggregatenwerk/"SAAZ
Komplekt" u.v.a. russ. Unternehmen. 2005 wurde
Kachmazov mit dem Goldenen Orden "Stolz Russlands"
ausgezeichnet. 2011 setzte der Ermittlungsausschuss des
Innenministeriums RF auf Ersuchen des grössten Gläubigers
der "Sberbank" Jurij Kachmazov auf die föderale
Fahndungsliste wegen "vorsätzlicher Insolvenz" von "Izhavto"
u. des Abzugs von Finanzanlagen ins Ausland. Der
in den
VAE lebende Unternehmer
hat auch die britische
Staatsbürgerschaft u. führt Geschäfte in verschiedenen
Ländern, so in Italien, China u. Russland, über Dritte
durch.
Politik: 2006 unterzeichnete
Kachmazov, dessen polit. Tätigkeit ein Bsp. für die
Vermengung von Wirtschaft u. Politik ist, im Namen der
"SOK"-Unternehmensgruppe eine Vereinbarung über die
Umsetzung des innovativen Bildungsprojekts "Würdige Bürger
eines grossen Landes“ zwischen der Partei "Einiges
Russland“, vertreten durch s. Vjacheslav Volodin, u. der
Regierung des Gebiets Samara, vertreten durch s.
Konstantin Titov. Das Dokument sah die Modernisierung von
mind. 30 Schulen im Gebiet Samara auf Kosten des föderalen
u. regionalen Budgets unter Beteiligung eines Kapitals von
30 Mln. Rubel von Seiten der "SOK"-Unternehmensgruppe vor.
Er unterstützte die Wahl von Viktor Tarkhov zum Bürgermeister von
Samara u. von Viktor Khlystov zum Bürgermeister
von Syzran. Vitalij Ilin, Vizepräsident der
"SOK"-Gruppe, wurde Vorsitzender der Stadtduma von
Samara. Er
unterstützte s. Sergej Morozov zum Gouverneur des Gebiets
Uljanovsk, wohin nach der Wahl die Spitzenmanager der
"SOK"-Unternehmensgruppe berufen wurden u. von denen
einer, Rustem Shijanov, zum Senator des
Föderationsrats RF aus dem Gebiet Uljanovsk gewählt wurde.
Kachmazov unterstützte auch s. Eduard
Kokojty, den Präsidenten der Republik Südossetien, der 2
Spitzenmanager der "SOK"-Gruppe zu Ministern seiner von
Russland abhängigen Pseudorepublik ernannte.
Seine
Ehefrau Ilona Kachmazova, Präsidentin der
Wohltätigkeitsstiftung "Sport, Erziehung, Kultur", war
eine Mitgründerin des regionalen Zweigs der "Grünen
Partei" in Samara. "SOK" finanzierte bei den Wahlen zur
Gebietsduma von 2007 die Russ. Ökolog. Partei "Grüne",
wobei die "SOK"-Topmanagerin Elvira Surkova auf der
Parteiliste im Gebietsparlament stand.)
Neuster
Stand 06.23 / 12.24 (47) Keine Garantie für Richtigkeit u.
Vollständigkeit der Angaben.
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