Putin-Lexikon
Über 20 Jahre im Dienst der Information
Privater, politisch unabhängiger Presse-Blog zum Thema Osteuropa und Russland
_______________________________________________________________________





PUTIN-LEXIKON:
BRISANTE AKTEURE DER PUTIN-ÄRA, DIE SCHLAGZEILEN ERZEUGTEN

 

K2 (Kam-Kach)       Seite aktualisiert im Nov./Dez. 2024

KAMALOV, Khadzhimurad Magomedovich II (1965-2011, gew. sowjet. Hydrotechniker, russ. investigativer Journalist in Dagestan. Avare nach Nationalität. Absolvent der Fakultät für Hydrorekultivierung des Dagestan. Polytechnichnischen Instituts u. der Technischen Universität Leningrad. Als Eigentümer des Medienunternehmens "Svoboda Slova" /Meinungsfreiheit/ gründete er im Aug. 2003 die Zeitung Chernovik /Rohentwurf/ u. war 2005-6 auch dessen Chefredaktor. Ferner war er als Pressesprecher von Präsident Mukhu Aliev tätig, dessen Amtszeit von 2006-10 dauerte. Kamalov war auch Mitglied des Rats der Wirtschaftsberater des Präsidenten unter s. Magomedsalam Magomedov. Der Chernovik war für seine Untersuchungen zur Regierungskorruption in Dagestan bekannt. Der umstrittenste Artikel, der in diesem Zusammenhang darin veröffentlicht wurde, war "Terrorist No. 1", der im Juli 2008 Zitate von Rappani Khalilov enthielt u. zu einem Rechtsstreit zwischen der Regierung u. Chernovik führte, der bis Mai 2011 andauerte. Khalilov, der wegen seiner Beteiligung an dem tschetschen. Angriff auf Dagestan im Aug. 1999 u. einem Bombenanschlag von 2002, bei dem 40 Menschen ums Leben kamen, als hochkarätiges terrorist. Ziel gesucht worden, wurde im Sept. 2007 getötet, bevor der Artikel veröffentlicht wurde. Der Herausgeber von Chernovik wurde zur Staatsanwaltschaft zitiert u. verwarnt, bevor Anklage erhoben wurde. Laut Nadira Isaeva, die Chefredaktorin von Chernovik zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Khalilov-Artikels u. während der Rechtsstreitigkeiten war, hatte Kamalov „viele Feinde, aber keine Angst ... Er liebte es, Korruption zu untersuchen. Viele von denen, die durch seine Enthüllungen aufgedeckt wurden – hohe Beamte, Polizisten u. Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft – hatten eine kriminelle Vergangenheit u. Gegenwart. Einige waren gefährlich u. hatten keine Angst vor dem Töten. Oft kam es zu Konfrontationen mit den Leitern der Stadtverwaltungen von Dagestan, von denen viele Banditen sind." Bijakaj Magomedov, der derzeitige Herausgeber von Chernovik, sagte: „Die korrupten Strukturen haben Angst vor uns gehabt. ... Sie konnten uns vor Gericht nicht besiegen, weil wir praktisch alle Fälle gewonnen haben." Der Hauptfall gegen Chernovik endete im Mai 2011 mit einem Freispruch. Als Chernovik einmal seine Geldgeber verlor, nahm Kamalov Kredite auf u. stellte seine Wohnung als Sicherheitsgarantie zur Verfügung, obwohl seine Frau u. sein Kind dort lebten. Auch Bürogeräte verkaufte er, bis er schliesslich neue Geldgeber fand. Als Eigentümer mischte sich Kamalov nicht in den redaktionellen Inhalt der Zeitung ein u. ermutigte seine Journalisten, über die Wahrheit zu berichten. Mahir Pashaev, ein Wirtschaftsreporter, sagte, dass Chernovik „die einzige Zeitung ohne Zensur ist". Kamalov stand nicht nur hinter den Nachrichten, sondern er wurde auch oft als Quelle für Medien herangezogen, die nach einem Experten suchten, um die sich verschlechternde Situation in Dagestan zu analysieren. Im Sept. 2005 organisierte Kamalov in Makhachkala einen beispiellosen Protest gegen die Aktion der Föderalen Agentur für Presse u. Massenkommunikation, den Druck u. die Verteilung von Ausgaben des Chernovik zu stoppen. An dem Protest beteiligten sich 50 Journalisten u. Unterstützer. Im Sept. 2009 wurden in Makhachkala Flugblätter verteilt, in denen Journalisten, Anwälte u.a. Persönlichkeiten des öffentl. Lebens aus Dagestan bedroht wurden, darunter auch Khadzhimurad Kamalov, der als einer von 8 Journalisten auf einer anonym erstellten Abschussliste stand. Kamalov wurde möglicherweise wegen seiner eher freundlichen Darstellung von Rebellenkämpfern auf diese Liste gesetzt. Im Nov. 2011 führte Kamalov eine Protestkundgebung mit etwa 3-5700 Teilnehmern gegen die rechtswidrige Anwendung von Gewalt u. das angebliche Verschwindenlassen von Zivilpersonen durch Sicherheitskräfte an, ein Schwerpunktthema des Chernovik.
Ermordung: Mitte Dez. 2011 wurde durch einen maskierten Schützen ein Attentat auf Kamalov verübt, als er gegen Mitternacht das Büro von Chernovik in der Magomed Hajiev-Strasse in Makhachkala verliess. Der Schütze gab insgesamt 14 Schuss auf sein Opfer ab u. entfernte sich in einem schwarzen Lada Priora unverzüglich vom Tatort. Der schwerverwundete Journalist starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Der Trauerzug wurde zur Massenveranstatung. Sein Tod sollte eine abschreckende Wirkung auf andere Journalisten haben.
Reaktionen: Nach der Ermordung Kamalovs schrillten bei den Menschenrechtsvertretern die Alarmglocken. s. Tanja Lokshina, stv. Direktorin von "Human Rights Watch" in Moskau, sagte: „Kamalovs Tod ... wird ungeheure Auswirkungen auf die freie Presse in Dagestan haben" u. machte die russ. Behörden der Republik Dagestan für den Mord verantwortlich. Auch wenn sein Tod einen persönlichen Aspekt gehabt habe, sei er durch die Atmosphäre völliger Straflosigkeit möglich geworden, die die russ. Behörden dort gedeihen liessen. Auch das in New York, USA, ansässige "Komitee zum Schutz von Journalisten" sagte, dass der „Mord an Khadzhimurad Kamalov … ein tödlicher Schlag für die Pressefreiheit“ sei, seine Ermordung sei „ein massiver Verlust für den unabhängigen Journalismus im Nordkaukasus, dem gefährlichsten Ort für Reporter in Russland". Das UN-Büro des Hohen Kommissars für Menschenrechte u. die UNESCO forderten eine glaubwürdige Untersuchung des Mordes an Kamalov. s. Irina Bokova, damalige Generaldirektorin der UNESCO, sagte: „Angst darf nicht Medienschaffenden einen Maulkorb anlegen, Reportern das grundlegende Menschenrecht auf freie Meinungsäusserung vorenthalten u. Bürgern den Zugang zu Informationen verwehren.“ Magomedsalam Magomedov, Präsident von Dagestan, würdigte den Verstorbenen wie folgt: Kamalov „hat sich immer für Einheit u. Frieden eingesetzt u. den Dialog geführt. ... Das ist ein grosser Verlust nicht nur für Journalisten, sondern für die ganze Republik." Das Büro des Präsidenten übernahm offiziell die Aufsicht über die Mordermittlungen. Sajgidpasha Umakhanov, ein prominenter Bürgermeister in Dagestan, sagte: Kamalov „war in der Tat ein unabhängiger u. ehrlicher Journalist. Es ist unmöglich, einen anderen wie ihn zu finden … Seine zahlreichen Freunde u. die gesunden Kräfte in der Gesellschaft werden alles tun, um den Mörder zu finden . [Aber dafür] müssen wir wirklich vereint sein.“ s. Julija Latynina, eine Expertin für die Kaukasusregion, verglich die Ermordung Kamalovs u. den damit verbundenen Verlust von Informationen mit dem Tod s. Anna Politkovskajas. In Dagestan fielen dem Tötungsterror der Putin-Zeit auch andere investigative Journalisten zum Opfer wie s. Malik AKHMEDILOV, s. Akhmednabi AKHMEDNABIEV, Abdulla Alishaev, Gadzhi Abashilov, Magomedzagid Varisov, Jakhja Magomedov u.a. Im Dez. 2012 wurde Kamalov posthum Preisträger des Andrej-Sakharov-Preises "Für Journalismus als Tat“.)

KAMENSHCHIK, Dmitrij Vladimirovich II III IV V (1968-, sowjet. Energietechniker, russ. Wirtschaftssoziologe, Unternehmer. Erststudium an der Fakultät für Energie u. Physik des Moskauer Instituts für Energietechnik. Nach dem Militärdienst in der Sowjetarmee arbeitete er einige Zeit im Regionalkomitee für Fernsehen u. Rundfunk in Sverdlovsk. 2000 Abschluss des Studiums an der Soziolog. Fakultät der MSU mit einer Spezialisierung auf Wirtschaftssoziologie, mit einer Dissertation zur Erlangung des akadem. Grads eines Kandidaten der Wirtschaftswissenschaften. 2000-4 Mitglied des Unternehmerrats der Regierung RF, ferner war er Berater des Vorsitzenden der Staatsduma FR u. des Gouverneurs des Moskauer Gebiets.
Vorsitzender des Verwaltungsrats des Flughafens Moskau-Domodedovo u. Eigentümer der "East Line Group", der Holdinggesellschaft des Flughafens, die z.Zt. 23 Unternehmen umfasst, USD-Multimilliardär. 1991 liess der Sverdlovsker bzw. Ekaterinburger Geschäftsmann s. Anton Bakov die Firma "East Line" registrieren, um den Lufttransport abzuwickeln. Dmitrij Kamenshchik figurierte als Generalvertreter des Unternehmens in Moskau. 1992 erhielt Domodedovo den Status eines internationalen Flughafens. 2013 bezeichnete sich Bakov in einem Interview mit Kommersant als Gründer von "East Line" u. behauptete, er habe das Unternehmen Anfang 1994 verlassen, nachdem er seinen Anteil für 10 Tsd. USD an Kamenshchik verkauft habe.1998 wurde das Eigentum des Flugplatzgeländes, das nicht in Privatbesitz überging, d.h. die Start- u. Landebahnen, Rollwege, Flugzeugparkplätze, für 75 Jahre an die "East Line" mit der Folge verpachtet, dass der Prozess des Eigentümerwechsels von Flughafenanlagen abgeschlossen wurde. Im selben Jahr wurde Kamenshchik Vorstandsvorsitzender des Flughafens Domodedovo. Seit 2004 versuchte die Росимущество, die Übertragung von Eigentum an Flughafeneinrichtungen u. Pachtrechten am Flugplatz auf die Gesellschaft "East Line" anzufechten. 2004 verkaufte "East Line" sowohl seine eigene Fluggesellschaft als auch die daraus resultierende Maschinenbauholding u. konzentrierte sich auf das profitablere Flughafengeschäft. 2006-8 bestätigte das Präsidium des Obersten Schiedsgerichtshofs die Rechtmässigkeit der Transaktionen in drei Entscheidungen.
Im Jan. 2011 ereignete sich im Flughafen Domodedovo ein Selbstmord-Terroranschlag, bei dem 36 Menschen ums Leben kamen u. weitere 152 Personen verletzt wurden. Nach dem Terroranschlag auf den Flughafen Domodedovo vom Jan. 2011 versuchten die Strafverfolgungsbehörden, die endgültigen Eigentümer des Flughafens zu ermitteln. Im selben Jahr veröffentlichte die Holdinggesellschaft in Vorbereitung auf den Börsengang Daten über den Endbegünstigten auf der Website der Londoner Börse u. nannte Dmitrij Kamenshchik als alleinigen Eigentümer. Im Sept. 2013 wurde auf der offiziellen Website des Flughafens Domodedovo die Information veröffentlicht, dass sein endgültiger Eigentümer Dmitrij Kamenshchik, Vorsitzender des Verwaltungsrats, sei. Als Eigentümer des Flughafens erhielt er für 2012-13 etwa 19,1 Mrd. Rubel an Dividenden.
Rechtsprozess: Im Feb. 2016 wurde Kamenshchik nach einem Verhör im Untersuchungskomitee RF u. einen Tag nach einem Briefing zur Verteidigung der zuvor inhaftierten Mitarbeiter wegen Verstosses gegen Art. 238, Teil 3 StGB RF /"Durchführung von Arbeiten oder Erbringung von Dienstleistungen, die die Sicherheitsanforderungen nicht erfüllen u. fahrlässig zum Tod von zwei oder mehr Personen geführt haben"/ im Fall des Terroranschlags vom Jan. 2011 festgenommen. Das Moskauer Basmannyj-Gericht stellte Kamenshchik unter Hausarrest bis April u. verlängerte später die Haft bis Juli. Der stv. Generalstaatsanwalt RF, Malinovskij, befürwortete jedoch die Einstellung der strafrechtlichen Verfolgung der Beklagten in der Untersuchung u. forderte ihre Freilassung aus dem Hausarrest, wobei er die Kassationsinstanz des Moskauer Stadtgerichts anrief. Komissarov u. Sukhanov, Leiter der Abteilungen für Straf- u. Zivilrecht der Jurist. Fakultät der Staatsuniversität Moskau, Mitglieder des Wissenschaftl. Beirats des Obersten Gerichtshofs u. des Untersuchungskomitees RF, erstellten Rechtsgutachten, denen zufolge den Beklagten bzw. dem Gericht keine Beweise für strafbare Handlungen in dem Fall vorgelegt werden konnten. Anfang Juli 2016 entsprach das Präsidium des Moskauer Stadtgerichts der Vorlage des stv. Generalstaatsanwalts RF Malinovskij, der die Freilassung Kamenshchiks aus dem Hausarrest forderte; nach 5 Monaten wurde der Vorstandsvorsitzende des Flughafens Domodedovo aus dem Hausarrest entlassen. Im Sept. schloss das Untersuchungskomitee RF das Strafverfahren gegen Kamenshchik wegen fehlender Beweise für eine Straftat bei seinen Handlungen ab. Wirtschaftsombudsmann Boris Titov nannte diese Entscheidung „einen Triumph des gesunden Menschenverstands“. Auch die Generalstaatsanwaltschaft RF anerkannte die Verfolgung des Geschäftsmanns als rechtswidrig.
Vermögen: Im April 2015 schätzte das Magazin Forbes das Vermögen von Dmitrij Kamenshchik auf 3,8 Mrd. USD, was dem 27. Platz in der Rangliste der reichsten Geschäftsleute Russlands entsprach. Später ging laut derselben Quelle das Vermögen Kamenshchiks erheblich zurück u. belief sich im Frühjahr 2019 noch auf 2,8 Mrd. USD; im April 2020 belegte er laut Forbes mit einem Vermögen von 2,1 Mrd. USD noch den 46. Platz, 2021 war er mit ´nur noch´ 1,7 Mrd. USD auf dem 52. Platz gelandet. Im Jan. 2018 wurde Kamenshchik auf die sog. "Kreml-Liste“ des US-Finanzministeriums gesetzt.)

KAMINER, Vladimir Viktorovich II III IV (1967-, in Deutschland lebender Schriftsteller sowjet.-russ.-jüdischer Herkunft. Er absolvierte eine Ausbildung zum Tonmeister für Theater u. Hörfunk u. studierte zudem Dramaturgie an der Moskauer Schule für Theater, Kunst u. Technologie MTKhTU, heute TXTK. Während seines Studiums verdiente er seinen Lebensunterhalt auf Partys u. Underground-Konzerten in der Moskauer Rockszene. Im Juni 1990 erhielt Kaminer Asyl in der DDR, am 3. Okt. 1990 die DDR-Staatsbürgerschaft u. wurde nach der Wiedervereinigung Deutschlands automatisch Staatsbürger der BRD. Dem widerspricht eine Aussage Kaminers in einem Interview vom Sept. 2012, dass er 14 Jahre lang mit einem sog. Fremdenpass gelebt u. kein deutscher Staatsbürger gewesen sei. Kaminer lebt mit seinen Kindern u. seiner russ. Frau Olga, die er 1995 in Berlin kennenlernte, im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg. In Berlin war Kaminer viele Jahre Mitglied der Reformbühne "Heim & Welt" u. las seine Geschichten jede Woche im "Kaffee Burger" vor, wo er seine legendäre "Russendisko" organisierte. Dieser Name wurde zum Titel des bekanntesten, überaus erfolgreichen Buchs von 2000, mit dem er schlagartig zum neuen Bestsellerautor wurde. Er schreibt regelmässig Texte für dt. Zeitungen, war Kolumnist der Zeitung Russkaja Germanija u. moderierte eine Sendung bei "Radio Multikulti". Themen seiner Bücher, die er auf Deutsch schreibt, sind das Phänomen „Multikulti“, das Leben von Einwanderern aus den ehem. Republiken der Sowjetunion in Deutschland u. die "sowjet. Vergangenheit". 2012 erschien eine Verfilmung der Kurzgeschichtensammlung dieses Buchs. 2011 kündigte Kaminer an, für das Amt des Regierenden Bürgermeisters der Stadt Berlin kandidieren zu wollen. Kaminer ist Mitgründer des PEN Berlin. Als entschiedener Gegner der russ. Kriegspolitik V. Putins in der Ukraine rief Kaminer in einem ZDF-Interview vom März 2022 die Offiziere Russlands dazu auf, „ihren Oberbefehlshaber zu entmachten, um diesen Unrechtskrieg sofort zu beenden - sie sollen Russland retten". An die deutsche Öffentlichkeit gerichtet, rief Kaminer die deutsche Führung dazu auf, „jeden Tag dem Kreml klarzumachen, dass dieser Krieg eine grosse Niederlage, eine grosse Katastrophe für Russland" sei. Dieser ehem. KGB-Offizier verfüge dennoch über „einen genug kühlen Kopf, um zu verstehen, dass er sich selbst, seine Heimat u. seine Familie ... nicht in dem Tod, in einem atomaren Feuer verheizen will". Trotz der einseitigen Propaganda wüssten die Russen sehr wohl, was in Russland los sei. Die russ. Gesellschaft wache langsam aus der Lethargie auf, u. er hoffe, dass viele Landsleute trotz allem auf die Strasse gehen, um gegen diesen Krieg zu protestieren. In einem Beitrag für das "Deutschland Archiv" der bpb gab sich Kaminer im März 2022 zuversichtlich, dass die Zeit vergehen wird, die Schuldfrage ausdiskutiert wird u. Russland auf Umwegen über kurz oder lang seinen Weg über Europa wieder findet". In einem Blick-Interview vom März 2024 erzählte er, warum seine Raketenabwehrzentrale die Cessna mit dem dt. Privatpiloten Matthias Rust an Bord im Anflug auf Moskau 1987 nicht aufhielt u. dafür bestraft wurde u. warum er 1991 in die DDR floh. Als Putin an die Macht kam, habe die Bevölkerung Russlands über keine polit. Instrumente verfügt, auf die Kremlführung einzuwirken. Putin habe sich mit der Zeit verändert, was typisch für autoritäre Herrscher sei, die zu lange in einem von der Aussenwelt abgeschotteten Raum lebten u. von Leuten besucht werde, die ihm alternative Fakten zutragen. Er habe Putin seinerzeit in Berlin getroffen, als er noch kein Feind des Westens gewesen sei, u. glaube, dass er privat wahrscheinlich ganz in Ordnung sei", wie Kaminer sich in seiner typisch ironischen Art ausdrückte, aber dennoch möchte er ihn nicht zum Freund haben", denn er möge „diese Generation der sowjet. Frührentner der Staatssicherheit nicht" leiden. Die Russen würden den Krieg nicht mögen u. ergriffen jede Möglichkeit, ihren Unmit darüber zu äussern, wenn es ohne Gefahr geschehen kann". Das Putin-Regime habe sich nach den öffentl. Massenprotesten in Russland von 2011 eindeutig radikalisiert. Es gebe viele Leute an der russ. Führungsspitze, die mit dieser Kriegspolitik nicht einverstanden seien; es brauche für sie eine Exit-Strategie. Der Krieg könne nicht mehr lange dauern, weil auf beiden Seiten das Personal fehle.) 11.24

KAMINSKIJ, Anatolij Vladimirovich IIa IIb (1950-, sowjet. Maschinenbauer u. Manager, Politiker der Transnistrischen Moldauischen Republik /PMR/ mit ukrain. Herkunft. Absolvent des nach M.V. Lomonosov benannten Technolog. Instituts für Nahrungsmittelindustrie in Odessa mit einem Abschluss in Maschinenbau. Danach arbeitete er als Manager in einer Käsefabrik u. als stv. Direktor u. Direktor einer Molkerei in der Moldauischen SSR. Ferner war er für den Komsomol u. die KPdSU tätig. In den 1990ern leitete er das Hauptquartier für die Verteidigung der Stadt u. des Gebiets Rybnica u. nahm an den Kampfhandlungen zum Schutz der PMR teil. 2000-9 war Kaminskij stv. Vorsitzender u. bis 2012 Vorsitzender des Obersten Sowjets des von niemandem anerkannten "Staats" PMR, dazu Vorsitzender des Zentralrats der "Erneuerungs"-Partei "Obnovlenie". Bei der Präsidentschaftswahl von 2011 in der PMR wurde er als von Russland unterstützter Kandidat von seiner Partei nominiert, wodurch er im 1. Wahlgang 26,30% u. in der 2. Runde 19.6% erhielt u. somit hinter s. Evgenij Shevchuk u. vor s. Igor Smirnov den 2. Platz belegte. Gemäss der Verordnung 2005/147/GASP der Europäischen Kommission wurde Kaminskij zur unerwünschte Person erklärt, der zusammen mit anderen Führern der PMR die Einreise in die EU-Länder untersagt ist.)

KANDELAKI, Tinatin (Tina) Givievna II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV (1975-, georg.-russ. Boulevard-Journalistin, TV-Moderatorin, Produzentin u. Geschäftsfrau mit griech., armen. u. türk. Wurzeln u. russ. Staatsbürgerschaft. 1993 studierte sie plastische Kosmetik u. trat dann in die Journalismusabteilung der Staatsuniversität von Tiflis, Georgien, ein. 2008 schloss sie ihr Studium an der Fakultät für Internationale Beziehungen der Russ. Staatsuniversität für Geisteswissenschaften in Moskau ab. Bevor sie 1995 nach Moskau umzog, arbeitete sie in Tbilisi für den Radiosender "Radio 105" u. für TV "Kanal 2" u. soll Verbindungen zur kriminellen Mkhedrioni-Gruppe gehabt haben, die unter der Führung des "Diebes im Gesetz" Dzhaba Ioseliani agierte. In Moskau war sie für verschiedene Radio- u. TV-Sender tätig u. moderierte verschiedene Sendungsformate, v.a. auf dem privaten "STS"-Kanal, auf "REN TV" u. "Ekho Moskvy". 2011 führte sie ein TV-Interview mit dem Tschetschenführer s. Ramzan Kadyrov, der sie in der Sendung dafür kritisierte, in zu aufgereizter Kleidung zu erscheinen. 2013 erhielt sie den Titel "Verdiente Journalistin der Republik Tschetschenien". 2020-22 moderierte sie die Sendung "Special Guest" auf "RTVi". Im Sept. 2021 verliess sie den Posten der Generalproduzentin von "Match TV" u. wurde zur stv. Generaldirektorin von "Gazprom Media" u. zur Geschäftsführerin von "Gazprom Media Entertainment Television" ernannt. Im Feb. 2022 wurde sie zur amtierenden Direktorin des Senders "TNT" ernannt. Als Geschäftsfrau war Kandelaki Mitinhaberin einer Consultingfirma für Informationstechnologie, die später bankrott ging, u. war 2011 Vorstandsmitglied der "Vjatka-Bank". Sie besitzt ein georgisches Restaurant in Moskau. 2012 unterzeichnete Kandelaki einen Vertrag mit der schwed.-schweiz. Schönheitspflege-Firma "Oriflame", wonach sie verpflichtet war, "Oriflame"-Produkte für 2 Jahre in Russland u. den GUS-Staaten gegen ein Honorar für 2 Mln. USD zu vertreten. 2015 gründete sie die Kosmetikmarke "AnsaLigy", das entsprechende Unternehmen stellt Gesichts- u. Körperpflegeprodukte mit innovativen Formeln her. 2018 wurde die Marke mit 1 Million Euro bewertet.
Politiknahe Aktivität: Im Nov. 2007 äusserte sich Kandelaki negativ über die Aktivitäten des georgischen Präsidenten s. Mikheil Saakaschwili, bezeichnete ihn als „Tyrann des Mittelalters“ u. rief Georgier auf der ganzen Welt dazu auf, Saakaschwili zu stoppen. 2009 wurde sie auf Einladung des Präsidenten RF s. Dmitrij Medvedev zum Mitglied der Gesellschaftl. Kammer RF ernannt, in deren Rahmen sie eine Reihe von Runden Tischen zu aktuellen Themen wie Internet u. Bildungssystem organisierte u. leitete. 2010 nahm sie an einer Sitzung zum Thema Bildung beim St. Petersburger Wirtschaftsforum teil. 2011 wurde sie Mitglied der Gruppe für staatl. Bildungsstandards beim Bildungsministerium RF. Bei ihrem Besuch in der Republik Tatarstan im Feb. 2011 äusserte sie sich zum Trend, dass „diejenigen, die Twitter nicht nutzen, einfach hinterherhinken“, woraufhin die Behörden der Republik begannen, soziale Netzwerke aktiver zu nutzen. 2011 unterzeichnete sie einen Aufruf der Öffentlichkeit gegen die informationelle Untergrabung des Vertrauens in das Justizsystem der RF, vor dem Hintergrund des 2. Prozesses im Fall "Jukos". Im Aug. 2011 organisierte sie das erste Nationale Bildungsforum im Hotel "Baltschug" u. stellte den Delegierten das Smart School-Projekt vor. Am 10. Dez. 2011 fand auf dem Bolotnaja-Platz eine Kundgebung statt, bei der auch Tina Kandelaki anwesend war, die bei den Wahlen für die Partei "Einiges Russland" gestimmt hatte u. hierherkam, um sich eine eigene Meinung über die Teilnehmer der Protestbewegung zu bilden. Am 25. Feb. 2012 leitete Kandelaki den öffentlichen Rat des Beobachterkorps "Für saubere Wahlen", der im Jan. vom Koordinierungsrat junger Anwälte organisiert wurde. Diese Struktur war mit der "Nashi"-Bewegung verbunden, die offen die derzeitige Regierung unterstützte. Im Aug. 2020 nahm Kandelaki am Kongress der liberalen polit. Partei "Neue Leute" teil, wo sie als Rednerin auftrat. Zuvor hatte sie ihre Unterstützung für die Projekte s. Aleksej Kudrins u. s. Mikhail Prokhorovs zur Schaffung einer liberalen Opposition angekündigt. Während der Olympischen Spiele in Tokio 2020 startete sie einen Flashmob zur Unterstützung des russ. Olympischen Komitees. Die Aktion wurde sowohl von der Partei "Einiges Russland" wie auch vom  Aussenministerium RF unterstützt, aber der Flashmob lieferte keine Erklärung dafür, dass russ. SportlerInnen wegen eines Dopingskandals ihre Flagge u. Hymne nicht verwenden können.
Skandale u. Kritik: Die georg. Schönheit ist auch wegen einiger Aufsehen erregender Vorkommnisse u. Skandale aufgefallen. Im Nov. 2006 kam es zu einem Autounfall in Nizza, Frankreich, wobei ein "Ferrari Enzo", gefahren von einem russ. Geschäftsmann u. Teilzeitabgeordneten der Staatsduma RF von der LDPR s. Vladimir Zhirinovskijs, s. Sulejman Kerimov, aus unbekannten Gründen von der Strasse abkam, gegen einen Baum prallte u. Feuer fing. Während der Geschäftsmann in ernstem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert wurde, erlitt Kandelaki bei dem Unfall leichte Verbrennungen an Händen u. Oberschenkeln u. wurde ebenfalls in ein Krankenhaus gebracht, nach wenigen Stunden jedoch entlassen u. nach Russland ausgeflogen. An dem Tag, als im Sender "Ekho Moskvy" ein Programm Kandelakis ausgestrahlt werden sollte, erschien sie nicht im Radiosender u. berief sich darauf, Mumps zu haben. Die Moderatorin gab dann aber zu, dass sie mit Kerimov im Auto sass, u. dass die Story nicht verbreitet werden sollte, um jeden Verdacht über ihre Beziehung zu ihm zu verbergen.
Laut
Forbes kritisierte s. Aleksej Navalnyj den Exklusivvertrag, der 2012 von "Aeroflot" mit Kandelakis - später in Konkurs gegangenen - Firma "Apostol" für 64 Mln. Rubel unter Verstössen gegen die Gesetzgebung der RF, so ohne öffentl. Ausschreibung u. „nach einem sehr seltsamen Verfahren“ u. mit fehlenden Informationen über den Vertrag auf der Website der Fluggesellschaft unterzeichnet wurde, woraus Navalnyj schloss, dass dieser Vertrag eine Bezahlung für Kandelakis Dienste durch die russ. Behörden gewesen sei. Unter Bezugnahme auf die Informationen von s. Ksenija Sobchak warf Navalnyj Kandelakis Unternehmen "Apostol", das von ihrem 2. Ehemann s. Vasilij Brovko gegründet wurde, vor, die Arbeit von Internet-Bots zu organisieren, die die sozialen Netzwerke mit gegen die russ. polit. Opposition gerichteten Inhalten verstopfen. Im Okt. 2015 sorgte das von Kandelaki für 15 Mln. Rubel entwickelte "Neues Moskau"-Logo u. die Corporate Identity dazu für Kritik in der Staatsduma RF, der Blogosphäre u. bei Kunden. Sowohl die Kosten als auch die Originalität des Produkts lösten Zweifel aus. Wie sich herausstellte, entsprach das Logo fast vollständig der grafischen Vorlage, die damals kostenlos im Internet heruntergeladen werden konnte.
Bewertung: Als Medienpersönlichkeit u. Bloggerin nutze Kandelaki ihre persönl. Marke, die auf ihrem Ruhm als TV-Moderatorin basiere, um mit berühmten Persönlichkeiten live zu diskutieren, wobei sie das offizielle Format in ihren Online-Interviews beibehalte. Beim Bloggen nutze sie aktiv Selfies. Laut ihren Kollegen verkörpere sie ein Phänomen namens "Putins Glamour". Sie wurde wegen ihres angeblichen Mangels an Talent u. wegen ihrer Selbstdarstellung, ihrer angeblichen Prinzipienlosigkeit u. ihres Konformismus sowie wegen ihrer Liebe zur gegenwärtigen Regierung kritisiert, dank derer sie Mitglied der Gesellschaftskammer geworden sei.
Ukrain. Anklage, Kritik u. Sanktionen:
Im Zusammenhang mit
dem von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskrieg gegen die Ukraine erschien im März 2022 eine Meldung von Seiten der Generalstaatsanwältin der Ukraine, s. Iryna Venediktova, dass die Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine formelle Anklage gegen Kandelaki erhoben hat gemäss Art. 110, Teil 2 StGB UA wegen "Finanzierung von Handlungen, die mit dem Ziel begangen werden, die verfassungsmässige Ordnung gewaltsam zu ändern oder zu stürzen oder die Staatsgewalt zu ergreifen, die Grenzen des Territoriums oder der Staatsgrenze der Ukraine zu ändern“. Auf Antrag der Ukraine sollte Kandelaki auf die internationale Fahndungsliste gesetzt werden. Kandelaki nannte diese Anschuldigungen gegen sie falsch u. behauptete, dass „ein Teil der für die Anklage verwendeten Worte nie von ihr gesagt wurde“. Kandelaki wurde als Propagandistin u. „Publizistin s. Ramzan Kadyrovs“ von der "Stiftung für Korruptionsbekämpfung" FBK die verkürzte Top-200-Liste der korrupten Beamten u. Kriegstreiber mit dem Vorschlag gesetzt, internationale Sanktionen gegen sie zu verhängen. Die "FBK" stellte fest, dass Kandelaki "in einen Korruptionsplan des Moskauer Bürgermeisters s. Sergej Sobjanin verwickelt ist, da sie öffentl. Mittel aus dem Haushalt der Stadt Moskau für die PR-Unterstützung Sobjanins u. des herrschenden polit. Regimes unter dem Vorwand erhalte, über den Sender "RTVi" Dienstleistungen für die Stadt Moskau bereitzustellen“. Im Okt. 2022 setzte die "Internationale Arbeitsgruppe für Sanktionsfragen Ermak-McFaul" Kandelaki auf die Liste der Propagandisten u. Kriegideologen, die "falsche Narrative im Einklang mit der Politik des Kremls schaffen“, mit dem Vorschlag, Sanktionen gegen sie zu verhängen. Vom "Forum Freies Russland", das die sog. "Putin Liste" führt, wird ihr öffentl. Unterstützung für den von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskrieg gegen die Ukraine vorgeworfen. Ihr Name ist im Bericht "1500 Kriegstreiber“ erwähnt, der vom "Forum" erstellt wurde. Das "Forum" strebt Sanktionen gegen diese Personen in der EU an. Im März 2022 verbot Lettland Kandelaki die Einreise aufgrund ihrer Unterstützung der russ. Invasion in der Ukraine. Im Juni 2022 wurde sie zusammen mit ihren beiden Kindern Melanija u. Leontij Kondrakhin als eine mit ihrem ebenfalls von den USA sanktionierten 2. Ehemann s. Vasilij Brovko in Verbindung stehende Person auf die US-Sanktionsliste gesetzt, wobei im Okt. ihre Aufnahme in die Sanktionsliste Kanadas aufgrund ihrer Beteligung an "der Verbreitung russ. Desinformation u. Propaganda“ u. wegen "Unterstützung der ungerechtfertigten Invasion u. versuchten Annexion ukrain. Gebiete durch Russland“ erfolgte. Im Okt. 2022 wurde sie auf die Sanktionsliste der Ukraine gegen Personen gesetzt, "die öffentlich zu einem Angriffskrieg aufrufen sowie die bewaffnete Aggression der RF gegen die Ukraine u. die vorübergehende Besetzung des Territoriums der Ukraine rechtfertigen u. als legitim anerkennen“. Im Feb. 2024 wurde Kandelaki iauf die australische Sanktionsliste gesetzt.)

KANEV, Sergej II III IV (1962-, russ. investigativer Journalist, international bekannt für seine Berichterstattung über Kriminalität u. Polizeikorruption. Als er den Behörden zunehmend kritisch gegenüberstand, wurde er 2005 von einem staatl. Sender entlassen u. wechselte zur Novaja gazeta, die für ihren Anti-Establishment-Ansatz im investigativen Journalismus bekannt wurde. Seine engagierte scharfe Berichterstattung über Kriminalität u. Korruption hat zu zahlreichen körperlichen Angriffen gegen ihn geführt, einschliesslich des Versuchs, ihn mit Draht zu erwürgen. Kanev wurde 2001 vom Innenministerium RF für die Inhaftierung eines Verbrechers geehrt. 2009 wurde er von der s. "Artjom Borovik Foundation" ausgezeichnet. 2010 wurde ihm vom Journalistenverband RF eine Gedenkmedaille verliehen. 2011 ernannte die Financial Times Kanev zu einem der "25 Russians to Watch". 2012 übernahm er den Job des Chefredaktors bei einer Moskauer Vorstadtzeitung namens Читают Все in der Stadt Tschechov, deren Eigentümer ehrgeizige Pläne für Ermittlungen zur Korruptionsbekämpfung hatte. 2013 veröffentlichte die Zeitung ein Exposé mit detaillierten Korruptionsvorwürfen in einem staatl. Unternehmen für medizin. Versorgung namens "Medproektremstroj", das die Moskauer Stadtregierung bei der Auftragsvergabe für Krankenhausversorgung vertrat. Das Unternehmen verklagte sowohl den Eigentümer Oleg Strekalov als auch Kanev, aber seine Ansprüche gegen die beiden wurden zurückgewiesen. Im März 2013 veröffentlichte Kanev einen Artikel über die bevorzugte Behandlung tschetschen. Polizisten durch die russ. Behörden, die 2011 bei einem Erpressungsversuch einen Mann entführt u. gefoltert hatten. Der Ermittler, der diesen Fall leitete, wurde entlassen, der Fall abgeschlossen u. der tschetschen. Polizist freigelassen. 2016 schrieb Kanev einen Artikel über die älteste Tochter von Präsident V. Putin, s. Marija Voroncova, u. ihr Privatleben. Sie verwende verschiedene Namen, habe in mehreren Ländern gelebt u. führe ein Leben im Luxus, was offiziellen Berichten widerspricht, die besagen, dass die Familie wie normale Russen lebe, öffentl. Verkehrsmittel benutze usw. 2018 nahm Kanev an einer "Bellingcat"-Untersuchung zur Identifizierung der beiden Hauptverdächtigen teil, die von GB der Vergiftung des ehem. russ. Spions s. Sergej Skripal u. seiner Tochter beschuldigt wurden. „Hier geht es nicht nur um Boshirov u. Petrov“, fügte Kanev hinzu u. bezog sich auf die beiden Hauptverdächtigen der Skripal-Vergiftung in Salisbury am 4. März 2018. In einem Gespräch mit der russ. Nachrichtenagentur RBK vom Sept. sagte Kanev, es gebe „eine Menge meiner Ermittlungen, die bestimmte hochrangige Beamte verärgert haben.“ Im Sept. 2018 verliess Kanev Russland aus Sorge vor einer möglichen Strafverfolgung für seine Arbeit.)

KANEVA, Elena Vjacheslavovna (1972-, russ. Richterin am Lefortovo-Bezirksgericht  in Moskau. Vom "Forum Freies Russland", das die "Putin-Liste" erstellt, wird ihr Umsetzung polit. Repression unter Verwendung offizieller Positionen vorgeworfen. Im April 2015 wurde die Verhaftung des ukrain. Regisseurs s. Oleg Sencov verlängert, der beschuldigt wurde, nach Art. 205.4 Teil 1 StGB RF eine terrorist. Gemeinschaft gegründet zu haben u. nach Teil 1 von Art. 30 u. Teil 2 von Art. 205 Terroranschläge vorzubereiten u. zu verüben. Den Ermittlungen zufolge handelte es sich bei den Angriffen um Brandstiftung an der Tür des Büros der "Russ. Gemeinschaft der Krym“ u. am Fenster des Büros der Partei "Einiges Russland“ in Simferopol, bei denen niemand verletzt wurde. Nach Angaben der Verteidigung wurden Sencov u.a. Angeklagte in dem Fall gefoltert, um Geständnisse zu erpressen.)

KANNER, Jurij Isaakovich II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVI XXVII XXVIII XXIX XXX XXXI XXXIII XXXIII XXXIV (1955-, sowjet. Ökonom bzw. russ.-jüdischer, aus der Ukraine stammender Unternehmer. Absolvent des Wirtschaftsinstituts Saratov, Kandidat der Wirtschaftswissenschaften. Beruflich arbeitete er in der Sowjetzeit als Vorsitzender einer grossen Kolchose in einem Dorf des Gebiets Tjumen. Lebt seit 1993 in Moskau, wo er in den 1990er Jahren Generaldirektor eines Industriekonsortiums war, das sich im Rahmen von Investitionsverträgen mit dem Moskauer Rathaus um den Bau u. die Restaurierung von Gebäuden im Zentrum der Hauptstadt kümmerte, u. 7 Unternehmen im Bau- u. Immobilienbereich mitbegründete. Im Mai 2009 genehmigte das Präsidium des "Russ. Jüdischen Kongresses" REK die Kandidatur Jurij Kanners für das Amt des 6. Präsidenten der 1996 gegründeten Organisation. Nach seiner Wahl sagte er: „Die Mission des Russ.-Jüdischen Kongresses besteht darin, die Bildung einer pluralist. jüdischen Gemeinschaft in Russland zu fördern, die stolz auf ihre Vergangenheit ist, fest auf russ. Boden steht im Angesicht Jerusalems.“ Laut Kanner ist es für den REK von entscheidender Bedeutung, Programme zu entwickeln, die neue Menschen für das Gemeinschaftsleben gewinnen. Er betrachtet die Bildung selbstverwalteter u. selbstfinanzierter jüdischer Gemeinden im ganzen Land als eine der Hauptaufgaben des Kongresses. Kanner ist Mitglied des Kuratoriums der "Moskauer Jüdischen Religionsgemeinschaft" MERO, die die Moskauer Chorsynagoge verwaltet. Er nimmt aktiv an einer Reihe von Wohltätigkeits- u. Gedenkprojekten u. -programmen teil u. ist Leiter der internationalen Projekte "Restore Dignity“ u. "Bab´i Yary of Russia“, in deren Rahmen Arbeiten zur Erforschung von Orten mit Massengräbern von Opfern des Holocaust durchgeführt werden. Im Sept. 2009 unterzeichneten der Vorsitzende der "Jewish Agency Sokhnut", Natan Sharansky, u. der Präsident des REK, Jurij Kanner, in Moskau eine Vereinbarung über strategische Zusammenarbeit im Bereich der jüdischen Bildung in Russland. Seit 2017 ist Kanner auch Mitglied des öffentl. Rats des Moskauer Jüdischen Filmfestivals. Im Jan. 2020 verglich Kanner den ukrain. Kosakenführer Bogdan Khmelnyckyj in einem Blogbeitrag auf "Ekho Moskvy" mit Adolf Hitler. Bei der Charakterisierung V. Putins wich Kanner diplomatisch aus, schätzte dessen Eigenschaften aber positiv ein.)

KANOKOV, Arsen Bashirovich II III IV V VI (1957-, sowjet. Handelsökonom u. Volkswirtschafter, russ. Geschäftsmann u. Politiker in der Republik Kabardino-Balkarien, Nordkaukasus. Absolvent der Handels- u. Wirtschaftsfakultät des Moskauer Instituts für Volkswirtschaft namens G.V. Plekhanov. Doktor der Wirtschaftswissenschaften /2001/, ordentl. Mitglied der Akademie für Wirtschaftswissenschaften u. Unternehmertum, Fachautor einer Reihe von Monographien u. Artikeln über die Probleme der Kreditvergabe u. Besonderheiten der staatl. Regulierung einer Marktwirtschaft in der Übergangszeit in Russland. In der Sowjet- u. Perestrojkazeit arbeitete er als Geschäftsleiter u. gründete eine Handelsgenossenschaft in Moskau u. betrieb in den 1990er Jahren eine Holdinggesellschaft, die sich auf multifunktionale Einkaufszentren, Banken, Investitionsmärkte u. Bauwesen in Moskau spezialisierte. Anfang der 2000er Jahre wurde er Aktionär u. Mitglied des Vorstandsrats einer Kreditanstalt. Kanokov ist laut dem Magazin Finance in der Liste der russ. Milliardäre aufgeführt. 2009 erwarben die Strukturen Kanokovs einen Mailänder Handels- u. Unterhaltungskomplex mit geschätzten Kosten von 150 Mln. USD.
Politik: Ab 2003 war Kanokov Abgeordneter der 4. Staatsduma RF, Mitglied der "LDPR"-Fraktion. Ein Jahr später wechselte er zur Partei "Einiges Russland". Er war stv. Koordinator des Südlichen Koordinierungsrats der Partei "Einiges Russland", stv. Vorsitzender des Duma-Ausschusses für Haushalt u. Steuern sowie Mitglied der Duma-Kommission für die Probleme des Nordkaukasus.
In Kabardino-Balkarien wurde Kanokov als Philanthrop u. Sponsor verschiedener Kulturprogramme bekannt. Auf seine Kosten wurden in Nalchik eine Grossmoschee gebaut, ein Denkmal für die Opfer des Kaukasuskriegs errichtet, das Hotel "Intourist" u. das Restaurant "Elbrus" rekonstruiert. Ausserdem sponserte er den FC "Spartak-Nalchik". Bereits 1998-2003 war er Stv. des Ständigen Vertreters der Kabardino-Balkarischen Republik beim Präsidenten RF, Mukhamed Shogenov. Vom Sept. 2005 bis Dez. 2013 war Arsen Kanokov Präsident bzw. Oberhaupt der Kabardino-Balkarischen Republik. Im Okt. 2005 verübten Banditen einen bewaffneten Angriff auf die Hauptstadt Nalchik. Für Kanokov war der Überfall eine ernsthafte Prüfung. Wie der tschetschen. Terrorist s. Shamil Basaev später berichtete, blieb der neue Republikschef vom Angriff unbehelligt, weil er die Wiedereröffnung von Moscheen angeordnet hatte. 2007 u. 2012 war Kanokov Mitglied des Präsidiums des Staatsrats RF. 2010 wurde er für eine 2. Amtszeit zum Präsidenten der Kabardino-Balkarischen Republik wiedergewählt. Im Dez. 2013 trat er auf eigenen Wunsch von diesem Amt zurück. Noch im gleichen Monat wurde er Mitglied des Föderationsrats RF als Nachfolger von Fatima Ivanova. Bis Feb. 2016 war er Mitglied des Obersten Rats der Partei "Einiges Russland". Im Okt. 2014 wurde Jurij Kokov von den Abgeordneten des 5. Parlaments von Kabardino-Balkarien zum Oberhaupt der Republik gewählt. Dieser ernannte Arsen Kanokov für einen Zeitraum von 5 Jahren zum Vertreter der KB-Regierung im Föderationsrat RF. Sein Mandat als Senator wurde im Okt. 2019 von dem nächsten KB-Präsidenten Kazbek Kokov, Sohn von Jurij Kokov, für weitere 5 Jahre verlängert. Aus diesen Angaben ist zu schliessen, dass die Minirepublik im Nordkaukasus offenbar von einem Filz um Kokov-Kanokov mit guten Beziehungen zum Kreml kontrolliert wird. 2007 erhiet Kanokov von Präsident RF V. Putin den "Freundschaftsorden", 2017 den Alexander-Nevskij-Orden 2015 protestierte ein Mann auf offener Strasse in Moskau gegen Kanokov, dem Gesetzesbruch vorgeworfen wurde. Seine Tochter Madina Kanokova ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau.
Sanktionen:
Im Zusammenhang mit dem von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskrieg gegen die Ukraine wurde Kanokov im März 2022 wegen seiner "Unterstützung der Verletzungen der Souveränität u. der territorialen Integrität der Ukraine“ auf die Sanktionsliste Kanadas als "Verbündeter des [Putin-]Regimes“ gesetzt. Ende Sept. 2022 wurde er von den USA "wegen der Annexion von Gebieten der Ukraine durch Putin“ auf die Sanktionsliste gesetzt. Das Aussenministerium stellte fest, dass der russ. Senator "für die Genehmigung von Putins Antrag stimmte, Truppen in die Ukraine zu schicken, was als ungerechtfertigter Vorwand für eine umfassende russ. Invasion in der Ukraine diente“. Im Dez. 2022 wurde er auf die EU-Sanktionsliste gesetzt, weil er "Aktionen u. Massnahmen unterstützte u. umsetzte, die die territoriale Integrität, Souveränität u. Unabhängigkeit der Ukraine untergraben u. die Ukraine weiter destabilisieren“, u. insbes. weil er die Annexion der besetzten ukrain. Gebiete unterstützte. Aus ähnlichen Gründen steht sein Name auf den Sanktionslisten der Schweiz, Australiens,  Neuseelands u. der Ukraine.)

KANTEROV, Igor Jakovlevich (1938-2018, gew. sowjet. bzw. russ. Jurist u. Religionswissenschaftler mit Forschungsschwerpunkten Religionsgeschichte u. -wissenschaft, Atheismus, Katholizismus/Vatikan, neue religiöse Bewegungen/Sekten in Russland. Absolvent der Jurist. Fakultät der MSU, anderen Quellen zufolge der Jurist. Fakultät der Kazaner V.I. Uljanov-Lenin-Staatsuniversität mit der Qualifikation eines Rechtsanwalts, sowie der Aspirantur an der Philosoph. Fakultät der MSU. 1. Dissertation zum Thema "Kritik des katholischen Konzepts des sozialen Prozesses“ zur Erlangung des Grads eines Kandidaten der philosoph. Wissenschaften. Er erhielt den akadem. Titel eines ao. Professors in der Abteilung für Philosophie des Moskauer Regionalen Pädagog. Instituts namens N.K. Krupskaja. 1987 verteidigte er seine 2. Dissertation zum Doktor der Philosophie über das Thema "Kritische Analyse philosoph. u. theolog. Interpretationen des wissenschaftl. Atheismus: Über die Materialien des modernen Katholizismus" im Fachgebiet "Wissenschaftl. Atheismus". 1980-2006 war er Mitarbeiter des Instituts für Religionsphilosophie u. -wissenschaft der Philosoph. Fakultät der MSU. Während dieser Zeit war er Lehrbeauftragter für Lehrveranstaltungen an den Fakultäten für Geschichte u. Chemie sowie für spezielle Kurse an der Philosoph. Fakultät. Im Dez. 1990 erhielt er den akadem. Titel eines Professors an der Fakultät für Philosophie des Instituts für Umschulung u. Weiterbildung von Lehrern der Geistes- u. Sozialwissenschaften der MSU. Verdienter Professor der MSU /2010/. Bis 2013 war er Professor u. fungierte auch als stv. Leiter des Lehrstuhls. 1998-2007 stv. Vorsitzender des Sachverständigenrats für die Durchführung staatl. religiöser Gutachten beim Justizministerium RF u. 2007-9 stv. Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Durchführung staatl. Religionsgutachten bei Rosreestr. Ab Juni 2013 Professor der Abteilung für Geschichte u. Theorie der Politik an der Fakultät für Politikwissenschaft der MSU. In der Sowjetzeit engagierte sich Kanterov für die Förderung des sog. wissenschaftl. Atheismus, schrieb eine Reihe von Monographien u. Artikeln zu diesem Thema, u. las spezielle Kurse an der MSU über "Moderne nicht-traditionelle religiöse Bewegungen u. Kulte“, sprich Sekten. Er galt als einer der modernen sowjet. u. russ. Experten für Katholizismus u. die Aktivitäten des Vatikans u. verfasste zahlreiche Werke dazu, z.B zum Thema "Klerikalismus ist eine Ideologie der spirituellen Gewalt“. In den 2000er Jahren erschienen Bücher mit Titeln wie "Neue religiöse Bewegungen in Russland", "Religiöse Vereinigungen Russlands angesichts der Finanz- u. Wirtschaftskrise“ usw. Ausserdem war er Autor einer Reihe von Artikeln über Religionen u. Atheismus in verschiedenen enzyklopäd. Wörterbüchern.
Kontroverse Bewertung: Zunächst wurden seine früheren Aktivitäten in der Sowjetzeit zur Förderung des wissenschaftl. Atheismus u. sein Beitrag „zur Verteidigung des Sektierertums“ kritisiert. Von verschiedenen positiv gesinnten KollegInnen wurde Igor Kanterov als „führender Religionswissenschaftler“, Experte auf seinem Gebiet u. „berühmter Philosoph" gewürdigt, der einen bedeutenden Beitrag zur „Entwicklung der einheimischen Religionswissenschaft, zu einer Methodik der Untersuchung der Beziehungen zwischen dem Staat u. religiösen Vereinigungen“ in der russ. Religionswissenschaf u. zur Entwicklung des Problems der religiösen Bildung der Persönlichkeit u. der individuellen Religiosität“ in den russ. Religionswissenschaften geleistet habe.
Seine Werke hätten „den Grundstein für eine objektive, vorurteilsfreie Untersuchung des Phänomens der neuen Religiosität in Russland u. ihrer Rolle im modernen religiösen Leben der Gesellschaft gelegt“. Im postsowjet. Russland erhielt Igor Kanterov Kritik v.a. dafür, dass er staatliche religiöse Gutachten im Auftrag des Justizministeriums RF durchführte. 2001 bezeichnete Prof. M.N. Kuznecov von der Abteilung für Staatsaufbau u. Recht der RAGS beim Präsidenten RF Kanterov als „einen festen Marxisten-Leninisten ... skandalös bekannt in der Öffentlichkeit für seine unverhohlene Unterstützung asozialer religiöser Sekten. Insbesondere der Zeugen Jehovas.“ 2009 bezeichnete der Vorsitzende des Expertenrats s. Aleksandr Dvorkin Kanterov als „einen ehem. Propagandisten des wissenschaftl. Atheismus“, der „sein ganzes Leben lang die Religion im Namen einer einzigen wahren kommunist. Ideologie zerschmettert“ habe. Laut Dvorkin war Kanterov in der späteren Phase seiner Karriere arbeitslos u. musste „sich neue ideolog. Kunden suchen, die bereit waren, für Sektenschutzarbeit zu bezahlen". Dvorkin wies ferner darauf hin, dass Kanterov selbst zu Sowjetzeiten „den Begriff ‚Sekte‘ aktiv benutzte, als er zum Ruhm der KPdSU das Sektierertum u. alle Religionen zerschmetterte.“ A.S. Fetisov, Kandidat der Geschichtswissenschaften, hob 2011 in Bezug auf die Analyse der Entwicklung der religiösen Situation in Russland hervor, dass Kanterov eher zu den „typischen Autoren" derjenigen Richtung gehörte, die „religiöse Organisationen selbst - hauptsächlich orthodoxe" vertraten, die über das Schicksal ihrer eigenen Konfessionen besorgt" gewesen seien, u. weniger zur Gruppe, die echte "akadem. Wissenschaft u. Forschung" betrieben.)

KANTOR, Vjacheslav Moshe Vladimirovich II III IV V VI VII (1953-, sowjet. Luft- u. Raumfahrttechniker, russ., israelischer u. britischer Geschäftsmann, Milliardär, Kunstsammler. Absolvent des Moskauer Luftfahrtinstituts MAI, Doktorarbeit im Fachgebiet "Automatische Steuerung von Raumfahrzeugen", Kandidat der technischen Wissenschaften. In den späten 1980er Jahren errichtete Kantor ein Handelszentrum u. befasste sich mit dem Verkauf von Computerausrüstung u. deren Installation in Industrieunternehmen. 1989-93 war er Generaldirektor des russ.-amerikan. Unternehmens "Intelmas". In den 1990er Jahren erhielt er den Auftrag, eine Umweltprüfung im Chemiewerk "Azot" in Novgorod durchzuführen u. beteiligte sich an der Privatisierung von "Azot", das nach der Privatisierung in "Akron" umbenannt u. von einem Team unter der Leitung von Kantor geleitet wurde. 1994 wurde die Firma "Dorogobuzh", einer der grössten Hersteller von Mineraldünger im Gebiet Smolensk in das Unternehmen "Akron" aufgenommen. Ab 2021 besitzt Kantor über 94% der Anteile des Mineraldüngerherstellers "Akron". Im Jahr 2021 schätzte das "Magazin" Forbes Kantors Nettovermögen auf 7,5 Mrd. US-Dollar. 2005-9 war Kantorr Präsident des "Russian Jewish Congressu. 2007 wurde er Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses EJC, 2008 u. 2012 wurde er für dieses Amt wiedergewählt. Er betätigt sich international als Philanthrop u. war eines der Gründungsmitglieder der Stiftung "World Holocaust Forum" u. des European Jewish Fund. Kantor gehört zu den Grossspendern des Holocaust History Museum der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. An der Universität Tel Aviv richtete er ein "Center for European Jewish Cultural Studiesein. Laut der israel. Tageszeitung The Jerusalem Post von 2013 zählt/e er zu den weltweit einflussreichsten jüd. Persönlichkeiten. 2007 wurde er ferner zum Präsidenten des "International Luxembourg Forum on Preventing Nuclear Catastrophe" gewählt u. gründete ein Jahr später die NGO "Europäischer Rat für Toleranz u. Versöhnung" ECTR.
Sanktionen: Wegen der angebl. „Verbindung zu Putin“ steht er unter Sanktionen der EU, GB, der Schweiz u. Ukraine. Nach Beginn des von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine000 verhängte Grossbritannnien im April 2022 persönl. Sanktionen gegen Kantor als grössten Anteilseigner von "Acron", einem Unternehmen von strateg. Bedeutung für die russ. Regierung. Im Sommer 2022 übertrug Kantor einen Anteil von 45,1% an "Akron" an 3 Top-Manager u. hörte formell auf, Eigentümer einer Mehrheitsbeteiligung zu sein. Nur 40,9% blieben unter der Kontrolle des Unternehmers. Kantor habe keine offiziellen Positionen bei "Akron" inne, aber Experten, die von Kommersant befragt wurden, glauben, dass er das Unternehmen immer weiterhin leitet. Im April 2022 verhängte auch die EU Sanktionen gegen Kantor u. die italien. Behörden beschlossen, 11 Villen des Geschäftsmanns an der Costa Smeralda im Norden Sardiniens zu beschlagnahmen - eine von ihnen soll früher der Mutter des ehem. italien MP s. Silvio Berlusconi gehört haben. Der Europäische Jüdische Kongress reagierte bestürzt auf die Verhängungen von Sanktionen gegen Kantor u. rief zu einer Rücknahme der Entscheidung auf. Wenige Tage später gab der EJC die Demission Kantors bekannt.)

KAPPELER Andreas II III (1943-, Schweizer u. österreich. Historiker, emeritierter Professor für Osteuropäische Geschichte an der Universität Wien. Studium der Geschichte, Slavistik u. Osteuropäischen Geschichte an den Universitäten Zürich uWien. Promotion über Ivan Groznyj an der Universität Zürich, Habilitation im Fach Osteuropäische Geschichte über die an der Volga lebenden ethnischen Gruppen. Ehem. verantwortlicher Herausgeber der Jahrbücher für Osteuropäische Geschichte. Kappelers Forschungsschwerpunkt umfasst das Russland der Neuzeit mit besonderem Augenmerk auf die unterschiedlichen Nationalitäten des vormodernen Zarenreichs. Er gilt als Spezialist für die Geschichte der Muslime in Russland uZentralasien. Als einer der ersten Historiker im deutschsprachigen Raum begann er bereits in den 1980er Jahren, sich mit der Geschichte der Ukraine zu beschäftigen, mit Schwerpunkt auf die ehem. habsburgischen Gebiete der heutigen Ukraine / Galizien. Mitglied der Ukrain. Akademie der Wissenschaften, der Tschuwasch. Akademie der Wissenschaften u. der Österreich. Akademie der Wissenschaften. Als Hauptwerke Kappelers gelten "Russlands erste Nationalitäten" /1981/, "Russland als Vielvölkerreich" /1992, 2008/, "Kleine Geschichte der Ukraine" /1994, 2014/, "Russische Geschichte" /1997, 2016/, "Die Kosaken" /2013/. Des weiteren befasst er sich mit vergleichender Geschichte Russlands u. der Ukraine, mit Geschichtsrevisionismus unter V. Putin, u.a.m.)

KARA-MURZA, Vladimir Alekseevich II III IV (1959-2019, gew. sowjet. Historiker u. Geschichtslehrer, russ. Journalist, TV- u. Radiomoderator. Absolvent der Fakultät für Geschichte der Staatsuniversität Moskau mit dem Titel "Lehrer für moderne Geschichte“. Der Vater Aleksej Sergeevich Kara-Murza war Historiker u. Frontjournalist, der in seinen Werken über die Schlacht von Stalingrad berichtete. Die Mutter, Maija Voldemarovna Kara-Murza, geb. Bisenieks -, war die Tochter des lettischen Revolutionärs Voldemars Bisenieks, der ein Bruder des lettischen Politikers u. Diplomaten, Konsul Lettlands in Leningrad, erster Botschafter Lettlands in GB Georg Bisenieks war, der beschuldigt wurde, die Ermordung Sergej Kirovs geplant zu haben, u. 1941 erschossen wurde. Aufgrund dieser Tatsache galt sie als Verwandte eines Volksfeinds u. konnte in der Sowjetzeit kein Institut betreten. Das Stigma des "Volksfeinds" lastete somit nachhaltig auf der ganzen Familie, zumal V.A. Kara-Murza ein lautstarker Kritiker von Leonid Brezhnev u. ein Befürworter der Reformen unter s. Boris Elcyn war. Der Sohn aus erster Ehe ist der Politiker u. Publizist s. Vladimir Vladimirovich Kara-Murza. In der Sowjetzeit nahm er an den Aktivitäten der Moskauer Kunstgruppe "Mukhomory“ teil, gab 1982-92 Privatunterricht in Geschichte u. arbeitete als Hausmeister u. Heizer. In den 1990er Jahren war V.A. Kara-Murza Mitarbeiter des Informationsdiensts der Fernsehgesellschaft "NTV" sowie Autor u. Moderator des Programms "Heute um Mtternacht" auf diesem Kanal. 1996 wurde er mit dem Preis "Goldene Feder Russlands" der Union der Journalisten Russlands für seine beruflichen Aktivitäten ausgezeichnet. In den 2000er Jahren war er Aktivist der Menschenrechts-Gesellschaft "Memorial". 2000-2 war er Autor u. Moderator der wöchentl. Geschichtssendung "Zeuge des Jahrhunderts", die auf "NTV" u. dann auf "TV-6" ausgestrahlt wurde. 2007 wurde er Mitglied der Russ. Fernsehakademie. Während des aggressiven, feindseligen u. ausufernden Konflikts zwischen dem Eigentümer des Unternehmens " NTV", s. Vladimir Gusinskij, u. seinem Hauptgläubiger "Gazprom", angezettelt von V. Putin, kam V.A. Kara-Murza in der Nacht des 14. April 2001 in die Redaktion des Senders im TV-Zentrum Ostankino , wo er in eine harte Debatte mit Vertretern von "Gazprom" eintrat. Noch am selben Tag verfasste er zusammen mit einer Gruppe führender NTV-Journalisten ein Kündigungsschreiben u. wechselte zum Sender "TNT", von wo er wenig später in die Belegschaft von s. Boris Beresovskijs "TV-6" wechselte. Die letzte Sendung auf "TV-6" fand am 21. Jan. 2002 statt, eine Stunde bevor der Betrieb auf Anordnung der Gerichtsvollzieher eingestellt wurde. Nach der Schliessung von "TV-6" trat Kara-Murza zusammen mit anderen Journalisten in die Belegschaft des neu gegründeten Kanals "TVS" ein, der im März 2002 den Rundfunkwettbewerb gewann u. Anfang Juni mit der Ausstrahlung der Programme begann. Bis 2003 war Kara-Murza Moderator verschiedener Sendungen auf diesem Kanal. Die letzte Sendung auf "TVS" fand am 19. Juni 2003 statt. Der "TVS"-Kanal wurde auf Anordnung des Presseministeriums RF abgeschaltet. 2003-8 war er Moderator der Newssendung "Jetzt in Russland“ auf dem Sender RTVi. Von Dez. 2011 bis März 2012 war er Moderator der Sendung "Das Wichtigste der Woche mit Vladimir Kara-Murza“ im öffentl.-rechtl. Fernsehen. Im Radio war Kara-Murza auf den Kanälen "Ekho Moskvy" u. "Radio Free Europa / Radio Liberty / Svoboda" bis 2018 zu hören. Ausserdem schrieb er von 2014-19 eine kritische Kolumne über das moderne russ. Fernsehen u. seine Moderatoren in der Zeitung Sobesednik. Seit 2000 war Kara-Murza ein Kritiker von Präsident RF V. Putin u. der russ. Behörden. 2004 wurden V.A. Kara-Murza u. sein Sohn Mitbegründer des oppositionellen "Komitees 2008: Freie Wahl“. Im selben Jahr sagte er: „Da ich eine historisch gebildete Person bin, glaube ich, dass das Regime in seiner jetzigen Form bis 2008 nicht bestehen kann“. Er irrte sich u. es kam bekanntlich noch schlimmer. Der Annexion der Krym durch Russland im März 2014 stand er ablehnend gegenüber. 2018 war er Vertrauter von s. Grigorij Javlinskij bei der russ. Präsidentschaftswahl dieses Jahres. In seinen letzten Lebensjahren war Vladimir Kara-Murza schwer krank, erlitt mehrere Schlaganfälle u. starb 60-jährig im Juli 2019 in Moskau. Sein Sohn s. Vladimir Vladimirovich Kara-Murza setzte, von den russ. Behörden immer wieder schwer behindert, die Arbeit im Geiste seines Vaters fort.) 

KARA-MURZA, Vladimir Vladimirovich II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV (NZZ) XV XVI XVII XVIII XIX XX (1981-, sruss. Oppositionspolitiker, TV-Journalist, Regisseur, Publizist. Die Familie Kara-Murza stammte von tatarischen Aristokraten ab – tatarisch: kara mirza: schwarzer Prinz , die sich in Moskau niederliessen u. im 15. Jh. zum Christentum konvertierten. Sein Urgrossvater war der Moskauer Anwalt Sergej Kara-Murza /1876-1956/. Der Grossvater Aleksej Kara-Murza /1914-88/ heiratete nach dem 2. WK Maija Biseniece, Tochter des lettischen Revolutionärs Voldemars Bisenieks, der ein Bruder des lettischen Politikers u. Diplomaten, Konsul Lettlands in Leningrad, erster Botschafter Lettlands in GB Georg Bisenieks, war, der beschuldigt wurde, die Ermordung Sergej Kirovs geplant zu haben, u. 1941 erschossen wurde. Während ein Bruder des Vaters seiner Grosstante der lettische Botschafter in GB Georgs Bisenieks war, ist V.V. Kara-Murza ist also ein Urenkel von Voldemar Bisenieks. Seine Grosseltern tatarischer Herkunft waren in einem Gulag-Lager inhaftiert, zwei seiner Urgrosseltern starben dort. V.V. Kara-Murza ist der Sohn des 2019 verstorbenen russ. Journalisten u. TV-Moderators s. Vladimir Alekseevich Kara-Murza, einem lautstarken Kritiker Leonid Brezhnevs u. Befürworter der Reformen unter s. Boris Elcyn. In Moskau besuchte er eine französ. Sonderschule. 1997 zog V.V. Kara-Murza mit seiner jüdischen Mutter Elena Gordon nach London, GB, wo er das Trinity Hall College der Universität Cambridge absolvierte u. 2003 seinen BA- u. MA-Abschluss in Geschichte erhielt. Eines seiner Hauptthemen war die Geschichte der sowjet. Dissidentenbewegung; seine Dissertation war der Staatsduma des Russ. Reiches gewidmet. Er u. seine Frau Evgenija sprechen fliessend Französisch. Er besitzt die russ. u. britische Staatsangehörigkeit. 1997-2000 war er Korrespondent der Zeitung Novye izvestija, 2000-4 Korrespondent u. Kolumnist des Verlagshauses "Kommersant", 2002 Chefredaktor des Wirtschaftsmagazins Russian Investment Review. 2004-12 war er Leiter des Büros der Fernsehgesellschaft "RTVi" in Washington, USA. Er war der einzige russ. Journalist, der die Übergabe der Gerichtsvorladung zum "Fall Jukos“ an den Finanzminister RF s. Aleksej Kudrin filmte, der als erster ein TV-Interview mit dem Geschäftsmann s. Sergej V. Kolesnikov führte, der über den "Putin-Palast“ am Schwarzen Meer sprach.
Politik: 1999-2001 war Kara-Murza Mitglied der Partei "Demokrat. Wahl Russlands", 2001-8 der "Union der Rechten Kräfte" SPS, 2000-3 Berater des Vorsitzenden der SPS-Fraktion in der Staatsduma RF, s. Boris Nemcov. Bei den Parlamentswahlen vom Dez. 2003 kandidierte er als Einzelkandidat von den Parteien SPS u. "Jabloko" im Tschertanovskij-Wahlkreis Nr. 204 in Moskau für die Staatsduma RF. Während des Wahlkampfs versuchte das Team des Kandidaten der Partei "Einiges Russland", s. Vladimir Gruzdev, Kara-Murza von den Wahlen zu verdrängen - seine Werbetafeln wurden abgedunkelt, im Zuge von TV-Debatten wurde "aus technischen Gründen“ der Ton abgeschaltet bzw. ihm das Wort nicht erteilt; am Abstimmungstag wurden "Karussells“, eine Methode der Wahlfälschung, angewendet. Im Buch des britischen Journalisten s. Andrew Jack "Inside Putin’s Russia“ wurde der Tschertanovskij-Distrikt als Beispiel für Manipulationen bei den russ. Wahlen 2003 angeführt. Laut den offiziellen Wahlergebnissen erhielt Gruzdev 53,78%, Kara-Murza 8,59% u. der Kandidat der KPRF 6,85%. Im Jan. 2004 waren V.V. Kara-Murza u. sein Vater Mitbegründer des oppositionellen "Komitees 2008: Freie Wahl“. Im Mai 2007 initiierte V.V. Kara-Murza die Nominierung des Schriftstellers u. Menschenrechtsaktivisten s. Vladimir Bukovskij als Präsidentschaftskandidaten der demokrat. Opposition für die Wahl 2008 u. war Koordinator der entsprechenden Initiativgruppe von 2007, der bekannte Oppositionelle u. Kritiker wie s. Viktor Shenderovich, s. Andrej Piontkovskij, s. Vladimir Pribylovskij u. Aleksandr Podrabinek angehörten. Im Okt. 2007 war Kara-Murza einer der Organisatoren der "Kundgebung der Freien Menschen“ zur Unterstützung von Bukovskijs Kandidatur auf dem Triumfalnaja-Platz in Moskau. Am 22. Dez. weigerte sich die Zentrale Wahlkommission RF, Bukovskij zur Wahl zuzulassen. Auf dem SPS-Kongress vom Dez. 2007 wurde Kara-Murza in den Föderalen Polit. Rat gewählt. Ende Sept. 2008 trat er aus Protest gegen den Eintritt der Partei in das Kremlprojekt "Rechte Sache" aus der SPS aus. Auf dem Gründungskongress der Vereinigten Demokrat. Bewegung "Solidarität“ vom Dez. 2008 wurde er zum Mitglied des Föderalen Polit. Rats gewählt. Im März 2010 unterzeichnete er den Aufruf der russ. Opposition "Putin muss gehen“. Seit 2011 beteiligte er sich an Protestaktionen, die unter dem Motto "Für faire Wahlen!“ stattfanden. 2011 wurde V.V. Kara-Murzas Buch "Reformen oder Revolution: Zur Geschichte eines Versuchs der Bildung eines verantwortlichen Ministeriums in der Ersten Staatsduma“ in Moskau u. St. Petersburg vorgestellt. Das Buch erzählt von der Bemühung der Konstitutionellen Demokrat. Partei der Kadetten, die die Wahlen zur 1. Duma gewann, im Frühjahr-Sommer 1906 eine parlamentar. Mehrheitsregierung zu bilden. Das Buch wurde von der Partei "Jabloko" herausgegeben. Von Feb. bis Mai 2011 verhandelte Kara-Murza im Namen der russ. Opposition im US-Kongress "Über die Erweiterung der Kategorien von Personen, die Visumsanktionen unterliegen“, im Rahmen des Gesetzentwurfs von s. Sergej Magnickij "Über Verantwortung u. Rechtsstaatlichkeit“, der ein Einreiseverbot in die USA u. das Einfrieren von US-Finanzvermögen für russ. Beamte vorsieht, die für „grobe Menschenrechtsverletzungen“ verantwortlich sind. Im Rahmen der Förderung des "Magnitsky Act" hielt er zusammen mit Boris Nemcov, s. Mikhail Kasjanov u. s. Garry Kasparov Treffen mit Mitgliedern des US-Kongresses ab. Auf dem Vereinigungskongress der "PARNAS" vom Juni 2012 wurde Kara-Murza in den Föderalen Polit. Rat gewählt. Im Okt. 2012 wurde er in den Koordinierungsrat der russ. Opposition gewählt, wo er auf der "Civil activists list" den 21. Platz belegte.
Entlassung "Berufsverbot": Als im Frühjahr 2012 die Kontrolle über RTVi von s. Vladimir Gusinskij auf Ruslan Sokolov, den ehem. Leiter der staatl. Medienholding "Zvezda", überging, wurde V.V. Kara-Murza Anfang Sept. von der neuen Leitung des TV-Senders entlassen; bereits im Juli wurde seine journalist. Akkreditierung auf Anordnung des russ. Botschafters in den USA, s. Sergej Kisljak, widerrufen. Botschaftssprecher Evgenij Khorishko begründete diese Entscheidung damit, dass Kara-Murza „kein Journalist mehr ist“. Nach den Informationen, die Boris Nemcov erhielt, „wurde der Befehl zur Entlassung Kara-Murzas persönlich vom 1. stv. Leiter der Präsidialverwaltung RF, s. Aleksej Gromov, erteilt. Gromov warnte alle Medien, einschliessl. die sog. unabhängigen Medien, dass es besser wäre, den Journalisten Kara-Murza nicht einzustellen, um Ärger zu vermeiden. Dies war der erste Fall in der neueren Geschichte des Landes eines quasi vollständigen Berufsverbots für einen /prominenten u. oppositionellen/ Journalisten. Kara-Murza selbst bestätigte die Existenz der "schwarzen Liste“: „Jeder einzelne Medienmanager, mit dem ich gesprochen habe - einige von ihnen boten bis vor kurzem selbst eine Zusammenarbeit an -, sagte höflich, dass eine Zusammenarbeit jetzt unmöglich ist. ... “. Sowohl Kara-Murza als auch Nemcov verbanden das "Berufsverbot“ mit der aktiven Beteiligung des Journalisten an der Ausarbeitung u. Förderung des "Magnickij-Gesetzes“.
Im Aug. 2013 wurde Kara-Murza auf der von Boris Nemcov angeführten "RPR-PARNAS"-Liste als Kandidat für die Abgeordneten der Gebietsduma von Jaroslavl registriert; beim Einreichen der Unterlagen wurde er jedoch aufgrund der von ihm angegebenen doppelten Staatsbürgerschaft von den Wahlen ausgeschlossen. Nemcov versprach, die Nichtzulassung Kara-Murzas vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anzufechten. Im Dez. 2013 reichte Kara-Murza beim EGMR eine Beschwerde wegen Verletzung seines Rechts auf Teilnahme an Wahlen ein. Die Beschwerde wurde vom Europäischen Gericht im Mai 2017 veröffentlicht.
Vergiftung 2015: Am 26. Mai 2015 ass V.V. Kara-Murza zusammen mit einem Kollegen von der Partei "PARNAS" in einem Restaurant im Zentrum Moskaus zu Mittag u. traf sich anschliessend im Gebäude des staatl. Medienunternehmens "Rossija Segodnja" mit 2 anderen Kollegen. Während der Sitzung mit ihnen wurde es Kara-Murza plötzlich schlecht. Zuerst beschleunigte sich sein Herzschlag, dann begann das Erbrechen. Als der Krankenwagen eintraf, war der Mann praktisch bewegungsunfähig. Die Ärzte dachten zunächst an einen Herzinfarkt, diagnostizierten später aber ein akutes Nierenversagen aufgrund einer Vergiftung. Kara-Murza wurde zuerst ins Davydovskij-Spital eingeliefert, u. am Abend desselben Tages wurde er in die kardiologische Bakulev-Klinik verlegt, wo die Vorbereitung der Operation begann. Laut Vadim Prokhorov, dem Anwalt Kara-Murzas, kam ein bekannter Herzchirurg, Mikhail Alshibaja, ins Krankenhaus u. sagte: „Was machen Sie da? Das Herz ist in Ordnung, das ist eine Vergiftung!" u. stoppte die Operation. Es wurde beschlossen, den Patienten in das Pirogov-Spital einzuliefern. Am 27. Mai wurde er ins 1. Stadtkrankenhaus verlegt. Kara-Murzas Lunge, Herz, Nieren u. Leber begannen zu versagen. Am 28. Mai wurde er von der kardiolog. Abteilung auf die 6. Intensivstation dieses Krankenhauses verlegt. Am 29. Mai fand eine Beratung statt, an der ein Mitarbeiter des medizin. Komplexes "Assuta" aus Israel teilnahm. Es wurde entschieden, auf eine Behandlung im Ausland zu verzichten u. damit in Moskau fortzufahren. Die Behandlung im 1. Stadtkrankenhaus wurde unter der Leitung des stv. Chefarztes für Wiederbelebung, des bekannten Chefreanimationsarztes von Moskau, Denis Procenko, eines Mitglieds des Obersten Rats der Partei "Einiges Russlands", fortgesetzt. An Kara-Murzas Körper wurden 8 Geräte zur künstlichen Lebenserhaltung angeschlossen. Am 2. Juni holten die Ärzte Kara-Murza kurzzeitig aus dem künstlichen Koma; dieser erkannte seine Frau. Der Chefarzt des 1. Stadtkrankenhauses teilte mit, dass sich der Zustand des Journalisten stabilisiert habe, es aber zu früh sei, um über bedeutende Erfolge zu sprechen, der Patient selbst halte den Druck aus. Am 3. Juni erlangte Kara-Murza laut seinem Vater das Bewusstsein wieder, obwohl er kaum sprechen konnte. Am 15. Juni konnte V.V. Kara-Murza von der Intensivstation in die therapeut. Abteilung verlegt werden. Am 5. Juli war er wieder so bei Kräften, dass er mit dem Flugzeug in die USA fliegen konnte. Die Kosten für die Evakuierung u. Behandlung wurden von s. Mikhail Khodorkovskij übernommen. In den USA unterzog sich Kara-Murza einer 6-monatigen Rehabilitation. Nach seiner Rückkehr nach Russland ging er einige Zeit mit einem Stock. Kara-Murza ist sich sicher, dass er aus Rache für seine oppositionellen Aktivitäten vergiftet wurde, insbes. für seine Lobbyarbeit im Westen für Sanktionen gegen russ. Beamte im Zusammenhang mit der Ermordung Sergej Magnickijs im Nov. 2009 in Moskau, der Krym-Annexion im März 2014 u. der Ermordung von Boris Nemcov Ende Feb. 2015 in Moskau. Eine in Frankreich durchgeführte Untersuchung ergab eine erhebliche Überschreitung der Norm für den Gehalt an Schwermetallen im Körper Kara-Murzas. Gleichzeitig konnte die in Russland auf Wunsch von Kara-Murza durchgeführte gerichtsmedizin. Untersuchung nicht bestätigen, dass es sich um eine Vergiftung handelte. Im Dez. 2015 reichte Kara-Murza beim Untersuchungskomitee RF einen Antrag ein, in dem er darum bat, ein Strafverfahren nach Art. 30 u. 105 StGB RF wegen "versuchten Mordes" einzuleiten.
Im Juli 2015 wurde Kara-Murza zum stv. Vorsitzenden der "Partei der Volksfreiheit / PARNAS" gewählt. Als ein von ihm eingebrachter Resolutionsentwurf am Parteitag vor den Parlamentswahlen RF 2016 mit dem Vorschlag scheiterte, auf die Einbeziehung des Nationalisten s. Vjacheslav Malcev in die Kandidatenliste der Partei zu verzichten, trat Kara-Murza als stv. Vorsitzender der Partei zurück u. verliess ihre Reihen. Im Mai 2016 wurde er Vorstandsvorsitzender der "Boris Nemcov Stiftung für die Freiheit".
Vergiftung 2017: Am 2. Feb. 2017 wurde V.V. Kara-Murza mit denselben Vergiftungssymptomen wie 2015 in kritischem Zustand in das S.S. Judin-Spital in Moskau eingeliefert. Zu dieser Zeit war derselbe D.N. Procenko, der Kara-Murza 2015 behandelt hatte, Direktor dieses Krankenhauses. Am 13. Feb. wurde Kara-Murza von der Intensivstation in die therapeut. Abteilung verlegt. Am 19. Feb. wurde er aus dem Spital entlassen. Danach absolvierte er eine Rehabilitation im Ausland. Proben von Blut, Haaren u. Nägeln Kara-Murzas wurden zur toxikolog. Analyse nach Frankreich, Israel u. in die USA geschickt. Im Herbst 2018 wurde bekannt, dass sich das FBI weigerte, die Ergebnisse der durchgeführten Labortests zu veröffentlichen. Im April 2018 nahm das Untersuchungskomitee RF die Ermittlung der Vergiftung Kara-Murzas wieder auf. Sein Anwalt Vadim Prokhorov brachte das erwachende Interesse Grossbritanniens an diesem Fall mit der Vergiftung der Skripals in Verbindung. Eine im Feb. 2021 veröffentlichte journalist. Expertise von "Bellingcat" sprach von einer möglichen Beteiligung an der Vergiftung Kara-Murzas 2015 u. 2017 u. an dem Giftanschlag auf s. Aleksej Navalnyj im Aug. 2020 durch dieselbe FSB-Gruppe. Im Mai 2021 wurde bekannt, dass die Moskauer Verwaltung des Untersuchungskomitees sich weigerte, ein Strafverfahren im Fall der Vergiftung des Journalisten Vladimir Kara-Murza in den Jahren 2015 und 2017 einzuleiten.
Im Juli 2019 übernahm Kara-Murza das Amt des Vizepräsidenten der 2014 gegründeten "Free Russia Foundation", die von russ. Bürgern gegründet u. in den USA registriert wurde. Die Foundation wurde in der RF bereits im Juni als sog. unerwünschte Organisation /Nr. 16/ erklärt. Vom Sept. 2019 bis Feb. 2022 war Kara-Murza als Moderator der Sendung "Грани недели" im Radiosender "Ekho Moskvy" zu hören.
Strafverfolgung u. Haftverurteilung 2022: Seit Beginn des russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine im Feb. 2022 ist V.V. Kara-Murza Mitglied des Antikriegskomitees Russlands. Am 11. April 2022 wurde er für 15 Tage festgenommen, am 22. April verhört, woraufhin das Bezirksgericht Basmannyj den Politiker in eine Untersuchungshaftanstalt überstellte. Es wird angenommen, dass der Grund der jurist. Verfolgung Kara-Murzas dessen Rede im Repräsentantenhaus von Arizona vom 15. März über das „Putin-Regime“ war, in der der Politiker „Bombenabwürfe auf Wohngebiete, Krankenhäuser u. Schulen“ in der Ukraine erwähnte. Am 22. April 2022 fügte das Justizministerium RF Kara-Murza der Liste der sog. "ausländ. Agenten“ hinzu. Am 12. Aug. weigerte sich das Bezirksgericht Zamoskvoreckij in Moskau, den Politiker aus dem "Register der ausländ. Agenten" zu streichen. Am 7. Okt. 2022 wurde V.V. Kara-Murza wegen "Landesverrats" bzw. "Staatsumsturz" angeklagt. Dem Politiker drohten wegen Verbreitung von "Falschnachrichten über die russ. Armee" bis zu 10 Jahre Haft /s. Gesetz über "Falschnachrichten über die Armee" nach Art. 207.3 StGB RF/. Am 10. Okt. 2022 wurde Vladimir Kara-Murza mit dem "Václav-Havel-Menschenrechtspreis" /II III/ ausgezeichnet. Am 17. April 2023 wurde Vladimir Kara-Murza von einem Moskauer Gericht wegen "Falschinformation", "Hochverrats" u. Zusammenarbeit mit einer "unerwünschten Organisation" zu 25 Jahren Staflager verurteilt /II/. Nach der Verurteilung äusserte sich seine Ehefrau Evgenija Kara-Murza u. sein Advokat Vadim Prokhorov in "Stimme Amerikas". Seine Frau Evgenija will den Kampf weiterführen /Bund Abo/. Ende  Jan. 2024 erschien im Onlineportal von "Nastojashchee vremja" ein Beitrag, in dem ein Menschenrechtler, der Leiter der Organisation "Russland hinter Gittern“ - eine deutsche juristische Person der Stiftung "Rus‘ Sidjashchaja" - namens Jurij Borovskikh in einer Sendung von "Nastojashchee vremja" über die harten Bedingungen berichtete, unter denen Kara-Murza sich in einer speziellen Isolationszelle im Lager IK-7 in Omsk befand, das als "Folterkolonie" bekannt ist. Ende Juli 2024 wurde berichetet, dass nach der Verlegung von zahlreichen polit. Gefangenen in Russland nach Angaben der Anwälte von V.V. Kara-Murza jede Spur fehle.
Freilassung u. Ausreise in den Westen: Am 1. Aug. 2024 wurde V.V. Kara-Murza mit anderen russ. u. ausländ. Geiselhäftlingen im Rahmen eines grossen Gefangenenaustauschs /II III IV/  zwischen Russland u. dem Westen freigelassen. Während sich seine Familie zu diesem Zeitpunkt im Oval Office aufhielt, traf Kara-Murza
nach dem Austausch in Bonn ein. Am 2. Aug. schilderte er auf einer Pressekonferenz in Bonn /II III/ die Umstände des Austauschs. Der Politiker flog aus Russland in „Unterhosen, einem Unterhemd u. Gummipantoffeln zum Duschen“, überquerte die Grenze mit einem Inlandspass, während ein Auslandspass u. eine Entlassungsbescheinigung nicht ausgestellt worden seien. Kara-Murza sagte, er sei gezwungen gewesen, einen Aufruf an den Präsidenten RF zu schreiben u. ihn um Begnadigung zu bitten, aber er habe dies abgelehnt. Er stellte fest, dass Art. 61 der Verfassung RF die Ausweisung von Bürgern der RF ohne deren Zustimmung verbietet, die Kara-Murza nicht gegeben habe. Im Sept. 2024 wurde Kara-Murza in der ZDF-Sendung "Lanz" für ein längeres Gespräch zugeschaltet. An dieser Stelle sagte er, dass Putin ein Mörder sei, auf dessen Befehl sowohl Boris Nemcov als auch Aleksej Navalnyj ermordet worden seien.) Anfang Okt. 2024 erschien Kara-Murza mit seiner Frau Evgenija in der TV der französischsprachien Schweiz "RTS", wo sie in fliessendem Französisch ein Interview /II/ gaben. Kara-Murza möchte nach Russland zurückkehren.) 10.24 / 02.25

KARA-OOL, Sholban Valerevich II III IV (1966-, sowjet. bzw. russ. Philosoph, Politologe u. Soziologe tuwinischer Nationalität, Politiker u. ehem. Oberhaupt der Republik Tyva/Tuva. Nach seinem Dienst in der Sowjetarmee in Afghanistan absolvierte er Studien der Philosophie, Politologie u. Soziologie an der Philosoph. Fakultät der Uralischen Staatsuniversität mit einem Abschluss in Philosoph.-Polit. Wissenschaften u. dem Lehrerdiplom für gesellschaftspolit. Wissenschaften an Hochschulen. 1996-8 war er stv. Vorsitzender der Stiftung zur Unterstützung der Familien der Toten, Behinderten u. Kriegsveteranen des Afghanistankriegs. Im April 1998 wurde er zum Abgeordneten u. dann zum Vorsitzenden des Obersten Khurals der Republik Tyva gewählt. Seit 1998 war er von Amts wegen Mitglied des Föderationsrats RF, stv. Vorsitzender des Ausschusses für internationale Angelegenheiten. Im Dez. 2001 wurde er erneut zum Abgeordneten des Obersten Khurals der Republik Tyva der 3. Einberufung gewählt. Im März 2002 kandidierte er für die Wahl des Oberhaupts bzw. des Regierungschefs der Republik Tyva, verlor die Wahl jedoch gegen den ehem. Präsidenten von Tyva, Oorzhak Sherig-ool. Später war er 1. stv. Vorsitzender der Regierung der Republik Tyva u. bis Jan. 2005 Minister für Handel, Verbraucherdienste u. Geschäftsentwicklung der Republik Tyva. Als der Präsident RF V. Putin im April 2007 die Kandidatur Sholban Kara-ools beim Parlament der Republik Tyva unterstützte, wurde er im April vom Grossen Khural von Tyva im Amt des Oberhaupts der Republik bzw. des Vorsitzenden der Regierung der Republik Tyva für 5 Jahre bestätigt. Die Einweihung fand im Mai statt. 2007-8 war er Mitglied des Präsidiums des Staatsrats RF. Eine der ersten Massnahmen, die Sholban Kara-ool in diesem Amt traf, war die vollständige Rehabilitierung des Gründers der tuwinischen Staatlichkeit Mongush Buyan-Badyry per Dekret des Oberhaupts von Tyva vom Juli 2007. Mehrere Jahre lang wurde ein Projekt entwickelt u. umgesetzt, um ein Denkmal für ihn zu errichten. Im Sept. 2014 fand schliesslich die feierliche Eröffnung des Denkmals statt, gleichzeitig verbunden mit der Feier des 100. Jahrestags der Einheit von Tyva u. Russland, die in Kysyl unter Beteiligung von Präsident Putin abgehalten wurde. Nach geltendem Recht hatte die Partei "Einiges Russland“, deren Mitglied des Obersten Rats Kara-ool war, dem damaligen Präsidenten RF s. Dmitrij Medvedev 3 Kandidaten für das Amt des Oberhaupts von Tyva für die nächste 5-jährige Amtszeit vorgeschlagen. Medvedev wählte Kara-ool aus u. reichte im Feb. 2012 dessen Kandidatur zur Prüfung durch die Abgeordneten des Parlaments von Tyva ein, um seine Amtszeit zu verlängern. Anfang März billigte der Oberste Khural die Kandidatur Kara-ools einstimmig. 2015 war er erneut Mitglied des Präsidiums des Staatsrats RF. Als Oberhaupt bzw. Gouverneur von Tyva Initiierte er eine Reihe von Projekten, die darauf abzielten, die dringendsten Probleme seiner Republik zu lösen, mit Prioritäten in der Familien-, Bildungs-, Gesundheits- Sport- u. Landwirtschaftspolitik. Dazu gehörten auch die Reparatur der Landebahn des Flughafens in Kysyl, ein "Jahr der Gastfreundschaft der Tuviner“, die Gründung eines "Vereins der Ingenieure", einer "Vereinigung der Mathematiker", die Förderung der russ. Sprache in der Republik Tyva, der "Bau eines buddhistischen Tempels", u.a. Im Mai 2016 trat Kara-ool auf eigenen Wunsch vorzeitig zurück, um im Sept. desselben Jahres vorgezogene Neuwahlen anzusetzen. Später wurde er erneut zum Oberhaupt der Republik Tyva gewählt u. bekleidete diesen Position bis 7. April 2021. Präsident Putin akzeptierte seinen Rücktritt vom Amt des Oberhaupts der Republik Tyva, der auf dessen eigenen Wunsch erfolgte. Sein Nachfolger wurde Vladislav Khovalyg von der Partei "Einiges Russland“, ehem. Bürgermeister von Kyzyl. Seither fungiert Kara-ool als stv. Vorsitzender der 8. Staatsduma RF.
Kritik u. Sanktionen: Vom "Forum Freies Russland" wird ihm öffentl. Unterstützung für den von Putin im Feb. 2022 entfesselten
russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine vorgeworfen. Er ist in der sog. "Putin-Liste" erwähnt, die vom "Forum" erstellt wurde, das internationale Sanktionen gegen diese Personen anstrebt. Bereits am 25. Feb. 2022 wurde er vor dem Hintergrund der russ. Invasion in der Ukraine als Reaktion auf die Entscheidung Russlands, die ukrain. Gebiete Doneck u. Lugansk als unabhängig anzuerkennen, u. die Entscheidung, russ. Truppen dorthin zu entsenden, auf die Sanktionsliste der EU-Länder gesetzt. Aus dem selben Grund wurde er im März 2022 auf die britische Sanktionsliste gesetzt. Im Sept. 2022 wurde er als Reaktion auf die "fiktiven Referenden“ u. die "Annexion ukrain. Gebiete durch russ. Besatzungstruppen“ auf die US-Sanktionsliste der USA gesetzt. Im Feb. 2023 wurde er auf die Sanktionsliste Kanadas der russ. "Regimeverbündeten“ gesetzt, weil er "für Gesetze im Zusammenhang mit der Invasion u. der versuchten Annexion von 4 Regionen der Ukraine gestimmt hatte“. Aus ähnlichen Gründen steht sein Name auf den Sanktionslisten der Schweiz, Australiens, Neuseelands, Japans u. der Ukraine.
Auch Angehörige seiner Familie waren oder sind politisch u. sozial engagiert: Sein Vater als Schuldirektor u. Vorsitzender des Dorfrats dreier Dörfer, seine Mutter als Aktivistin der Frauenbewegung, ein Bruder als Abgeordnete des Obersten Khurals, ein anderer Bruder als Vorsitzender der Regionalgruppe der Partei "Einiges Russland“ im Parlament von Tyva. Die Ehefrau ist ausgebildete Ärztin u. Unternehmerin. Diesem Artikel ist hinzuzufügen, dass Putin mit seinem Kumpel, Verteidigungsminister s. Sergej Shojgu, der ebenfalls aus Tyva stammt, in diesem Land wiederholt seinen Urlaub verbrachte.)


KARAGANOV, Sergej Aleksandrovich 2010-17: II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVI XXVII XVIII  2018-22: II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX (1952-, sowjet. bzws. russ. kremlnaher Ökonom, Historiker u. Politikwissenschaftler.Absolvent der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der MSU mit Studienabschluss der Volkswirtschaftslehre u. je einer Dissertation zur Erlangung des akadem. Grads eines Kandidaten der Geschichtswissenschaften – zum Thema "Transnationale Unternehmen u. US-Aussenpolitik" im Fachgebiet Geschichte der internationalen Beziehungen u. Aussenpolitik – u. eines Doktors der Geschichtswissenschaften zum Thema "Die Rolle u. Stellung Westeuropas in der US-Strategie gegenüber der UdSSR 1945-1988“. In der Sowjetzeit absolvierte er einen Stage bei der UN-Mission der UdSSR u. arbeitete am "Institut der USA u. Kanadas" der AdW der UdSSR sowie am "Europa-Institut" der AdW der UdSSR u. befasste sich als Wissenschaftsjournalist mit dem Afghanistankrieg u. der Rolle des KGB dort. Seine wissenschaftl. Interessen beziehen sich auf die Aussen- u. Militärpolitik der UdSSR / Russlands, Beziehungen zwischen Russland u. dem Westen in den Bereichen Politik, Wirtschaft u. Sicherheit sowie globale Politik, internationale Integration, Globalisierung, USA u. GB. Zu diesen Themen hielt er Vorlesungen u. Vorträge an verschiedenen russ. u. ausländ. Universitäten u. Forschungsinstituten. 1989-91 war er offizieller Experte des Ausschusses für auswärtige Beziehungen des Obersten Sowjets der UdSSR, ab 1991 Mitglied des Rats für Aussenpolitik des Aussenministeriums RF. In den 1990er Jahren war Karaganov Vorsitzender des Präsidiums des Rats für Aussen- u. Verteidigungspolitik RF, Mitglied des Wissenschaftl. Beirats des Sicherheitsrats RF, Mitglied des Beirats beim Vorsitzenden des Föderationsrats RF, Co-Vorsitzender des Kuratoriums der "Stiftung für die Entwicklung des Parlamentarismus in Russland", ferner Co-Vorsitzender des "Russ.-Ukrain. Forums, aktuell "Public Business Council of Russia-Ukraine" genannt, Mitglied weiterer russ. Gremien u. internationaler Organisationen. Seit 2001 Berater des stv. Leiters der Verwaltung des Präsidenten RF für Aussenpolitik, ausserdem wissenschaftl. Beirat des Sicherheitsrats RF, wissenschaftl. Beirat des Aussenministeriums RF u. des Menschenrechtsrats beim Präsidenten RF, Mitgründer des Valdaj-Klubs, Gründer u. Vorsitzender der Redaktion der Zeitschrift Russland in der globalen Politik u. Mitglied der Redaktion des Magazins Politia. Seit 2002 Akadem. Leiter der Fakultät für Weltwirtschaft u. Weltpolitik an der Wirtschafshochschule Moskau, 2006-18 Dekan seiner Fakultät an dieser Schule. Im Nov. 2004 wurde er dem Rat beim Präsidenten RF vorgestellt, um die Entwicklung zivilgesellschaftl. Institutionen u. Menschenrechte zu fördern. Seit 2018 Academic Supervisor derselben Fakultät. Autor u. Herausgeber von 17 Büchern u. Broschüren, Veröffentlichung von über 250 Artikeln zur Wirtschaft, Aussenpolitik, Rüstungskontrolle, nationalen Sicherheitsstrategie, russ. Aussen- u. Militärpolitik. Seine Artikel u. Bücher wurden in Russland, D, F, GB, NL, SF, DK, GR u. den USA veröffentlicht.
Geostrateg. Positionen, Ideen u. Thesen:
Neo-Imperialismus: Nach dem Zusammenbruch der UdSSR entwickelte Karaganov die sog. Karaganov-Doktrin des Neo-Imperialismus, nach der Moskau sich als Verteidiger der Menschenrechte ethnischer Russen im nahen Ausland, wie etwa der baltischen Staaten, ausgeben sollte, um in diesen Regionen polit. Einfluss zu gewinnen. Da die UN die Entwicklungsdefizite nicht auffangen könne, sei die Lösung in einer multipolaren Welt mächtiger Staaten zu sehen, denn der Versuch der USA, sich als einziger Pol durchzusetzen, laufe faktisch auf ein „amerikanisches Imperium" hinaus. Obwohl die militär. Macht der USA noch unerreicht sei, reiche dies für die absolute Vorherrschaft nicht mehr aus, denn ihre Wirtschaft sei nicht mehr so umfassend dominant u. vital wie in den 1940er Jahren. Multipolarität alleine sei allerdings eher konfliktverursachend, es müsste zusätzlich noch ein Konsens der Mächte erreicht werden. Dabei benutzte Karaganov den Begriff des „kollektiver Neo-Imperialismus". Dafür solle die UN-Charta überarbeitet werden.
Grossraum Eurasien: Als Vertreter des sog. Eurasismus plädiert Karaganov für eine enge Zusammenarbeit Russlands mit China u. eine Zusammenführung der Eurasischen Wirtschaftsunion mit dem Projekt der Neuen Seidenstrasse. Russland habe dabei die Chance, zu einem euras. Zentrum zu werden, das v.a. als Exporteur von Rohstoffen, Produzent energieintensiver u. einiger hochtechnischer Produkte sowie als Sicherheitsgarant für den Kontinent fungieren könne. Die EU würde sich möglicherweise den einschlägigen euras. Organisationen wie der Euras. Wirtschaftsunion, der Shanghaier Organisation für Zusammenarbei u. den ASEAN-Staaten anschliessen. Dies würde gleichzeitig einem Verzicht auf US-Hegemonie gleichkommen u. dem von der UN vertretenen Prinzip der Gleichberechtigung entsprechen, das von den USA zugunsten globaler Hegemonie verlassen worden sei. Das Schwergewicht wirtschaftl. Aktivität verschiebe sich sowieso nach Asien u. damit nach Eurasien. Ein Gross-Eurasien werde so einem Gross-Amerika gegenüberstehen, Russlands relative ökonom. Schwäche würde durch die wirtschaftl. Stärke Eurasiens ausgeglichen.
Sowjetunion u. Autoritarismus: Eine Rückkehr zur Sowjetunion ist für Karaganov unvorstellbar, denn diese habe ein „schreckliches Trauma" hinterlassen. Russland müsse stärker werden, um demokratischer werden zu können. Der Autoritarismus Russlands sei zwar nicht ursprünglich, sondern Ausdruck seiner Bedürfnisse u. des Willens seiner Menschen. Er sei immer notwendig gewesen, um das riesige Reich mit seinen zahlreichen Grenzen gegen Angreifer zu verteidigen. Nicht-autoritäre Herrscher seien gescheitert u. entthront worden, es sei ein Wunder, dass das Land das Jahr 1991 langfristig überlebt habe. V. Putin sei ein autoritärer Führer geworden, weil das Land es verlangt hätte. Die Demokratie sei nur als ein möglicher – u. langfristig instabiler – Weg aufzufassen, um komplexe Gesellschaften zu regieren, er selbst gehe davon aus, dass Europa autoritärer u. Russland demokratischer werde. Hybride Mischformen würden sich durchsetzen, Russlands Vorstellung von Demokratie sei nicht universalistisch, jedes Land könne sein System selbst bestimmen. Eine kapitalist. Entwicklung sei nicht an die Demokratie gebunden, sondern an Gesetzesherrschaft, wie etwa die legalen Traditionen Chinas u. dessen momentane starke Entwicklung es zeigten. Autoritäre Systeme seien effektiver u. könnten langfristiger planen, ihre Gefahr sei aber die Stagnation. Russland bewege sich auf einen nicht-westlichen Typ der Demokratie zu, es werde in Zukunft demokratischer sein als viele heutige westliche Länder. Die Mentalität des russ. Volkes jedoch sei im Kern autoritär, das könne bedauert, aber nicht geändert werden u. sei ein Erbe der Mongolenherrschaft.
Nuklearwaffen, Russland als Grossmacht: 2010 warnte Karaganov vor dem Gedanken, dass nukleare Abrüstung zu mehr Sicherheit führe; im Gegenteil: weniger Nuklearwaffen würden nukleare Kriege eher leichter führbar machen, da man dann auf Abwehrmöglichkeiten hoffen könne. Der Gedanke nuklearer Vernichtung sei zwar unmoralisch, habe aber grosse Kriege verhindert. Atomwaffen seien das Feld, auf dem Russland nach wie vor als "Supermacht“ agieren könne u. in internationalen Verhandlungen ernst genommen werden müsse. 2012 begrüsste er die konventionelle u. atomare Aufrüstung Russlands, die zur Statuserhaltung notwendig sei. Zwar könne ein grossräumiger Angriff auf die Atommacht Russland ausgeschlossen werden, keine der anderen Mächte sei diesbezüglich eine reelle Bedrohung. Aber für niedrigschwellige Konflikte, wie etwa der Westen sie verantworte, brauche man ein mobiles u. hochprofessionelles konventionelles Militär, dessen Konzeption nicht mehr auf grosse Landkriege ausgerichtet wäre. Die entsprechenden Reformen verliefen sehr erfolgreich u. Russland nehme wieder eine Rolle als Schlüsselgarant des internationalen Friedens ein. Zwar wäre es sehr viel besser, auch über technologische, wirtschaftliche, kulturelle u. spirituelle Stärke zu verfügen, das sei aber eine spätere Aufgabe. Zuerst müsse das Militär reformiert werden. 2016 wies er darauf hin, dass Russland eine weitere Destabilisierung der Welt verhindern wolle. Russland wolle aber den Status einer Grossmacht. Es könne darauf leider nicht verzichten, denn dieser Status sei in den vergangenen 300 Jahren zum Teil seines Erbguts geworden. Russland möchte aber das Zentrum eines grossen Eurasien sein, einer Zone von Frieden u. Zusammenarbeit.
NATO:
Die Verlegung von Waffen u. Militäreinheiten der NATO ins Baltikum sei „idiotisch", denn im Falle eines Konflikts würden sie vernichtet, da Russland nie wieder auf eigenem Territorium kämpfen werde. Sollte die NATO eine Aggression gegen die Atommacht Russland beginnen, werde sie bestraft werden. Die NATO sei ein aggressives Bündnis. Sie mache auch viele Länder unsicherer, weil sie sie automatisch zu Feinden Russlands mache u. anti-russ. Gefühle stärke. Die NATO sei ein Problem, eine Krankheit Europas, die geheilt werden sollte. Der Westen habe einen neuen "Kalten Krieg" begonnen, u. zwar dadurch, dass er „gierig" die Hand nach früheren Besitztümern der Sowjetunion ausgestreckt habe u. auch versuche, Chinas Aufstieg einzudämmen. Die jetzige Zeit sei gefährlicher als im vergangenen "Kalten Krieg". China u. Russland seien aber die neuen Garanten weltweiter Sicherheit, China auf ökonom. Ebene, Russland auf militärischer. Die USA destabilisierten die Lage. Mit Eurasien u. den USA würden sich letztendlich zwei Hauptzentren der Macht herausbilden, während Europa kein solches Zentrum werden könne. Einige Teile Europas würden sich vielmehr Eurasien anschliessen, andere den USA. Dadurch, dass es gelungen sei, westliche Pläne zu kontern, die Ukraine zu einem NATO-Mitglied zu machen, habe Russland einen Krieg verhindert.
In seinem Beitrag mit dem Titel "Nur der Einsatz von Atomwaffen kann die Menschheit vor einer globalen Katastrophe retten für das russ. Magazin
Profile wies Karaganov im Juni 2023 darauf hin, dass nur ein präventiver Einsatz von Atomwaffen dem Westen klarmachen könne, wie gefährlich Russland wirklich ist: Diese Angst muss wiederbelebt werden. Sonst ist die Menschheit dem Untergang geweiht." Erst dann könne man den Konflikt zwischen Russland und dem Westen beilegen. Das würde nach seiner Lesart heissen, dass die Menschheit erst durch den Einsatz von russ. Atomwaffen vor einer globalen Katastrophe retten /II russ. III russ./. Solche krankhaften Analysen sind äusserst gefährlich, denn ein Putin könnte tatsächlich auf den falschen Ratschlag eines Karaganov "hören".

Programm zur Entstalinisierung der russ. Gesellschaft: Anfang Feb. 2011 schlug eine von Karaganov geleitete Arbeitsgruppe bei einem Treffen des Rats des Präsidenten RF für die Entwicklung der Zivilgesellschaft u. der Menschenrechte ein Programm zur „Entstalinisierung der Gesellschaft“ vor. Karaganovs diesbezügl. Artikel „Nicht Entstalinisierung, sondern Modernisierung des Bewusstseins“, erschienen in Nezavismaja gazeta, wurde als Erläuterung des Projekts „Über die Fortsetzung der Erinnerung an die Opfer des totalitären Regimes u. über die nationale Versöhnung“ geschrieben. Die Gesellschaft könne „nicht beginnen, sich selbst u. ihr Land zu respektieren, wenn sie die schreckliche Sünde von siebzig Jahren Kommunismus-Stalinismus-Totalitarismus vor sich selbst verbirgt". Es brauche ein Gesetz, das den  öffentl. Dienst von Beamten, die in den Jahren des Totalitarismus begangene Verbrechen öffentlich leugnen oder gar rechtfertigen, verbiete. Es sei „notwendig, die wahre russ. Identität u. Selbstachtung wiederherzustellen, ohne die es unmöglich sei, voranzukommen." Der - im Solovjov-TV jeweils konfuse Ideen äussernde - berüchtigte Anführer der ultrakonservativen polit. Bewegung "Wesen der Zeit“ s. Sergej Kurginjan kritisierte Karaganovs Artikel u. warf ihm vor, „einen Bürgerkrieg angezettelt“ zu haben. Im Juli 2013 stellte Karaganov bei RIA Novosti einen Programmentwurf zum Thema „Verewigung der Erinnerung an die Opfer polit. Repression“ vor, das im Rahmen des Projekts "Istoricheskij pamjat: XX vek" /Hyperlink nicht mehr akrtiv/ durch eine Arbeitsgruppe beim Präsidenten RF zur Entwicklung der Zivlgesellschaft u. der Menschenrechte betreut wird.
2021: In diesem Jahr sah Karaganov die Weltpolitik an einer Wasserscheide angekommen. Ein neuer "Kalter Krieg" habe bereits begonnen, jedoch würden ihn Russland u. China vereint gewinnen. Mit China verbinde Russland fast eine Allianz, aber Russland habe auch gute Beziehungen zu Indien, den arabischen Staaten, dem Iran u. den EU-Staaten Österreich u. Ungarn aufgebaut. Man dürfe seine Souveränität allerdings nicht an China verkaufen, wie Europa es gegenüber den USA getan habe. Es sei zu hoffen, dass die chines. polit. Klasse niemals auf die Idee komme, etwas gegen Russland zu unternehmen. Jeder, der Russland dominieren wollte, sei gescheitert. Man könne Russland nicht beherrschen. Sollte China sich aufgrund seiner Macht irgendwann imperialistisch ausdehnen wollen, würde es auf den Widerstand grösserer Staaten treffen, darunter Russlands selbst. Die USA hätten sich durch 3 Fehler selbst geschwächt, darunter die Ablehnung Russlands als enger Alliierter des Westens u. die sinnlosen Kriege in Afghanistan u. im Irak. Vor allem aber sei der Irrglaube zu nennen, China würde durch Demokratisierung zur Zugehörigkeit zum Westen geführt werden. Binnen kurzer Zeit würde China nuklear genauso stark sein wie die USA u. das wäre das Ende ihrer Hegemonie. Russland habe nach dem Untergang der UdSSR auf eine russ. Ideologie zur Selbstvergewisserung verzichtet. Dies gelte es zu korrigieren, da grosse Mächte nicht ohne Ideen existieren könnten. Für Russland müsse diese Idee die Entwicklung Sibiriens werden u. die Erkenntnis beinhalten, dass man Teile seiner Kultur historisch nicht Europa verdanke, sondern den Mongolen u. damit Asien. Die europäische Epoche Russlands sei vorbei, die eurasische beginne. Man brauche nichts mehr von Europa, auch keinen Rat.
Putin-Doktrin: Mittels „konstruktiver Zerstörung" solle die bisherige Sicherheitsarchitektur Europas aufgehoben werden. Dieses Vorgehen lasse sich als Putin-Doktrin verstehen. Die Ende 2021 im Vorfeld des Ukrainekriegs erfolgte ultimative Aufforderung Russlands an die NATO u. primär an die USA /NZZ/, den Aufbau militär. Strukturen nahe Russland generell zu unterlassen u. im Rahmen von verbindlichen, schriftlichen u. langfristigen Sicherheitsgarantien auf jegliche Erweiterung im Osten zu verzichten, sei der Beginn dieser konstruktiven Zerstörung der seit 1990 bestehenden Ordnung in Europa, die durch eine andere Art von Beziehungen mit dem Westen ersetzt werden solle. Die "Charta von Paris" u. die "Nato-Russland-Grundakte" seien aus russ. Schwäche heraus geborene Fehler gewesen. Komm.: In diesen considerations fehlt ein Verständnis für die osteuropäischen Länder, sich unter den Schutz der NATO zwecks Absicherung ihrer staatl. Souveränität zu begeben, vollständig. Sie stellen lediglich einen Ersatz für den ehem. Sowjetimperialismus dar, wobei das Bündnis mit China u. der Widerstand gegen die westl. Hegemonie durch die USA neu hervorgehoben werden sollen. Die Strategie des aktuellen Vorgehens Russlands sieht laut Karaganov u. der Putin-Doktrin vor, sich von einem im Niedergang befindlichen Europa abzuwenden u. sich China u. dem sich entwickelnden Asien zuzuwenden. Mit den europäischen Staaten könne später über den Wiederaufbau freundlicher Beziehungen zwecks deren Integration in ein grösseres Eurasien verhandelt werden. Ferner scheint diese Doktrin dem Glauben anzuhängen, dass die USA niemals Atomwaffen gegenüber einer anderen Atommacht einsetzen würden, um Europa zu schützen.
Ukrainekrise u. -krieg 2022: Karaganov gilt als einer der ideolog. Vordenker innerhalb russ. Führungskreise, dessen Vorstellungen über die Ukraine u. die Entstehung des Konflikts mit denjenigen V. Putins weitgehend übereinzustimmen scheinen. Kurz vor Beginn des von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine hatte Karaganov eine Eroberung der Ukraine u. die Herrschaft über ein zerstörtes Land mit feindlich eingestellter Bevölkerung noch als "Worst-Case-Szenario" betrachtet u. angegeben, dass nicht Russland mit militär. Handlungen beginnen würde u. Moskau keinen Krieg wolle. Die Ukraine solle als Pufferstaat erhalten bleiben. Er glaube auch nicht, dass tatsächlich russ. Invasionspläne bestünden, in die Ukraine einzumarschieren. Russland baue lediglich eine Drohkulisse auf, um den Donbass vor einem Angriff zu schützen. Der Gedanke, Russland würde nach Kiev vorstossen wollen, bezeichnete er als kompletten "Nonsense". Die Ukraine werde nicht bedroht, sondern sei ein „Freund Russlands". Der Truppenaufmarsch an den Grenzen der Ukraine solle allein den Westen nervös machen.
 Wie Putin gab er dann den verschiedenen NATO-Erweiterungen die Schuld für den Konflikt u. die Invasion der Ukraine 2022. Ziel der Militäroperation seien "Denazifizierung" u. Demilitarisierung der Ukraine, der er wie Putin nur sehr eingeschränkte nationale Traditionen u. Staatlichkeit zusprach. Denkbar sei darum eine Aufteilung der Ukraine unter verschiedenen Staaten. 3 Wochen nach Kriegsbeginn gab Karaganov an, dass er den ukrain. Präsidenten s. Wolodymyr Zelenskyj „natürlich nicht“ für einen Nazi halte, jedoch könne Nationalsozialismus nicht allein mit Antisemitismus identifiziert werden, sondern generell mit der Herabwürdigung anderer Nationen. Genau dies geschehe eben in der Ukraine /mit den Russen/, die sich seiner Meinung nach in die gleiche Richtung wie Hitlerdeutschland entwickle. In Europa gleiche die Russophobie seit längerem dem Antisemitismus zwischen den Weltkriegen, die gesamte russ. Kultur werde verteufelt u. "gecancelt". Die Krise rund um die Ukraine bewertete er als sehr gefährlich, da die Gefahr eines Weltkriegs mit thermonuklearer u. Cyperkriegführung real sei. Dann würde alle Geschichte enden u. es würde auch keinen 4. Weltkrieg mehr geben. Offenbar geht es um einen Krieg Russlands gegen die NATO, die ein Krebs" sei, der metastasiere" u. eine ständige Konfrontation zur Eigenstabilisierung brauche. Ein möglicher NATO-Aufmarsch in der Ukraine sei eine existentielle Bedrohung Russlands, die man besser früher als später angehe. Man sei faktisch bereits im Krieg mit dem Westen. Dennoch sei mit dem Westen ein freundschaftliches Auskommen möglich, solange dieser nicht von Ultra-Feminismus" u. LGBT-Kult" regiert werde. Hoffentlich würden vernünftige Kräfte" den Westen vor dem Fall in einen moralischen Abgrund" bewahren. Verlieren werde ausser der Ukraine also auch Europa – u. auch Russland. Der Ukrainekonflikt werde auch Auswirkungen auf die russ. Gesellschaft haben, aber man werde diese im nationalen Sinne militant umformen u. nicht-patriot. Elemente aus der russ. Elite entfernen. Die Ukraine dürfe nach Krigsende nur begrenzt u. im Rahmen der Zustimmung Russlands bewaffnet bleiben. Die gesamte Sicherheitsarchitektur Europas nach 1990 sei "illegitim" u. müsse nach den Interessen Russlands umgearbeitet werden, die frühere russ. Zustimmung zur NATO-Ost-Erweiterungen sei ein schwerer Fehler gewesen. Ausserdem behauptete er, die Zivilbevölkerung in der Ukraine werde von den russ. Truppen mit grosser Schonung  behandelt - von russ. Kriegsverbrechen, in Russland selbst tabuisiert, war freilich keine Rede -, das Massaker von Butscha hätte gar nicht stattgefunden, sondern sei gestellt u. eine Provokation" gewesen. Komm.: Mit diesen Aussagen hatte Karaganov, der sonst als ein intelligenter Akademiker mit interessanten Denkansätzen betrachtet werden kann, seine Glaubwürdigkeit komplett verspielt.
Seine "Analyse" setzte Karaganov fort, indem er behauptete, die Annäherung Europas an Eurasien werde nun erstmals nicht stattfinden, womöglich aber in 10 Jahren. Auch das Verhältnis Chinas gegenüber Russland schätzte er etwas pessimistischer ein als früher. Insgesamt erlebe man eine wichtige Zeit, die Globalisierung sei beendet u. die Demokratie in Europa würde in bekannter Form aufgrund absehbar fortgesetzter Schocks wohl nicht überleben. Die Ukraine sei lediglich eine auszuschaltende Gefahr u. eine Last für Russland, für die man keine ökonom. Ressourcen verschwenden solle. Der Aufbau Sibiriens würde Siedler" aus der Ukraine anziehen, gemeint waren wohl deportierte ukrain. Staatsbürger aus den eroberten u. besetzten Gebieten, die Russland aus der Ukraine dorthin gewaltsam verschleppte u. umsiedelte - dies wurde schon unter Stalin praktiziert.
Russland sei gezwungen, diesen Krieg zu gewinnen. Würde Russland allerdings entgegen seinen Erwartungen im Ukraine-Krieg einen „Nichtsieg oder eine vermeintliche Niederlage“ davontragen, so würde das eine existenzielle Bedrohung für Russland bedeuten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine direkte Konfrontation mit den USA eskalieren würde. Ein Atomwaffeneinsatz sei dann nicht mehr auszuschliessen u. liege in der Logik eines solchen Konflikts. Komm.: Es scheint, dass Karaganov bei seinen vermutlich auf Fehleinschätzungen basierenden Feststellungen eigentlich nur die tagespolit. geprägten u. mit grausamen Lügen des Putin-Regimes vollgestopften Unkenrufe aus dem Kreml in tumbem Opportunismus nachvollzieht u. dabei wohl ständig hintenherhinkt. Mit seiner Putin unterstützenden Haltung macht sich Karaganov für den Krieg seines Landes gegen die Ukraine unweigerlich mitverantwortlich.
Kritik: So wie Karaganov seine euras. Vorstellungen für realist. Geopolitik hält, gibt es aber auch in Russland selbst nicht wenige Experten, die die Plausibilität seiner Theorien bezweifeln. Nadezhda Arbatova vom Institut für Weltwirtschaft u. internationale Beziehungen u. Direktorin am Europa-Institut der RAW hält Karaganovs Ideen für überoptimistisch, überspannt u. spekulativ. Thomas F. Remington vom "Davis Centre for Russian and Eurasian Studies" der Universität Harvard wies auf diverse Widersprüche in Karaganovs Erkenntnissen bzw. Hoffnungen hin. So gebe es z.B. keinerlei Hinweise darauf, dass China bereit sei, als ein mit Russland geteiltes Kondominium aufzutreten oder die verkehrstechnische Erschliessung Sibiriens in seine Strategie zu integrieren oder zu finanzieren. China setze auf bilaterale Verständigung mit einzelnen Staaten, ohne russ. Sonderwünsche nach multilateralen regionalen Organisationen zu berücksichtigen. Der russ. Oppositionspolitiker s. Andrej Piontkovskihielt Karaganov 2017 für einen versteckten Warner vor einer zu aggressiven Politik gegenüber der Ukraine, denn er habe in einem Artikel Putin für die Annexion der Krym von 2014 überschwänglich gelobt. Es sei hingegen möglich, dass der kremlnahe Karaganov zu jenen gehöre, die keinen russ.-ukrain. Krieg wünschten. Dennoch forderte etwa s. Vladislav Inozomcev den Westen auf, Karaganov neben anderen grossruss. Ideologen mit Sanktionen zu belegen. Nachdem Karaganov 2023 den Einsatz von Atomwaffen gegen den Westen vorschlug, um ihn von seiner Unterstützung der Ukraine abzubringen, zweifelten einige Experten an seinem Verstand. Während es durchaus Unterstützung für die Positionen Karaganovs gibt,
wurde von dritter Seite darauf verwiesen, selbst Putin habe den Vorschlag Karaganovs Mitte Juni 2023 öffentlich als „gefährlich“ zurückgewiesen u. gesagt, dass es „derzeit“ keine Notwendigkeit für einen Einsatz von Atomwaffen gebe.
Sanktionen: Im Jan. 2023 wurde Karaganov im Zusammenhang mit der russ. Invasion in der Ukraine auf die Sanktionslisten der Ukraine gesetzt, wobei der Nationale Sicherheits- u. Verteidigungsrat feststellte, dass "S. Karaganov in seinen Reden auf der Notwendigkeit besteht, die "ukrain. Frage" durch bewaffnete Aggression zu lösen“. Im Feb. 2023 wurde er auf die Sanktionsliste Kanadas wegen Beteiligung an der Verbreitung russ. Desinformation u. Propaganda gesetzt. Im Juni 2023 wurde er auf die Sanktionsliste der EU-Länder gesetzt, weil er Massnahmen unterstützte, die die territoriale Integrität, Souveränität u. Unabhängigkeit der Ukraine untergraben u. bedrohen. Die EU stellte fest, dass Karaganov "die russ. Invasion rechtfertigte u. russ. Propaganda über den Krieg verbreitete, indem er behauptete, der Westen wolle Russland zerstören u. dass die Militäroperaton auf die Entnazifizierung der Ukraine u. die Befreiung des Donbass abziele“. Aus ähnlichen Gründen unterliegt er auch australischen Sanktionen.)

KARAKESHISHEVA, Elena Nikolaevna (russ. Richterin am Meshchanskij-Bezirksgericht  in Moskau. Vom "Forum Freies Russland", das die "Putin-Liste" erstellt, wird ihr Umsetzung polit. Repression unter Verwendung offizieller Positionen vorgeworfen. Im April 2021 verurteilte die Richterin Pavel Grin-Romanov, einen 23-jährigen Teilnehmer an einer Kundgebung zur Unterstützung von s. Aleksej Navalnyj, zu 3 Jahren u. 6 Monaten Gefängnis. Dieser wurde nach Art. 318 Teil 2 StGB RF beschuldigt, Ende Jan. während einer nicht genehmigten Protestaktion am Komsomolskaja-Platz duch Sprühen von Pfefferspray ins Gesicht Gewalt gegen ein namentlich bekanntes Mitglied der Nationalgarde im Zusammenhang mit der Ausübung seiner offiziellen Pflichten angewandt zu haben. Anfang Feb. wurde er verhaftet. Richterin Karakeshisheva weigerte sich bei der Prüfung des Falls, offensichtliche Ungereimtheiten in dem Fall zu berücksichtigen, die auf die falsche Angaben hinwiesen, die der Geschädigte dem Gericht vorgelegt hatte, u. weigerte sich auch, Zeugen vorzuladen u. der Verteidigung Beweise beizufügen. In dem vom Untersuchungsausschuss veröffentlichten Video war deutlich zu sehen, dass der Nationalgardist einen Helm mit heruntergeklapptem Visier trug. Dennoch bestand die Ermittlung darauf, dass das Opfer eine chemische Verbrennung ersten Grades an den Augen u. der Bindehaut hatte. Im Juli 2021 reduzierte das Moskauer Stadtgericht die Strafe für Pavel Grin-Romanov auf 3 Jahre in einer Strafanstalt mit allgemeinen Vollzug.)

KARAMAN, Aleksandr Akimovich II III IV (1956-, sowjet. bzw. moldavisch-transnistrischer Arzt, Politiker der nicht anerkannten Transnistrischen Republik Moldau PMR u. der selbsternannten sog. "Volksrepublik Doneck" im Donbass, Ostukraine. Absolvent das Staatl. Institut für Medizin von Chiºinãu mit einem Abschluss in Chirurgie u. Neuropathologie. In den 1990er Jahren war er sowohl als Arzt wie als Politiker in Transnistrien als Abgeordneter des Provisor. Obersten Rats der selbsternannten Transnistrischen Moldauischen Sozialist. Sowjetrepublik u. als 1. Vizepräsident der PMR /1991-2001/ neben s. Igor Smirnov als Präsident tätig. Im Dez. 2001 wollte er für das Amt des Präsidenten der PMR kandidieren, wobei die Zentrale Wahlkommission seine Bewerbung annullierte. 2002 wurde Karaman per Dekret des Präsidenten der PMR Igor Smirnov zum Bevollmächtigten Vertreter des Präsidenten PMR in der RF u. der Republik Belarus im Rang eines Ministers ernannt, was er bis zur Präsidentschaftswahl 2011 blieb. Zur gleichen Zeit absolvierte er ein Fernstudium an der Russ. Akademie für öffentl. Verwaltung beim Präsidenten RF mit einem Abschluss in Rechtswissenschaften u. einer Dissertation zum Thema "Schöpfung u. Entwicklung von staatl. Einheiten auf dem Territorium der ehem. UdSSR als Beispiel für nicht anerkannte Staaten: Transnistrien, Abchasien, Südossetien u. Berg-Karabach“ zur Erlangung des Titels eines Kandidaten für Politikwissenschaften. Gleichzeitig war er Berater des Vorsitzenden des Obersten Rats der PMR, Berater des Sonderbeauftragten des Obersten Rats der PMR für interparlamentar. Beziehungen u. Berater des Präsidenten der PMR in Rechtsfragen. Mit der Machtübernahme des neuen Präsidenten Evgenij Shevchuk im Jan. 2012 wurde Karaman ein arbeitsloser Oppositionspolitiker. Er gründete u. leitete die transnistrische Partei "Rodina" - de facto ein Zweig der gleichnamigen allruss. Partei - auf der Grundlage von Vereinigungen von Teilen der  transnistrischen Parteien "Respublika"," Narodnaja Volja" u. "Patriot. Partei". Auf die vereinigte Oppositionspartei wurde administrativer Druck ausgeübt; so wurde ihre Website auf dem Territorium der PMR von allen transnistrischen Anbietern ohne Gerichtsentscheidungen oder schriftl. Anweisungen der Behörden gesperrt, der Zugriff war nur durch Umgehung der Sperrung möglich. 2017-19 war Karaman dann wieder Bevollmächtigter Vertreter des Präsidenten PMR in der RF. Während der Ukrainekrise von 2014 schloss sich Karaman dem Team von s. Vladimir Antjufeev an u. kam im Juni 2014 nach Doneck, wo er im Juli im Rang eines stv. Vorsitzenden des Ministerrats für soziale Angelegenheiten Teil der Regierung der selbsternannten "Volksrepublik Donezk" wurde, für 2 Wochen im Aug. auch Aussenminister. Ab Mai 2015 war er Vorsitzender der Staatl. Kommission für die Wiederherstellung des sozialen Bereichs, der kritischen Objekte u. der Organisation der Arbeit mit humanitären Gütern, die dem Verwaltungszentrum für die Wiederherstellung der DVR unterstellt war. Ende Mai 2015 leitete die Staatsanwaltschaft der "DVR" ein Strafverfahren gegen Aleksandr Karaman ein, bei dem er der Entführung von Menschen beschuldigt wurde. Im Juni 2016 setzte die Polizei von Doneck Karaman offiziell auf die Fahndungsliste, weil er sich vor der Staatsanwaltschaft versteckte, u. veröffentlichte seine Fotos auf der Tafel der von der Polizei gesuchten Personen. Einer Version zufolge wurde die Einleitung des Straffalls von s. Aleksandr Zakharchenko persönlich aufgrund eines Streits über humanitäre Hilfe aus Russland initiiert - Karaman, der Vorsitzender der staatl. Kommission für den Empfang u. die Verteilung humanitärer Hilfe war, enthüllte die Fakten über den Diebstahl russ. humanitärer Hilfe durch den ehem. Leiter des Ministeriums für Arbeit u. Sozialpolitik der "DVR", Roman Ljagin. Karaman war gezwungen, überstürzt nach Russland abzureisen, wo er eine Stelle an der Fakultät für Verfassungs- u. Völkerrecht einer Universität in Belgorod erhielt.
Sanktionen: Wegen seiner Verbindung zu V. Antjufeev u. weil er angeblich den Schutz des stv. russ. MP s. Dmitrij Rogozin genoss, sowie wegen seiner Zusammenarbeit mit der "Regierung der Volksrepublik Doneck“, deren Massnahmen u. Strategien die territoriale Unversehrtheit, Souveränität u. Unabhängigkeit der Ukraine untergraben, wurde Karaman im Rahmen internationaler Sanktionen im Sept. 2014 auf die "Schwarze Liste" der EU
von Russen u. Belarussen gesetzt, die von Australien unterstützt wird. Die Schweiz erliess im Nov. 2014 Sanktionen gegen ihn, es folgten Kanada im Dez. 2014 u. die USA im März 2015, die ihn auf ihre Sanktionsliste der Specially Designated Nationals and Blocked Persons setzten.)

KARANDA, Pavel Leonidovich II III (1964-, sowjet. bzw. russ. Polizeibeamter u. Politiker, Innenminister der Republik Krym, Generalleutnant der Polizei. Absolvent der Omsker Polizeihochschule des Innenministeriums der UdSSR. 1985-2002 arbeitete er bei der Kriminalpolizei, Abteilung für organisierte Kriminalität. 2002 zum Leiter der Abteilung für innere Angelegenheiten in Murmansk ernannt, 2005 Leiter der Kriminalpolizei der Verwaltung für innere Angelegenheiten des Gebiets Murmansk, 2009 zum Leiter der Verwaltung für innere Angelegenheiten der Stadt Murmansk ernannt. 2010 übernahm er den Posten des 1. Leiters der Verwaltung für innere Angelegenheiten u. des Leiters der Kriminalpolizeiabteilung des Innenministeriums im Gebiet Murmansk. 2011 zum stv. Polizeichef des Innenministeriums RF für das Gebiet Vologda ernannt, ab 2013 stv. Leiter des Innenministeriums RF für das Gebiet Vologda als Polizeichef. Per Dekret des Präsidenten RF wurde Polizeioberst Karanda Ende Okt. 2016 zum stv. Innenminister der Republik Krym u. Polizeichef u. im Nov. 2017 zum Generalmajor der Polizei ernannt. Per Dekret des Präsidenten RF im Sept. 2019 zum Innenminister der Republik Krym u. im Nov. 2020 zum Generalleutnant der Polizei ernannt.
Kritik: Vom "Forum Freies Russland", das die "Putin-Liste" erstellt, wird Karanda Komplizenschaft u. direkte Verwaltung der besetzten Gebiete der annektierten Autonomen Republik Krym unter Verletzung etablierter Normen des Völkerrechts, einschliessl. Nichteinhaltung der territorialen Integrität der Ukraine vorgeworfen. Karanda leitet in leitenden Positionen in Strafverfolgungsbehörden direkt die Exekutive der Besatzungsverwaltung der Krym u. ist direkt verantwortlich für die Verletzung der territorialen Integrität der Ukraine sowie für die systematische Verletzung der Menschenrechte auf der Halbinsel. Die systemat. Menschenrechtsverletzungen in der von Russland annektierten u. besetzten Autonomen Republik Krym wurden vom Büro des Hohen Kommissars der UN für Menschenrechte OHCHR in 5 Berichten des UN-Generalsekretärs unter dem Titel "Die Situation der Menschenrechte in der Autonomen Republik Krym u. der Stadt Sevastopol, Ukraine“ beschrieben u. umfassen folgende Bereiche: 1. Rechtspflege u. das Recht auf ein faires Verfahren, 2. Recht auf Leben, körperliche u. geistige Unversehrtheit, Freiheit u. Sicherheit: U.a. verzeichnen die UN-Berichte eine Zunahme willkürlicher Festnahmen u. Inhaftierungen von Angehörigen religiöser Minderheiten auf der Krym. 2017-19 verzeichnete das OHCHR 186 Durchsuchungen, von denen 140 die Wohnungen, Privatunternehmen oder Versammlungsstätten von Krymtataren betrafen. 3. Versammlungs- u. Vereinigungsfreiheit: Auf der Krym sind öffentl. Versammlungen, die eine öffentl. Position zum Ausdruck bringen, die von der Position der Besatzungsmacht abweicht, verboten u. werden unterdrückt. Organisatoren von Versammlungen u. Teilnehmer an öffentl. Demonstrationen werden von Polizisten eingeschüchtert u. erhalten Sanktions-Drohungen. 4. Russifizierung u. Vertreibung der Bevölkerung: Viele ukrain. Staatsbürger entschieden sich, einen Pass der RF zu erhalten, um nicht einiger ihrer Rechte beraubt zu werden u. das Risiko einer Vertreibung von der Krym zu vermeiden. Die völkerrechtswidrige Ausstellung von Pässen der RF auf dem Territorium der besetzten Halbinsel Krym erfolgt durch den Föderalen Migrationsdienst RF, der Teil des von Karanda geführten Innenministeriums ist. In der im April 2021 vom US-Finanzministerium u. vom US-Präsidenten unterzeichnete Anordnung in Bezug auf die schädliche Auslandstätigkeit der Regierung RF ist auf der veröffentlichten Liste der natürlichen u. jurist. Personen insbes. auch der Name Karandas enthalten.)

KARAPETJAN, Samvel Sarkisovich II III IV (1965-, sowjet. Maschinenbauer, russ. Bauunternehmer armen. Herkunft. Absolvent der Fakultät für Maschinenbau des Polytechnischen Instituts in Erevan mit einem Doktorat über die Entwicklung des Anlageverwaltungssystems in grossen diversifizierten Unternehmen. 1997 erwarb er in der Stadt Kaluga das Unternehmen "Kalugaglavsnab", auf dessen Grundlage 1999 die Bau- u. Industriegruppe "Tashir" gegründet wurde, die nach u. nach Produktion, Bau, Energieanlagen, Versorgungs- u. Marketingorganisationen sowie Einkaufszentren, Hotels, Wohnhäuser, Kinos, Einzelhandelsketten u. Restaurants umfasste - insgesamt über 200 Unternehmen. 2003 begann er mit dem Kauf eines Grundstücks auf dem Moskauer Immobilienmarkt zu expandieren, wo 2 Jahre später das erste moderne multifunktionale Einkaufs- u. Unterhaltungszentrum "RIO" am Sevastopoler Prospekt in Moskau eröffnet wurde u. heute das grösste Netzwerk von Einkaufs- u. Unterhaltungszentren in Russland darstellt. 2006 wurde Samvel Karapetjan erstmals in das Rating der grössten Immobilienbesitzer des Magazins Forbes mit 29 Mln. USD an Mieteinnahmen aus Gewerbeimmobilien aufgenommen, die sich 2007 auf 67 Mln. USD mehr als verdoppelten. 2011 trat Karapetjan in die internationale Rangliste der Milliardäre der Welt des amerikan. Forbes ein u. belegte mit einem Vermögen von 1,4 Mrd. den 879. Platz. In den vergangenen 9 Jahren /vor 2022/ hatte sich sein Vermögen laut Forbes auf 3,7 Mrd. USD verfünffacht, wobei die Schätzung 2021 bei 5 Mrd. USD lag. Seit 2017 ist er bei "Bloomberg" im Ranking der 500 reichsten Menschen der Welt vertreten. Seit Feb. 2022 lag er mit einem geschätzten Vermögen von 3,2 Mrd. USD auf Platz 871 der Rangliste der reichsten Menschen der Welt. Zudem gilt er als reichster Armenier Russlands. 2018 wurde Karapetjan vom US-Finanzministerium auf die sog. Putin-Liste gesetzt, die aus 114 hochrangigen Politikern u. 96 Oligarchen besteht, die allesamt unter dem russ. Präsidenten V. Putin an Bedeutung gewonnen hatten. 2020 zahlte er einen Teil der Kaution für die Haftentlassung des ehem. armen. Präsidenten Robert Kocharjan. Als Präsident der Wohltätigkeitsstiftung "Tashir" finanziert Karapetjan Projekte in Armenien, Berg-Karabach/Artsakh u. der Diaspora. 2021 eröffnete die Generalstaatsanwaltschaft Aserbaidschans ein Strafverfahren gegen Karapetjan wegen angeblich illegalen Waffentransports nach Berg-Karabach, was Karapetjan bestritt.)

KARASJOV, Aleksandr Vladimirovich (1971-, sowjet. Jurist u. russ. Schriftsteller. Absolvent der Jurist. u. der Geschichtsfakultät der Staatsuniversität des Kuban-Gebiets. Er trat 2x in die Fremdenlegion ein u. nahm an den Kriegshandlungen in Tschetschenien u. 2015-17 als Freiwilliger u. Offizier der "Volksmiliz" der selbsternanten sog. "Volksrepublik Doneck" im Donbass teil. 2007 zog er von Krasnodar nach St. Petersburg. Ab 2003 erschienen in verschiedenen russ. Literaturzeitschriften seine Erzählungen, wobei er v.a. als Autor des Buchs "Tschetschenische Geschichten" /II/, 2008 erschienen, bekannt geworden ist. Kritiker sehen in dem Autor einen herausstechenden Vertreter der modernen russ. Kriegsprosa, die die Tradition der sog. sowjet. "Leutnantsprosa" fortsetze, u. ordnen seine Prosa der Richtung des "Neuen Realismus“ zu, was der Schriftsteller selbst bestritt. Seine Werke werden in Schulen u. Universitäten studiert.)

KARAULOV, Andrej Viktorovich II IIIa IIIb IIIc IV V VI (1958-, sowjet. Theater- u. Kunstwissenschaftler, russ. staatsnaher Journalist u. Propagandist, Autor u. Moderator von TV-Programmen u. Filmen. Absolvent der Fakultät für Theaterwissenschaft der GITIS, heute Russ. Akademie für Theaterkunst in Moskau, Promotion in Kunstwissenschaften. Danach arbeitete er als Mitarbeiter, Autor u. Redaktor verschiedener Pressepublikationen, 1992-2016 als Autor u. Moderator der Sendung "Stunde der Wahrheit", ausgestrahlt auf "RTR", "TNT", "TV Centre" u. im "5. Kanal". 1998-2006 als Autor u. Moderator der Sendung "Russ. Zeitalter“ auf den Kanälen "NTV" u. "TV Centre". Parallel moderierte u. produzierte er auch andere Sendungen. Als eingeladener Experte nahm er mit s. Arkadij Mamontov an den Programmen "Spezieller Korrespondent" des TV-Senders "Russland-1" teil.
Kritik: Vom "Forum Freies Russland", das die "Putin-Liste" führt, werden Karaulov folgende Vorwürfe gemacht: Aktive Teilnahme an der aggressiven Propaganda des Putin-Regimes, an der Produktion u. Verbreitung von Informationen im Interesse der polit. Führung der RF, die absichtlich die Realität verzerren, Menschen täuschen u. in der Gesellschaft Aggressionen, eine Atmosphäre der Angst, Fremdenfeindlichkeit u. Chauvinismus sowie antiwestl. u. antiukrain. Ressentiments in der Gesellschaft u. Hass auf die Führer der Anti-Putin-Opposition schüren u. gleichzeitig V. Putin verherrlichen. Die Sendung "Stunde der Wahrheit“ hält das "Forum" für eine Art Lügenspiess, an dem alle extravaganten Ideen des Autors u. Moderators u. der von ihm engagierten Gäste zum Ausdruck gebracht werden. Der Kolumnist der "Moskauer Post", Boris Bystrov, hält Andrej Karaulov weniger für einen TV-Journalisten als vielmehr für einen „TV-Geschäftsmann", dessen „Mission nicht darin bestehe, im Fernsehen die Wahrheit herauszufinden, was auch immer sie sein mag, sondern Geld mit dem Verkauf eines Fernsehprodukts namens ´Die Stunde der Wahrheit` zu verdienen" . „Jede seiner Sendungen sei in der Tat absichtlich eine Fälschung, um den Gewinn des Autors zu maximieren".
2014 veröffentlichte Karaulov den Film "Gewöhnlicher Faschismus, in dem er der neuen ukrain. Regierung Verbrechen u. Morde an Gegnern u. Zivilisten vorwarf. In dem Film "Wie die Boeing unterging" machte er die ukrain. Luftwaffe für den Absturz des malaysischen Verkehrsflugzeugs MH17 am Himmel über der Ukraine verantwortlich. 2015 veröffentlichte er das Buch "Russ. Genozid an den Russen in der Ukraine. Worüber der Westen schweigt“, in dem der Autor erzählt, wer diesen Völkermord warum begehe, wie der Westen die antiruss. Kräfte in der Praxis unterstütze u. wie die Ukraine zu einem Testgelände geworden sei, auf dem die Vernichtung des russ. Volkes erprobt werde. 2015 wurde Karaulov zusammen mit dem Leiter der Allruss. staatl. TV- u. Rundfunkgesellschaft s. Oleg Dobrodeev, dem Generaldirektor von NTV s. Vladimir Kulistikov, dem Leiter der Nachrichtenagentur "Russia Today" s. Dmitrij Kiseljov u. den Propaganda-Journalisten Konstantin Semin, s. Vladimir Solovjov u. s. Arkadij Mamontov sowie dem Abgeordneten u. TV-Moderator Aleksej Pushkov auf die "Liste von Nemcov“ gesetzt, weil sie laut dem Vorsitzenden der Oppositionspartei "RPR-PARNAS" s. Mikhail Kasjanov Propagandisten seien, die „die Menschenrechte schwer verletzt, Hass um s. Boris Nemcov geschürt, ihn in TV-Kanälen gejagt u. zu Repressalien gegen ihn angestiftet“ hätten. Diese Leute sollten in die Magnickij-Sanktionsliste aufgenommen werden. Wenige Tage nach der Veröffentlichung des "FBK"-Ermittlungsfilms von s. Aleksej Navalnyj "Für euch ist er kein Dimon“ veröffentlichte Karaulov eine Gegenermittlung unter dem Titel "Mit den Augen eines Clowns: Wie Navalnyj uns alle für Idioten hält“, die sogar die Präsidialverwaltung u. der FSB RF nicht gut gefunden haben sollen. 2018 drehte Karaulov nach eigener Einschätzung den „Hauptfilm des Lebens“ über Putin, dessen Ausstrahlung jedoch alle TV-Sender abgelehnt haben sollen. 2019 beschuldigte Sergej Ponomarenko, 1. stv. Gouverneur des Krasnojarsker Landes, Karaulov öffentlich, 2,4 Mln. Rubel erpresst zu haben, weil er auf die Veröffentlichung von diskreditierenden Geschichten über das Krasnojarsker Land  verzichtet habe. Karaulov selbst wies die Anschuldigung zurück u. sagte, er selbst sei verleumdet worden. Noch 1 Monat vor Beginn des von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine schien Karaulov in einem Interview mit s. Dmitrij Gordon zu bezweifeln, dass Putin alles, was im Land geschehe, unter Kontrolle hat. Auf die Frage, ob Putin die Ukraine angreifen werde, antwortete Karaulov, dass er in seiner Position Stärke zeigen müsse/wolle; in seinem ganzen Leben habe er an Minderwertigkeitskomplexen gelitten u. er halte sich für den sträksten Mann der Welt. Als erster werde Putin jedoch die Grenze nicht überschreiten, wonach ihm Gordon antwortete, dass er sie doch schon überschritten habe - aber es ging um das Jahr 2022. Putin sei nicht so mutig, wie es scheine, sagte Karaulov.)

KARACHINSKIJ, Anatolij Mikhajlovich II III IV V VI (1959-, sowjet. Ingenieur-Systemtechniker, russ. Topmanager u. Unternehmer. Absolvent des Moskauer Instituts für Eisenbahningenieure, heute Russ. Universität für Verkehr, Fakultät für Technische Kybernetik, Fachrichtung Systemingenieur. Von 1981 bis 1986 arbeitete er im Rechenzentrum des All-Union Scientific Research Institute of Railway Transport. In den 1990er Jahren arbeitete er als Direktor eines österreichischen Unternehmens u. als technischer Leiter eines Joint-Ventures. In den 1990er Jahren war er Präsident von "IBS" u. 1997-2021 Präsident der "IBS Group", einer bedeutenden russ. IT-Beratungsfirmengruppe, die Geschäftsanwendungen implementiert, IT-Outsourcing u. Softwareentwicklung mit Hauptsitz in Moskau betreibt. 2001-19 war er auch Vorstandsvorsitzender des Softwareentwicklungs- u. IT-Outsourcing-Unternehmens "Luxoft". In den 1990ern wurde der Unternehmer im jährlichen Rating "DATOR Top100“ u. "Top-Profi“ regelmässig als eine der massgeblichsten Persönlichkeiten des russ. Computergeschäfts bezeichnet. 2002 wurde er als erster russ. Geschäftsmann in die "Stars of Europe“-Liste von Businessweek von Bloomberg aufgenommen u. galt als einer von 50 Führungskräften an der Spitze des "positiven Wandels in Europa", wobei die "IBS Group" laut "Expert RA" seit 2004 an 1. Stelle in der Liste der grössten Beratungsfirmengruppen in Russland steht. 2021 belegte Karachinskij mit einem Vermögen von 800 Mln. USD laut Magazin Forbes den 149. Platz in der Liste der reichsten Geschäftsleute Russlands. Karachinskij ist auch Vorstandsmitglied der Russ. Union der Industriellen u. Unternehmer RSPP, Vorstandsmitglied des Internationalen Computer Clubs "Club 2012“ u. Mitglied der Untergruppe "Innovative Entwicklung“ der Arbeitsgruppe zur Bildung des Open-Government-Systems in Russland.
Sanktionen: Im April 2022 wurde Karachinskij aufgrund des von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine auf die SDN-Sanktionsliste des OFAC/USA gesetzt, die ein Einreiseverbot u. die Sperrung von Vermögenswerten in den USA vorsieht. Im Mai 2023 wurde er vom US-Finanzministerium von der Sanktionsliste gestrichen. Dies war offenbar der erste Fall seit Beginn der russ. Invasion, in dem die Sanktionen gegen einen grossen russ. Geschäftsmann aufgehoben wurden. Hingegen figuriert Karachinskij seit Mai 2022 auf der Sanktionsliste der Ukraine.)

KARELIN, Aleksandr Aleksandrovich II III IV V VI VII VIIIa VIIIb IX X XI XII XIII XIV (1967-, sowjet. Wrestler, russ. Politiker, ehem. Abgeordneter der Staatsduma RF von der Partei "Einiges Russland", Senator des Föderationsrats RF. In seiner Jugendzeit beschäftigte sich Karelin mit dem Wrestling-Sport, wurde Sportmeister der UdSSR der internationalen Klasse, Jugendweltmeister u. Goldmedaillensieger bei den Olymp. Spielen in Seoul, Barcelona u. Atlanta sowie 9-facher Weltmeister, 12-facher Europameister u.v.a.m. 1996 Verleihung des Titels  "Held Russlands“ für herausragende sportliche Leistungen durch Erlass des Präsidenten RF. 2000 beendete er seine Sportkarriere. Ausserhalb des Sports absolvierte er das Novosibirsker Autotransporttechnikum u. das Omsker Institut für Körperkultur. In den 1990er Jahren war er Mitarbeiter der Steuerpolizei RF im Sonderrang eines Obersten der Steuerpolizei. 1995 u. 1998 Verteidigung seiner Doktorarbeit an der nach Lesgaft benannten St. Petersburger Akademie für Körperkultur.
Politik:
1999 begann seine polit. Karriere als Berater für Sport u. Körperkultur des Vorsitzenden der Regierung RF V. Putin, als Leiter der polit. Bewegung "Einheit“ bei den Wahlen zur Staatsduma u. als gewähltes Mitglied der Staatsduma RF von der Partei "Einheit". 2001 wurde er Mitglied des Obersten Rats der polit. Partei "Einiges Russland“. 2003-16 war er Abgeordneter der 4.-7. Staatsduma RF. Im Parlament war er Mitglied des Ausschusses für Gesundheit u. Sport, der Kommission für Geopolitik, des Ausschusses für internationale Angelegenheiten u. des Ausschusses für Energie. Bei der Präsidentschaftswahl 2018 war er Mitglied der Initiativgruppe, die die Kandidatur V. Putins nominierte. Im Sept. 2020 trat er als Abgeordneter der Staatsduma zurück u. erhielt von den Abgeordneten der gesetzgebenden Versammlung des Gebiets Novosibirsk die Befugnisse eines Senators des Föderationsrats RF.
Kritik:
Vom "Forum Freies Russland", das die "Putin-Liste erstellt, werden Karelin vorgeworfen: Mittäterschaft beim Verfassungsstreich von 2020 - wo es u.a. um die Nullsetzung der bisherigen Amtszeiten Putins ging - , Initiierung u. Verabschiedung repressiver Gesetzentwürfe u. Gesetze, Mittäterschaft bei der Machtaneignung u. der Verwerfung demokrat. Standards sowie Beteiligung an der Umwandlung des milden Autoritarismus der frühen Putin-Zeit in einen personalist. Typ der Diktatur. Wie aus den Angaben auf der offiziellen Website der Staatsduma RF hervorgeht, war der Abgeordnete Karelin der Initiator einer Reihe von fragwürdigen Gesetzentwürfen, darunter die Verschärfung von Art. 228.1 StGB RF "Über Illegale Herstellung, Verkauf oder Weitergabe von Betäubungsmitteln, psychotropen Substanzen oder ihren Analoga sowie illegaler Verkauf oder Weitergabe von Pflanzen, die Betäubungsmittel oder psychotrope Substanzen enthalten, oder Teile davon, die Betäubungsmittel oder psychotrope Substanzen enthalten"; das Bundesgesetz Nr. 121-FZ von 2012, das das Konzept einer gemeinnützigen Organisation als sog. "ausländ. Agenten“ einführte u. die meisten unabhängigen NGOs zwang, ihre Aktivitäten in der RF einzustellen; das Bundesgesetz Nr. 272-FZ vom Dez. 2012, das US-Bürgern die Adoption russ. Waisen als Reaktion auf die Verabschiedung des "Magnitsky-Acts“ durch die USA untersagte, das Sanktionen gegen russ. Menschenrechtsverletzer verhängte; das Bundesgesetz "Über /Gegen/Massnahmen in Bezug auf die Einflussnahme auf unfreundliche Handlungen der USA u.a. ausländ. Staaten“, das dem Präsidenten erlaubte, Gegensanktionen gegen „unfreundliche Länder u. Organisationen“ zu verhängen; sowie die unpopuläre Rentenreform von 2018. Im Jan. 2020 wurde Karelin von Präsident s. Vladimir Putin zum Mitglied der Arbeitsgruppe für die Ausarbeitung von Vorschlägen zur Änderung der Verfassung RF ernannt. Bei einer Sitzung der Staatsduma RF am Morgen des 10. März 2020 präsentierte der Abgeordnete Karelin plötzlich die Idee, dass die Parlamentarier nach der Abstimmung über Verfassungsänderungen ihre Befugnisse vorzeitig beenden u. dass vorgezogene Wahlen für Sept. angesetzt würden. Am Nachmittag erschien unerwartet Putin in der Duma, der sich gegen vorgezogene Wahlen zur Staatsduma RF aussprach, u. Karelin zog seinen Änderungsantrag sofort zurück. Die Abgeordnete s. Valentina Tereshkova schlug vor, die Amtszeiten des Präsidenten RF „auf Null“ zu setzen, um damit den lebenslangen Machterhalt Putins zu legalisieren, was das "Forum Freies Russland" u. viele andere Kritiker der Verfassungsänderungen als illegitimen u. antidemokrat. Verfassungscoup ansehen. Die Verfassungsänderungen, die die Befugnisse des Präsidenten RF erweitern, ermöglichen übrigens auch den russ. Behörden, die Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zu ignorieren u. das Konzept der "internen Bedrohungen“ einzuführen, die der Sicherheitsrat RF bekämpfen muss. Somit wurde die verfassungsrechtl. u. rechtl. Formalisierung der Putin-Diktatur für eine unabsehbare Zeit vollendet.
Sanktionen: Aufgrund der Unterstützung des von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine unterliegt Karelin persönlichen internationalen Sanktionen verschiedener Länder. Im März 2022 wurde er aus diesem Grund auf die Sanktionsliste aller Länder der EU gesetzt, weil er als Duma-Abgeordneter für die Ratifizierung von Freundschaftsverträgen mit den selbsternannten "Volksrepubliken" Doneck u. Lugansk gestimmt hatte. Im gleichen Monat wurde er wegen der "Unterstützung von Verletzungen der Souveränität u. territorialen Integrität der Ukraine“ als "Verbündeter des [Putin-]Regimes“ auch auf die Sanktionsliste Kanadas gesetzt. Aus ähnlichen Gründen unterliegt der russ. Senator den Sanktionen Grossbritanniens, Australiens, Neuseelands u. der Schweiz. Per Dekret des Präsidenten V. Zelenskyj unterliegt er seit Sept. 2022 den Sanktionen der Ukraine, weil er "die illegalen Versuche Russlands, souveränes ukrain. Territorium durch die Durchführung fiktiver Referenden zu annektieren, unterstützt“. Ende Sept. 2022 wurde er "wegen Putins Annexion von Gebieten der Ukraine“ auf die Sanktionsliste der USA gesetzt. Das US-Aussenministerium stellte fest, dass die Senatoren RF "für die Genehmigung von Putins Antrag gestimmt haben, Truppen in die Ukraine zu schicken, was als ungerechtfertigter Vorwand für eine umfassende russ. Invasion in der Ukraine diente“.)

KARELOVA, Galina Nikolaevna II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVI XXVII XXVIII XXIX XXX (1950-, sowjet. Ingenieurin-Ökonomin u. Soziologin, ehem- russ. Staatspolitikerin. Absoventin der Technischen Staatsuniversität des Urals. Kandidat der       Wirtschaftswissenschaften, Doktor der Soziologie, Professorin für Geschlechtersoziologie. Sie arbeitete als Dozentin der Abteilung für polit. Ökonomie des Instituts für Höhere Studien der Staatl. M. Gorkij-Universität des Urals in Sverdlovsk/Ekaterinburg. In den 1990er Jahren war sie Mitglied des Föderationsrats RF, Abgeordnete der Staatsduma RF, Vorsitzende des Unterausschusses für internationale humanitäre, wissenschaftl. u. kulturelle Zusammenarbeit des Duma-Ausschusses für internationale Angelegenheiten, u. stv. Minister für Arbeit u. soziale Entwicklung RF. Ab 2000 setzte sie sich als 1. stv. Minister für Arbeit u. soziale Entwicklung RF für den Schutz der Rechte von Frauen u. Kindern ein. Unter ihrer Mitwirkung wurde eine Repräsentanz des UNICEF-Kinderhilfswerks eröffnet. 2003-4 stv. Vorsitzende der Regierung RF zustänidg für soziale Fragen, 2004-7 Vorsitzende des Sozialversicherungsfonds RF. Im Dez. 2007 wurde sie erneut in die /5./ Staatsduma RF gewählt u. wurde stv. Vorsitzende des Ausschusses für Haushalt u. Steuern. Im Dez. 2011 wurde sie auch in die 6. Staatsduma RF gewählt, Mitglied der Fraktion "Einiges Russland“, 1. stv. Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit, Sozialpolitik u. Veteranenangelegenheiten. Im Sept. 2014 wurde sie von der Regierung des Gebiets Voronezh als Senatorin in den Föderationsrat RF delegiert, wo sie zur stv. Vorsitzenden der Kammer gewählt wurde /Mandatsende Sept. 2023/, u. war Mitglied des Generalrats der Partei "Einiges Russland“.s
Kritik u.
Sanktionen: Vom "Forum Freies Russland", das die sog. "Putin-Liste" führt, wird Karelova öffentl. Unterstützung für den von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskrieg gegen die Ukraine vorgeworfen. Aufgrund ihrer Unterstützung für den Krieg unterliegt Karelova persönlichen internationalen Sanktionen verschiedener Länder. Im März 2022 wurde sie auf die Sanktionsliste aller Länder der EU gesetzt, weil sie als russ. Senatorin für die Ratifizierung von Freundschaftsverträgen mit den selbsternannten "Volksfrepubliken" Doneck u. Lugansk stimmte. Im gleichen Monat wurde sie wegen Beihilfe zu Verletzungen der Souveränität u. territorialen Integrität der Ukraine auf die Sanktionsliste Kanadas als "Verbündete des [Putin-]Regimes“ gesetzt. Im Sept. 2022 wurde sie der US-Sanktionsliste "wegen der Annexion von Gebieten der Ukraine durch Putin“ hinzugefügt. Das Aussenministerium stellte fest, dass die Senatorin "für die Genehmigung von Putins Antrag stimmte, Truppen in die Ukraine zu schicken, was als ungerechtfertigter Vorwand für eine umfassende russ. Invasion in der Ukraine diente“. Aus ähnlichen Gründen unterliegt sie seit auch den Sanktionen Grossbritanniens, Australiens, Neuseelands, der Schweiz u. der Ukraine.)

KARETNIKOVA, Anna II III V VIa VIb VIc VId VIe VII (1970-, russ. Juristin, Menschenrechtlerin, Gefängnisbeobachterin, Blogerin. Absolventin der Jurist. Fakultät der MSU u. des Maksim-Gorkij-Literatur-Instituts. Arbeitet/e als Juristin für die Redaktion einer russ. föderalen Tageszeitung u. als Juristin für die Gruppe "Brennpunkte“ des /aufgrund des Status "ausländ. Agent" aufgelösten/ Menschenrechtszentrums "Memorial“. Sie vertritt Mandanten vor Gerichten u. korrespondiert/e mit Strafverfolgungsbehörden über Menschenrechtsverletzungen im Nordkaukasus. Mitglied des Schriftstellerverbands Russlands, Mitglied des Rats des Menschenrechtszentrums "Memorial", Koordinatorin des Anti-Kriegs-Klubs u. der "Union der Solidarität mit polit. Gefangenen". 1989-91 war sie Koordinatorin des Komitees zur Gründung der "Partei der Jugendsolidarität". Nach der Geiselnahme u. anschliessenden Erstürmung des Moskauer Dubrovka-Theaters vom Okt. 2002 kehrte sie in die Politik u. zu den Rechtsschutzaktivitäten zurück. Davor hatte sie 2 Kriminalromane im Verlag "Eksmo" veröffentlicht. Mitglied des Moskauer polit. Rats der Vereinigten Demokrat. Bewegung "Solidarität" von s. Boris Nemcov, wurde dort als Vorsitzende der Kommission für öffentl. Veranstaltungen gewählt. Sie organisierte eine Kundgebung in Jasenevo zur Unterstützung des Bitcevskij-Waldes. Mitglied der Informations- sowie der Menschenrechts- u. Rechtskommission, ehem. Mitglied der Öffentl. Überwachungskommission ONK der Stadt Moskau für die Umsetzung der öffentl. Kontrolle über die Einhaltung der Menschenrechte in Haftanstalten u. die Unterstützung von Personen in Haftanstalten. Die ONK leistet kostenlose Hilfe für von der Polizei festgenommene zivile Aktivisten, besucht Polizeidienststellen u. Untersuchungsgefängnisse in Moskau u. überwacht die Einhaltung der Bürgerrechte. Analystin des Föderalen Strafvollzugsdienstes Russlands GUFSIN für die Stadt Moskau.)

KARIMOV, Salavat (1954-, russ. Ermittler für besonders wichtige Fälle der Generalstaatsanwaltschaft RF, zuvor amtierender Staatsanwalt von Baschkirien.
Absolvent der Baschkir. Staatsuniversität. Erstmals tauchte der Name dieses Juristen, der in der Staatsanwaltschaft von Baschkirien in Ufa zu arbeiten begann, im Mai 1999 in den russ. Staatsmedien im Zusammenhang mit dem sog. "Schwulenfall“ auf. In diesem Fall ging es um den ehem. Direktor des Kolchos-Marktes in Ufa, der seinen homosexuellen Freund u. Partner getötet hatte u. sich lange Zeit vor der Justiz verstecken konnte. Karimov hatte in diesem Prozess eine Entscheidung der Staatsanwaltschaft gefälscht, woraufhin beschlossen wurde, ihn von seinem Posten zu entlassen. Karimov behielt jedoch seine Position u. stieg später sogar zum Leiter der Abteilung für die Untersuchung besonders wichtiger Fälle auf. Karimovs hochkarätigsten u. berüchtigtsten Fälle waren hingegen der Fall von s. Vladimir Gusinskij, "Media-Most" u. "NTV"; der Fall des ehem. Eisenbahnministers s. Nikolaj Aksjonenko; der Fall von "SIBUR" u. s. Jakov Goldovskij; der Fall von "AvtoVAZ" u. s. Boris Berezovskij sowie der Fall von "Yukos" u. s. Mikhail Khodorkovskij. Die Medien nannten ihn in diesem Zusammenhang den Schöpfer der "Technologie zur Vernichtung von Oligarchen" u. verliehen ihm den Titel "Oligarchenkiller".
Im Sommer 2000 wurde Karimov zur Generalstaatsanwaltschaft RF als leitender Ermittler für besonders wichtige Fälle versetzt u. trat dem Ermittlungsteam im Fall s. Vladimir Gusinskij bei. Bekanntlich wurde Gusinskij im Juni 2000 als Chef der "Media-Most"-Holding - zu der auch die TV-Gesellschaft "NTV" gehörte - verhaftet, wegen Betrugs in besonders grossem Umfang angeklagt, aber noch im gleichen Monat auf Kaution freigelassen. Im Dez. 2000 übernahm Karimov die Leitung des Ermittlungsteams, das sich Gusinskijs Fall erneut annehmen sollte. Dabei nahm die Generalstaatsanwaltschaft nicht nur die Ermittlungen im 1. Fall wieder auf, sondern eröffnete auch ein neues Verfahren gegen Gusinskij wegen einer anderen angebl. Straftat. Gusinskij, der sich in Spanien aufhielt, wurde auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft RF von örtlichen Behörden festgenommen, aber einen Monat später freigelassen, u. 15 Monate später wurden alle Anklagen gegen den Oligarchen fallengelassen.
Im Okt. 2001 leitete Karimov ein Ermittlungsteam im Fall des entlassenen Eisenbahnministers s. Nikolai Aksjonenko, der wegen Amtsmissbrauchs und einer Reihe anderer Verbrechen angeklagt wurde, aber im Juli 2005 verstarb, so dass das Moskauer Stadtgericht es ablehnte, seinen Fall zu prüfen.
Im Jan. 2002 leitete Karimov die Ermittlungen im Fall des Präsidenten u. Vizepräsidenten der "Siberian-Ural Petrochemical Company" SIBUR s. Jakov Goldovskij u. Evgenij Koshic. Goldovskij wurde des Machtmissbrauchs, der Veruntreuung von Eigentum, der Geldwäscherei u. Dokumentenfälschung beschuldigt, Koshice wegen Mitschuld an diesen Verbrechen angeklagt. Die beiden SIBUR-Bosse wurden zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt u. wegen Verbüssung dieser Frist in der U-Haft freigelassen.
Im Aug. 2002 untersuchte Karimov die Aktivitäten der Geschäftsleute s. Boris Berezovskij, s. Badri Patarkatsishvili u. Julij Dubov im Zusammenhang mit Steuerverrechnungen zwischen dem Unternehmen "AvtoVAZ" u. dem Haushalt des Gebiets Samara. Die Generalstaatsanwaltschaft beschuldigte die Unternehmer des Diebstahls von Tausenden Autos durch die Firma "LogoVAZ" u. leitete ein Strafverfahren ein. Zu diesem Zeitpunkt war Berezovskij aus Angst vor strafrechtlicher Verfolgung nach GB ausgereist.
Im Okt. 2003 wurde s. Mikhail Khodorkovskij, Haupteigentümer des Ölkonzerns "Yukos", festgenommen. Ihm wurden Betrug u. Steuerhinterziehung vorgeworfen. Im Mai 2005 wurden Khodorkovskij u. sein Geschäftspartner s. Platon Lebedev nach 6 Artikeln StGB RF für schuldig befunden u. zu je 9 Jahren Gefängnis verurteilt.
Im April 2005 wurde Karimov auf Anordnung des damaligen Generalstaatsanwalts RF s. Vladimir Ustinov zum 1. stv. Staatsanwalt der Republik Baschkirien, Aleksandr Konovalov, ernannt. Als letzterer im Nov. 2005 von Präsident RF V. Putin zum bevollmächtigten Vertreter des Präsidenten RF im Föderationskreis Volga ernannt wurde, stieg Karimov zum amtierenden Staatsanwalt Baschkiriens auf. In dieser Position blieb Karimov bis Dez. 2005, wobei er es hauptsächlich nur noch mit Fälle von Banditentum zu tun hatte.
Im Dez. 2006 wurde Karimov erneut zur Arbeit in der Generalstaatsanwaltschaft nach Moskau versetzt, wobei über den wahren Grund spekuliert wurde. Laut verschiedenen Quellen soll der baschkir. Ermittler nach Moskau zurückbeordert worden sein, um im Rahmen eines dem Präsidenten RF direkt unterstellten Sonderteams neue Anschuldigungen gegen Khodorkovskij u. Lebedev vorzubereiten u. mit anderen hochkarätigen Geschäftsleuten fertig zu werden. In der Tat wurden neue Vorwürfe gegen die ehem. Oligarchen Khodorkovskij u. Lebedev erhoben, so Veruntreuung, Geldwäscherei u.a. Delikte. Im Sept. 2007 wurde jedoch bekannt, dass Karimov ein Ruhestandsgesuch eingereicht habe u. dass ihm ohne jede Erklärung befohlen wurde, den Fall Khodorkovskij u. Lebedev an den leitenden Ermittler für besonders wichtige Fälle, s. Aleksandr Drymanov, zu übergeben u. sein Büro zu räumen. Karimov lehnte die von Generalstaatsanwalt s. Jurij Chajka vorgeschlagene Position als Berater des Generalstaatsanwalts RF ab.)


KARLIN, Aleksandr Bogdanovich II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII (1951-, sowjet. bzw. russ. Jurist-Staatsanwalt u. ehem. Politiker im Land Altaj. Absolvent der Jurist. Staatsuniversität des Urals in Sverdlovsk. In der Sowjetzeit arbeitete er in den Staatsanwaltschaften der Städte Bijsk u. Barnaul u. war Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft der UdSSR, Assistent des Generalstaatsanwalts der UdSSR für Sonderaufgaben. In den 1990er Jahren setzte er seine Arbeit in der  Generalstaatsanwaltschaft RF fort. Professor, Doktor der Rechtswissenschaften; in seiner Dissertation über "Probleme der rechtlichen Regelung der staatlichen Registrierung des Eigentums an Immobilien“ fand Dissernet eine beträchtliche Menge an Plagiaten. In den 2000er Jahren arbeitete Karlin im Justizministerium FR u. war 1. stv. Justizminister RF, u. trat in den Dienst der Präsidialverwaltung RF ein, wo er von V. Putin zum Leiter der Verwaltung des Landes Altaj vorgeschlagen wurde, nachdem Gouverneur s. Mikhail Evdokimov im Aug. 2005 bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Karlins 1. Amtszeit als Gouverneur des Landes Altaj dauerte bis 2009. Im Aug. 2009 trat Karlin offiziell seine 2. Amtszei als Gouverneur des Landes Altaj an. Eines der aufsehenerregendsten Ereignisse in Karlins 2. Amtszeit war die Auflösung seines Konflikts mit dem Bürgermeister von Barnaul, Hauptstadt des Landes Altaj, Vladimir Kolganov, der die letzten Jahre andauerte. Im Aug. 2010 wurde Kolganov wegen „Untätigkeit u. Versäumnissen" in seiner Amtsführung entlassen. Nachdem die Amtszeit Karlins als Gouverneur im Aug. 2014 endete, wurde er im Juni dieses Jahres  2014 auf einer ao. Konferenz des regionalen Zweigs der Partei "Einiges Russland" zum Gouverneur des Landes Altaj ernannt. Damit Karlin nach dem 25. Aug. im Amt bleiben konnte, wurde ein polit. Manöver durchgeführt. Ende Juli reichte Karlin Präsident Putin einen freiwilligen Rücktritt ein, den Putin akzeptierte u. Karlin per Dekret zum Interimsgouverneur ernannte. Bei den Wahlen vom Sept. erzielte Karlin 72,97% der Stimmen u. wurde für eine 3. Amtszeit von 5 Jahren zum Gouverneur des Landes Altaj gewählt. Vor Beginn des Wahlkampfs unterzeichnete Karlin ein Gesetz zur Einführung der vorzeitigen Stimmabgabe bei Regionalwahlen, was bei Experten u. öffentl. Beobachtern grosse Besorgnis hervorrief. Beobachter der Bewegung zum Schutz der Wählerrechte "Golos“ bezeichneten die letzte Abstimmung als „Wahlimitation“ u. stellten eine grosse Zahl von Verstössen u. eine fast 30-prozentige Diskrepanz zwischen den Ergebnissen der vorgezogenen u. der ordentlichen Abstimmung fest. 2007 u. 2016 war Karlin von Amtes wegen Mitglied des Präsidiums des Staatsrats RF. Ende Mai 2018 trat Aleksandr Karlin als Gouverneur des Landes Altaj zurück. Experten führten seinen Abgang auf Konflikte mit lokalen Eliten, das Alter u. schwache Stimmenzahlen im Land Altaj für "Einiges Russland" u. V. Putin zurück. Im Sept. 2018 wurde Karlin per Dekret von Gouverneur s. Viktor Tomenko von der Exekutive des Landes Altaj zum Mitglied des Föderationsrats RF ernannt. Dort übernahm Karlin die Position des stv. Vorsitzenden des Ausschusses für Verfassungsrecht u. Staatsaufbau. Vermögen u. Einkommen: Mit einem Familieneinkommen von 19,8 Mln. Rubel im Jahr 2011 belegte A. Karlin den 10. Platz in der Einkommenswertung der Leiter der russ. Regionen. 2010 betrug das Familieneinkommen von Karlin 18,5 Mln. Rubel. 2012 verdiente Karlin 6x weniger als seine Frau  - 2,98 Mln. Rubel gegenüber 18,7 Mln. Rubel seiner Frau Galina Viktorovna Karlina, die  bis 2016 als Notarin in Moskau - arbeitete, 2008 wegen Verstössen gegen die Bedingungen für die Erlangung einer Stelle von der notariellen Tätigkeit suspendiert wurde sie, aber später weiterarbeitete. Mit einem Einkommen von 18,7 Mln. Rubel 2012 belegte sie den 3. Platz in der Liste der reichsten Ehefrauen russ. Gouverneure. Söhne Andrej u. Viktor Karlin sind ausgebildete Rechtsanwälte. Viktor Karlin trat in die Fussstapfen seiner Mutter u. wurde nach dem Karriereende Notar in Moskau.
Kritik u.
Sanktionen: Vom "Forum Freies Russland", das die sog. "Putin-Liste" führt, wird ihm öffentl. Unterstützung für den von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine vorgeworfen. Aufgrund der Unterstützung für den Krieg unterliegt Karlin persönlichen internationalen Sanktionen verschiedener Länder. Im März 2022 wurde er aus diesem Grund auf die Sanktionsliste aller Länder der EU gesetzt, weil er als russ. Senator für die Ratifizierung von Freundschaftsverträgen mit den selbsternannten "Volksrepubliken" Doneck u. Lugansk gestimmt hatte. Im gleichen Monat wurde er wegen der "Unterstützung von Verletzungen der Souveränität u. territorialen Integrität der Ukraine“ als "Verbündeter des [Putin-]Regimes“ auch auf die Sanktionsliste Kanadas gesetzt. Aus ähnlichen Gründen unterliegt der russ. Senator den Sanktionen Grossbritanniens, Australiens, Neuseelands u. der Schweiz. Per Dekret des Präsidenten V. Zelenskyj unterliegt er seit Sept. 2022 den Sanktionen der Ukraine, weil er "die illegalen Versuche Russlands, souveränes ukrain. Territorium durch die Durchführung fiktiver Referenden zu annektieren, unterstützt“. Ende Sept. 2022 wurde er "wegen Putins Annexion von Gebieten der Ukraine“ auf die Sanktionsliste der USA gesetzt. Das US-Aussenministerium stellte fest, dass die Senatoren RF "für die Genehmigung von Putins Antrag gestimmt haben, Truppen in die Ukraine zu schicken, was als ungerechtfertigter Vorwand für eine umfassende russ. Invasion in der Ukraine diente“.)

KARPINSKAJA, Ksenija II III IV V VI VII VIII IX X XI (russ. Juristin, Advokatin, Strafprozess-Verteidigerin. Sie verteidigte Mandanten, die Angeklagte in fragwürdigen Prozessen wurden, in denen möglicherweise auch polit. Motive eine Rolle spielten. Das bekannteste Bsp. war etwa der Prozess gegen das "Siebte Studio" s. Kirill Serebrennikovs, wo Karpinskaja den ehem. Direktor des "Gogol-Zentrums", s. Aleksej Malobrodskij, vertrat. Den Angeklagten wurde in diesem Fall vorgeworfen, mind. 68 Mln. Rubel staatl. Gelder, die dieser Organisation für das Kulturprojekt "Platform“ zugeteilt wurden, veruntreut zu haben. Vor Gericht wies sie auf rechtlich zweifelhafte Vorgehensweisen, Verfahrensfehler u. jurist. Ungereihmtheiten hin, die mit der Gesetzgebung RF nicht übereinstimmten, oder zweifelte die Legitimität eines staatl. Prozessteinehmers an. Dabei orientierte sie sich an den Menschenrechten. In einem anderen Fall vertrat sie den russ. Historiker u. Politikwissenschaftler Jurij Pivovarov, gegen den ein Moskauer Gericht einen Haftbefehl erlassen hatte. Pivovarov leitete 1998-2015 das Institute of Scientific Information on Social Sciences INION RAN. Im Jan. 2015 wurde die Bibliothek des Instituts durch einen Brand teilweise zerstört. Pivovarov verliess seine Position als Institutsleiter u. behielt den Titel eines akadem. Betreuers. Im Frühjahr 2015 wurde er wegen Fahrlässigkeit angeklagt. 2017 wurde dem 72-jährigen Historiker Unterschlagung vorgeworfen. Ausserdem trat Karpinskaja als kritische Prozessbeobachterin u. -berichterstatterin auf u. schrieb für Novaja gazeta, Vedomosti u.a. Zeitungen.)

KARPOV, Anatolij Evgenevich II IIIa IIIb IV (1951-, sowjet. u. russ. Schachgrossmeister u. Staatsolitiker. Er war von 1975 bis 1985 Schachweltmeister sowie von 1993 bis 1999 FIDE-Weltmeister. 1999-2003 Vorstandsvorsitzender der "Bundesindustriebank". Seit 2004 Mitglied des Präsidialrats für Kultur. 2005-11 war er Präsident der Firma "Berghoff-Russland", besitzt eine Beteiligung an diesem Unternehmen. Seit 2006 ist Karpov Vorsitzender der Kommission für Umweltsicherheit u. Umweltschutz der Bürgerkammer RF. Seit 2007 ist er Mitglied des Öffentlichen Rats des Verteidigungsministeriums RF. In einem Interview im Jahr 2013 sagte Karpov: „Meine Eltern haben mich als Kind getauft. ... Ich kannte Patriarch Pimen gut, ich sprach oft mit dem verstorbenen Patriarchen s. Aleksij II. … Ich bin überzeugt, dass das Land schon vor langer Zeit in kleine Stücke zerfallen wäre, wenn wir keine orthodoxe Kirche hätten. Nur dort blieben die gemeinsamen moralischen Grundlagen“.
Politik: Karpov ist sowohl in sowjet. als auch in russ. Zeit Staatsmann u. Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Bei sozialen u. polit. Aktivitäten unterstützt er in der Regel die derzeitige Regierung. Im Unterschied zu seinem eheam. Schachrivalen s. Garri Kasparov kritisiert er das Putin-Regie nicht. 1995 kandidierte Karpov, für die Staatsduma RF auf den Listen des Vereins "Macht dem Volk!“ 2007 unterstützte, ehem. Mitglied der KPdSU, bei den Wahlen zur Staatsduma RF die Moskauer Liste der . Bei den Parlamentswahlen vom Dez. 2011 wurde Karpov als Vertreter des Gebiets Tjumen in die 6. Staatsduma gewählt. 2016 wurde er in die 7. Staatsduma RF gewählt, wo er Mitglied der Fraktion der Partei "Einiges Russland" u. Mitglied des Duma-Ausschusses für natürliche Ressourcen, Umweltmanagement u. Ökologie u. stv. Vorsitzender des Duma-Ausschusses für internationale Angelegenheiten war. Im Okt. 2021 wurde er Abgeordneter der 8. Staatsduma RF, nachdem er das Mandat von Olga Batalina, der 1. stv. Leiterin des Arbeitsministeriums, erhalten hatte. Als Mitglied der Partei "Einiges Russland" stimmte er in der Staatsduma RF wie alle anderen seiner Partekollegen jeweils für die Politik V. Putins.
Verhältnis zur Ukraine: In einer im März 2022 veröffentlichten Erklärung hielt der Ex-Schachweltmeister Folgendes fest: Als Kind sei er im Alter von 10 Jahren 1961 zum ersten Mal aus dem Ural in die Ukraine, in die Stadt Odessa. Seitdem sei Odessa sein Lieblingsort auf dem Planeten. Als er seinen Weg zum WM-Titel begann, habe er immer einen Teil seiner Vorbereitungen in der Ukraine, in Odessa oder in Lemberg gemacht. Als das russ. Parlament die Abkommen über Freundschaft, Zusammenarbeit u. gegenseitige Unterstützung zwischen Russland u. den Volksrepubliken Doneck und Luhansk ratifizierte, habe er für die Zivilbürger der ukrain. Nationalität gestimmt, die seit 8 Jahren täglich unter Angriffen u. Bombardierungen gelitten hätten. Bis heute habe Russland über 150 Tsd. Flüchtlinge aus dem Donbass aufgenommen. Fragen des Einsatzes der Streitkräfte oblägen anderen Machtebenen: dem Föderationsrat, dem Sicherheitsrat, dem Präsident RF. Er habe nicht für den Krieg gestimmt, das se eine Lüge. Er sei seit 40 Jahren Präsident des Friedensfonds u. habe in dieser Zeit viele persönl. Anstrengungen unternommen, um das Hilfsprogramm für ukrain. Bürger durchzuführen, die Opfer der Tragödie im Kernkraftwerk Tschernobyl geworden seien. Für seine karitative Tätigkeit habe er höchsten Auszeichnungen in der Ukraine erhalten, sowoehl von Präsident Leonid Kutschma 2001 wie auch von Präsident s. Viktor Jushchenko 2006. Er sei Ehrenbürger der Ukraine, Ehrenmitglied des Rats der Journalisten der Ukraine u. habe 2016 die höchste Auszeichnung sozialer Organisationen in der Ukraine erhalten. Zu erklären, dass er ein Feind der Ukraine u. des ukrain. Volkes sei, bedeute, die Realität völlig zu ignorieren. Wie Anfang Nov. 2022 gemeldet wurde, soll Karpov den Ukrainekrieg Putins kritisiert haben. Der Nachrichtenagentur TASS zufolge soll Karpov bei einem  „häuslichen Unfall" ausgerutscht, gestürzt u. mit dem Kopf aufgeschlagen sein, wobei er ins Krankenhaus eingeliefert werden musste, von dem er nach einer Woche entlassen worden sein soll. Es wurden verschiedene Versionen des Vorfalls publik u. die Version der Kritik am Ukrainekrieg wurde nicht offiziell bestätigt. BILD berichtete, Karpov liege im künstl. Koma. Ein russ. Geschäftsmann soll zuvor von einem Angriff auf Karpov auf dem Weg aus der russ. Staatsduma berichtet haben, dann aber auf "Telegram" geschrieben, Karpovs Frau habe den Unfall bestätigt. FIDE berichtete Ende Okt. auf Twitter, Karpov sei schwer alkoholisiert aufgefunden worden u. befinde sich auf der Intensivstation.
Kritik u.
Sanktionen: Vom "Forum Freies Russland", das die sog. "Putin-Liste" führt, wird ihm öffentl. Unterstützung für den von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine vorgeworfen. Er verurteilte auch russ. Schachspieler, die einen Brief gegen den von Putin im Feb. 2022 angeordneten russ. Angriffskrieg gegen die Ukraine unterzeichnet hatten. Aufgrund der Unterstützung für den Krieg unterliegt Karlin persönlichen internationalen Sanktionen verschiedener Länder. Seit dem 23. Feb. 2022 steht Karpovs Name mit 351 Abgeordneten der derzeitigen Staatsduma RF auf der Sanktionsliste aller Länder der EU u. Kanadas, weil er als russ. Duma-Abgeordneter für die Ratifizierung von Freundschaftsverträgen mit den selbsternannten "Volksrepubliken" Doneck u. Lugansk gestimmt hatte. Im März 2022 wurde er wegen seiner "Mitschuld an Putins Krieg“ u. "Unterstützung der Bemühungen des Kremls, in die Ukraine einzumarschieren“ auf die US-Sanktionsliste gesetzt. Das US-Aussenministerium erklärte, dass die Abgeordneten der Staatsduma RF ihre Befugnisse nutzen, um Dissidenten u. polit. Gegner zu verfolgen, die Informationsfreiheit zu verletzen u. die Menschenrechte u. Grundfreiheiten der Bürger Russlands einzuschränken. Aus ähnlichen Gründen unterliegt Karpov den Sanktionen Grossbritanniens u. der Schweiz /?/, seit April 2022 den Sanktionen Australiens, Neuseelands u. Japans. Per Dekret des Präsidenten V. Zelenskyj unterliegt er seit Sept. 2022 den Sanktionen der Ukraine, weil er "die illegalen Versuche Russlands, souveränes ukrain. Territorium durch die Durchführung fiktiver Referenden zu annektieren, unterstützt“.)

KARPOV, Artur Gennadevich (1969-, russ. Richter am Basmannyj-Bezirksgericht in Moskau seit 2007. Er kam von der Militärstaatsanwaltschaft zur Justiz. Vom "Forum Freies Russland", das die "Putin-Liste" erstellt, wird ihm Umsetzung polit. Repression unter Verwendung offizieller Positionen vorgeworfen. Als Beteiligter am "Fall JUKOS" genehmigte der Richter im Dez. 2009 aufgrund erfundener Anschuldigungen in Abwesenheit die Verhaftung von Andrej Leonovich, des ehem. Finanzchefs des Unternehmens "JUKOS-Moskau". 2011-13 war er auch am "Fall Magnickij“ beteiligt; dabei lehnte der Richter die Beschwerden ab, um die Untersuchung der Umstände des Mordes an s. Sergej Magnickij in der Untersuchungshaftanstalt "Matrosskaja Tishina" zu prüfen. 2012-16 erliess er polit. motivierte Entscheidungen über die Verhaftung von Teilnehmern am "Bolotnaja-Prozess". Im "Fall Yves Rocher" s. Aleksej Navalnyjs von 2014 entschied der EGMR, dass Art. 6 u. 7 der Menschenrechtskonvention im Laufe der Prüfung des Falls durch das russ. Gericht verletzt wurden, nämlich dass das Recht auf ein faires Verfahren verletzt wurde u. das Urteil willkürlich u. unangemessen war. Im Feb. 2015 verlängerte der Richter die Haftzeit der ukrain. Pilotin s. Nadezhda Savchenko, die aus dem Hoheitsgebiet der Ukraine entführt u. in ein Untersuchungsgefängnis in Russland gebracht wurde. Im April 2021 wurde bekannt, dass Artur Karpov „auf eigenen Wunsch“ von seinem Amt zurücktrat.)

KARPOV, Pavel (1977-, ehem. russ. Ermittler der Hauptermittlungsabteilung der Hauptabteilung für Inneren Angelegenheiten Moskaus u. des Ermittlungsausschusses des Innenministeriums RF. Absolvent der Ermittlungsfakultät des Moskauer Rechtsinstituts des Innenministeriums RF. 1998-2009 arbeitete er in der Hauptermittlungsabteilung der Moskauer Hauptabteilung für Innere Angelegenheiten, zuletzt als leitender Ermittler für besonders wichtige Fälle. 2009 wechselte er nach einer Beförderung in den Untersuchungsausschuss des Innenministeriums RF. Im Juli 2012 trat er im Rang eines Oberstleutnants der Justiz in den Ruhestand. Vom "Forum Freies Russland", das die "Putin-Liste" erstellt, wird Pavel Karpov vorgeworfen: kriminelle Bereicherung u. Komplizenschaft bei der illegalen Strafverfolgung, die zum Tod von s. Sergej Magnickij führte, der Korruptionssysteme in Russland aufdeckte, sowie bei der Verfolgung anderer Personen, die ähnliche Gesetzesverbrechen aufgedeckt haben. Wie aus den Unterlagen unabhängiger Ermittlungen hervorgeht, war Pavel Karpov zusammen mit Artjom Kuznecov direkt am Diebstahl von 5,4 Mrd. Rubel u. an Repressionen gegen Sergej Magnickij beteiligt. Danach erwarb er Immobilien im Wert von über 1 Mln. USD. Im April 2013 setzte das US-Finanzministerium Pavel Karpov auf die Liste der Menschenrechtsverletzer gemäss dem "Magnitsky Act". Im April 2016 forderte Pavel Karpov ein Strafverfahren gegen den Chef der "Hermitage Capital Management", s. William Browder. Im Mai 2016 wurde auf Antrag von Pavel Karpov ein Strafverfahren gegen s. Aleksej Navalnyj eingeleitet, u. Anfang Juli wurde bei ihm eine Durchsuchung durchgeführt, bei der die gesamte Ausrüstung beschlagnahmt wurde. Im Okt. 2018 wurde Navalnyj offiziell wegen Verleumdung angeklagt. Die Veröffentlichungen, die eine Liste von Karpovs Eigentum wie Luxusimmobilien, Luxusautos usw. enthiellten, wurden als verleumderisch bezeichnet. Karpov selbst erklärte zuvor, dass er Gelder für ein luxuriöses Leben „als Geschenk von seinem wohlhabenden Freund“ erhalten habe. /Ausführlicher s. entsprechende Webseite/.)

KARTAPOLOV, Andrej Valerievich II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI (1963-, russ. Militärführer u. Staatspolitiker. Absolvent der Moskauer Allgemeinen Militär. Kommandohochschule, der M.V. Frunze-Militärakademie u. der Militärakademie des Generalstabs der Streitkräfte RF. Seine Militärkarriere begann der in Weimar, DDR, Geborene als Zugführer u. Kommandeur einer motorisierten Schützendivision in der Gruppe der Sowjet. Streitkräfte in Deutschland u. dem Fernöstlichen Militärbezirk. In der 2. Hälfte der 2000er Jahren diente er als stv. Befehlshaber der Armee im Sibirischen Militärbezirk, Stabschef der 22. Garde-Armee im Moskauer Militärbezirk u. Leiter der Operativen Hauptverwaltung des Generalstabs der Streitkräfte RF. Ab 2010 Kommandeur der 58. Armee des Nordkaukasischen, dann des Südliche Militärbezirks, stv. Kommandeur des Südlichen Militärbezirks, Stabschef des Westlichen Militärbezirks, Leiter der Haupteinsatzverwaltung - u. stv. Generalstabschef der Streitkräfte RF. Dez. 2012 Generalleutnant, Juni 2015 Generaloberst. Im Nov. 2015 vom Verteidigungsminister RF zum Kommandeur des Westlichen Militärbezirks ernannt. Dez. 2016 - März 2017 Kommandant der russ. Truppen in der Arabischen Republik Syrien. Ende Juli 2018 wurde er per Dekret des Präsidenten RF Putin zum stv. Verteidigungsminister RF u. Leiter der Militärpolit. Hauptverwaltung der Streitkräfte RF GVPU ernannt. Damit wurde Generaloberst Kartapolov zum 9. stv. Verteidigungsminister RF u.gleichzeitig Leiter der neu gegründeten Abteilung für die Stärkung der militärpatriot. Ausbildung in den Streitkräften RF, der GVPU. In der von Kartapolov befehligten GVPU waren die Kulturabteilung des Verteidigungsministeriums RF sowie das Büro des Verteidigungsministeriums RF für die Arbeit mit Bürgerbegehren u. der Militärheraldische Dienst der Streitkräfte RF angesiedelt. Vorstandsmitglied des Verteidigungsministeriums RF u. Mitglied der Redaktion der Zeitschrift Voennaja Mysl.
Politik: 2021 nahm Kartapolov an den Wahlen zur 8. Staatsduma RF auf der Parteiliste von "Einiges Russland"  in Moskau teil u. wurde gewählt. Im Okt. 2021 wurde er durch Dekret des Präsidenten RF von seinem Posten als Leiter der GVPU entbunden u. im Zusammenhang mit seiner Versetzung zur Arbeit in der Staatsduma RF aus dem Militärdienst entlassen. Gleichzeitig wurde er zum Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses der Staatsduma RF gewählt.
Kritik: Vorwurf der Beteiligung am Abschuss der MH17 im Juli 2014 über dem Territorium der Ostukraine mit 298 Todesopfern: Nach Ansicht von Experten erfolgte die Verlegung von Flugabwehrsystemen durch Kartapolovs Untergebene der 53. Luftverteidigungs-Flugabwehrbrigade RF, die zum Westlichen Militärbezirk gehörte, dessen Stabschef damals Kartapolov war, auf das Territorium der Ukraine u. der Angriff auf Luftziele über ihrem Territorium mit Kartapolovs Wissen u. auf dessen Befehl.
Vorwurf der Beteiligung an der Fabrikation falscher Beweise: Am 21. Juli 2014 setzte Kartapolov an einer Pressekonferenz des Verteidigungsministeriums RF die Behauptung in die Welt, dass die Radarüberwachung des Verteidigungsministeriums RF kurz vor dem Absturz der MH17 ein Su-25-Flugzeug der ukrain. Streitkräfte aufzeichnete, das in einer Entfernung von 3-5 km von der malaysischen Boeing flog. Laut Mitteilungen, die auf der "Bellingcat"-Website veröffentlicht wurden, ergab eine von internationalen Experten durchgeführte Überprüfung, dass die von Kartapolov präsentierten Daten absichtlich fabriziert wurden u. am Tag der Katastrophe keine ukrain. Militärflugzeuge in der Nähe der Boeing registriert wurden. Das Verteidigungsministerium RF vertrat jedoch weiterhin die Version Kartapolovs. Im Sept. 2016 sagte Viktor Meshcherjakov, stv. Chefkonstrukteur der Forschungs- u. Produktionsvereinigung der Elektromechan. Fabrik von Lianozovskij, bei einem Briefing des Verteidigungsministeriums RF, dass das Radarsystem "Utjos T" gezeigt habe, dass sich zur fraglichen Zeit keine Luftobjekte von Dritten in der Nähe des malaysischen Flugzeugs befunden hätten. Diese Erklärung wurde in Anwesenheit des offiziellen Vertreters des Verteidigungsministeriums RF, Generalmajor s. Igor Konashenkov, u. des Leiters der funktechnischen Truppen der Luft- u. Raumfahrtstreitkräfte, Generalmajor Andrej Koban abgegeben. Diese Information ist eine De-facto-Widerlegung der Aussage Andrej Kartapolovs, die er 2 Jahre zuvor machte. Der Name Kartapolovs fehlte im Haager MH17-Urteil vom 17. Nov. 2022.
Die "Stiftung für Korruptionsbekämpfung" FBK von s. Aleksej Navalnyj beschuldigte Kartapolov, die Entführung ihrer Mitarbeiter Ruslan Shaveddinov, Artem Ionov u. Ivan Konovalov koordiniert zu haben. Dafür wurde Kartapolov von der "FBK" auf die "Liste der 35" gesetzt, bestehend aus hochrangigen russ. Staatsbeamten, gegen die Sanktionen empfohlen wurden. Vor den Wahlen 2021 veröffentlichte die "FBK" eine Untersuchung, wonach die Tochter Kartapolovs eine Beteiligung am genehmigten Kapital des "Brasov Machine-Building Plant" besitzt, das auch Spezialbehälter für Munition herstellt.
Vom "Forum Freies Russland", das die "Putin-Liste" führt, wird Kartopolov Beteiligung an den Kriegshandlungen in der Ukraine u. in Syrien, an der Organisation der Tötung von Soldaten in Ilovajsk sowie Falschaussagen im Fall der malaysischen Boeing vorgeworfen.
Sanktionen: Im Feb. 2015 wurde Kartapolov auf die EU-Sanktionsliste der Personen gesetzt, deren Vermögenswerte in der EU eingefroren sind u. gegen die Visabeschränkungen verhängt werden. Im Zusammenhang mit den Massnahmen Russlands gegen die Ukraine, die im Zuge des von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine zur Untergrabung der territorialen Integrität, Souveränität u. Unabhängigkeit u. zur Destabilisierung der Ukraine führten, wurde Kartapolov von der EU sowie von Grossbritannien, Kanada, Australien, Neuseeland, Japan, der Schweiz u. der Ukraine mit Sanktionen für Personen belegt, deren Vermögen in der EU eingefroren wurden u. für die Visabeschränkungen bzw. ein  Einreiseverbot bestehen. Im März 2022 wurde er wegen seiner "Mitschuld an Putins Krieg“ u. der "Unterstützung der Bemühungen des Kremls, in die Ukraine einzumarschieren“ auf die US-Sanktionsliste gesetzt, auch weil die Abgeordneten der Staatsduma RF ihre Macht nutzen, um Andersdenkende u. polit. Gegner zu verfolgen, die Informationsfreiheit zu verletzen u. die Menschenrechte u. Grundfreiheiten der russ. Bürger einzuschränken.)

KARJAKIN, Aleksej Vjacheslavovich II III (1980-, ukrain.-russ. Fahrzeugreparateur, proruss. Politiker in der selbsternannten sog. "Volksrepublik Lugansk" LVR. Absolvent der Stakhanov-Technikschule mit einem Abschluss in Fahrzeugwartung u. -reparatur ab. Dann führte er ein eigenes kleines Geschäft in Stakhanov, Gebiet Lugansk/Luhansk. Im April 2014 beteiligte sich Karjakin an den Aktionen gegen die Politik der ukrain. Regierung in Kiev im Rahmen des "Russ. Frühlings“ in der Stadt Stakhanov, ukrain. Kadijivka, im Gebiet Lugansk/Luhansk, Donbass, Ostukraine. Dabei wurde er zusammen mit 5 anderen Aktivisten festgenommen u. in die Haftanstalt der Abteilung für innere Angelegenheiten des Lenin-Bezirks in Lugansk verbracht, wurde aber bald, nach der Erstürmung des Gebäudes der SBU in Lugansk, freigelassen. Er beteiligte sich an Kundgebungen zur Unterstützung der "Berkut“, der Spezialeinheit des ukrain. Innenministeriums, sammelte Geld für verletzte Soldaten der Einheit u. vertrat die Bürger, die das SBU-Gebäude in Lugansk besetzt hatten, bei einem Treffen mit Vertretern der OSZE-Beobachtergruppe. Im Mai 2014 wurde er zum Vorsitzenden des "Volksrats"/Parlaments der sog. "Volksrepublik Lugansk" gewählt. Daraufhin wurde er wegen "Verdachts auf Hochverrat“ vom SBU auf die Fahndungslistegesetzt. Im Okt.-Dez. leitete er die Zentrale Rechnungsprüfungskommission der öffentl. Bewegung "Frieden für das Lugansker Gebiet“. Im Nov. 2014 wurde er erneut zum Vorsitzenden des "Volksrats der LVR" gewählt. Im März 2016 wurde er aus diesem Amt entlassen, wobei er 3 Tage später die "LVR" in Richtung Russland verliess. Ende April wurden ihm die parlamentar. Befugnisse entzogen. Im Sept. 2016 wurde er von der Generalstaatsanwaltschaft der "LVR" im Zusammenhang mit einem Putschversuch auf die Fahndungsliste gesetzt. Nachdem der Chef der "LVR", s. Igor Plotnickij, im Nov. 2017 zurückgetreten u nach Russland ausgereist war, kehrte Karjakin in die "LVR" zurück. Im Juni 2019 wurde er zum 1. Vorsitzenden der neu geschaffenen Öffentl. Kammer der "LVR" gewählt. 2022 war er als Freiwilliger der Mobilisierung der russ. Armee in der Ukraine gemeldet. Aufgrund des von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine gelangte er auf die Sanktionslisten der EU, Grossbritanniens, der USA u. einer Reihe weiterer Länder. 2023 war er Mitglied der öffentl. Zentrale zur Überwachung der von Russland organisierten "Wahlen“ in den von Russland besetzten Gebieten der Ost- u. Südostkraine.)

KASATONOV, Vladimir Lvovich II III (1962-, sowjet. bzw. russ. Militärführer der Marine RF, Vizeadmiral. Absolvent verschiedener Marineschulen u. Militärakademien von 1977 bis 2008. Er diente als Kommandeur auf den Schiffen der Nordflotte u. dem schweren Atomraketenkreuzer "Kirov", als Befehlshaber zweier Zerstörer, als Kommandeur des schweren Atomraketenkreuzers "Peter der Grosse" sowie als Stabschef u. Kommandeur einer Division der Raketenschiffe der Nordflotte. 2010 wurde er zum Kommandeur der Kola-Flottille der Streitkräfte der Nordflotte u. 2012 zum Stabschef u. 1. stv. Kommandeur der Pazifikflotte ernannt. 2016-19 war er Leiter der nach N.G. Kuznecov benannten Seekriegsakademie. Im Dez. 2019 wurde er per Dekret des Präsidenten RF V. Putin zum stv. Oberbefehlshaber der Marine ernannt.
Rolle beim Unglück des U-Boots "Kursk" 2000: Von März 2000 bis Juli 2005 war Kasatonov Kapitän des Schlachtkreuzers "Pjotr Velikij" / Peter der Grosse". Während der jährlichen Übungen der Nordflotte in der Barentssee vom Aug. 2000 erlitt bekanntlich das U-Boot K-141 "Kursk" einen verheerenden Unfall u. sank. Am Morgen des 12. Aug. sollte die "Kursk" einen Schein-Torpedoangriff auf die "Pjotr Velikij" durchführen. Während der Vorbereitungen für den Angriff ereignete sich auf der "Kursk" eine Explosion mit einem Brand in ihrem Torpedoraum, gefolgt von einer 2. grösseren Explosion, die das Boot zum Sinken brachte. Kasatonovs Sonarbetreiber an Bord der "Pjotr Velikij" meldeten die Geräusche von 2 Explosionen aus der Nähe der "Kursk", u. als sich das U-Boot nicht wie geplant meldete, begannen Suchoperationen. Um 4.30 Uhr Ortszeit, 5 Std. nach Beginn der Suche u. 16 Std. nach dem Untergang des U-Boots, entdeckte das Sonarsystem von "Pjotr Velikij" das Wrack der "Kursk" in 108 m Tiefe, etwa 105 km von Severomorsk entfernt. Die Rettungsaktionen begannen unter der Koordination von Admiral Popov an Bord der "Pjotr Velikij". Zu diesem Zeitpunkt waren die Überlebenden der Explosion wahrscheinlich bereits tot. Kasatonov u. sein Schiff bewachten die Stelle des Wracks während der Rettungs- u. anschliessenden Bergungsarbeiten bis Okt. 2000. In diesem Monat wurde die "Pjotr Velikij" zum besten Schiff der Nordflotte erklärt. Kasatonov wurde im Feb. 2003 zum Konteradmiral befördert. Im März 2004 wurde Kasatonov vom Oberbefehlshaber der Marine, Flottenadmiral Vladimir Kuroedov, wegen des Zustands der "Pjotr Velikij" kritisiert. Kuroedov, der das Schiff in den Hafen einlaufen liess, wurde mit den Worten zitiert: „An den Orten an Bord, wo die Admirale tatsächlich hingehen, ist alles in Ordnung, aber wo sie nicht hingehen, ist alles in einem solchen Zustand, dass es in den Himmel gehen könnte. ... Und damit meine ich auch den Zustand des Kernreaktors.“ Später bestritt er, dass von dem Kernreaktor eine Bedrohung ausgegangen sei. Beobachter stellten fest, dass die Kommentare wahrscheinlich interne Kämpfe im Oberkommando der Marine widerspiegelten, wo Kuroedov nach einer Reihe von Unfällen, darunter dem Verlust der "Kursk" u. dem Untergang der "K-159" im Aug. 2003, unter Druck stand. Sie stellten auch fest, dass Kasatonovs Onkel, Admiral Igor Kasatonov, Kuroedov wegen des Verlusts von Menschenleben beim Untergang der "K-159" äusserst kritisch gegenübergestand.
Als Militärwissenschaftler ist Kasatonov als Autor von über 30 wissenschaftl. Artikeln u. Monographien hervorgetreten. Sein wissenschaftl. Interessenbereich umfasst die allgemeinen Grundlagen der Militärwissenschaft, den Aufbau des Militärs u. der Streitkräfte. 2022 erschien sein Buch über "Neue Militärkunst. Buch 1. Theorie.“, das die Richtungen zur Verbesserung der Theorie der Militärkunst als Wissenschaft behandelt. Das Hauptaugenmerk des Werks liegt auf der Schaffung eines grundlegenden Gesetzessystems, das die Konfrontation zwischen 2 gleichberechtigten Gegnern bestimmt.
Kritik u.
Sanktionen: Vom "Forum Freies Russland" werden Kasatonov eine Mitschuld an der militär. Aggression Russlands gegen die Ukraine u. Kriegsverbrechen vorgeworfen. Vor dem Hintergrund des von Putin im Feb. 2022 entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine wurde Kasatonov im Feb. 2022 auf die EU-Sanktionsliste gesetzt, indem er als "verantwortlich für die Operationen der russ. Flotte, auch in der Ukraine oder auf ihrem Territorium“ eingestuft wurde. Daher sei er für die aktive Unterstützung u. Umsetzung von Massnahmen u. Richtlinien verantwortlich, die die territoriale Integrität, Souveränität u. Unabhängigkeit der Ukraine sowie die Stabilität oder Sicherheit in der Ukraine untergraben u. bedrohen.“ Im März 2022 wurde Kasatonov auf die Sanktionsliste Kanadas als "enger Verbündeter des Regimes“ gesetzt, weil er "Präsident Putins Entscheidung, in ein friedliches u. souveränes Land einzudringen, erleichtert u. unterstützt" habe. Aus ähnlichen Gründen unterliegt er Sanktionen Grossbritanniens, Australiens, Japans, Neuseelands, der Schweiz u. Ukrainet.)

KASPAROV, Garri Kimovich II III IVa IVb V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV (ehem. sowjet. bzw. russ. Schachweltmeister armen. u. jüdischer Herkunft, geb. als Garik Weinstein /Wajnshtejn/ u. aufgewachsen in Baku, Aserbaidschan. SSR. 1985-93 war er offizieller Weltmeister des Weltschachverbands FIDE. Nachdem er sich 1993 von dieser Organisation getrennt hatte, blieb er noch bis 2000 der vom Grossteil der Schachwelt anerkannte Träger dieses Titels. Im März 2005 beendete er, an der Spitze der Weltrangliste stehend, offiziell seine professionelle Schachkarriere. Seit dem Rückzug vom Schach ist Kasparov v.a. als russ. Oppositionsaktivist u. Buchautor in Erscheinung getreten.
Polit. Aktivität: 1984 trat Kasparov der KPdSU bei, verliess diese 1990 u. beteiligte sich an der Gründung der "Demokrat. Partei", deren stv. Vorsitzender er wurde. Ein Jahr später trat er nach Auseinandersetzungen über das Programm auch aus dieser Partei aus. 1993 war er an der Gründung der Partei "Russlands Wahl" beteiligt. Bei den russ. Präsidentschaftswahlen 1996 setzte er sich für die Wiederwahl von s. Boris Elcyn ein. Ab 1999 veröffentlichte Kasparov eine Reihe von polit. Kommentaren in US-Zeitungen wie dem The Wall Street Journal. Nach der Wahl V. Putins zum Präsidenten RF im März 2000 betrachtete Kasparov ihn zunächst als „jungen pragmat. Führer“, der zur Entwicklung der Demokratie in Russland beitragen könne, war jedoch bald desillusioniert von ihm, sah seine Fehleinschätzung ein u. wurde sein entschiedener Kritiker u. Gegner. 2001 unterzeichnete er einen Brief zur Verteidigung des Senders "NTV". 2003 gehörte er zu den Persönlichkeiten aus Kultur u. Wissenschaft, die die russ. Behörden aufforderten, den Krieg in Tschetschenien zu beenden u. den Verhandlungsprozess fortzusetzen. Er wurde Mitgründer u. Vorsitzender des im Jan. 2004 errichteten "Komitees 2008: Freie Wahl“, das das Ziel verfolgte, eine weitere Amtszeit Putins zu verhindern. Ausserdem wurde er Co-Vorsitzender des Organisationskomitees des Allruss. Bürgerkongresses "Russland für Demokratie, gegen Diktatur“ VGK zusammen mit der Menschenrechtlerin s. Ljudmila Alekseeva u. dem ehem. Elcyn-Berater s. Georgij Satarov. Im März 2005 verkündete Kasparov das Ende seiner Sportkarriere u. teilte mit, an der russ. Politik als neues Lebensziel teilhaben zu wollen u. potenzieller Kandidat für die Präsidentschaftswahlen RF 2008 zu werden. Er gründete die "Vereinigte Bürgerfront" u. wurde Mitglied beim regierungskritischen Parteienbund "Das andere Russland". Zweck dieser oppositionellen Koalition verschiedener polit. Überzeugungsrichtungen sollte sein, sich der Politik Putins u. seiner Partei "Einiges Russland" entgegenzustellen u. die Macht vom Präsidenten auf das Parlament u. die Regionen umzuverteilen. Im April 2005 kündigte Kasparov gemeinsam mit dem russ. Duma-Abgeordneten s. Vladimir Ryzhkov die Gründung einer neuen liberalen Partei an. Seit 2006 war Kasparov auch einer der Organisatoren des "Marsches der Unzufriedenen“, der vom "Anderen Russland" veranstaltet wurde. Mitte Dez. 2006 veranstaltete Kasparov in Moskau eine Demonstration gegen die Putin-Regierung, an der etwa 2000 Menschen teilnahmen. Wegen seiner kritischen Haltung gegenüber dem Putin-Regime geriet er ins Visier der Behörden u. hatte künftig verschiedene behördl. Schikanen zu gegenwärtigen. Wenige Tage vor der Kundgebung waren im Zusammenhang hiermit die Räume des von Kasparov geleiteten Komitees durchsucht worden. Im April 2007 organisierte Kasparov eine weitere Oppositionskundgebung in Moskau. Auf dem Weg zu dieser nicht genehmigten Veranstaltung nahm die Polizei ihn u. seine Begleiter fest, wobei er einige Stunden später gegen Bezahlung einer Geldstrafe von 1000 Rubel wieder freikam. Im Mai 2007 fand in Samara deEU-Russland-Gipfel statt, zu dem auch einige russ. Oppositionelle, darunter Kasparov, anreisen wollten. Laut eigener Aussagen wurde Kasparov am Moskauer Flughafen festgehalten, während sein Pass u. das Flugticket abgenommen wurden. Kasparov bezeichnete Russland daraufhin als einen „Polizeistaat“. Die dt. Bundeskanzlerin s. Angela Merkel übte offen Kritik am Vorgehen der russ. Behörden. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte EGMR urteilte im Okt. 2016, das Vorgehen gegen Kasparov sei unrechtmässig gewesen. Im Juli 2007 verglich Kasparov in The Wall Street Journal die Regierung Putin mit der Mafia, wie sie in Romanen von Mario Puzo beschrieben werde. Im Sept. 2007 bezeichnete Kasparov den tschetschen. Präsidenten s. Ramzan Kadyrov als „Banditen“, worauf das tschetschen. Parlament eine Klage wegen Beleidigung gegen Kasparov einreichte. Ende Sept. 2007 begann eine Kampagne zur Nominierung Kasparovs als Kandidat des "Anderen Russlands“ für die Präsidentschaft RF bei der Wahl vom März 2008, wobei Kasparov eine Vorwahl für die Nominierung als Präsidentschaftskandidat des Oppositionsbündnisses "Anderes Russland" in Moskau gegen den früheren PM RF s. Mikhail Kasjanov u. den früheren Zentralbankchef s. Viktor Gerashchenko gewann. Im Okt. 2007 hatte Kasparov mehrere Auftritte in bekannten TV-Sendungen der USA wie The Colbert ReportReal Time with Bill Maher u. CNN Late Edition. Im Nov. 2007, eine Woche vor den Parlamentswahlen in Russland, wurde Kasparov in Moskau nach einer genehmigten Kundgebung bei einem nicht genehmigtem Protestmarsch verhaftet u. zu 5 Tagen Gefängnis verurteilt. "Amnesty International" bezeichnete ihn als „polit. Gefangenen“ u. forderte seine sofortige Freilassung. Nach fünftägiger Haft an einem geheim gehaltenen Ort kam Kasparov wieder frei. 2016 stellte der EGMR bei der Verhaftung Kasparovs vom Nov. 2007 keine Verletzungen des Rechts auf Freiheit u. Unverletzlichkeit der Person fest, sah jedoch seine Rechte auf ein faires Verfahren u. die Versammlungsfreiheit als verletzt an. Im Dez. 2007 gab Kasparov seinen Rücktritt von seiner Präsidentschaftskandidatur bekannt, da er von den Behörden massiv behindert werde. Gleichzeitig zeigten Umfragen, dass die Unterstützung für Kasparov in Russland gering war u. er keine Chance hatte, bei diesen Wahlen zu gewinnen. Im Dez. 2008 gründeten Kasparov u. s. Boris Nemcov eine neue Oppositionsbewegung unter dem Namen "Solidarnost". Am Gründungskongress in einem Hotel nahe Moskau nahmen über 150 Delegierte von Organisationen, Bürgerbewegungen u. polit. Parteien teil, darunter auch der liberalen Partei "Jabloko. Kasparov wurde als Mitglied des Präsidiums des föderalen polit. Rats der Bewegung gewählt. Kasparov rief die Delegierten auf, den beschädigten Ruf der russ. Demokratie mit einem gemeinsamen Vorgehen gegen die Kreml-Führung zu retten, u. warf der polit. Führung in Moskau vor, „unter dem Mantra liberaler Prinzipien eine vollständige Diktatur geschaffen“ zu haben. Im März 2010 unterzeichnete Kasparov den Appell der russ. Opposition "Putin muss gehen“, wobei Kasparov Mitglied der Autorengruppe war. Im Frühjahr/Sommer wurden Unterschriften gesammelt u. im Herbst/Winter fanden in Moskau Kundgebungen für Putins Rücktritt statt, bei denen auch Kasparov sprach. Im Herbst 2011 rief Kasparov zum Boykott der Wahlen zur Staatsduma RF auf. Im Okt. kam es beim Bürgerforum "Letzter Herbst“ zu Debatten zwischen Vertretern dreier Positionen in Bezug auf die Wahlen: Garri Kasparov, Boris Nemcov u. s. Aleksej Navalnyj. Im Dez. sprach Kasparov auf Massenkundgebungen in Moskau. Im Mai 2012 wurde Kasparov zum Vorsitzenden des internationalen Rats der "Human Rights Foundation" HRF gewählt. Im Aug. wurde er während einer Demonstration gegen die Verurteilung von 3 Mitgliedern der Punk-Rock-Gruppe "Pussy Riot" zusammen mit rd. 60 anderen Demonstranten von der russ. Polizei verhaftet u. wegen Verstosses gegen das Demonstrationsrecht angeklagt. Das Verfahren gegen Kasparov wurde jedoch bald eingestellt u. der Beschuldigte freigesprochen. Im Okt. 2012 belegte Kasparov bei den Wahlen zum Koordinierungsrat der Opposition auf der allgemeinen Bürgerliste den 3. Platz; den 1. u. 2. Platz erhielten Aleksej Navalnyj u. s. Dmitrij Bykov. Anfang April 2013 verliess Kasparov den Vorstand von "Solidarnost", blieb aber Mitglied der Organisation. Er begründete seine Entscheidung damit, dass er der Umwandlung von "Solidarnost“ in „ein Anhängsel der Partei "RPR-PARNAS“ u. der Teilnahme an „Aktionen zur Legitimierung der bestehenden Regierung“ wie Wahlen nicht zustimmen konnte. Inzwischen hatte Kasparov Russland verlassen. Anfang Juli 2013 sagte er, er sei seit Feb. 2013 nicht nach Russland zurückgekehrt, weil er befürchtete, dass gegen ihn wegen polit. Proteste ermittelt wird u. er an einer Wiederausreise gehindert werden könnte. Er habe keine Pläne, aus dem Ausland nach Russland zurückzukehren u. werde weiterhin auf internationaler Ebene gegen die „Kreml-Verbrecher“ kämpfen. Von diesem Moment an lebte er in New York, USA. Kasparov sagte auch, dass er den Vorsitz des "We Choose“-Ausschusses zur Unterstützung fairer Wahlen im Iran führe. m Juni 2013 wurde Kasparov in Genf für seinen gewaltlosen Einsatz für die Menschenrechte in Russland mit dem "Morris B. Abram Human Rights Award" der Organisation "UN Watch" ausgezeichnet. Im Nov. 2013 beantragte Kasparov die lettische Staatsbürgerschaft, da er in Russland polit. Verfolgung fürchtete. Im Feb. 2014 erhielt Kasparov die kroatische Staatsbürgerschaft. Im März 2014 wurde auf Ersuchen der Generalstaatsanwaltschaft RF u. ohne Gerichtsentscheid von "Roskomnadzor" die Website kasparov.ru wegen „Aufrufen zu illegalen Aktivitäten u. zur Teilnahme an ordnungswidrigen Massenveranstaltungen“ in Russland gesperrt. Im Aug. 2014 wurde die Rechtmässigkeit der Sperrung der Website durch das Moskauer Gericht Khamovniki bestätigt. 2020 erkannte der EGMR an, dass die Sperrung der Website vom Aug. 2014 gegen die Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte u. Grundfreiheiten verstiess, u. verurteilte Russland zur Zahlung von 10 Tsd. Euro an das Portal. 2014 verurteilte Kasparov, der die Krym als ukrain. Staatsterritorium betrachtet, die Annexion der Krym durch Russland u. Russlands Vorgehen im Zusammenhang mit dem bewaffneten Konflikt in der Ostukraine u. forderte die Führungen der westlichen Welt auf, den Druck auf Putin zu erhöhen. Er unterstützte das Verbot russ. sozialer Netzwerke u. russ. Suchmaschinen in der Ukraine, forderte die europäischen Länder auf, dasselbe zu tun, u. sprach sich für die Freilassung des in Russland inhaftierten ukrain. Regisseurs s. Oleg Sencov aus. Nach der Ermordung des oppositionellen Politikers s. Boris Nemcov Anfang März 2015 in Moskau gab Kasparov mehrere Interviews. Als Vorsitzender der HRF gab er vor dem Unterausschuss des US-Senats für Europa u. regionale Sicherheitszusammenarbeit eine Stellungnahme zum Thema „Russ. Aggression in Osteuropa“ ab. Im Aug. 2015 erklärte Kasparov, dass es „keine Chancen für den Frieden" gebe, „solange Putin im Kreml" sei, denn „der Friede bedeute für Putin das „Ende seiner Macht.“ 2015 wurde Kasparovs Buch "Winter is Coming: Why We Should Stop Vladimir Putin and the Enemies of the Free World“ veröffentlicht, das sich der scharfsinnigen, schonungslos kritischen u. wahrhaften oppositionellen Analyse der destruktiven u. gefährlichen Politik V. Putins u. der Appeasement-Politik westlicher Führer widmet, die Russland in die Katastrophe geführt habe, mit fatalen Folgen für die Sicherheit u. den Frieden auf der Welt. Das Buch, das ein engagiertes Plädoyer gegen Putin u. dessen revanchistische u. rachegeleitete Politik enthält, ist auf Deutsch unter dem Titel "Warum wir Putin stoppen müssen" erschienen /II III/. Seit 2016 ist Vilnius, Litauen, Gastgeber von Konferenzen russ. Oppositionspolitiker, des "Forums Freies Russland“, das von Kasparov u. dem ehem. Exekutivdirektor von "Solidarnost", Ivan Tjutrin, eingerichtet wurde. Eines der Projekte des Forums ist die Zusammenstellung einer "Putin-Liste“ mit Vorschlägen für die Sanktionierung russ. Bürger durch die USA u. EU, weil sie die Kriegsaggression des Kremls gegen die Ukraine unterstützen. Im Okt. 2017 schlug Kasparov vor, die russ. Präsidentschaftswahl 2018 zu boykottieren. Als überzeugter Anhänger der US-Republikaner lobte Kasparov die Aussenpolitik der USA, insbes. Ronald Reagans gegenüber der Sowjetunion, ignorierte jedoch Vorwürfe über Menschenrechtsverletzungen, für die dessen Administration verantwortlich gemacht wurde. 2018 veröffentlichte die "Initiative für die Erneuerung der Demokratie", der Kasparov, William Kristol, s. Anne Applebaum, Mario Vargas Llosa u.a. Schriftsteller, polit. Kommentatoren u. Intellektuelle angehören, eine Sammlung von Essays zur Präsidentschaft von s. Donald Trump unter dem Titel "Fight for Liberty: Defending Democracy in the Age of Trump". 2019 unterzeichnete Kasparov einen "Offenen Brief gegen die polit. Repression in Russland". Im Feb. 2022, dem Monat des Beginns
des von Putin entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine wurde Kasparov Mitglied des "Antikriegskomitees Russlands". Im Mai 2022 wurde er vom Justizministerium RF auf die personenbezogene Liste der sog. "ausländ. Agenten“ gesetzt. Im Okt. 2022 sagte Kasparov angesichts der russ. Misserfolge im Ukrainekrieg einen Zusammenbruch der unter Putins Führung stehenden RF für 2023 voraus u. erklärte, dass s. Mikhail Khodorkovskij der Mann der Stunde für die Zeit nach Putin sein werde. Er selbst strebe kein polit. Amt mehr in Russland an, sei aber bereit, Zeit, Energie u. Ruf zu investieren, „um Russland zu helfen, als Mitglied der zivilisierten Welt zurückzukehren.“ Im Feb. 2023 wurde das "Forum Freies Russland" vom Putin-Regime verboten u. Kasparov selbst Im März 2024 von "Rosfinmonitoring" auf die Liste der Terroristen u. Extremisten gesetzt. Im April 2024 verhaftete das Stadtgericht Syktyvkar Kasparov in Abwesenheit aufgrund der Vorwürfe der Gründung einer terrorist. Gemeinschaft sowie der Finanzierung terrorist. Aktivitäten u. öffentl. Aufrufe zum Terrorismus. Zusammen mit ihm wurden weitere Mitglieder des Rats des "Forums Freies Russland“, so s. Ivan Tjutrin, s. Evgenija Chirikova u. s. Gennadij Gudkov, in Abwesenheit verhaftet. Die Medien verbanden die strafrechtliche Verfolgung dieser Oppositionellen mit einer im Nov. 2023 vom "Forum" durchgeführten Auktion zur Unterstützung russ. Freiwilliger, die für die Ukraine kämpften. In einem Interview vom Feb. 2025 sagte Kasparov in Genf, Europa könne die Ukraine auch ohne die USA verteidigen. Von der Schweiz zeigte er sich enttäuscht.) 08.24 / 02.25

KASPERSKAJA (geb. SHTUCER / STUZER/STUTZER), Natalja Ivanovna II 2010-18: II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVI XXVII XXVIII XXIX XXX XXXI XXXII XXXIII XXXIV XXXV XXXVI XXXVII XXXVIII XXXIX XL  2019-22: II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVI XXVII XXVIII XXIX XXX XXXI XXXII XXXIII XXXIV 2025. II (1966-, sowjet. Mathematikerin bzw. russ. Top-Unternehmerin im IT-Bereich. Absolventin der Fakultät für Angewandte Mathematik am Moskauer Institut für Elektrotechnik u.  Mathematik MIEM. Das Thema ihrer Diplomarbeit lautete "Das mathemat. Modell des Kühlsystems eines Kernreaktors“. Darüber hinaus erwarb sie einen Bachelor-Abschluss in Betriebswirtschaft von der "Open University" in GB. Nach ihrem Abschluss am Institut arbeitete Kasperskaja 6 Monate im Moskauer Zentralen Forschungs- u. Konstrutionsbüro CNKB als wissenschaftl. Mitarbeiterin. Ihren 1. Ehemann, s. Evgenij Kasperskij, lernte die 20-jährige Natalja 1987 kennen u. heiratete ihn im gleichen Jahr. Das Ehepaar liess sich 1998 auf Initiative von Evgenij scheiden, verschwieg die Scheidung jedoch aufgrund des insgesamt schnell wachsenden Geschäfts noch ein paar Jahre. In den 1990er Jahren leitete Kasperskaja die Antiviren-Vertriebsabteilung von "AntiViral Toolkit Pro", in der das Entwicklungsteam von Evgenij Kasperskij gearbeitet hatte. Im Juni 1997 leitete sie die Entstehung von "Kaspersky Lab" ein. Die anfängliche Verteilung der Anteile an "Kaspersky Lab" war wie folgt: 50% gehörten Evgenij, weitere 20% gehörten 2 seiner Programmierkollegen, während Nataljas Anteil 10% betrug. Seit 1997 verdoppelte sich der Umsatz jährlich; 2001 betrug der Umsatz des Unternehmens etwa 7 Mln. USD, 2006 waren es über 67 Mln. USD. Im Aug. 2007 wurde Natalja aufgrund einer sich vertiefenden ideolog. Spaltung mit Evgenij Kasperskij von ihrem Posten entlassen u. von ihren wichtigsten Führungsfunktionen entfernt; sie blieb jedoch Vorsitzende des Direktoriums von "Kaspersky Lab". Ihr endgültiger Abschied von dem einst gemeinsamen Geschäft erfolgte 2011. Unter der Leitung von Natalja Kasperskaja entwickelte sich "Kaspersky Lab" zu einem der grössten Antivirus-Software-Unternehmen mit einem Netzwerk regionaler Niederlassungen auf der ganzen Welt. Zum Zeitpunkt des Führungswechsels 2007 betrug der Umsatz des "Laboratoriums“ 126 Mln. USD. 2011 wurde sein Kapital auf über 1,3 Mrd. USD geschätzt, während der Jahresumsatz 700 Mln. USD betrug. Nach dem Führungswechsel verringerte sich dessen Wachstumsrate merklich: 2009 sank der weltweite Umsatz von "Kaspersky Lab" um 40%, 2011 um 13,7%, 2012 um 3%, 2013 um 6%. 2007-11 kaufte "Kaspersky Lab" den Anteil Nataljas an diesem Unternehmen vollständig auf.
"InfoWatch"
: 2001-2 entwickelten die Spezialisten von "Kaspersky Lab" ein System, das später unter der Marke "InfoWatch Traffic Monitor Enterprise" bekannt wurde u. sich mit dem Schutz von Unternehmensbenutzern vor internen Bedrohungen befasste. Im Dez. 2003 wurde eine Tochtergesellschaft namens "InfoWatch" gegründet, um das neue Produkt zu entwickeln u. zu vertreiben. 2005 gründete Kasperskaja zusammen mit Igor Ashmanov, ihrem 2. Ehemann ab 2001, das Unternehmen "Nanosemantics", das sich mit der Entwicklung von Online-Diensten beschäftigt, die auf einem direkten Dialog zwischen einem Computer u. einem Benutzer basieren. Das Unternehmen ist auf Technologien der künstlichen Intelligenz spezialisiert. Ab Okt. 2007 war Natalja Kasperskaja CEO u. Mehrheitseigentümerin von "InfoWatch", eine Firma, die Teil ihres Anteils an der Geschäftsteilung mit ihrem Ex-Mann war. Kasperskaja richtete ihre Hauptinvestitionen auf "InfoWatch", auf gemeinsame Unternehmen von "Kribrum" u. "Nanosemantics" mit Igor Ashmanov sowie auf das dt. Antivirenunternehmen "G Data Software AG". Die Firma "Kribrum" wurde 2010 von Natalja Kasperskaja u. Igor Ashmanov als Teil der "InfoWatch"-Unternehmensgruppe gegründet; die Firma vertritt ein Überwachungsdienst für soziale Medien, der darauf ausgelegt ist, die Informationssicherheit im Internet zu gewährleisten. 2012 wurde bekannt, dass die Antiviren-Firma "Kaspersky Lab" u. "Infowatch" unter der Leitung von Natalja Kasperskaja beschlossen, sich als vollständig unabhängige Unternehmen aufzustellen. Das anfänglich unrentable Geschäft des Unternehmens "InfoWatch" erreichte 2012 erstmals ein Plus u. wuchs rasant weiter, um 60-70% pro Jahr. Laut Forbes belief sich der Umsatz von "InfoWatch" 2014 auf 831 Mln. Rubel; unabhängige Experten, die im Frühjahr 2015 von Kommersant befragt wurden, schätzten dieses Geschäft 40-50 Mln. USD schwer. Heute ist "InfoWatch" eine bedeutende Unternehmensgruppe aus mehreren Tochterunternehmen, die sich in 2 Richtungen gruppieren – Schutz von Unternehmen vor inneren Bedrohungen u. vor gezielten Angriffen von aussen. Es nimmt etwa 50% des russ. Markts für vertrauliche Datenschutzsysteme /DLP-Systeme/ ein. Zu den langjährigen Kunden gehören russ. Regierungsbehörden sowie "Sberbank", "Bilajn", "Lukoil", "Tatneft", "Surgutneftegaz", "Sukhoj", "Magnitogorsker Metallurg. Kombinat" u.a. Ausserdem fördert das Unternehmen aktiv seine Geschäfte in Deutschland, im Mittleren Osten, in den Ländern Süd- u. Südostasiens. Die derzeitigen Anteilseigner von "InfoWatch" sind Natalja Kasperskaja u. der stv. Generaldirektor des Unternehmens, Rustem Khajretdinov.
Seit 2017 besitzt Kasperskaja über die zypriot. Offshore-Firmen "Organat Financial Ltd.“ u. "Fiduciana Nominees Ltd." die russ. "Neklis"-Bank. Deren Lizenz wurde im Jan. 2020 von der Zentralbank RF widerrufen. Sogleich wurde bekannt, dass Kasperskaja ihre Mitgliedschaft im Vorstand der "Bank Otkrytie Financial Corporation" suspendiert habe. Kasperskaja
, nunmehr eine der bekanntesten, renommiertesten u. einflussreichsten Personen in der russ. IT-Branche, ist Vorstandsmitglied wichtiger Verbände, so Vorstandsvorsitzende des Verbands der Softwareentwickler ARPP "Оtechestvennyj soft“, u. Mitglied anderer bedeutender Organisationen u. Gremien /s. dt. Wikipedia/.
Kritik: Vom "Forum Freies Russland", das die sog. "Putin-Liste" führt, wird ihr
Mittäterschaft bei einem Verfassungsstreich, Lobbyarbeit für staatl. digitale Überwachung der Bürger u. Verletzung digitaler Freiheiten vorgeworfen: Sie ist in der sog. "Putin-Liste" erwähnt, die vom Forum erstellt wurde, das internationale Sanktionen gegen diese Personen anstrebt. Durch die fruchtbare Zusammenarbeit mit russ. Regierungsbehörden, staatl. Körperschaften u. staatsnahen Unternehmen habe Kasperskaja die wichtigsten Bestrebungen dieses Umfelds kennengelernt. Kurz nach der Annexion der Krym 2014 u. der endgültigen Errichtung eines Regimes der personalist. Diktatur in Russland habe sie begonnen, sich aktiv für staatl. Eingriffe in die digitale Sphäre einzusetzen, bis hin zur totalen Kontrolle über den Internetverkehr der Bürger. Sie habe das berüchtigte "Jarovaja-Paket“ unterstützt, die Forderung an ausländ. soziale Netzwerke, Daten von Russen auf Servern in der RF zu speichern, das Gesetz zur Isolierung des Runet sowie jüngste Verfassungsänderungen, die die Sicherung der staatl. Regulierung der Informationstechnologie gewährleisten. Ferner habe sie schon 2015 während des "Internet Ekonomika Forum" vorgeschlagen, dass Putin die persönl. Daten von Russen im Namen der Terrorismusbekämpfung regulieren solle. Dazu bedürfe es ihrer Meinung nach der Festlegung von Auflagen für ausländ. Webstes, darunter auch Facebook, ihre Zertifikate unbedingt an den russ. Staat zu übertragen, wenn sie in Russland t#tig sein wollten. 2016 habe sie die Pläne der Behörden, den gesamten Internetverkehr der Russen zu entschlüsseln, bestätigt. Bemerkenswert sei, dass Kasperskaja die chinesische Digitalspionage als kleineres Übel betrachte, da sie „im Gegensatz zu unseren westlichen Partnern keine militär. Gegner Russlands“ seien. Im selben Jahr habe sie erklärt, dass Daten über die Aktivitäten von Russen im Internet „Eigentum des Staates" sein sollten. Es wurde darauf hingewiesen, dass das sog. "Jarovaja-Gesetz" in der Staatsduma RF tatsächlich beschlossen wurde. Laut dem Leiter des "Zentrums für den Schutz digitaler Rechte", Sarkis Darbinjan, sei dieses Gesetz das gefährlichste von allen, die in den letzten Jahren von der Staatsduma verabschiedet worden seien, denn es gebe den Weg frei für die „totale Überwachung jedes Russen.“ Im Jan. 2020 sei Kasperskaja von Putin zum Mitglied der Arbeitsgruppe zur Ausarbeitung von Vorschlägen zur Änderung der russ. Verfassung zur „Nullsetzung der Amtszeit des Präsidenten“ ernannt worden, die auf eine direkte u. lebenslange Machtübernahme durch Putin abzielten. Darüber hinaus habe Putin Kasperskajas Vorschlag unterstützt, die Regulierung der Informationstechnologie der Gerichtsbarkeit der RF zu unterstellen, was es dem Staat ermögliche, den freien Internetraum weiter einzuengen u. die digitalen Rechte der Bürger u. die Privatsphäre ihrer persönl. Daten einzuschränken. Diese Änderungen hätten die verfassungsrechtliche u. rechtliche Formalisierung von Putins Diktatur vervollständigt u. würden vom "Forum Freies Russland" als illegitimer u. antidemokrat. Verfassungsstreich angesehen. Ausserdem habe "InfoWatch" u. "Kribrum", das Unternehmen von Kasperskajas Ehemann Igor Ashmanov, 2016 in eine Software für die weltweite Suche nach Extremismus in sozialen Netzwerken für die russ. Strafverfolgungsbehörden investiert. "Infowatch" habe ferner ein System zur Überwachung von Handygesprächen im Büro  entwickelt, wodurch das Brief- u. Kommunikationsgeheimnis grob verletzt worden sei. Den Putin-treuen Strukturen von Kasperskaja u. Ashmanov wird dazu vorgeworfen, dass sie bereit seien, dem Kreml bei der Umsetzung von Plänen zur Zensur des Internets zu helfen u. ihre Entwicklungen für das Ausspionieren der Worte u. Gedanken der Bürger für kommerzielle Zwecke zu nutzen.
Bei einer Sitzung des Ausschusses für Informationspolitik der Staatsduma RF vom März 2022
verwies Kasperskaja auf den Exodus von IT-Personal aus Russland ins Ausland im Frühjahr 2022 nach Beginn des von Putin entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine u. forderte den Staat auf, der IT-Branche beizustehen. Sie drückte dabei die Überzeugung aus, „dass sich für heimische Unternehmen jetzt sehr gute Chancen eröffnen u. dass man diese nicht verpassen dürfe“. Im Juni 2022 bezeichnete Kasperskaja die Sanktionen der EU gegen Russland als „Bestrafung derjenigen, die nicht daran beteiligt waren“ /in Bezug auf die Sanktionierung von "Jandex"-CEO s. Arkadij Volozh/. Kasperskaja selbst scheint persönlich von den Sanktionen nicht betroffen zu sein. Sie kritisierte die Sanktionen alsvöllig willkürlich, sie widersprechen völlig allen Gesetzen u. dem, was westliche Länder selbst seit langem über Unternehmensfreiheit usw. predigen". In einem Interview mit der Zeitschrift Expert vom Frühjahr 2024 stellte Kasperskaja fest, dass trotz sehr bemerkenswerter Erfolge beim Ersatz von IT-Lösungen westlicher Unternehmen, die Russland nach 2022 verlassen haben, weiterhin grosse Lücken bei hochspezialisierter Software - für Druck, Medizin, Luftfahrt usw. - u. in der Systemsoftware - Programmiersprachen, Compiler etc. bestehen, die dringend durch inländ. Entwicklungen geschlossen werden müssen.
Vermögen: Nach Angaben des Magazins Forbes betrug das Vermögen von Natalja Kasperskaja im März 2013 rd. 220 Mln. USD. 2014 wurde es auf 230 Mln. USD u. 2015 auf 270 Mln. USD geschätzt. Im Juli 2015 gab Der Spiegel das Ergebnis seiner Berechnungen mit 207 Mln. Euro an. 2020 schätzte Forbes ihr Vermögen auf 270 Mln. USD, womit sie Platz 17 auf der Liste der reichsten Frauen Russlands belegte. Wie Der Spiegel schrieb, stamme ein Grossteil des persönl. Vermögens von Kasperskaja aus dem Erlös des Verkaufs von Vermögenswerten.
) 03.25

KASPERSKIJ, Evgenij Valentinovich II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVI XXVII XXVIII XXIX XXX XXXI XXXII XXXIII XXXIV XXXV XXXVI (1965-, sowjet. bzw. russ. Mathematiker-Ingenieur, Informatiker u. Programmierer, einer der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der IT- bzw. Cyber-Sicherheit. Einer der Gründer, Haupteigentümer u. derzeitiger Chef von "Kaspersky Lab" /"Laboratorii Kasperskogo"/, einem internationalen Unternehmen für IT-Sicherheitslösungen mit über 30 regionalen Niederlassungen u. Vertrieb in 200 Ländern. Im Westen ist er als Eugene Kaspersky bekannt. Absolvent des A.N. Kolmogorov- Internats für Physik u. Mathematik Nr. 18 an der MSU u. der 4. technischen Fakultät der KGB-Hochschule, derzeit Institut für Kryptographie, Kommunikation u. Informatik der Akademie des FSB RF in Moskau, wo er Mathematik, Kryptographie u. Computertechnik studierte u. die Qualifikation "Mathematiker-Ingenieur“ erlangte. 1987 trat Kasperskij einem multidisziplinären Forschungsinstitut des Verteidigungsministeriums der UdSSR bei. Hier begann er, Computerviren zu untersuchen, nachdem er 1989 auf den Cascade-Virus gestossen war. Nach der Analyse des Virencodes entwickelte er ein spezielles Hilfsprogramm für seine Behandlung u. interessierte sich für dieses Thema. In den 1990er Jahren arbeitete Kasperskij im "KAMI Information Technology Center", wo er eine kleine Gruppe von Spezialisten leitete, die Antivirenlösungen entwickelten. Im Nov. 1992 veröffentlichte die Gruppe ihr erstes vollwertiges Produkt, AVP 1.0., u. gewann einen Vergleichstest des Prüflabors der Universität Hamburg. Dies verschaffte dem Produkt internationale Bekanntheit u. die Entwickler begannen, ihre Technologien an ausländ. IT-Unternehmen zu lizenzieren. 1997 gründeten Kasperskij u. seine Kollegen ihr eigenes Unternehmen: "Kaspersky Lab". Evgenij wollte nicht, dass sein Nachname als Name des Unternehmens erscheint, aber er wurde von s. Natalja Kasperskaja, Evgenijs damaliger Ehefrau, die auch eine der Mitgründerinnen des "Laboratoriums" war, überredet. Im Nov. 2000 wurde das AVP-Produkt in "Kaspersky Anti-Virus" umbenannt. Kasperskij leitete die Antivirus-Forschung des Unternehmens vom Gründungstag bis 2007, als er selbst die Position des CEO von "Kaspersky Lab" übernahm u. ein Büro in einem neuen Geschäftszentrum an der Leningrader Chausee bezog. Heute ist Evgenij Kasperskij einer der weltweit führenden Experten im Bereich Cyber-Virenschutz. Er ist Autor zahlreicher Beiträge zum Problem der Computervirologie, Co-Autor mehrerer Patente auf dem Gebiet der IT-Sicherheit u. tritt regelmässig auf Fachseminaren u. Konferenzen in Russland u. im Ausland auf. Er ist Mitglied der "Computer Virus Research Organization" CARO, die Experten auf diesem Gebiet zusammenbringt, sowie des International Advisers Board der "International Multilateral Partnership Against Cyber ​​​​Threats" IMPACT. Im Dez. 2012 platzierte das US-Magazin Wired Kasperskij auf Platz 8 der Liste der „gefährlichsten Menschen der Welt“ – wegen der Aufdeckung amerikan. Cyberwaffen, die dazu bestimmt waren, im Nahen Osten auszuspionieren u. das iranische Atomprogramm zu stören.
Positionen zur Cyber- u. IT-Sicherheit:
Seit mehreren Jahren äussert Kasperskij offen seine Besorgnis über die Gefahr eines Cyberangriffs auf kritische Infrastrukturen, der katastrophale" Folgen haben könnte. Auf seinen Reisen rund um die Welt, in Veranstaltungen u. in seinem Blog behandelt er IT-Sicherheitsthemen u. spricht immer wieder über die Gefahren von Cyberkriegen u. die Notwendigkeit, der Eskalation von Cyberbedrohungen auf globaler Ebene entgegenzuwirken u. die wachsenden Sicherheitsbedrohungen in der internationalen Zusammenarbeit zu bekämpfen. Er unterstützt die Idee eines Abkommens über die Nichtverbreitung von Cyberwaffen, da er der Ansicht ist, dass die Weltgemeinschaft dem Cyber-Wettrüsten ein Ende setzen sollte. Sollte ein Land dem Abkommen nicht zustimmen oder es ignorieren, schlug er vor, das Internet in diesem Land einfach abzuschalten. In der Cyber-Sicherheitserziehung sieht er einen Schlüssel zur erfolgreichen Bekämpfung von Cyber-Bedrohungen. Einer solchen sollten sowohl normale Anwender als IT-Sicherheitsspezialisten, denen oft die entsprechende Qualifikation fehle, unterzogen werden. Eine verbesserte Anwendung u. höhere Kontrolle des Internets durch die User sollten seiner Ansicht nach u.a. mit der Einführung von Schulungen für Anwender allgemein wie auch für IT-Security-Mitarbeiter im Bereich Cyber-Sicherheit, mit Anwenderprüfungen analog zu einem Führerschein, mit speziellen Internet-Pässen u. Internet-Sicherheitsbehörden erreicht werden. Laut Kasperskij ist die Anonymität des Internets dessen grösste Schwachstelle. Um das World Wide Web sicherheitsmässig weniger anfällig zu machen, sei es notwendig, jeden seiner Benutzer genau zu identifizieren. Er unterstützt auch Pläne für Internet-IDs für kritische Transaktionen wie Wahlen, Online-Banking, Kommunikation mit Behörden u.ä. Er unterstützt auch aktiv die Idee der universellen Standardisierung u. Annahme einheitlicher Richtlinien im Bereich der Cybersicherheit sowie die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Regierungsbehörden u. der IT-Sicherheitsindustrie. Um die Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit im Netz zu kontrollieren, soll eine spezielle Internetpolizei, genannt  "Internet Interpol", geschaffen werden. Man dürfe nicht vergessen, dass das Internet ursprünglich nicht für den öffentl. Gebrauch, sondern für Wissenschaftler u. das US-Militär konzipiert worden sei. Es sei ein Fehler gewesen, das Internet in dieser Art wie heute der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.
In einem Interview mit dem russ. Medienmagazin Lenta.ru vom Okt. 2013 äusserte sich Kasperskij zum Verhältnis seines Unternehmens zur Überwachung des Internets durch Geheimdienste so: „Wir kooperieren nicht nur mit dem FSB, sondern auch mit den Amerikanern u. Brasilianern u. mit einer Reihe von europäischen Agenturen in Sicherheitsfragen u. Cyberkriminalität. … Wir haben nicht die Möglichkeit, uns um alle Arten von Detektivarbeit zu kümmern, das ist nicht unser Job. Aber wir geben ihnen die Informationen, mit denen sie weiter Verbrecher fangen können.“ In dem Interview erwähnte Kasperskij auch russ. Oppositionelle, soweit sie gegen russ. Gesetze verstiessen, zu solchen Verbrechern u. nannte dabei namentlich den russ. Oppositionellen u. Internet-Blogger s. Aleksej Navalnyj. Des weiteren äusserte Kasperskij seine Bewunderung für die polit. Systeme in Singapur uChina, die besonders effektiv seien, u. meinte, er könne keinen Unterschied zwischen dem Ein-Parteien-System der Sowjetunion, die er als Kind für ein glückliches u. gerechtes Land gehalten habe, u. dem „Zwei-Parteien“-System der USA erkennen.
Im März 2015 veröffentlichte "Bloomberg" Material, aus dem hervorging, dass die Verbindungen von Kasperskij zu den russ. Geheimdiensten seit 2012 dramatisch zugenommen hätten u. „Personen mit engen Verbindungen zu russ. Militär- oder Geheimdienststrukturen“ Schlüsselpositionen im Management von "Kasperskij Lab" besetzt hätten. Laut "Bloomberg" besuche Kasperskij manchmal mit Bekannten, darunter auch Angehörigen russ. Sonderdienste, das Badehaus. Kasperskij kritisierte den Artikel in seinem Blog u. nannte die Berichterstattung sensationalistisch" u. beschuldigte den Autor od. die Autoren, Paranoia auszunutzen", um die Leserschaft zu erhöhen".Ohne diese Tatsache zu leugnen, erklärte der Unternehmer, dass seine Firma bei der Bekämpfung der Cyberkriminalität mit vielen Spezialdiensten verschiedener Länder zusammenarbeite u. die Kommunikation manchmal in einem informellen Rahmen fortgesetzt werde.
Vermögen: 2013 schätzte das Magazin CEO Kasperskijs Vermögen auf 1 Mrd. USD. 2016 schätzte das Magazin Forbes sein Vermögen auf 1,1 Mrd. USD.
Im April 2011 wurde der 20-jährige Kasperskij-Sohn Ivan auf dem Weg zur Arbeit aus der Metrostation Strogino entführt. Die Entführer brachten ihn in ein Dorf des Bezirks Sergiev Posad im Moskauer Gebiet u. forderten von seinen Eltern telefonisch 3 Mln. Euro Lösegeld. 5 Tage später wurde Ivan infolge einer gemeinsamen Sonderaktion der Moskauer Kriminalpolizei mit FSB-Agenten u. der Unterstützung einer OMSN-Einheit der Moskauer Kriminalpolizei befreit. 5 Entführer wurden verhaftet u. später teilweise zu hohen Haftstrafen verurteilt.
Westliche Warnungen vor der Verwendung von "Kaspersky"-Antiviren-Software: Im März 2022 warnte das dt. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik nach dem von Putin im Feb. 2022 angeordneten russ. Überfall auf die Ukraine vor der Nutzung von "Kaspersky"-Antiviren u. Cloud-Software u. empfahl, diese Produkte durch entsprechende Software anderer Hersteller zu ersetzen. Aufgrund bestimmter Aktionen russ. Militär- u. Geheimdienstkräfte sowie der Drohungen Russlands gegen die EU, NATO u. BRD im Rahmen der russ. Invasion in der Ukraine von 2022 könne die Verwendung dieser Software nicht länger als vertrauenswürdig angesehen werden u. stelle ein ernsthaftes Risiko für einen erfolgreichen Cyberangriff dar. Kasperskij antwortete, dass die Warnung politisch motiviert sei u. dass sich die Rechenzentren seines Unternehmens in der Schweiz befänden, während der Quellcode einsehbar sei u. unabhängig überprüft werde. Eine Klage von Seiten Kasperskijs gegen die Warnung vor dem Verwaltungsgericht Köln wurde Anfang April 2022 zurückgewiesen. Daraufhin reichte Kasperskij Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Münster ein, das sie mit Entscheid vom 28. April 2022 rechtskräftig zurückwies. Auf der Support-Website von "Kaspersky" ist eine Anleitung zu finden, die das Problem blockierter oder nicht mehr zugänglicher Internet-Websites aufgrund installierter "Kaspersky"-Software erklärt. Dort ist u.a. zu lesen, dass dies der Fall sei, wenn z.B. die Kindersicherung aktiviert u. der Zugriff auf eine solche Website somit gesperrt sei. Auf der Website von "Avast" ist eine Seite aufgeschaltet worden, die einen Beitrag zum Thema "Ist die Verwendung von Kaspersky im Jahr 2023 noch sicher?" enthält. Bereits 2017 habe die US-Regierung von Trump Bundesangestellten die Verwendung von "Kaspersky" verboten. Im März 2022 habe die US Federal Communications Commission FCC das Unternehmen auf ihre Liste der nationalen Sicherheitsrisiken gesetzt. Ausser den USA hätten auch die Regierungsbehörden Deutschlands, Italiens, Litauens u.a. Länder Verbraucher u. Betreiber kritischer Infrastrukturen vor potenziellen Sicherheitsrisiken bei Verwendung von "Kaspersky"-Software gewarnt. Auch GB habe auf Risiken der Verwendung von "Kaspersky" hingewiesen, die Niederlande hätten "Kaspersky"-Produkte aus dem Verkehr genommen u. das Europäische Parlament habe die EU aufgefordert, "Kaspersky" zu verbieten. Der Beitrag argumentiert, dass die Risiken, auf die westliche Regierungen hinweisen, auf der Frage  beruhten, inwieweit "Kaspersky" in der Lage sei, sein Geschäft – u. die Netzwerke, in denen sensible Kundendaten verarbeitet werden – vor der russ. Regierung geheim zu halten. Da das Unternehmen seinen Hauptsitz in Moskau habe, bestehe die Sorge, dass sein Netzwerk missbraucht werden könnte. Bislang gebe es zwar keine direkten Beweise für diese Behauptung. Im Rahmen der laufenden "Global Transparency Initiativevon "Kaspersky" sei ein Grossteil der Kerninfrastruktur u. der Kundendaten in die Schweiz verlagert worden, was die Datenbanken des Unternehmens vor unerwünschten staatlichen Ein- oder Zugriffen schützen soll.
Situation der Verwendung der Kaspersky-Software in der Schweiz: Nachdem die US-Regierung unter Präsident s. Joe Biden wegen Spionage- u. Sicherheitsbedenken 2024 weitreichende Sanktionen u. ein allgemeines Verbot der bekannten Antiviren-Software verfügt hatte, weil Kaspersky wegen der Kreml-Hacker, die sich heimlich Zugriff auf fremde Netzwerke
verschafften, eine Bedrohung für die nationale Sicherheit bedeute, hatte sich wegen der hybriden Kriegsführung Russlands gegen den Westen, von der auch die Schweiz betroffen ist, auch das per 1. Jan. 2024 neu geschaffene u. im Eidgenöss. Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz u. Sport VBS angesiedelte Schweizer Bundesamt für Cybersicherheit BACS mit dieser Problematik zu befassen, wie "Watson" auf Nachfrage bei diesem Bundesamt erfuhr. Während das Nationale Zentrum für Cybersicherheit NCSC, die Vorgängerorganisation des BACS, 2022 auf Anfrage von "Watson" noch mitgeteilt hatte, dass „Lösungen von Kaspersky in der Bundesverwaltung nur sehr vereinzelt im Einsatz“ seien, hiess es 2 Jahre später von Seiten des BACS nun, dass die Arbeit mit Kaspersky-Software in den Schweizer Bundesstellen „heute nicht mehr der Fall" sei. Es habe aber keine interne Weisung bezüglich Kaspersky-Software oder ein Verbot der entsprechenden Produkte gegeben. „Wenn Verträge mit bestehenden Lieferanten/Leistungsbringern auslaufen, liegt es in der Entscheidungskompetenz der jeweiligen Bundesstelle, ob die bestehende Software weitergeführt oder durch eine Lösung eines anderen Herstellers abgelöst werden soll“, wurde der stv. Medien- u. Informationsverantwortliche des BACS auf Nachfrage von "Watson" von Letzterem zitiert. Das BACS halte sich streng an die eigene Vorgabe, dass nur vor Produkten gewarnt werde, „bei denen dem BACS gesicherte technische Hinweise vorliegen, dass die Verwendung eines Produkts oder einer Dienstleistung zu Sicherheitsrisiken führt“, erklärte der von "Watson" zitiert Sprecher. Dem Bundesamt für Cybersicherheit sei „bisher kein Missbrauch“ der Virenschutz-Software Kaspersky in der Schweiz gemeldet worden. Und falls man gesicherte Informationen über einen Missbrauch erhalte, werde die Öffentlichkeit umgehend informiert u. gewarnt. Die Cybersicherheit liege in der Verantwortung der Unternehmen, Behörden sowie Privatpersonen, habe eine andere von "Watson" genannte Mediensprecherin erklärt. Es ist aber offensichtlich, dass die Kaspersky-Software bei der Risikoanalyse des Bundes in den sicherheitspolit. Überlegungen eine Rolle spielte. Während die US-Behörden also die Kaspersky-Software verbot, beschränkte sich die entsprechende deutsche Bundesbehörde auf eine Warnung, wobei die CH-Behörden auf die eine oder andere Variante verzichtete. Beim Kauf eines lizenzierten Sets der nach wie vor empfohlenen Kaspersky-Antivirus-Software in der Schweiz erhält man im Detailhandel etwa die Antwort, dass die in der Schweiz offiziell vertriebene Kaspersky-Software aus der Schweiz stamme, wenn man den Verkäufer auf die hier beschriebene Kaspersky-Problematik anspricht. Bei der Verwendung dieser Software fällt auf, dass der Zugriff etwa auf gewisse "unsichere" russ. Websites durch den recht strengen Antivirenschutz gesperrt ist.
Kritik u. Sanktionen:
Von der "Stiftung für Korruptionsbekämpfung" FBK von s. Aleksej Navalnyj wurde Kasperskij auf die Liste der "6000 Korruptionäre u. Kriegstreiber" gesetzt, da er "die Schaffung einer digitalen Infrastruktur zur staatlichen Kontrolle des russ. Segments des Internets fördert“. Vom "Forum Freies Russland", das sich auf hier reflektierte Quellen wie Bloomberg bezieht, wird Evgenij Kasperskij grobe Einmischung in die Angelegenheiten eines fremden Staates, korrupte Verbindungen zu Vertretern der russ. Sonderdienste sowie Spionage im Interesse des FSB vorgeworfen: Er ist in der sog. "Putin-Liste" erwähnt, die vom "Forum" erstellt wurde, das internationale Sanktionen gegen diese Personen anstrebt. Im Sept. 2015 wurde Kasperskij für einen Zeitraum von 1 Jahr auf die Sanktionsliste der Ukraine gegen Personen gesetzt, die "für die Annexion der Krym u. die Aggression im Donbass verantwortlich sind“. Im Zuge des von Putin entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine wurde er im April 2022 wegen indirekter Unterstützung der Aggression gegen die Ukraine auf die Sanktionsliste Polens gesetzt. Im Okt. 2022 wurde er abermals u. für die Dauer von 10 Jahren auf die Sanktionsliste der Ukraine gesetzt, da er "der groben Einmischung in die Angelegenheiten eines ausländ. Staates, der korrupten Verbindungen zu Vertretern der russ. Sonderdienste u. der Spionage im Interesse des FSB verdächtigt wird“.)

KASJANOV, Mikhail Mikhajlovich II IIIa IIIb IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIIsI (1957-, sowjet. Bauingenieur, ehem. russ. Regierungspolitiker, ehem. PM RF /2000-4/, danach Oppositionspolitiker. Absolvent des Moskauer Automobil- u. Strasseninstituts MADI mit einem Abschluss als Diplom-Bauingenieur u. der Höheren Wirtschaftskurse des Staatl. Planungskomitees der UdSSR. In der Sowjetzeit arbeitete er im Apparat des Staatl. Planungsausschusses "Gosplan" der RSFSR. In der 1. Hälfte der 1990er Jahre war er in leitenden Funktionen in entsprechenden Abteilungen für Aussenwirtschaftsbeziehungen im Wirtschaftsministerium RF tätig u. trat 1993 als Leiter der Abteilung für Auslandskredite u. -schulden in das Finanzministerium RF ein, wo er zudem zum Mitglied des Kollegiums des Finanzministeriums RF ernannt wurde. Im Nov. 1995 wurde er zum Stv. des Finanzministers RF Vladimir Panskov ernannt. Nach der Bildung der neuen Regierung RF von PM Chernomyrdin im Aug. 1996 wurde das Finanzministerium von Aleksandr Livshic geleitet - Kasjanov behielt die Position des Stv. 1994-96 verhandelte Kasjanov mit Gläubigern des Pariser u. Londoner Clubs über die Begleichung der Schulden der ehem. UdSSR u. erzielte für damalige Bedingungen einige Vorteile für Russland auf dem internationalen Finanzmarkt. Später arbeitete er als stv. Finanzminister, als Livshic von s. Anatolij Chubajs u. dann von Mikhail Zadornov abgelöst wurde. Nach der Zahlungsunfähigkeit Russlands infolge der Wirtschaftskrise vom Aug. 1998 wurde Kasjanov zum Vorsitzenden einer Arbeitsgruppe ernannt, um die Restrukturierung der russ. Staatsschulden im Ausland u. der Auslandsschulden der Privatbanken des Landes zu verhandeln; er führte auch Verhandlungen mit russ. Gläubigern zur Begleichung der inländ. Staatsschulden. Kasjanov gelang es, eine Einigung mit dem Internationalen Währungsfonds IWF zu erzielen. Diese Erfolge verschafften ihm den Status u. die Aura eines erfolgreichen Unterhändlers u. „Cheffinanzdiplomaten“. Im Feb. 1999 ernannte ihn MP s. Evgenij Primakov zum 1. stv. Finanzminister. Im März wurde Kasjanov stv. Gouverneur der "Europäischen Bank für Wiederaufbau u. Entwicklung" u. Mitglied der Staatsvertreter im Aufsichtsrat der Russ. Entwicklungsbank. Nachdem im Mai dieses Jahres die Regierung Primakov entlassen worden war, ernannte Präsident RF s. Boris Elcyn im Rahmen der neuen Regierung von s. Sergej Stepashin Kasjanov zum Finanzminister RF. Er konzentrierte sich auf das Problem der Auslandsverschuldung u. auf die Schaffung eines defizitfreien Haushalts für 2000. Als sich nach der Balkankrise von 1999 die Beziehungen zum Westen wieder verbesserten, nutzte er dies, um die Verhandlungen mit dem IWF bezügl. abzuschliessen u. mit den Gläubigern die globale Umstrukturierung aller sowjet. Schulden zu regeln, wobei er eine teilweise Abschreibung dieser Schulden vorschlug. Im Juni wurde er Mitglied des Sicherheitsrats RF. Nachdem die Regierung Stepashin im Aug. aufgelöst u. durch eine Regierung von V. Putin ersetzt wurde, behielt Kasjanov seine Position. Der Ausbruch des Kriegs in Tschetschenien trug dazu bei, dass die Verhandlungen mit dem Londoner Club ausgesetzt wurden, während der IWF neue Kredite für Russland ablehnte. Dennoch arbeitete Kasjanov an der Lösung der russ. Auslandsverschuldung weiter u. sorgte für weiteres Wirtschaftswachstum in Russland. Ab Jan. 2000 war Kasjanov 1. stv. PM RF, u. aufgrund der Tatsache, dass PM Putin gleichzeitig amtierender Präsident RF war, leitete Kasjanov de facto die Regierung RF sowie gleichzeitig weiterhin das Finanzministerium RF. Ab 7. Mai 2000, dem Tag der Amtseinführung Putins als Präsident RF fungierte Kasjanov als Vorsitzender der Regierung RF u. leitete nach wie vor gleichzeitig das Finanzministerium RF. Der vom Finanzministerium RF entwickelte Haushaltsentwurf für 2000 wurde erstmals in den postsowjet. Jahren von allen Instanzen der Exekutive u. Legislative gebilligt, selbst die unberechenbare Staatsduma RF, die vor einigen Jahren  noch gegen den Präsidenten u. die Regierung kämpfte, stimmte dem Dokument zu. Mit der Verabschiedung des Haushaltsplans für 2000 beseitigte Russland das Haushaltsdefizit, Löhne u. Renten konnten wieder ausbezahlt werden. Seit Anfang 2000 setzte eine allgemeine Belebung der Wirtschaft u. eine Steigerung der Produktion ein. Kasjanov gelang es, die Verhandlungen mit dem Londoner Club abzuschliessen, um 35% der sowjet. Schulden abzuschreiben. Bis Mai 2000 wurde unter der Führung Kasjanovs auch ein Plan für die bevorstehenden Wirtschaftsreformen entwickelt. Die Verlagsgruppe "Euromoney Publications" ernannte Kasjanov im Jahr 2000 zum besten Finanzminister in den Ländern Mittel- u. Osteuropas. Auch Boris Nemcov, dem Kasjanov freundschftlich verbunden war, hielt ihn angeblich für den besten PM seit Stalin". Kasjanov selbst sagte beschieden, dass einige Projekte seiner Amszeit erfolgreich, andere weniger erfolgreich gewesen seien /Gordon 2017/.
Regierungschef RF 2000-4: Am 7. Mai 2000 bestätigte die Staatsduma RF auf Vorschlag von Präsident Putin Kasjanov als Vorsitzenden der Regierung RF. Unmittelbar danach wurde eine neue Regierung gebildet. Zu den Strukturreformen, die Kasjanov duchführen liess, gehörtetn Steuer-, Haushalts- u. Rentenreformen, Liberalisierung der Devisenregulierung u. des Aussenhandels, Bodenreform u. marktwirtschaftl. Massnahmen zur Stützung der Landwirtschaft u.a. Reformen. Experten bezeichneten die Steuerreform 2000-2 als eine der erfolgreichsten Reformen der Regierung Kasjanov. Ein aktualisiertes Steuersystem wurde mit einer pauschalen Einkommenssteuer von 13% eingeführt, während Umsatzsteuern u. Gebühren abgeschafft wurden. 2003 reformierte die Regierung auch das Steuersystem für Öl- u. Gasunternehmen. Einer der wichtigsten Verdienste des Kabinetts Kasjanov war nicht zuletzt die Unterstützung der Regierung für die Entwicklung von KMU. Die Regierung genehmigte das volle Eigentum an Land u. begann mit der Privatisierung landwirtschaftlicher Flächen. Marktbasierte Wege zur Unterstützung der Landwirtschaft ermöglichten Russland erstmals seit 90 Jahren, vollständig auf den Getreideeinkauf im Ausland zu verzichten, sich nicht nur selbst mit Getreide zu versorgen, sondern auch wieder zu einem führenden Exporteur auf den Weltgetreidemärkten zu werden. Bei der Verwaltungsreform wurden 20% von 5000 staatl. Funktionen als überflüssig anerkannt u. abgeschafft, während weitere 30% dieser Funktionen von der Regierung als klärungsbedürftig betrachtet wurden. Die Amtszeit Kasjanovs als PM RF wird von Experten als eine der produktivsten Wirtschaftsperioden in der Geschichte des modernen Russlands eingeschätzt. 2000-4 betrug die durchschnittl. jährliche Wachstumsrate des russ. BIP 6,8%. Das gesamte BIP des Landes wuchs 1999-2000 um ganze 38%. Dies trug zum schnellen Wachstum der Einkommen der Bevölkerung bei, während die Gehälter mit einer durchschnittl. Rate von 20% pro Jahr zu steigen begannen. Die Zahl der Armen im Land ging von 42 Mln. im Jahr 2000 auf 24 Mln. im Jahr 2004 zurück. Die Gold- u. Devisenreserven der Zentralbank wuchsen von 33 Mrd. USD auf 87 Mrd. USD, trotz eines relativ tiefen Ölpreises von 20-25 USD pro Barrel. Die Beziehungen zwischen MP Kasjanov u. Präsident Putin waren aber ziemlich angespannt. Kasjanov muss mit Schrecken erkannt haben, mit was für einer hochproblemat. Figur er es bei Putin zu tun hatte. Im Okt. 2002, unmittelbar nachdem tschetschen. Terroristen im Theater Dubrovka Geiseln genommen hatten, widersetzte sich Kasjanov auf einer Sitzung des Sicherheitsrats RF der unverzüglichen Erstürmung des Gebäudes durch eine Spezialtruppe u. bestand darauf, Verhandlungen mit den Geiselnehmern zu führen. Der Präsident u. der PM waren sich auch uneins über die Reform des Gassektors. Putin forderte Kasjanov 3x auf, diese Reform zu verschieben, u. blockierte sie. Gleichzeitig begannen Meinungsverschiedenheiten über Russlands Politik gegenüber der Ukraine u. Belarus. Im Juli 2003 verurteilte Kasjanov das Vorgehen der Staatsanwaltschaft RF im Fall "Jukos" u. sagte, er betrachte die Verhaftung eines der Miteigentümer der Firma, s. Platon Lebedev, als „exzessive Massnahme“, die das Investitionsklima im Land zerstöre. Im Okt. verurteilte Kasjanov auch die Verhaftung von s. Mikhail Khodorkovskij, bei der Putin eine führende Rolle spielte. Am 24. Feb. 2004, 2 Wochen vor der Präsidentschaftswahl, wurde Kasjanov zusammen mit der Regierung RF auf Beschluss des Präsidenten RF vom Posten des Vorsitzenden der Regierung RF entlassen. Offenbar fürchtete Putin eine Verschwörung von Seiten Kasjanovs u. s. Boris Nemcovs gegen seine Wiederwahl. Laut Kasjanov bot Putin ihm nach seinem Rücktritt an, den Posten des Sekretärs des Sicherheitsrats RF zu übernehmen, was Kasjanov mit der Begründung ablehnte, er habe entschieden, nicht weiter im Staatsdienst arbeiten zu wollen /Gordon 2017/. Putin bot ihm auch an, an der Gründung einer internationalen Bank für die Zusammenarbeit mit der EU zu arbeiten. 2 Monate nach den Ereignissen in Beslan im Sept. 2004 teilte Kasjanov Putin mit, dass er seine Zusammenarbeit mit ihm beende. Nachfolger Kasjanovs an der Spitze der russ. Regierung wurde s. Mikhail Fradkov, der keine polit. Ambitionen hatte. Danach zog sich Kasjanov ins Privat- u. Berufsleben zurück. Er reiste ins Ausland, u.a. nach GB u. in die USA, wo er als polit. Experte Referate hielt /Min. 39/, u. verstand, dass Putin auf ihn als seinen Kritiker aufmerksam wurde.

Polit. Aktivitäten nach der Regierungszeit:
Datschenaffäre: Ab nun geriet Kasjanov sozusagen ins Visier der Behörden als Putin-Kritiker, u. die bürokrat. Mühlen des repressiven Staats begannen, gegen Kasjanov zu mahlen. Seine ´Verfolgung´ begann mit einem Rechtsstreit im Fall einer Immobilie. Im Juli 2005 erhob der Abgeordnete der Staatsduma RF von der Fraktion "Einiges Russland“, s. Aleksandr Khinshtejn, Anschuldigungen gegen Mikhail Kasjanov. Ihm zufolge privatisierte dieser als MP 2003 zu einem reduzierten Preis die ehem. Staatsdatscha des Mitglieds des Politbüros des ZK der KPdSU Mikhail Suslov "Sosnovka-1“. Die veröffentlichten Unterlagen wurden von der Generalstaatsanwaltschaft als Vorwand für die Einleitung eines Strafverfahrens Anfang Juli 2005 gegen einen gewissen Ramil Gajsin, Generaldirektor des staatl. Unternehmens "VPK Invest“ gemäss Art. 165 Teil 3 StGB RF wegen "Verursachung von Sachschäden in besonders grossem Umfang durch Täuschung oder Untreue“ genutzt. Kasjanov, der sich zu diesem Zeitpunkt im Urlaub befand u. nach Moskau zurückkehrte, sagte, dass er keinen Zweifel daran habe, dass die Verleumdungskampagne, die auf Lügen u. Tatsachenverdrehungen basiere, zu seiner Diskreditierung gestartet worden sei u. Teil der allgemeinen Strategie der Behörden sei, das polit. Feld vollständig zu säubern. Es werde mit solchen Manövern quasi versucht, von der wachsenden sozialen Entfremdung u. Unsicherheit der Bürger über ihre Zukunft, der Verlangsamung des Wirtschaftswachstums vor dem Hintergrund von Rekordexportpreisen u. vor dem stetigen Rückgang des internationalen Ansehens Russlands abzulenken. Khinshtejns Annahmen wurden zunächst nicht bestätigt. Das Objekt "Sosnovka-1" sei von Kasjanov nach dem Ausscheiden aus dem Staatsdienst rechtlich legal erworben worden. 1996 wurde die Anlage von der Föderalen Agentur für Staatseigentum /Gosimushchestvo/ für 49 Jahre an das Unternehmen "Evikhon" verpachtet. Dann wurde sie an die Firma "VPK-Invest" übertragen, die 2003 das Recht erhielt, Datschen zu verkaufen. Zunächst wurde "Sosnovka-1" von "Amelija" erworben u. 2004 an Mikhail Kasjanov weiterverkauft. 2006 erkannte das Moskauer Schiedsgericht Kasjanov als rechtmässigen Käufer an u. weigerte sich, das Eigentum an den Staat zurückzugeben. Dennoch reichte die Föderale Agentur für Staatseigentum /Rosimushchestvo/ neue Klagen ein u. 2007 wurde die Datscha per Gerichtsbeschluss wieder in Staatseigentum überführt.
Erfolglose Präsidentschaftswahl-Kampagne 2005-8: 2005 beschloss Kasjanov, in die Politik zurückzukehren /Min. 54/. Im April 2005 sagte s. Boris Berezovskij in einem Interview, dass Kasjanov gut als öffentlicher Politiker sei, aber wegen seiner Unentschlossenheit nicht genug Willen habe, um die Protestbewegung gegen das Putin-Regime zu führen.  Im Sept. 2005 kündigte Kasjanov, der sich in einen polit. Oppositionellen u. Dissidenten verwandelt hatte, seine Absicht an, an der Präsidentschaftswahl RF 2008 gegen Putin teilzunehmen. Im Nov. verkündete er seine Absicht, die "Demokrat. Partei Russlands" zu führen u. sich während seines Wahlkampfs auf sie zu verlassen. Um dies zu verhindern, organisierten die russ. Behörden hastig einen "parallelen“ Kongress der DPR, bei dem die Parteiführung an s. Andrej Bogdanov übertragen wurde. Im April 2006 führte Kasjanov die neue interregionale Bewegung namens "Demokrat. Volksunion Russlands" RNDS an. Anfang Juli wurde die Bewegung in die gesamtruss. Bewegung "Russ. Demokrat. Volksunion“ umgewandelt. Im Juli nahm er am nationalen Oppositionsforum "Das andere Russland“ teil, danach erschien er am Treffen der polit. Koalition, die die Schaffung eines demokrat. Staats anstrebt. Auf dem 2. Kongress der RNDS, der Anfang Juni 2007 stattfand, sagte einer der Führer des "Anderen Russlands", s. Eduard Limonov, dass er Mikhail Kasjanov gerne als Einheitskandidaten des "Anderen Russlands" sähe. Anfang Juli gab Kasjanov jedoch seinen Austritt aus der Koalition "Anderes Russland“ bekannt. Im Sept. wurde Kasjanov zum Vorsitzenden der Partei "Volk für Demokratie u. Gerechtigkeit" NDS gewählt, die auf der Grundlage der RNDS gegründet wurde. Im Jan. 2008 wurde Kasjanov die Registrierung als Kandidat für das Präsidentenamt der RF offiziell verweigert. Formaler Grund für die Ablehnung war die angeblich schlechte Qualität der Unterschriftenbögen. Der Föderale Registrierungsdienst weigerte sich auch, die Partei innerhalb eines Tages zu registrieren. Kasjanov versuchte vergeblich, die Weigerung der Zentralen Wahlkommission RF vor dem Obersten Gericht RF anzufechten. An weiteren Präsidentschaftskampagnen nahm er nicht mehr teil.
Laut einem 2009 unter dem Titel "Ohne Putin. Polit. Dialoge mit Evgenij Kiseljov." veröffentlichten Buch des ehem. Regierungschefs RF s. Mikhail Kasjanov habe sich s. Boris Elcyn zunächst nach seinem Rücktritt sehr für die Ereignisse im Land interessiert, habe Regierungsmitglieder in seine Datscha eingeladen u. danach gefragt, wie die Dinge liefen. Putin habe Kasjanov jedoch bald „höflich darum gebeten, dafür zu sorgen, dass die Regierungsmitglieder aufhören, Elcyn zu belästigen, u. habe die Tatsache angeführt, dass Ärzte solche Treffen nicht empfehlen" würden. Laut Kasjanov sei es im Wesentlichen ein Befehl gewesen: „Niemand sonst sollte zu Elcyn gehen". Laut Boris Nemcov sei Elcyn im Ruhestand äusserst verärgert darüber gewesen, dass unter Putin die Meinungsfreiheit eingeschränkt u. die Institution der Wahlen zerstört worden sei. Er wolte darüber nicht öffentlich sprechen, aber bei einem Treffen mit Nemcov habe er ihm wiederholt davon erzählt.
Weitere polit. Aktivitäten: Im Sept. 2010 führte Mikhail Kasjanov als Co-Vorsitzender zusammen mit s. Boris Nemcov, s. Vladimir Ryzhkov u. s. Vladimir Milov die Koalition "Für Russland ohne Willkür u. Korruption“ an, die im Dez. desselben Jahres in die "
Partei der Volksfreiheit" PARNAS umgewandelt wurde. Im Juni 2011, am Vorabend der regulären Wahlen zur Staatsduma RF, weigerte sich das Justizministerium RF, die Partei zu registrieren.
Im April 2015 stellte Kasjanov die sog. "Nemcov-Liste“ zusammen, die eine Reihe von bekannten Vertretern russ. Staatsmedien umfasste: s. Vladimir Solovjov, s. Arkadij Mamontov, s. Andrej Karaulov, s. Dmitrij Kiseljov, Konstantin Sjomin,
s. Vladimir Kulistikov, s. Oleg Dobrodeev u. s. Aleksej Pushkov. Die Liste russ. Journalisten, die seiner Meinung nach an der medialen Verfolgung Boris Nemcovs beteiligt waren, übergab Kasjanov der Führung des US-Kongresses. Sie sollten in die Sanktionsliste nach dem "Magnitsky-Gesetz" aufgenommen werden, um gegen diese Personen Einreiseverbote u. das Einfrieren von in den USA deponierten Vermögenswerten zu ermöglichen. Damit beging Kasjanov aus Sicht des Putin-Regimes einen entscheidenden, kaum mehr wieder gut zu machenden Fehler, denn aus der Sicht Putins verriet er seine Leute an die Amerikaner. Die damalige Menschenrechtskommissarin Russlands, s. Ella Pamfilova, die sich immer als Vertreterin des Putin-Regimes profilierte, kritisierte das Vorgehen Kasjanovs. Sie fand „es unanständig, an den Kongress eines fremden Landes anstatt an das eigene Volk zu appellieren". Die Verhängung von Sanktionen gegen Journalisten sei „noch unanständiger". „Jede Art von administrativen Massnahmen diskreditiere die Meinungs- u. Informationsfreiheit“.
Im Dez. 2015 kündigte s. Aleksej Navalnyj auf dem Forum der Demokrat. Koalition an, dass Kasjanov die Koalitionsliste bei den Wahlen zur Staatsduma RF von 2016 anführen werde. 2017 ernannte das Magazin Forbes Kasjanov zu einem der effektivsten Premierminister in der Geschichte des modernen Russlands.
Polit. Ansichten: Kasjanov steht der Sowjetzeit kritisch gegenüber, hält Denkmäler für Dzerzhinskij für inakzeptabel u. ist der Meinung, dass Lenins Leichnam aus dem Mausoleum genommen u. begraben werden sollte.
Er billigt die Aussenpolitik Russlands von 2014-15 gegenüber der Ukraine nicht. Insbesondere erklärte er im April 2014 in einem Interview mit im Radio "Ekho Moskvy", dass Russland die Krym annektiert habe, dass „Putin de facto den Bewohnern der Krym die Möglichkeit gestohlen hat, irgendwann in der Zukunft über ihr Schicksal durch ein echtes Referendum im Einvernehmen mit den ukrain. Behörden“ zu entscheiden." Im Sept. 2014 unterzeichnete Kasjanov eine Erklärung, in der er forderte, „das aggressive Abenteuer zu beenden: russ. Truppen vom Territorium der Ukraine abzuziehen u. die Propaganda sowie die materielle u. militärische Unterstützung der Separatisten im Südosten der Ukraine einzustellen“. Im März 2015 sagte er vor dem Europäischen Parlament, er halte es für richtig, dass der Westen Sanktionen gegen russ. Regierungsbeamte verhängt. In der Innenpolitik kritisiert er die Korruption u. hält die illegale Migration für deren Folge. Mikhail Kasyanov wird sowohl als Liberaler als auch als Konservativer bezeichnet, in einem Interview mit Radio Baltkom sagte er: „ ... wir /ParNaS/ ... sind liberale Konservative oder konservative Liberale ...“.
2017 bestätigte Kasjanov in einem Interview mit s. Dmitrij Gordon, dass er sehr gute Beziehungen zu Boris Elcyn bis zu dessen Tod gepflegt habe, dass es jedoch bei der Bestimmung von Elcyns Nachfolge mit Kasjanov keine Übereinkunft gegeben habe, dass er Putins Nachfoger als PM werden sollte, dies sei eine Erfindung von Politologen. Seine Ernennung als PM sei eine Initiative Putins gewesen, die mit Elcyn besprochen worden sei. In diesem Interview sagte Kasjanov auch, dass er die Eigenschaften Putins nicht charakterisieren wolle, denn er sei weder ein Politologe noch ein Psychologe, man könne selbst beochaten, was für ein Mensch er sei. Seine Mentalität stimme jedoch mit derjenigen eines Mitarbeiters des Staatssicherheitsdientes überein. Elcyn habe mit Kasjanov darüber gesprochen, dass er es bedauert habe, Putin als seinen Nachfolger auszuwählen, aber ausführlicher dazu wollte Kasjanov nicht reden. Er habe schon vor seiner Entlassung als PM die Absicht gehabt, nach Ablauf seiner Amtszeit die Regierung zu verlassen, dennoch sei der Moment seiner Entlassug durch Putin 2 Wochen vor der präsidentschaftswahl unerwartet gekommen. s. Donald Trump hielt Kasjanov nicht für den "Mann Putins", er sei ein spezif. inneramerikan. Produkt.
Diskreditierungsversuche, Bedrohungen u. Angriffe: Anfang April 2016 zeigte der Sender "NTV" den Film "Kasjanovs Tag“ /II/, der u.a. eine Videoaufzeichnung intimer Szenen enthielt, an der laut den Autoren das "PARNAS"-Mitglied s. Natalja Pelevina u. Mikhail Kasjanov teilnahmen. Der Film enthielt auch Aufzeichnungen eines Gesprächs, in dem sich die Teilnehmer negativ über Vertreter der Opposition äusserten, darunter über Aleksej Navalnyj u. s. Ilja Jashin. Im Feb. 2016 gab Kasjanov Nachrichten über Morddrohungen bekannt, die er Ende 2015 u. Anfang 2016 erhalten hatte. Nach der Ermordung seines Verbündeten Boris Nemcov u. der Entscheidung, die "ParNaS"-Liste bei den Wahlen zur Staatsduma RF anzuführen, hätten ihn der Kreml u. nationalist. Gruppen nach Angaben des Politikers zum "Feind Nummer eins" ernannt. Wenige Tage zuvor war es zu mehreren Angriffen auf den Politiker gekommen. Unbekannte versprühten bei einem Treffen zwischen Kasjanov u. Aktivisten in St. Petersburg Pfefferspray. Eine Gruppe von Menschen, die schetschen. Sprache miteinander kommunizierten,  warf in einem Moskauer Restaurant einen Kuchen auf ihn u. schrie ihm Drohungen zu. Diesen Angriffen ging die Veröffentlichung eines Videos auf "Instagram" durch den Chef Tschetscheniens, s. Ramzan Kadyrov, voraus, in dem Kasjanov im Zielfernrohr eines Scharfschützengewehrs abgebildet war. Während eines Marsches zum Gedenken an den ermordeten Boris Nemcov vom Feb. 2017 in Moskau sprühte ein unbekannter Mann dem Oppositionellen Kasjanov grüne Farbe aus einer Spritze ins Gesicht.
Öffentl. Abrechnung Putins mit Kasjanov: In einer Ausgabe der Sendung "Prjamaja linija" vom Dez. 2011 auf die Frage warum es im Land keine wirkliche Opposition gebe u. warum das Justizministerium die Registrierung der Partei "Volksfreiheit" von Mikhail Kasjanov nicht zulasse, rechnete ein verstimmter V. Putin mit Kasjanov öffentlich ab u. sprach alles andere als kollegial u. fair davon, wie während Kasjanovs Amtszeit als PM die Minister Gref u. Kudrin zu ihm, Putin, gekommen seien, gefordert hätten, Kasjanov von der Regierung abzulösen, u. gesagt hätten, dass sie mit diesem Betrüger /sic, zhulik/ nicht zusammenarbeiten wollten - entweder er oder wir. Weiter sagte Putin, Kasjanov habe den Spitznamen "Misha 2 Prozent" getragen u. sei angeblich in einige Korruptionsaffären verwickelt gewesen. Da es dafür aber keine Anhaltspunkte gegeben habe u. er, Putin, ausser zwischenmenschlichen Vorlieben u. Abneigungen nichts feststellen konnte, habe er ihm erlaubt, bis zum Ende seiner Amtszeit zu arbeiten. Zur Frage, ob Kasjanov als PM effizient gewesen sei, sagte Putin, dass er in den ersten anderthalb Jahren versucht habe, etwas zu tun. In den zwei weiteren Jahren sei die Aktivität aber gleich null gewesen. Er habe wohl schon damals daran gedacht, selbst Präsident zu werden u. habe Angst davor gehabt, leichtsinnige Schritte zu unternehmen, weil die Arbeit an der Spitze der Regierung RF mit ständigen Bedrohungen verbunden sei. In einem solchen Amt müssten viele Entscheidungen getroffen werden. In der Tat habe sich Kasjanov von diesen Entscheidungen losgelöst, aber er habe sie dennoch zum Abschluss gebracht. Die in Putins Äusserungen erwähnten Minister kommentierten übrigens seine Behauptungen auf unterschiedliche Weise. "Sberbank"-Chef s. German Gref bestätigte dies, während der ehem. Finanzminister s. Aleksej Kudrin sagte, seine Meinungsverschiedenheiten mit Kasjanov hätten das Tempo der Reformen u. betroffen u. er habe Kasjanov nicht des Betrugs beschuldigt. Wie sich Kasjanov 2009 erinnerte, habe Putin nach seinem Rücktritt vom Amt des PM gesagt: „Wissen Sie, wenn Sie anfängen, sich bei oppositionellen Aktivitäten zu engagieren, werde ich Sie so oder so zerquetschen."
Kriegsgegnerschaft u. staatl. Verfolgung, Interviews: Nach Beginn des von Putin entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine trat Kasjanov dem "Antikriegskomitee Russlands" bei. Im Juni 2022 verliess Kasjanov Russland u. ging nach eigenen Worten als Reaktion auf den Angriff auf die Ukraine ins Exil nach Europa. In einem Videointerview mit der Nachrichtenagentur "AFP" /II/ äusserte Kasjanov düstere Prognosen über die Zukunft des Kriegs in der Ukraine. Sollte das Land fallen, würde sich der Krieg auf benachbarte Staaten ausweiten, insbes. die baltischen, warnte er. Kasjanov glaubte aber, dass Putin bald von den Geheimdiensten ersetzt werden könnte. Der Westen dürfe Putin jedoch keine Zugeständnisse machen. Dabei lehnte er Äusserungen wie von Frankreichs Staatschef s. Emmanuel Macron ab, Putin dürfe nicht „gedemütigt“ werden. Für ebenso falsch" hielt er Forderungen nach Gebietsabtretungen der Ukraine, um einen Frieden zu erreichen, denn „Putin verdiene dies nicht“. Kasjanov zeigte sich davon überzeugt, „dass Russland auf den Weg hin zum Aufbau eines demokrat. Staats zurückkehren wird“, auch wenn dies „insbesondere nach diesem kriminellen Krieg schwierig“ sein würde. Der Krieg gegen die Ukraine werde noch etwa zwei Jahre andauern. Putin habe in den vergangenen 20 Jahren ein auf Angst u. Straflosigkeit basierendes System etabliert. Russland sei nach wie vor „ein KGB-System, das auf völliger Rechtlosigkeit basiert“ u. unter Putin mit einer noch zynischeren u. brutaleren Weise vorgeht, als dies im Endstadium der Sowjetunion der Fall gewesen“ sei. Nach dieser „Tragödie“ werde sich die russ. Opposition „zweifellos“ vereinen. Ausserdem müsse das Vertrauen der europäischen Staaten wiederhergestellt werden, denn diese seien doch die „natürlichen Partner“ Russlands. Dieser Prozess u. die „Ent-Putinisierung“ des Landes würden aber ein gutes Jahrzehnt dauern. Im Juli veröffentlichte Dmitrij Gordon ein Interview mit Kasjanov, mit dem er in gewohnter kritischer Manier über Putin u. seinen Krieg gegen die Ukraine sprach. Nachdem Elcyn Putin als Nachfolger installiert hatte, habe er den Fehler seiner Tat 100% eingesehen. In seinen Interviews mit der Presse wiederholte Kasjanov seine Meinung, dass Putin mit dem Ukrainekrieg einen grossen Fehler begangen habe u. dass diese Politik früher oder später zum Ende der Herrschaft Putins u. Russland in den Kollaps führen werde. In einem Interview mit s. Ksenija Larina vom Feb. 2023 wies Kasjanov darauf hin, dass Putin die Realitäten in der heutigen Ukraine komplett falsch ein- u. den Heldenmut der Ukrainer u. insbes. ihre Bereitschaft, ihre Freiheit, Heimat u. ihr Territorium zu verteidigen, unterschätzt habe. Nachdem die Weltöffentlichkeit verstanden habe, was dort abgeht, schaue sie heute mit einem ganz anderen Verständnis auf Russland u. die Ukraine. sIm Mai 2023 ordnete das Oberste Gericht RF auf Antrag des Justizministeriums RF die Auflösung der Partei an, deren Vorsitzender Kasjanov nach wie vor war. In einem längeren Interview mit s. Lev Shlosberg wurde im Mai 2023 mit Kasjanov u.a. über die Gründe für das Scheitern der demokrat. Reformen in Russland, über die Anfänge der Herrschaft Putins u. die Konflikte mit ihm sowie über die Beziehungen zwischen Russland u. der übrigen Welt sowie über den Militäreinsatz in der Ukraine u. die Zukunft Russlands gesprochen. Was die Veränderungen in Putins Auftreten betreffe, erlebe man jetzt einen „anderen", nämlich den wahren Putin", dessen Weltsicht aus dem KGB stammt, während es vor 20 Jahren um einen Putin gehandelt habe, der ein anderes Benehmens „imitiert" habe u. noch nicht in der heutigen Form als „Diktator" in Erscheinung trat. Als Putin als Präsident vorgeschlagen wurde, hätten alle Politiker seines Umfelds geglaubt, dass es der richtige sein werde. Bereits nach einigen Jahren habe man jedoch verstanden, dass es nicht der richtige sei. Jetzt sehe man, dass er sich einfach in einen Diktator verwandelt" habe. Ein Militärputsch in Russland könne zwar zu einem Wechsel des Regimes führen, aber nicht zu einer Demokratisierung Russlands, denn die Bedingungen dazu fehlten in der Gesellschaft, die schwer krank" sei /Min. 1:12:20/. Er habe nicht mit einem Angriff Putins auf die Ukraine gerechnet, obwohl die USA u.a. Länder davor gewarnt hatten /Min. 1:21:40/. Er sei davon überzeugt, dass Putin keine Atomwaffen einsetzen werde, weil er daraus keinen Vorteil erzielen würde; er sei sich der verheerenden Konsequenzen bewusst, die ihm kommuniziert wurden. Er benutze dieses Mittel, um anderen Angst einzujagen u. seine eigene Situation auszusitzen. /Min. 1:24:42/. Verhandlungen mit Putin würden wahrscheinlich nur dazu führen, um die Annexionen Russlands zu zementieren /Min. 1:26:13/. Auserdem sei er davon übetrzeugt, dass die Ukrainer das besetzte Territorium militärisch zurückerobern werden /Min. 1:34:40/. Und solange Putin an der Macht bleibe, gebe es mit Russland keine Verhandlungen, denn kein Staat der Welt akzeptiere die russ. Eroberungen in der Ukraine /Min. 1:38:00/. Nov. 2023 wurde Kasjanov vom Justizministerium RF der Liste der sog. "ausländ. Agenten" hinzugefügt.)   

KATANAEV, Ivan Mikhajlovich II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV (1983-, russ. Informatiker u. rechtsradikaler kremlfreundlicher Aktivist, ehem. Anführer der Fanbewegung des FC "Spartak Moskau", Unternehmer, Kriegsteilnehmer auf russ. Seite in der Ukraine. Absolvent der "Nationalen Nuklearen Forschungsuniversität" MEPhI mit einem Abschluss als Computerprogrammierer. Ende der 1990er Jahre schloss sich Katanaev der Bewegung ultrarechter Skinheads u. Fussballfans an. Er unterstützte den FC "Spartak Moskau" u. war ein Anführer der russ. Fanbewegung dieses Clubs. Gleichzeitig war er nach eigenen Angaben Mitglied der Moskauer Niederlassung des internationalen rechtsextremen Netzwerks "Blut u. Ehre“. In den frühen 2000er Jahren beschäftigte er sich mit dem Weiterverkauf von aus Europa mitgebrachten Modeartikeln in Russland, hauptsächlich unter Fans u. rechten Zuschauern. Im Zuge der Verschärfung der "Anti-Extremismus“-Gesetzgebung in Russlands u. der allgemeinen repressiven Praxis seitens der russ. "Strafverfolgungsbehörden“ sah er sich gezwungen, vom ultrarechten Umfeld abzurücken u. in eine für die Behörden „akzeptablere“ u. für ihn „bequemere“ Sphäre des „offiziellen Fussballfanatismus“ zu „wandern“, was etwa in der 2. Hälfte der 2000er Jahre passierte. So wurde Katanaev der breiten fussballnahen Öffentlichkeit in Russland als einer der wichtigsten Antreiber u. "Show“-Koordinatoren zur Unterstützung der Fussballmannschaft auf der "Fan-Tribüne“ von "Spartak" u. als Organisator der Vereinigung "Fratria" von Fans des "Spartak"-Sportvereins bekannt, die der kremlnahen Jugendbewegung "Nashi" nahestand. Dieser 2005 gegründete Verein hatte Schätzungen zufolge damals etwa 10 Tsd. Mitglieder u. galt als grösste Fanorganisation der "Spartak"-Gesellschaft. Katanaev gehörte zu den Hauptaktivisten des 2007 von ihm mitgegründeten Allruss. Fanverbands VOB, der für die Zusammenarbeit mit Fussballfans u. die Bereitstellung von Eintrittskarten für Spiele verantwortlich war u. im Grunde als staatl. Einrichtung zur Kontrolle der Fanbewegung diente. 2010 wurde Katanaev, der als berühmtester Fanatiker von "Spartak" galt, jedoch aufgrund eines Skandals im Zusammenhang mit einem Diebstahl von Geldern in Rubelmillionenhöhe aus einem Fanfonds aus der "Fratria" ausgeschlossen u. als unerwünschte Person in der rot-weissen Fanbewegung erklärt. 2015 gab Katanaev öffentlich zu, dass er 2007 zusammen mit anderen Gründern des VOB 3 Mln. Rubel aus dem Verkauf von mehreren Tsd. Tickets für das Spiel "Russland-Deutschland“ unterschlagen hatte. 2018 leitete die FIFA im Zusammenhang mit diesen Enthüllungen von Katanaev eine Untersuchung gegen Russland ein. Katanaev selbst distanzierte sich von der Fussball-Fanbewegung, die er mit radikalen u. diskreditierenden Äusserungen öffentlich verunglimpfte. Als „russ. Patriot" fand er eine neue "Nische“ u. schloss sich um 2014 der berüchtigten russ.-radikalnationalist. Organisation "Sorok Sorokov" s. Andrej Kormukhins an, die für ihre radikale Unterstützung der russ.-orthodoxen Kirche ROK u. ihre Intoleranz gegenüber Vertretern anderer Religionen u. Dissidenzen bekannt wurde, u. stellte sich als ihr Koordinator zur Verfügung. Als Bsp. für seine „Unterstützung“ dieser Kirche ist der Konflikt um den Torfjanka-Park im Norden Moskau im Juni 2015 /II/ anzuführen, wo er die Rolle eines Provokateurs unter Demonstranten spielte u. von der Polizei festgenommen wurde, während seine Frau /eine/ ältere Teilnehmerin/nen/ angriff. Im Zusammenhang mit diesen Skandalen soll die ROK Katanaevs "Dienste an der Kirche" abgelehnt haben. Als Pseudonyme führt/e er die Namen "Kisa“, "Combat 18“, "Kombat“ u. „Kompot“.
Als "Unternehmer" war Katanaev Miteigentümer des Bekleidungsgeschäfts "Drittes Rom" am Novyj Arbat. 2007-9 diente er in der russ. Armee. 2011-14 war er als Miteigentümer u. /oder/ Direktor verschiedener Gastronomiebetriebe im Restaurantgeschäft in der Touristenzone Balis/Indonesiens u. 2015 in einem „Fahrradhandelsunternehmen“ tätig. Nach seinen eigenen Worten war er kurzzeitig beim "Euromajdan" in Kiev anwesend. 2014-15 beteiligte er sich aktiv an der Unterstützung - auch mit Waffen - pro-russ. militär. Formationen im Donbass. Zu weiteren Provokationen gehörte, als Katanaev im Sept. 2014 bei einem "Friedensmarsch“ im Zentrum Moskaus mit einer Gruppe von Freunden u. "Spartak"-Fans mit der Flagge "Neurusslands“ u. der "DVR" erschien, als Demonstranten eines Antikriegsmarsches sich über die Aggression des Putin-Regimes gegen die Ukraine empörten. Darüber hinaus erklärte er öffentlich, dass seiner Meinung nach „der Ukrainer ein Russe ist, der zu einem Biest geworden“ sei. Katanaev beteiligte sich am Krieg im Donbass auf der Seite proruss. Separatisten u. begleitete bewaffnet "Lifenews"-Journalisten u. kämpfte 2015-16 in der Gegend von Debalcevo u. Bakhmut. Während des von Putin entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine transportierte er Hilfsgüter für die russ. Armee in die besetzten Gebiete u. sammelte Geld dafür. Dank fehlender Sanktionen gegen ihn konnte er 2023 mit seiner Frau nach Italien reisen, was in den italienischen Medien grosses Interesse erregte.
2016-20 übte er in Moskau verschiedene Stellen im Zusammenhang mit Marketing u. Geschäftsentwicklung bei "InStat Sports" aus, dessen Tätigkeitsbereich als „Unternehmen zur Analyse von Sportergebnissen“ bezeichnet wird. 2020-22 war er u.a. u. nach eigenen Angaben als stv. Generaldirektor bei einer Firma namens "Sportrecs" tätig. Stand Mai 2023 soll er -  seit Nov. 2022 - als Vizepräsident von "SportTech" in der Yandex-Struktur tätig sein. Ausserdem soll er nach eigenen Angaben seit Jan. 2020 auch „Dozent an der Wirtschaftshochschule" u. - seit Okt. 2019 - „Mitglied des Ausschusses für Körperkultur, Sport, Tourismus u. Jugendangelegenheiten in der Staatsduma RF“ sein, obwohl er weder Abgeordneter der Staatsduma noch in irgendeiner Weise auf der Webseite dieses Ausschusses erwähnt ist. Von Katanaev stammen auch diverse zweifelhafte Aussagen u. Behauptungen wie sein Bedauern, dass die ROK unzureichend im öffentl. Leben Russlands präsent sei, dass es in russ. Städten viel zu wenige Kirchen gebe u. dass der Luxus, in dem die Kirchenführer lebten, i.O. sei. Ferner behauptete er, „Navalnyj unterstützt“ zu haben, Anfang 2014 auf dem Kiever Majdan anwesend gewesen u. ein glühender Anhänger s. Ramzan Kadyrovs zu sein. 2015 erklärte Katanaev in einem Interview mit dem Journalisten u. Blogger s. Jurij Dud, dass „Europa bald verschwinden, zerfallen u. aus allen Nähten platzen“ werde. V. Putin nennt er einen Führer, dem er „folgen möchte“, u. zitiert Putins fragwürdigen Argumente über die „Wahrheit eines russ. Menschen“. s. Irina Jarovaja u. s. Elena Misulina bezeichnet er als vorbildliche russ. Politiker u. schlägt vor, „viele Liberale“ „wegen staatsfeindlicher Aktivitäten“ ins Gefängnis zu stecken. Gleichzeitig schätzt Katanaev die russ. Gerichte sehr u. glaubt, dass sie „dem Buchstaben des Gesetzes folgen“. In den letzten Jahren trat Katanaev im öffentl. Raum seltener in einem gesellschaftspolit. Kontext auf, aber häufiger als Vertreter "sportnaher“ kommerzieller Strukturen. Seine wirren Ansichten u. wüsten Stellungnahmen, die teilweise an Fake bzw. Unsinn grenzen, etwa dass die Ziele Russlands u. der USA im Ukrainekrieg, den er öffentlich befürwortet, völlig übereinstimmten, äussert er hemmungslos v.a. im russ. sozialen Netzwerk "Vkontakte", wo er ein paar Tsd. Followers hat. Zu finden sind dort auch höhnische Kommentare zum ganzen irrsinnigen u. zynischen russ. Gerede über russ. Kriegserfolge u. Anschläge auf Energieanlagen in der Ukraine, dunkle Nächte in Kiev, den Einsatz von Atomwaffen, die Annexion von 4 südostukrain. Gebieten, die Wiederherstellung zerbombter ukrain. Städte durch Russland, die Idealisierung der kämpfenden jungen, starken russ. Männer als ein absolut einzigartiges Erlebnis, die Heroisierung Putins als „unser Präsident u. der neue Führer der freien Welt", usw. usf.
Kritik: Das "Forum Freies Russland", das die sog. "Putin-Liste" führt, wirft Katanaev direkte Beteiligung am Angriffs- u. Raubkrieg Russlands gegen die Ukraine u. an der Propaganda dieses Kriegs sowie an provokativen „politiknahen“ Aktivitäten im Interesse des Kremls innerhalb Russlands vor. Als Begründung dieser Vorwürfe nennt das "Forum" Katanaevs die direkte Teilnahme an der Bewegung "Sorok Sorokov u. seine provokativen Aktivitäten gegen Dissidenten u. Gegner des Putin-Regimes sowie seine konkreten Handlungen im Zusammenhang mit der direkten Beteiligung an der russ. Invasion u. Okkupation der Ukraine 2014-15 u. seine Propaganda u. Rechtfertigung des umfassenden Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine, der im Feb. 2022 begann. Katanaevs Teilnahme an Kriegshandlungen im Gebiet des Donbass wird durch eine beträchtliche Anzahl von Fotos bestätigt u. bewiesen, die ihn mit Waffen in der Hand u. in Kampfpositionen zeigen. Ferner soll er Geld für den Kauf von Ausrüstung für Soldaten u. angeworbene Söldner gesammelt haben. Nach Angaben der ukrain. Website "Mirotvorec" /II/ nahm Katanaev, wie er selbst berichtete, im März-April 2015 an den Kämpfen in der Gegend von Debalceve u. Bakhmut/Artjomovsk teil u. schloss sich der berüchtigten "Union der Donbass-Freiwilligen" /II/ an. Einem ukrain. Newsportal erzählte er, dass er 2015 in Gorlovka den "DVR"-Milizen s. Igor Girkins/Strelkovs mit Geld u. Waren geholfen habe. Bei dieser Gelegenheit sagte er auch, dass im Donbass auch 10-20 Fussballfanatiker anderer russ. Fussballclubs an der Seite der Separatisten gekämpft hätten. Er denke, dass in der Ukraine ein „jugoslavisches Szenario" entstehen werde, dass die Ukraine die besetzten Gebiete für immer verloren habe u. dass es die Ukraine selbst bald nicht mehr geben werde.)

KATANANDOV, Sergej Leonidovich II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVI (1955-, sowjet. Industrie- u. Bauingenieur, russ. Politiker in Karelien, ehem. Oberhaupt der Republik Karelien /1998-2010/. Absolvent der Fakultät für Industrie- u. ziviles Bauwesen der nach O.V. Kuusinen benannten Staatsuniversität Petrozavodsk, des Nordwestl. Personalzentrums bzw. des Instituts für Staatsdienst, Fach Staats- u. Gemeindeverwaltung, u. der Nordwestl. Akademie für Staatsdienst in SPB, Fach Rechtswissenschaften. Kandidat der Philosoph. Wissenschaften. Ehrendokor der Staatsuniversität Petrozavodsk, Ehrenbürger der Stadt Petrozavodsk u. der Repubik Karelien. Aktivmitglied der Russ. Ingenieursakademie. Seine Mutter war stv. Staatsanwältin von Petrozavodsk u. Mitglied des Obersten Gerichtshofs von Karelien. 1987 wurde Katanandov zum Abgeordneten des Volksdeputiertenrats der Stadt Petrozavodsk gewählt, 1990 Vorsitzender des Exekutivkomitees des Volksdeputiertenrats der Stadt Petrozavodsk, ehem. Bürgermeister von Petrozavodsk /1990-8/. In der Gesetzgebenden Versammlung /Parlament/ der Republik Karelien war er als Gemeindevorsteher Mitglied der Republikskammer u. diente als Vorsitzender des Verfassungsausschusses. Im März 1998 trat er vorzeitig zurück, um an den Wahlen zum Oberhaupt der Republik teilzunehmen. Im Kampf gegen den aktuellen Republikchef Viktor Stepanov sicherte sich Sergej Katanandov die polit. Unterstützung der Partei "Unser Haus Russland" u. der "LDPR" sowie die finanzielle Unterstützung des Petrozavodsker Geschäftsmanns Leonid Beluga u. des St. Petersburger Konzerns "Orimi". Bei den Wahlen vom April 1998 belegte er mit 36​​% der Stimmen den 1. Platz, gewann im 2. Wahlgang vom Mai mit 49,48% u. trat Anfang Juni sein Amt als Oberhaupt der Republik Karelien an. Als Vorsitzender der Regierung/PM der Republik Karelien erhielt er die Befugnisse eines Mitglieds des Föderationsrats RF. Im Nov. 1998 beteiligte er sich an der Gründung der Bewegung von s. Jurij Luzhkov, "Vaterland", u. wurde im Aug. 1999 Mitglied ihres Zentralrats. Bei den Dumawahlen RF 1999 leitete er die Regionalgruppe der Republik Karelien u. der Gebiete Novgorod u. Pskov auf der föderalen Liste des Blocks "Vaterland-Ganz Russland". In Karelien erzielte der Block jedoch nur 9% der Wählerstimmen, während die interregionale Bewegung "Einigkeit“ 31,8% der Stimmen erhielt. Im März 2000, am Vorabend der Präsidentschaftswahl RF, sprach sich Sergej Katanandov für eine 7-jährige oder sogar lebenslange Amtszeit des Präsidenten RF aus u. stimmte der Idee zu, die Wählbarkeit der Oberhäupter der Subjekte RF durch die Ernennung per Dekret des Präsidenten RF zu ersetzen. 2001 Mitglied des Präsidiums des Staatsrats RF. Im Dez. 2001 verliess er den Föderationsrat RF aufgrund einer Änderung des Verfahrens zu seiner Bildung. Katanandov leitete den regionalen Zweig der Partei "Einiges Russland" in der Republik Karelien seit seiner Gründung im März 2002 u. wurde Parteimitglied im Dez. 2004. Schon 2002 äusserte Katanandov die Idee, auf Direktwahlen zu verzichten u. die regionalen Führer durch die föderalen Behörden zu ernennen. Im April 2002 gewann Katanandov bei der Wahl des Oberhaupts der Republik Karelien im 1. Wahlgang mit 53,35% der Stimmen. Von Mai bis Dez. 2002 arbeitete er als "Premierminister der Regierung der Republik Karelien“, wie der Posten nach einem Referendum genannt wurde. Ende Feb. 2006 reichte Präsident RF V. Putin die Kandidatur Katanandovs zur Prüfung durch die Gesetzgebende Versammlung Kareliens ein; Anfang März wurde er von den Abgeordneten einstimmig als Oberhaupt der Republik für 5 Jahre bestätigt. Neben verschiedenen polit. Krisen wurde die grösste Krise für die Republik Karelien während der Regierungszeit Katanandovs durch die Unruhen in Kondopoga vom Sept. 2006 ausgelöst, was zu einem Köpferollen bei Bezirksvorstehern u. den Vorsitzenden der staatl. Komitees für lokale u. nationale Selbstverwaltung führte. Katanandov selbst wurde von Präsident Putin scharf kritisiert, als er in Portugal Urlaub machte u. unerreichbar war, ohne die Bildung der Lokalbehörden im Bezirk Kondopoga abzuwarten. Bei den im Okt. 2006 abgehaltenen Wahlen zum republikan. Parlament Kareliens führte Katanandov die Parteiliste von "Einiges Russland“ an, die 38,92% der Stimmen erhielt. Bei den im folgenden Jahr durchgeführten Dumawahlen RF erreichte er die Spitze der Regionalgruppe der Parteiliste, die in Karelien 57,3% erhielt. In beiden Fällen lehnte er das ihm zustehende Abgeordnetenmandat ab. Der Herbst 2007 war geprägt von einem Konflikt zwischen dem Republikschef Katanandov u. dem Petrozavodsker Stadtrat, deren führenden Kräfte Vertreter der Fraktionen "Gerechtes Russland“ u. "Jabloko“ waren, angeführt vom Ratsvorsitzenden Vasilij Popov, der im Sept. einen Aufruf an den Präsidenten RF richtete, in dem Katanandovs Rücktritt gefordert wurde. Es wurde ihm Korruption u. Lobbyarbeit zugunsten der Interessen der Wirtschaft, insbes. für den Eigentümer der Holding "Lotos", Leonid Beluga, der Katanandov bei Wahlen finanziell unterstützt hatte, vorgeworfen. Als Reaktion darauf beschuldigte Katanandov die Abgeordneten der Verleumdung u. reichte beim Stadtgericht eine Klage ein, in der er 50 Mln. Rubel für den ihm zugefügten moralischen Schaden forderte. Das Gericht erfüllte die Forderung u. reduzierte den Betrag auf 200 Tsd. Rubel. Ein 2. Aufruf an den Präsidenten RF im Nov. desselben Jahres blieb wie der erste unbeantwortet, wobei die Staatsanwaltschaft von Karelien den Abgeordneten mit einem Strafverfahren drohte. Ende Mai 2009 setzte Katanandov die Vasilij Popov gehörende Petrozavodsker Gratiszeitung Iskra wegen der Veröffentlichung eines kritischen Artikels über Präsident RF s. Dmitrij Medvedev unter Druck. Ende Juni 2010 trat Katanandov auf eigenen Wunsch vorzeitig als Oberhaupt Kareliens zurück, obwohl seine Amtszeit erst im März 2011 abgelaufen wäre. Im Grunde war Katanandovs Rücktritt seit Jahren erwartet worden, zumal sein Rating stetig sank. Ausser Skandalen um Schottervorkommen u. der schwierigen Situation im Wohnungswesen zählten der Konflikt zwischen Katanandov u. dem Bevollmächtigten des Präsidenten RF für den Nordwesten, Ilja Klebanov, die Niederlage von "Einiges Russland" bei den Wahlen der Gemeindevorsteher, der Skandal um die Wahl des Bürgermeisters von Petrozavodsk u.a. Probleme zu den Gründen für den Rücktritt. 2010-17 Mitglied des Föderationsrats RF für die Republik Karelien. Träger zahlreicher Orden u. Auszeichnungen.)

KAUROV, Pjotr Alekseevich II III (1952-2000, gew. sowjet.
Eisenbahningenieur, russ. Politiker, Bürgermeister der Stadt Murom /1991–2000/. Absolvent des belaruss. Instituts für Eisenbahningenieure mit einem Abschluss in Industrie- u. Zivilbau. Bevor er Politiker wurde, arbeitete er in der Sowjetzeit als Bauleiter bei der Eisenbahn u. Chefingenieur am Bahnhof Murom, als Abteilungsleiter für Bau- u. Wirtschaftswesen des Stadtkomitees der KPdSU u. als Leiter einer Bauverwaltung des "Muromstroj"-Trusts. 1991 wurde er zum Leiter der Verwaltung der Stadt Murom ernannt, um moderne städtische u. Verwaltungsstrukturen zu entwickeln. Seine nächste Amtszeit war dann bereits vom Volk mit 80% der Stimmen bestätigt worden. 1994 besuchte er im Rahmen des russ.-amerikan. Informationsaustauschprogramms die USA, wo er einen Business-Stage durchlief. Während der 9 Jahre an der Spitze der Stadtverwaltung von Murom gab er viele architekton. Projekte der soziokulturellen Sphäre in Auftrag, so ein Denkmal für Ilja Muromec, eine neue Brücke u. eine Sekundar-, Mittel- u. eine Kunstschule u.a. Unter seiner polit. u. wirtschaftl. Führung entwickelte sich das Kleinunternehmen in Murom in schwierigen Jahren sehr günstig, während gleichzeitig die Flaggschiffe der Muromer Industrie nicht untergingen. Der Bürgermeister tat auch viel, um die Stadt in ein Touristenzentrum zu verwandeln. Kaurov war Mitglied des Kongresses u. der Union der Kleinstädte Russlands, Vorsitzender der Vereinigung der Leiter der Kommunalverwaltungen des Gebiets Vladimir. Ende der 1990er Jahre war der Bürgermeister von Murom einer der beliebtesten Politiker im Gebiet Vladimir.
Ermordung: Der 48-jährige Kaurov wurde im Dez. 2000
5 Tage vor der Wahl des Gouverneurs des Gebiets Vladimir u. der Abgeordneten der gesetzgebenden Versammlung des Gebiets getötet. Gemäss Presseberichten fand an diesem Tag in der Muromer Verwaltung eine Sitzung einer Stadtratskommission statt, an der u.a. die Frage des Stadthaushalts für 2001 diskutiert worden sei. Kaurov, der bei dem Treffen anwesend war, verliess gegen 18 Uhr den Arbeitsort u. fuhr mit seinem Auto in unbekannte Richtung davon u. erschien an diesem Abend nicht zu Hause in der Leninstrasse. Passanten fanden ihn am nächsten Morgen in einer Garage im Hof ​​eines Hauses in der Leninstrasse neben dem Auto in einer gefrorenen Blutlache mit einem Schuss durch den Kopf. Laut Polizeibericht wurde der Bürgermeister fast aus nächster Nähe erschossen, als er das Auto in die Garage fuhr. Ausser den regionalen Polizeien, der Staatsanwaltschaft sowie des FSB wurden der Innenminister RF u. die Verwaltung des Präsidenten RF /Putin/ über den Aufsehen erregenden Mordfall informiert u. ein Strafverfahren umgehend eingeleitet. Da keine polit. Motive festgestellt werden konnten, wurde eine kriminelle Tat auf der Ebene der Wirtschaftsbeziehungen nicht ausgeschlossen, da bekannt war, dass Moskauer u.a. Gruppierungen ein verstärktes Interesse am Wirtschaftsstandort Murom zeigten. Die meisten Einwohner Muroms glaubten, dass Kaurov aufgrund seines aktiven Widerstands gegen das Eindringen von Moskauer kriminellen Gruppen in die Wirtschaft Muroms u. wegen der Verhinderung von Versuchen, grosse Industrieunternehmen zu erbeuten, untereinander aufzuteilen oder auszuplündern /razderbanit/, auf diese Weise entfernt wurde. Obwohl den Ermittlungsbehörden bekannt gewesen sei, wer vom Tod des Bürgermeisters der Stadt Murom profitieren könnte, wurden die Auftraggeber des Mordes u. die Täter selbst auch 18 Jahre nach der Mordtat nicht identifiziert, u. das mehrteilige Strafverfahren wurde nicht abgeschlossen. Wie der Sohn des ermordeten Bürgermeisters einer TV-Station erklärte, wurde kurz nach dem Tod ​​Kaurovs dessen Datscha von Unbekannten niedergebrannt, u. Monate später wurde seine Wohnung in Murom ausgeraubt. Der Sohn Aleksej Petrovich, der an bestimmte oppositionelle Haltungen seines Vaters erinnerte, schloss nicht aus, dass sein Vater aus polit. Gründen ermordet worden sein könnte. 2013 wurde Kaurov posthum der Titel "Ehrenbürger von Murom“ verliehen.)

KAUROV, Valerij Vladimirovich (ukrain. Volodymyrovych) II III IV V VI (1956-, ehem. pro-russ. Politiker u. orthodoxer Aktivist in Odessa u. "Neurussland", Ukraine.
Im Alter von 17 Jahren wurde er wegen Rowdytums zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt u. verbüsste eine 7-jährige Haftstrafe in einer Strafarbeitsanstalt im Gebiet Chernihiv, Ukrain. SSR. Nach seiner Entlassung arbeitete er bis Mitte der 1980er Jahre als Handwerker in einem Elektrowerk in Odessa. Nach dem Verlassen der Fabrik organisierte er eine Genossenschaft zum Schneidern von Hosen, an die Etiketten berühmter Unternehmen geformt u. die als Originale verkauft wurden. In den 1990er Jahren war er in einem profitableren Geschäft tätig u. wurde Generaldirektor einer Firma namens "Interodeks". Mitte 1990er Jahre wurde er wegen Steuerhinterziehung erneut festgenommen. Während der Ermittlungen verbrachte Kaurov 2 Monate in Einzelhaft, wurde schliesslich freigelassen u. später im Rahmen einer Amnestie freigesprochen. Danach gab er seinen Anteil an seinen Partner im Unternehmen ab, der kriminellen Autorität Ihor Markov, genannt "Maradonna", u. war nicht mehr im Geschäft tätig. Zu dieser Zeit wurde er religiös u. gläubig u. nahm an den Aktivitäten der orthodoxen Gemeinde von Odessa teil, organisierte Pilgerreisen zu heiligen Stätten u. wurde Gründungsmitglied einer Kirche in Chernomorka bei Odessa. Ausserdem arbeitete er in der Kreditgesellschaft "Ukraine" in Odessa, deren Führungskräften Finanzbetrug vorgeworfen wurde, nachdem sie in Konkurs gegangenen war. Der Leiter dieser Gesellschaft, Kaurov, wurde beschuldigt, über 59 Mln. Grivna/Hryvnja illegal unterschlagen zu haben. Dennoch war Kaurov noch Jahre Leiter dieser Kreditgenossenschaft u. soll Tausenden Einlegern geholfen haben, die unter dem Betrug des vorherigen Managements gelitten u. ihre Ersparnisse verloren hatten, ihr Geld zurück zu erlangen. Den Einwohnern Odessas blieb Kaurov auch v.a. für seine Reden zur Verteidigung der betrogenen Sparer der Kreditgenossenschaft "Ukraine" in Erinnerung /Fortsetzung s. unten/.
Politik: Kaurov begann seine polit. Tätigkeit 2001, als er als Zeichen des Protests gegen den Besuch von Papst Johannes Paul II. in der Ukraine die Odessaer Regionalorganisation "Vereinigtes Vaterland“ gründete u. leitete u. in Kiev an Protesten gegen den Papstbesuch teilnahm. Während der "Orangenen Revolution" unterstützte er s. Viktor Janukovych. Anlässlich der Wiederholung der 2. Runde der Präsidentschaftswahl war er der Initiator von Protestaktionen, insbes. mittels Zerkleinerung von Orangen mit einem Bulldozer in Odessa u. der Sperrung der Autobahn Odessa-Kiev. Im Dez. 2004 leitete die Staatsanwaltschaft des Gebiets Odessa ein Strafverfahren gegen Kaurov gemäss Art. 279 StGB UA wegen der Sperrung der Autobahn ein. Seine Aktionen erregten landesweit Aufsehen u. das "Vereinigte Vaterland“ war eine der 10 am meisten in den Medien erwähnten russ.-orthodoxen Organisationen in der Ukraine u. verfügte über ein breites Netzwerk von Zweigstellen im ganzen Land. Ferner fungierte er als Chefredaktor des Portals "Edinoe Otechestvo“ u. der Zeitung Pravoslavnyj Telegraf. Im Sept. 2005 gründete Kaurov die "Union orthodoxer Bürger der Ukraine“ SPGU, eine öffentl. Organisation in der Ukraine zur Verteidigung der russ. Orthodoxie, die für die Konsolidierung u. Mobilisierung orthodoxer Gläubiger zum Zwecke koordinierter Bürgeraktionen zur Verteidigung ihrer Rechte u. Freiheiten vor „Feinden der kanonischen Orthodoxie“ sowie gegen die Trennung der Ukrain.-Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats, unter dessen Schirmherrschaft die SPGU gestellt werden sollte, von der Russ.-Orthodoxen Kirche plädierte. Weitere Bestandteile der Zielsetzungen waren Aktivitäten zum Schutz der russ. Sprache u. der Rechte der russischsprachigen Bürger u. russ. Landsleute in der Ukraine sowie der Kampf gegen die Rehabilitierung von Soldaten der berüchtigten "Ukrain. Aufstandsarmee" OUN-UPA, gegen eine antiruss. Interpretation des sog. Holodomors der 1930er Jahre u. gegen den Beitritt der Ukraine zur NATO. Auf dem Konstituierenden Kongress in Kiev wurde Kaurov zum Vorsitzenden der SPGU, die ein Bestandteil der "Union orthodoxer Bürger" sein sollte, gewählt. Die SPGU genoss die Unterstützung der "Progressiven Sozialist. Partei der Ukraine" /Vorsitzende s. Natalija Vitrenko/ - u. der ehem. "Partei der Regionen" Janukovychs. Kaurov organisierte zahlreiche Prozessionen u. Gebetswachen u. beteiligte sich an der "Verteidigung" u. "Befreiung" von Kirchen in der ganzen Ukraine, darunter in der Stadt Ostrog, Diözese Rivne, im Svjatogorsker Kloster, Diözese Doneck, in der Stadt Chernigov, in Odessa, Chernovcy u.a. Diözesen der Ukrain.-Orthodoxen Kirche. Dabei erwies sich Kaurov als fanatischer orthodoxer Politiker, der die verfassungsmässigen Rechte der Gläubigen der Ukrain.-Orthodoxen Kirche, Moskauer Patriarchat MP, kompromisslos verteidigte, als entschiedener Kämpfer gegen jegliche Formen der Autokephalie u. als Kämpfer für die Wahrung der unzerstörbaren geistigen Einheit der Ukrain.-Orthodoxen Kirche mit den Russ.-Orthodoxe Kirche gegen die "spirituelle Aggression des Westens" usw. So wurde Kaurov auch als einer der wichtigsten Popularisierer der Doktrin der "Russ. Welt“ in der Ukraine bekannt. Kaurovs  Aktivitäten fanden grossen Anklang in der gesamten Ukraine, insbes. in der Region Odessa, wo sowohl Abgeordnete der Gemeinderäte, Regierungsbeamte als auch Führer verschiedener öffentl. Organisationen u. Parteien mit ihm zusammenarbeiteten. Für seine vielfältigen Aktivitäten u. Verdienste wurde Kaurov mit einigen kirchlichen u. öffentl. Preisen ausgezeichnet, die seine Unterstützung seitens Russlands u. v.a. der Russ.-Orthodoxen Kirche, MP, demonstrieren sollten: Im Sept. 2003 wurde Kaurov durch den Metropoliten Vladimir von Kiev u. der gesamten Ukraine mit dem "Hl. Grossfürst-Vladimir-Orden III Grad" geehrt; im Mai 2004 überreichte ihm derselbe Metropolit die Urkunde "Segen für harte Arbeit zum Ruhm der Hl. Kirche“; im Sept. 2006 wurde ihm die Urkunde des Metropoliten Agafangel von Odessa "für die Befreiung der St.-Andreas-Kirche in Odessa" überreicht - mit Kaurov wurden 45 weitere Mitglieder des "Vereinigten Vaterlands" ausgezeichnet; im Juni 2007 verlieh ihm Patriarch s. Aleksij II den "Orden des rechtschaffenen Hl. Fürsten Daniil von Moskau III Grad" für Kaurovs Aufmerksamkeit u. Arbeit zum Wohle der Kirche u. im Zusammenhang mit seinem 50. Geburtstag. Der Orden wurde ihm im Kloster des Hl. Daniil vom derzeitigen Patriarchen s. Kirill, der damals Leiter der Abteilung für Äussere Kirchliche Beziehungen des MP war, überreicht. Im April 2010 wurde Kaurov von Marija Vladimirovna, Oberhaupt des Kaiserhauses der Romanovs, der "Kaiserin u. Souveränin von ganz Russland", der "Hl.-Anna-Orden III Grad" verliehen.
Umstrittene Aktionen: 2006 gründete Kaurov das "Anti-NATO-Komitee“ u. nahm zusammen mit anderen Gegnern der NATO-Übungen in der Ukraine an Protesten u. Blockaden von NATO-Aktivitäten in Feodosija u. Odessa teil, was zur Unterbrechung der Übungen führte. 2006 stand Kaurov auf Platz 10 der von Natalija Vitrenko geführten "Progressiven Sozialist. Partei", aber da diese Partei die 3%-Hürde nicht überwand, wurde sie nicht ins ukrain. Parlament gewählt. 2006 fungierte Kaurov auch an der Spitze des sog. "Russ. Marsches" in Odessa, wo es neben Aufrufen zur Einheit mit Russland auch antisemit. Parolen gab. Eine Reihe von öffentl. Organisationen u. religiösen Vereinigungen äusserten sich besorgt über die Aktivitäten Kaurovs u. seiner Organisation u. beschuldigten ihn, die religiöse u. soziale Situation in der Region zu destabilisieren. Als es 2007 erneut Versuche gab, die NATO-Ausbildung zu behindern, wurden auf Anordnung des Primorskij-Gerichts von Odessa Proteste gegen die Übungen verboten. Nichtsdestotrotz wurde dem "Vereinigten Vaterland" erlaubt, einen Marsch zu Ehren des letzten russ. Kaisers Nikolaus II. abzuhalten. Als die Demonstration von der erlaubten Route abwich u. den Verkehr behinderte, wurde Kaurov festgenommen u. mit einer Geldstrafe von 170 Grivna belegt. Im April 2007 beteiligten sich Kaurov u. das "Vereinigte Vaterland" an einer Aktion zur Verteidigung der russ. Sprache "Ich spreche Russisch!“ Während einer dieser Kundgebungen wurden in Odessa 10 Liter Fäkalien auf Kaurov gegossen, wobei die "Bruderschaft" von Dmytro Korchynskyj die Verantwortung für diese Aktion übernahm /offenbar handelte es sich dabei um den gagausischen Flügel der "Bruderschaft", der Kaurov eine "Auszeichnung" bzw. einen "Preis" überreichen wollte/. Laut den Organisatoren war diese Aktion eine Reaktion auf Kaurovs Aufruf in Bezug auf die angebl. „zwischenethnische Feindschaft unter dem multiethnischen ukrain. Volk ...", die mit „gewalttätigen Methoden auf Kosten Russlands" stattfinde. Nach dem Angriff wurden die Aktivisten vorübergehend festgenommen. Die Teilnehmer der Aktion gegen Kaurov wurde von der Korchynskyj-"Bruderschaft" kritisiert u. Natalija Vitrenko distanzierte sich ihrerseits von Kaurov, dessen Aktvitäten u. der "Bruderschaft" selbst. Insgesamt wurden im Zeitraum 2006-10 im ganzen Land über 90 grosse Aktionen zur "Verteidigung der Orthodoxie u. der russischsprachigen Bevölkerung" der Ukraine durchgeführt. 2005-6 kritisierte Kaurov den damaligen Bürgermeister von Odessa, Eduard Hurvits, scharf, unterstützte ihn jedoch unerwartet bei den Wahlen von 2010. Aber es gab auch Kritik. Im Nov. 2007 sandte eine grosse Zahl orthodoxer, mit der Ukrain.-Orthodoxen Kirche, MP, verbundener u. pro-russ. Organisationen der Ukraine einen gemeinsamen Brief an den Aussenminister RF, den russ. Botschafter in der Ukraine u.a. Funktionsträger, in dem Valerij Kaurovs öffentl. Aktivitäten verurteilt u. er selbst des polit. u. finanziellen Betrugs beschuldigt wurden. Im Dez. 2007 verabschiedete die Bischofssynode der Ukrain.-Orthodoxen Kirche, MP, eine Sonderresolution zu den Aktivitäten der Organisation "Union der orthodoxen Bürger der Ukraine“ u. ihres Vorsitzenden Valerij Kaurov, in der zum Ausdruck gebracht wurde, dass die Aktivitäten der genannten Organisation „nichts mit der Ukrain.-Orthodoxen Kirche zu tun" hätten. Weiter hiess es, der Leiter dieser Organisation, Kaurov, habe nicht das Recht, die Positionen der Ukrain.-Orthodoxen Kirche, MP, zu vertreten oder in ihrem Namen zu sprechen. Die Synode hielt auch fest, dass bestimmte Handlungen u. Äusserungen Kaurovs „gegen die Ukrain.-orthodoxe Kirche gerichtet" seien. Es war die Rede von der Definition der „polit. Orthodoxie“. Kaurov griff danach die Resolution scharf an.
Skandal um die Kreditgesellschafz "Ukraina" /Forts./: Im Nov. 2011 meldete die Presse, dass Kaurov nicht mehr Aufsichtsratsvorsitzender der Kreditgesellschaft "Ukraine" sei; zu dieser Schlussfolgerung sei das Berufungsgericht des Gebiets Odessa mit seiner Entscheidung vom Sept. 2011 gekommen, das die Rechtswidrigkeit von 2 Hauptversammlungen der Mitglieder der genannten öffentl. Organisation anerkannt habe, die vor 2 Jahren stattgefunden habe. Wie der derzeitige Aufsichtsratsvorsitzende der Gesellschaft, Aleksandr Gaev, berichtete, habe die ehem. Führung das Vermögen der Gesellschaft verschwendet. Ein Teil des Gelds, das für zuvor vergebene Kredite verpfändet wurde, sei in eine unbekannte Richtung abgeflossen. Es gebe eine Klage auf Rückgabe eines Büros der Gesellschaft. Der Fall, in dem Eigentum im Wert von 157 Mln. Grivna beschlagnahmt wurde, werde seit langem vor dem Primorskij-Gericht der Stadt Odessa verhandelt. V. Kaurov habe zu seiner Zeit den Status eines Opfervertreters mit dem Recht innegehabt, persönlich über die Gelder zu verfügen, die als Schadensersatz gezahlt werden konnten. Der Prozess habe vor dem Wirtschaftsgericht begonnen, wo das Insolvenzverfahren für die Kreditgesellschaft eröffnet worden sei. Laut A. Gaev hätten Einleger weiterhin die Möglichkeit, einen entsprechenden Antrag auf Anerkennung als Gläubiger zu stellen. Es werde ein Gläubigerausschuss gebildet, der im Fall der Erklärung der Insolvenz der Kreditgesellschaft das Recht habe, über das verbleibende Vermögen u. die verbleibenden Gelder zu verfügen. Wie die neue Vorstandsvorsitzende Alena Babinina feststellte, erhalte jeder Einleger die Möglichkeit, Opferstatus zu erlangen. Dazu sei es erforderlich, einen Reisepass, Original u. Kopie des Mitgliedsbuchs, des Vertrags u. der Quittung der Einzahlung vorzulegen. Kaurov, der einige Tage zuvor im Fernsehen aufgetreten war, bezichtigte das neue Leitungsteam der Kreditgesellschaft des Vandalismus u. beteuerte weiterhin seine Unschuld.
2014-: Im Mai 2014 gab sich Valerij Kaurov als neu gewählter Präsident einer "Republik Odessa" bzw. eines "Föderativen Staats Neurussland" oder einer "Konföderation Neurussland", bestehend aus der "Volksrepublik Doneck" u. der "Volksrepublik Lugansk/Luhansk" zu erkennen, deren Gründung von einigen orthodoxen Aktivisten in Odessa angekündigt wurde. Als Politiker von "Neurussland" befürwortet Kaurov die Idee, die ukrain. Staatlichkeit durch Föderalisierung u. anschliessende Abtrennung ihrer Territorien zu zerstören. In diesem Zusammenhang sei Kaurov von Seiten der Ukraine /SBU/ mitgeteilt worden, „dass im Falle der Fortsetzung öffentl. Reden, die darauf abzielen, die Prüfung der Frage der Änderung des Status der regionalen Gebiete der Ukraine einzuleiten, entsprechende Massnahmen gegen ihn angewendet würden, einschliesslich der Strafverfolgung." In der Folge wandte sich Kaurov an Präsident RF V. Putin mit der „Bitte, ihn, Valerij Vladimirovich Kaurov, u. die Mitglieder seiner Familie vor polit. Repression u. möglichen körperlichen Auswirkungen zu schützen u. ihm u. seinen Familienmitgliedern auch die russ. Staatsbürgerschaft zu gewähren." In den folgenden Wochen hielt sich Kaurov auf der im März 2014 von Russland annektierten Krym auf, so auch während der Ausschreitungen in Odessa vom 2. Mai 2014 zwischen proukrain. u. proruss. Demonstranten, bei denen 48 Menschen ums Leben kamen u. über 200 verletzt wurden. Aufgrund interner Spaltungen u. ausbleibender Erfolge der Separatisten erwies sich die Bedeutung der Föderation von Neurussland als irrelevant, ebenso die polit. Rolle Kaurovs. Im Mai 2015 wurde das Ende der "Föderativen Republik Novorossija" unter Beibehaltung der "Volksrepubliken" von Doneck u. Lugansk verkündet. Im Juni u. Juli 2014 wurde Kaurov von den USA u. der EU Im Zusammenhang mit der Einberufung russ. Streitkräfte in die Ukraine zusammen mit anderen Personen mit Sanktionen belegt. Laut der ukrain. Website "Myrotvorec" /II/ schrieb der SBU des Gebiets Odessa am 7. Okt. 2014 Kaurov nach Art. 110 Teil 1 StGB UA zur Fahndung aus. Ende 2014 weilte Kaurov in Odessa, ab/nach 2015 hielt er sich aber vermutlich in Russland auf; nach Angaben des SBU wohne er bereits seit März 2014 in Moskau u. besuche regelmässig die Krym. 7 Jahre nach den Ereignissen von 2014 begann in der Ukraine eine vorgerichtliche Untersuchung der Aktivitäten eines der Anführer der "Antimajdan"-Bewegung von Odessa. Das Primorskij-Bezirksgericht in Odessa habe dem SBU erlaubt, eine vorgerichtliche Untersuchung in Abwesenheit gegen Valerij Kaurov  durchzuführen, denn er werde verdächtigt, in die territoriale Integrität u. Unverletzlichkeit der Ukraine eingegriffen zu haben. Seit 2022 wird Kaurov als Leiter des Pressediensts der regionalen Gesellschaft "Union der orthodoxen Bürger von Taurien“ erwähnt, deren Registrationsort das Dorf Pishchane im Bezirk Bakhchyssaraj auf der besetzten Krym war. Im Sept. 2022 veröffentlichte Kaurov im Namen dieser Gesellschaft eine Erklärung bzw. einen Aufruf religiösen u. antikukrain. Charakters.)

KASHIN, Oleg Vladimirovich II III
IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI XVII XVIII XIX XX XXI XXII XXIII XXIV XXV XXVIa XXVIIb XXVIII XXIX XXX XXXI XXXII XXXIII XXXIV XXXV XXXVI XXXVII XXXVIII  XXXIX XL XLI XLII XLIII XLIV XLV XLVI XLVII XLVIII XLIX L LI LII LIII LIV LV LVI LVII LVIII LIX LX LXI LXII LXIII LXIV LXV (1980-, russ. kritischer polit. Journalist, Publizist, Kolumnist u. Schriftsteller/Buchautor. Absolvent eines Studiums der "Navigation auf Seewegen“ an der Baltischen Staatsakademie der Fischereiflotte in Kaliningrad. Er fuhr 2x zur See auf dem Segelschiff "Kruzenshtern“ als Deck- u. Navigationspraktikant u. war Teilnehmer internationaler Segelregatten. Seine journalist. Karriere begann er 2001-3 als Sonderkorrespondent der Komsomolskaja pravda in Kaliningrad. 2003 zog er nach Moskau u. war bis 2005 Korrespondent der Abteilung Gesellschaft des Verlags "Kommersant". Von Anfang an geriet Kashin ins Visier derjenigen, die kritische Journalisten wie ihn für "Feinde Russlands" u. "Verräter" abqualifizieren. Er ist ein besonders eindrückliches u. tragisches Beispiel dafür, wie kritische Journalisten in Putins Russland behandelt werden. Anfang Juni 2004 wurde Kashin, als er im Auftrag der Zeitung Kommersant arbeitete, um einen Bericht über die Aktion der "Vorhut der Roten Jugend" in der Nähe des Regierungsgebäudes in Moskau zu erstellen, von Mitarbeitern des FSO angegriffen, wobei ihm ins Gesicht u. in die Nieren geschlagen u. von ihm eine Speicherkarte gefordert wurde, auf der der Fotojournalist von Kommersant Jurij Martjanov die Aktion aufgezeichnet hatte. Der Angriff führte zu einer Gehirnerschütterung u. zu Prellungen. Der Pressedienst des FSO erklärte, dass „zur Gruppe der Übertreter möglicherweise Journalisten anwesend waren, die ihre Ausweise oder Akkreditierungskarten nicht vorwiesen“, wobei die Gerichte später keine Schuld in den Handlungen des FSO fanden. Im Feb. 2005 nahm Kashin als Korrespondent des Kommersant am 1. Kongress der kremlfreundlichen Jugendbewegung "Nashi" in Solnechnogorsk teil. Laut Kashin brachten "Nashi"-Aktivisten ihn gewaltsam auf die Bühne u. erklärten ihn zu „einem Feind Russlands u. insbesondere der Nashi“, woraufhin sie ihn bis zur Ankunft des Anführers der Bewegung, s. Vasilij Jakimenko, illegal in einem verschlossenen Zimmer festhielten. Von Sept.-Okt. 2005 war Kashin Sonderkorrespondent der Zeitung Izvestija, 2005-7 Kolumnist der Zeitschrift Ekspert u. arbeitete für andere Publikationsorgane. Ab April 2007 war er stv. Chefredaktor der Zeitschrift Russkaja zhizn. 2009 kehrte er zum "Kommersant"-Verlag zurück, dessen Sonderkorrespondent er 2011 bis 2012 war. Im Nov. 2012 wurde er im Einvernehmen der Parteien aus fadenscheinigen Gründen entlassen, wobei er weiterhin mit dem Verlag als freiberuflicher Kolumnist zusammenarbeitete. Im Okt. 2010 verweigerte der Pressedienst des Präsidenten RF Oleg Kashin, der von "Kommersant" akkreditiert war, die Teilnahme an einem Treffen des russ. Präsidenten s. Dmitrij Medvedev mit Rockmusikern mit dem Argument, dass der Journalist im Zusammenhang mit seiner Inhaftierung anlässlich des "Marsches der Unzufriedenen" im Frühjahr 2007 auf der "schwarzen Liste“ des FSO stehe. Der Verlag "Kommersant" hielt die Weigerung für rechtswidrig. Zu den Spezialthemen von Kashins journalist. Tätigkeit gehörten damals polit. Jugendverbände /wie "Nashi", "Junge Garde"/ u. das Problem rund um den Wald von Khimki, wo es um das umstrittene Bauprojekt einer Autobahn ging, für die ein Waldstück bei Moskau abgeholzt werden sollte. Damit exponierte er sich in der Öffentlichkeit, was nicht ohne Antwort seitens der Betroffenen blieb. Die Hauptverwaltung für innere Angelegenheiten des Moskauer Gebiets versuchte, die Redaktion zu zwingen, Quellen offenzulegen, was ihr verweigert wurde. Der Vertreter der "Jungen Garde" der Partei "Einiges Russland" nannte Kashin u. seine Kollegen vom Kommersant im Zusammenhang mit der Veröffentlichung eines Interviews „Feinde des gesamten russ. Volkes“ u. „Verräter“ u. erklärte, Kashin „betreibe halbunterirdische journalist. Sabotageaktivitäten zur Verführung der Leser “; dies könne „nicht ohne schwerwiegendste Folgen bleiben“, denn „Feinde“ „werden bestraft“. Diese unerhörte Diktion erinnerte unweigerlich an stalinist. Unzeiten, die unter Putin wiederbelebt wurde. Kashin gehört/e zu den aktivsten russ. Nutzern von "Twitter", wobei seine Beiträge auf "Twitter" u. in seinem "LiveJournal"-Weblog von Journalisten-Kollegen als teilweise provozierend bezeichnet wurden.
Überfall auf Kashin, Folgen u. Reaktionen: Am 6. Nov. 2010 wurde Kashin gegen 00.40 Uhr von 2 Unbekannten, die in der Nähe seines Hauses in der Pjatnickaja-Strasse in Moskau auf ihn warteten, überfallen u. schwer zusammengeschlagen. Der brutale Angriff auf den Journalisten wurde von einer
Überwachungskamera vor Kashins Haus aufgezeichnet. Den Aufzeichnungen zufolge hielt einer der Angreifer Kashin fest, wobei der zweite ihn 1,5 Min. lang mit einer Eisenstange traktierte u. ihm 56 Schläge versetzte. Der Journalist wurde in ein Krankenhaus in Moskau gebracht, wo bei ihm Frakturen des Unterschenkels, des Ober- u. Unterkiefers u. der Hand, einschliesslich der Trennung zweier Fingerglieder, sowie Schädel-Hirn- u. schwere innere Verletzungen diagnostiziert wurden. Die Ärzte versetzten Oleg in ein künstliches Koma u. führten 2 Operationen durch. Am 10. Nov. kam Kashin wieder zu Bewusstsein. Am 17. Nov. machte er seine erste Aussage in dem Fall. Sein Zustand verbesserte sich von schwer auf mittelschwer u. er wurde von der neurochirurg. Intensivstation in die Traumaabteilung verlegt. Laut Kashin selbst sagten die Ärzte seine Rückkehr zur aktiven Arbeit frühestens im Frühjahr 2011 voraus. Am Tag des Angriffs auf Kashin schrieb Präsident Medvedev in einer öffentl. Reaktion auf "Twitter", dass die Täter gefunden u. bestraft werden müssen. Am 8. Nov. sagte er bei einem Treffen mit Journalisten der Rossijskaja gazeta im Zusammenhang mit dem Überfall auf Kashin, dass „es Kräfte gibt, die glauben, dass man mit Hilfe solcher Methoden jeden zum Schweigen bringen kann – einen Journalisten, einen Politiker – u. dass zur Lösung der eigenen Probleme alle Mittel gut sind“. Wer an diesem Verbrechen beteiligt war, „wird bestraft, unabhängig von seiner Position, seinem Platz im sozialen Koordinatensystem u. seinen anderen Verdiensten, falls vorhanden“. Aktivisten der Zivilgesellschaft u. Journalisten hielten Ein-Mann-Streikposten in der Nähe des Gebäudes der Moskauer Polizeibehörde ab u. forderten, die Verbrecher zu finden u. zu bestrafen. Am 9. Nov. fand ein Treffen dreier Kommissionen der Bürgerkammer RF statt. Am 11. Nov. wurde eine Sitzung der Öffentl. Kommission der Moskauer Hauptverwaltung für innere Angelegenheiten einberufen. Eine Initiativgruppe von Studenten der Fakultät für Journalismus der Moskauer Staatsuniversität hängte ein Transparent mit der Aufschrift „Wer schlug Kashin?“ am Universitätsgebäude an der Mokhovaja auf. Streikposten forderten auch in anderen russ. Städten, die Verbrecher zu finden u. zu bestrafen. Im Zusammenhang mit dem Angriff auf Kashin fanden auch weitere Aktionen statt. Im Dez. 2010 veröffentlichte die New York Times einen Artikel von Oleg Kashin, in dem er den Angriff mit den Aktivitäten der "Nashi"-Jugendbewegung in Verbindung brachte. Aufgrund des Angriffs wurde ein Strafverfahren nach Art. 30 Teil 3 u. Art. 105 Teil 2 Abs. "g“ StGB RF wegen "versuchten Mords durch eine Personengruppe" eröffnet. Präsident Dmitrij Medvedev wies den Generalstaatsanwalt s. Jurij Chajka u. den Innenminister RF s. Rashid Nurgaliev an, die Untersuchung des Verbrechens zu überwachenen. Die einflussreiche britische Zeitung The Times veröffentlichte im Zusammenhang mit dem Schlag gegen Kashin einen Beitrag ihres Moskauer Korrespondenten über die unerfreuliche Lage von Journalisten in Russland. Das US-Aussenministerium, die OSZE, Amnesty International u. "Freedom House" forderten die russ. Behörden auf, die Sicherheit u. Handlungsfreiheit von Journalisten zu gewährleisten. Am 6. Nov. 2011, dem Jahrestag des Angriffs, wurde erneut eine Reihe von Einzeldemos abgehalten, an denen etwa 40 Personen, darunter Kashin selbst, teilnahmen, wobei 2 Teilnehmer von der Polizei festgenommen wurden.
Das Manuskript zu seinem satirischen Buchroman "Rossija vperjod’’, der als sein literar. Debüt 2010 bei "Ad Marginem Press" in Moskau erschien, hatte Kashin kurz vor einem brutalen Überfall vom 6. Nov. 2010 auf ihn abgegeben, wobei ihm zur Warnung Hände u. Füsse gebrochen wurden. Die dt. Übersetzung mit dem Titel "Es geht voran" erschien 2012 im Berliner Aufbau-Verlag. Es gibt auch eine engl. Ausgabe.
Im Sept. 2015 veröffentlichte Kashin Informationen darüber, dass der Fall des Attentats auf ihn inzwischen gelöst worden sei, 2 Verdächtige der Mittäterschaft festgenommen worden seien, der 3. sich auf dem Territorium von Belarus versteckt halte; alle 3 Verdächtigen hätten im Sicherheitsdienst einer Fabrik in St. Petersburg gearbeitet, die Teil einer Holding sei, die Verwandten des Pskover Gouverneurs s. Andrej Turchak gehöre. Im Aug. 2010 soll Kashin Turchak beleidigt haben, wofür dieser von Kashin verlangt habe, sich innerhalb von 24 Std. zu entschuldigen, ohne dass Kashin dies getan habe. Im Nov. 2018 veröffentlichte Kashin ein halbstündiges Video der Vernehmung des Verdächtigen Danil Veselov, in dem er die Umstände des Angriffs schilderte u. auch Andrej Turchak als Auftraggeber der Tat erwähnte. Als Hauptmotiv für den Angriff wurde die berufliche Tätigkeit des Journalisten angesehen. Zu Kashins Beiträgen, die angeblich den Angriff provozierten, gehörten Veröffentlichungen, die die Konflikte um den Khimki-Wald, mit kremlfreundlichen Jugendorganisationen u. dem Gouverneur des Gebiets Pskov, Andrej Turchak, beschreiben.
Oppositionsaktivität: Im März 2011 trat Oleg Kashin dem Aufsichtsrat bei, der die Sammlung von Geldern für die Veröffentlichung des Berichts "Putin. Korruption.“ kontrolliert. Im Juni 2011 nahm er am Bürgerforum "Anti-Seliger" teil, einer Veranstaltung von Bürger- u. Umweltaktivisten, die von der Bewegung zum Schutz des Khimki-Waldes initiiert wurde u. im Khimki-Wald bei Moskau stattfand. Im Okt. 2012 wurde er in den Koordinierungsrat der russ. Opposition gewählt. Einer Version zufolge war dies der Grund für seine Entlassung beim "Kommersant"-Verlag, die Ende Nov. 2012 im gegenseitigen Einvernehmen der Parteien u. gegen eine Zahlung von einer halben Mln. Rubel an Kashin erfolgte. Der Chefredaktor der Zeitung erklärte die Entlassung damit, dass Kashin „aufhörte, als Journalist zu arbeiten u. „polit. Aktivitäten aufnahm“. 2012 absolvierte Kashin als Stipendiat der "Paul Klebnikov Foundation" ein Praktikum am US-amerikan. "Harriman Institute". Im März 2013 nahm Kashin an einer Reihe von Einzeldemos für die Freilassung der "Pussy Riot"-Mitglieder s. Marija Aljokhina u. s. Nadezhda Tolokonnikova teil.
Exil: Im Mai 2013 zog Kashin mit seiner Frau, die für ein internationales Unternehmen arbeitete, nach Genf, Schweiz, wobei der Journalist jeden 2. Monat nach Russland zurückkehrte, wo er weiterhin für verschiedene zweitrangige Presseorgane schrieb. 2014 eröffnete er seine eigene Website Kashin.guru für die „neue russ. Intelligenz“. Er unterstützte die Annexion der Krym vom März 2014 durch Russland, die er als „Wiederherstellung der histor. Gerechtigkeit“ bezeichnete, von der seine ganze Generation geträumt habe. Im Mai 2014 befürwortete er auch den Einsatz russ. Truppen im Donbass, um den bewaffneten Konflikt in der Ostukraine, den er einen „Bürgerkrieg“ nannte, zu beenden. In diesem Kontext folgten anti-ukrain. u. anti-tatar. Äusserungen von seiner Seite. Für die einflussreiche russ.-nationalist. Publikation Sputnik i Pogrom berichtete er über die Ereignisse auf der Krym von 2014 u. den Krieg im Donbass. Im Juni 2015 kündigte Kashin seine Rückkehr nach Russland an, weil der Vertrag seiner Frau in Genf ausgelaufen sei. Im April 2016 siedelte er nach London über.
Weitere journalist. Karriere: Von Sept. 2015 bis Jan. 2020 moderierte er die Autorensendung „Kashin. Guru" auf dem TV-Kanal "Dozhd". Ab Dez. 2016 war er Gast einer Sendung des Radiokanals "Ekho Moskvy" u. ab 2017 exklusiver Autor der Online-Publikation "Republic.ru“. Bis Mai 2022 arbeitete er mit Republic zusammen, um sich danach auf seinen eigenen "Telegram"-Kanal "Kashin Plus" zu konzentrieren. 2019 startete er seine eigenen Sendungen auf "YouTube" u. war Gastkommentator für die Website der Zeitung Komsomolskaja pravda sowie von Juli 2019 bis Mai 2021 mit s. Marija Baronova Co-Moderator der Sendung "Moskau-London" u. 2020-21 Co-Moderator der Sendung "Krieg u. Frieden“ im Radio "Komsomolskaja pravda", wo u.a. der Militärjournalist u. Oberst i.R. s. Viktor Baranec den Ton angibt - nach seiner Entlassung führte Baronova das Programm allein weiter. Seit 2020 war er auch Gastkommentator einer YouTube-Sendung von s. Ilja Varlamov.
In der Periode 2021-22 war er zusammen mit der ehem. Pressesprecherin des Kulturministers s. Vladimir Medinskij, Liza Lazerson, Co-Moderator eines Programms auf "Ekho Moskvy". Er verliess den Sender nach einem Streit mit dem 1. stv. Chefredaktor wegen seiner Redaktionspolitik gegenüber der Ukraine. Ferner war Kashin Co-Moderator einer Sendung auf dem YouTube-Kanal von "SVTV" u. Kolumnist der Online-Newsagentur "Znak.com", die im März 2022 geschlossen wurde.
Ukrainekrieg 2022 u. Kritik: Am Tag vor dem Beginn des von Putin entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine sagte Kashin, dass er es nicht für möglich halte, russ. Truppen über die Kontaktlinie hinaus zu schicken. Obwohl er eine harte Antikriegshaltung einnahm, wurde Kashin im April 2022 auf eine Liste gesetzt, die von Mitarbeitern s. Aleksej Navalnyjs von der "Stiftung für Korruptionsbekämpfung" FBK zusammengestellt wurde, die über 6000 russ. „korrupte Beamte u. Kriegshetzer“ umfasste, die es verdienten, mit entsprechenden internationalen Sanktionen wegen Russlands Angriffskriegs gegen die Ukraine belegt zu werden. Kashin fiel in die Kategorie "Propaganda“. Im Zusammenhang mit zahlreichen öffentl. Erklärungen zur Unterstützung Kashins erklärten die FBK-Mitglieder, dass sie seine Position für ambivalent hielten u. bereit seien, ihre Entscheidung erst dann zu überdenken, wenn der Journalist seine ausdrückliche Verurteilung des Kriegs u. seiner eigenen früheren Äusserungen dazu zum Ausdruck gebracht habe. Kashin selbst verband seine Aufnahme in die FBK-Liste damit, dass „er die Leute kritisiert habe, die jetzt für Navalnyj sprechen". Nachdem das Europ. Parlament den EU-Rat im Mai aufgefordert hatte, Personen auf der FBK-Liste mit persönl. Sanktionen zu belegen, begann Kashin mit Klagen zu drohen u. forderte eine Entschuldigung von der FBK.
Auch vom "Forum Freies Russland", das die "Putin-Liste" führt, wird Kashin kritisiert, indem ihm eine Mitschuld an der Propaganda des Putin-Regimes attestiert wird. Als Grundlage für die Beschuldigung dient die Nutzung des Status eines öffentlichen, populären u. tonangebenden Publizisten zur Legitimierung der aggressiven Politik der russ. Führung u. ihrer Propaganda des Grossmachtchauvinismus, indem er sich auch im russ. Staatsfernsehen offizielle Standpunkte zu eigen machte. Im Dez. 2018 sprach Kashin in der Propaganda-Talkshow "60 Minuten“ auf dem Sender "Russland-1" scharf u. zweideutig über den ukrain. polit. Gefangenen s. Oleg Sencov, indem er erklärte, dass „wir Feinde für ihn sind u. er ein Feind für uns ist". Später relativierte er diese Aussage. Im Jan. 2019 kritisierte Kashin die Ergebnisse der Untersuchung, die s. Evgenij Prigozhins Beteiligung an der Ermordung einer Gruppe russ. Journalisten in der Zentralafrikan. Republik im Juli 2018 bestätigten. Im April 2019 unterstützte Kashin die provokative Entscheidung über die massenhafte Verleihung der russ. Staatsbürgerschaft an ukrain. Staatsbürger, die in den Gebieten Doneck u. Lugansk leben. Im Sept. 2019 sagte Kashin in einem Interview mit Komsomolskaja pravda: „Ein guter Ukrainer wird sich Russe nennen.“ Ein indirekter Beweis für seine affine Haltung gegenüber der aktuellen russ. Politik ist Kashins ständiger öffentl. Ausdruck von Sympathie u. Solidarität mit fanatischen russ. kremlnahen Propagandisten wie s. Evgenij Popov, s. Olga Skabeeva u. s. Margarita Simonjan, die er als seine Kollegen oder Freunde betrachtet. Paradoxerweise trug das Justizministerium RF Oleg Kashin im Juni 2022 als sog. "ausländ. Agenten“ in das berühmt-berüchtigte Medienregister ein, das von der westl. Welt verurteilt wird.
Im April 2022 berichtete news.de, im britischen Boulevardblatt The Sun sei ein Bericht zu lesen, der V. Putin mit einem Faible für Blutrituale u. Gedankenlesen" in Verbindung bringe. Als Experte für die vermeintliche Besessenheit Putins wurde von The Sun u.a. der in London lebende russ. Schriftsteller Oleg Kashin erwähnt, der die Verbindungen des russ. Staatspräsidenten zum Okkultismus eingehend erforscht habe. Danach glaubten Putin u. sein innerer Kreis „an eine Menge magischer Dinge", wobei einige dieser Überzeugungen „zum Teil zu Russlands katastrophaler Invasion in der Ukraine geführt haben könnten".
Im Sept. 2022 entschied das Leningrader Bezirksgericht in Kaliningrad, den Journalisten Oleg Kashin, der in der RF als "ausländ. Agent" bezeichnet wird, wegen Begehung einer "Ordnungswidrigkeit" mit einer "Verwaltungstrafe" von 10 Tsd. Rubel /zum derzeitigen Kurs umgerechnet ca. 150 Euro) zu belegen, weil er in seinen Videos auf "YouTube" u. "Telegram"  einen Medienschaffenden, der in Russland als "ausländ. Agent" eingetragen ist, nicht als solchen gekennzeichnet hatte. Diese Entscheidung wurde von Kashin so kommentiert, dass er keinen Grund sehe, „die Forderung eines verfassungswidrigen Gesetzes zu erfüllen“ u. auch weiterhin keine Angaben über den Status eines ausländ. Agenten in seinen sozialen Netzwerken platzieren werde.
Wie im Nov. 2022 au "IPG" zu lesen war, sei die öffentl. Unterstützung für den Ukrainekrieg in Russland laut Oleg Kashin ein Indikator für die Loyalität gegenüber dem Kreml-Chef, der den Krieg als eigenes Projekt losgetreten habe. Es gebe „nur eine Person in der russ. Regierung, die wirklich vom Krieg begeistert ist, u. das ist Vladimir Putin." Für alle anderen sei die Unterstützung des Kriegs nichts anderes als ein formales Zeichen der Loyalität gegenüber dem Anführer. Kashin glaube nicht an so etwas wie einen Bürgerkrieg in Russland zwischen Anhängern u. Gegnern Putins. Die regionalen Eliten, die von Putin geschwächt worden seien, seien dennoch in der Lage, zu verhandeln u. Kriege zu vermeiden, da sie reich seien u. in Frieden leben wollten.)


KAC (KATZ), Maksim Evgenevich II III IV V 
VI VII VIII IX X XI (1984-, russ. Stadtplaner, Oppositionspolitiker u. Wahlkampfmanager, Videoblogger. Als Kac 7 Jahre alt war, wanderte seine Familie nach Israel aus. Mit 17 Jahren kehrte er nach Russland zurück. 2012 sagte er in einem Interview mit dem Radiosender "Komsomolskaja pravda", er habe an 3 russ. Universitäten studiert, sie aber wegen Unzufriedenheit mit der Qualität der Ausbildung ohne Abschluss verlassen. Später spielte er Poker in Moskauer Casinos u. wurde Gewinner der WSOP u. 2007 russ. Meister im Sportpoker.
Urbanistik: 2012 gründete er zusammen mit s. Ilja Varlamov die Stiftung "Stadtprojekte" für urbane Entwicklung, in der Kac die Position des Direktors innehat. Als Abgeordneter des Moskauer Stadtteils Shchukino führte er eine Studie über Problemzonen durch u. erreichte mit Unterstützung der Anwohner insbes. die Einrichtung von Bänken u. Spielplätzen. Eine weitere Initiative von Kac, Haltestellen öffentl. Verkehrsmittel in Shchukino mit Heizgeräten auszustatten, wurde von "Mosgortrans" nicht unterstützt. Des weiteren führte Kac 2012 zusammen mit Varlamov eine Studie über den Zustand der Tverskaja-Strasse durch u. veröffentlichte eine Broschüre mit Daten darüber, wie 340 geparkte Autos auf den Bürgersteigen der Tverskaja den Durchgang von 100 Tsd. Fussgängern pro Tag behindern. Die Studie wurde dem Bürgermeisteramt übergeben, woraufhin das Parken verboten wurde. Nach 2012 begann das Büro des Bürgermeisters von Moskau damit, das Parken auf Bürgersteigen in der ganzen Stadt zu verbieten. Eine weitere Studie führten Kac u. Varlamov 2012 über die Auswirkungen von Drehkreuzen auf den öffentl. Verkehr durch, deren Ergebnisse zeigten, dass der öffentl. Verkehr in Moskau aufgrund von Drehkreuzen um 15% langsamer fährt u. Bussgelder in Industrieländern effizienter funktionieren. Die Vorschläge der Autoren wurden an das Verkehrsministerium übermittelt. 2018 wurden Drehkreuze im Bodenverkehr in Moskau abgeschafft. 2012 nahmen "Stadtprojekte" u. Kac an einem neuen öffentl. Wettbewerb für das beste Moskauer U-Bahn-Linienprojekt teil. Unter 35 Bewerbern gewann jedoch ein anderer Teilnehmer. 2013 organisierte Kac zusammen mit Varlamov eine Kundgebung auf dem Triumfalnaja-Platz, bei der gefordert wurde, dass die Ergebnisse einer zuvor angekündigten Ausschreibung für den Wiederaufbau des Platzes annulliert u. ein offener Architekturwettbewerb durchgeführt wird. Die Ausschreibung wurde storniert u. eine offene Ausschreibung angekündigt.
2014 eröffnete Kac eine Filiale von "Stadtprojekte" in St. Petersburg. Seine Projekte umfassten: Untersuchung des Nevskij-Prospekts u. Veröffentlichung von Vorschlägen für eine bessere Fussgängerzone; Erstellung von Projekten zur Optimierung des Geländes in der Nähe der Kazaner Kathedrale; Erkundung der Bolshaja Morskaja-Strasse mit Vorschlägen für urbanist. Verbesserungen nach dem Muster des Times Square in New York mit kostenlosem WLAN-Internetzugang u. öffentlich aufgestellten Tischen u. Stühlen; Optimierung der Shpalernaja-Strasse, usw. "Stadtprojekte" schlug auch ein neues Nachtbusverkehrssystem, ein neues Tarifsystem für öffentl. Verkehrsmittel u. die Wiederherstellung des Strassenbahnverkehrs zum Litejnyj-Prospekt vor. 2019 eröffneten Kac u. Varlamov ein Online-Hauptquartier für die Umgestaltung von SPB u. schlugen 18 Projekte zur Veränderung der Strassen, Plätze u. Boulevards der Stadt vor. Um diese Projekte umzusetzen, wurden die Petersburger aufgerufen, an Kommunalwahlen teilzunehmen, wobei Kac in die Wahlzentrale der "Stadtprojekte" u. der Partei "Jabloko" in SPB berufen wurde.
2014 startete Kac ein Projekt, das aufzeigte, warum ober- u. unterirdische Über- u. Untergänge mit Kreuzungen unvorteilhaft für die Sicherheit u. Nutzung der Menschen mit eingeschränkter Mobilität, die 30% der Bevölkerung ausmachen, seien u. eine unbequeme städtische Umgebung schafften.
2016 startete Kac eine Informationskampagne zur Verteidigung der Moskauer Trolleybusse.
Trotzdem wurden nach u. nach viele Linien gestrichen u. mit Dieselbussen ersetzt, obwohl das Moskauer Bürgermeisteramt versprach, das Trolleybussnetz nicht zu reduzieren. Im Aug. 2020 wurde der Trolleybusverkehr in Moskau vollständig eingestellt, während Auto- u. Elektrobusse entlang der Trolleybuslinien eingeführt wurden. Kac kritisierte die Einführung von Elektrobussen als Ersatz für Trolleybusse u. begründete dies mit verschiedenen Argumenten, so mit den Nachteilen des Aufladens der Batterien, der Wartung der Busse u. der Logistik dies Busverkehrs, mit der erforderlichen Anzahl von benötigten Elektrobussen, mit dem benötigten u. weniger umweltfreundlichen Dieselbetrieb mit seinen Abgasen, mit den Gesamtkosten für den Kauf u. Betrieb von Elektrobussen u. der Installation von Ladestationen, die Moskauer Elektrobusse würden oft kaputt gehen, u.a. Kac nannte die Einführung Elektrobusse eine „PR-Verteidigungslinie“ des Bürgermeisteramts. 2017 startete "Stadtprojekte" die "Null-Todes-Kampagne, um die Zahl der Todesfälle auf russ. Strassen zu reduzieren, inspiriert von den Erfahrungen eines entspeechenden schwedischen Programms. Die Ideen u. Pläne zur Einführung entsprechender Massnahmen seien von den Behörden auch auf Bundesebe diskutiert worden, etwa die Einführung höherer Bussgelder für Geschwindigkeitsüberschreitungen. Während seiner Reisen in verschiedene Städte auf der ganzen Welt interessierte sich Kac für die Probleme der Stadtplanung u. -entwicklun; im Okt. 2011 erhielt er in Jan Gehls Stadtplanungsbüro in Kopenhagen, Dänemark, eine entsprechene Ausbildung.
Politik u. Wahlkampfmanagement: Um seine Ansichten über die Entwicklung der Stadt Moskau in die Praxis umzusetzen, beschloss Kac, sich politisch u. sozial zu engagieren, er habe zu diesem Zweck ein passives Einkommen aus dem Pokergeschäft zur Verfügung. Zu Beginn seiner polit. Karriere nahm er, wie erwähnt, an der Wahl der Abgeordneten der Gemeindeversammlung des Moskauer Stadtbezirks Shchukino für die Partei "Jabloko" teil. Kac´ Wahlkampane erregte die Aufmerksamkeit vieler Medien u. sorgte für erhebliches Aufsehen in den sozialen Netzwerken. Bei der entsprechenden Abstimmung im März 2012 belegte Kac den 4. Platz, der ihm die Position eines Abgeordneten in der Gemeindeversammlung sicherte u. er also Abgeordneter der 3. Gemeindeversammlung des Moskauer Bezirks Shchukino von 2012-16 für die Partei "Jabloko" wurde. Kac nahm an Protesten gegen Wahlbetrug teil u. war einer der Redner bei der Kundgebung am 10. März 2012. Nach den Massenverhaftungen eröffnete er zusammen mit anderen Politikern den "Stab für Hilfe für die Verhafteten", später "Rosuznik“ genannt, ein Menschenrechtsprojekt, dessen Zweck es war, Spenden zu sammeln, um Menschen zu unterstützen, die nach Kundgebungen in den Polizeidienststellen u. speziellen Aufnahmezentren des Innenministeriums RF landeten, hauptsächlich um Rechtsanwälte einzustellen. Im Okt. 2012 wurde Kac in den Koordinationsrat der Opposition gewählt, aus dem er im Mai 2013 wieder austrat. 2022 bezeichnete er in einem Interview seinen Austritt aus dem Koordinierungsrat als Fehler. 2012 war er Leiter der Wahlzentrale von Ilja Varlamov bei der Wahl des Bürgermeisters von Omsk. 2013 war er stv. Leiter der Wahlzentrale von s. Aleksej Navalnyj bei der Wahl des Moskauer Bürgermeisters. Laut Varlamov gab es damals einen persönl. Konflikt zwischen Kac u. Stabschef s. Leonid Volkov, der einen etwas mysteriösen Hintergrund hatte. Navalnyj selbst soll die Erfahrungen mit der Zusammenarbeit mit Kac negativ bewertet haben, wobei er die Möglichkeit einer weiteren Interaktion ausschloss. Im Okt. 2013 erklärte Kac sich bereit, 2014 als Abgeordneter der Moskauer Stadtduma zu kandidieren. Obwohl er als Kandidat zugelassen wurde, blieb er bei den Wahlen vom Sept. 2014 erfolglos, es gewann der Kandidat der Partei "Einiges Russland". Als Grund für die Niederlage nannte Kac die geringe Wahlbeteiligung u. mangelnde Unterstützung durch die Partei "Jabloko". 2014 startete Kac vor dem Hintergrund der Ereignisse in der Ukraine das Projekt "Anti-Propaganda – Nachrichtenanalyse", in dessen Rahmen er auf verschiedenen Internetplattformen eine Analyse russ. TV-Nachrichten mit fehlerhaften Informationen veröffentlichte. Nachdem die Behörden einen Monat nach der Ermordung von s. Boris Nemcov das am Ort der Mordtat errichtete Denkmal entfernen liessen, half Kac bei der Wiederherstellung des Denkmals u. brachte zunächst persönlich Blumen dorthin. Dann lancierte er ein Projekt, mittels dessen von überall im Land Blumen online bestellt werden konnten, die von Freiwilligen beim Denkmal am Ort der Mordtat niedergelegt wurden. Mit seiner oppositionellen Haltung geriet Kac automatisch ins Visier der Putin-Instanzen. 2014 wurde berichtet, dass Kac die israel. Staatsbürgerschaft besitze, was ihn daran hinderte, an Wahlen in Russland teilzunehmen. Später beantragte ein Staatsduma-Abgeordneter von "Einiges Russland", s. Evgenij Fjodorov, in dieser Angelegenheit beim russ. Untersuchungsausschuss die Eröffnung eines Strafverfahrens, wobei ein Prozess nicht stattfand. 2015 trat Kac dem Föderalrat der Partei "Bürgerinitiative" bei u. leitete die Wahlkampfzentrale der Partei bei den Wahlen zur Gebietsduma von Kaluga. 2016 leitete er die Wahlzentrale des Abgeordneten der 6. Staatsduma RF s. Dmitrij Gudkov, der bei den Wahlen zur Staatsduma RF im Sept. im Wahlkreis Tushino von der Partei "Jabloko" nominiert wurde. Die Online-Plattform zur Durchführung des Wahlkampfs wurde vom Verband amerikan. Politikberater u. die Kampagne selbst wurde mit dem Award "International – Best in Show“ ausgezeichnet. 2016 trat Kac eine Magistratur der Fakultät für Sozial- u. Politikwissenschaften der Universität Glasgow, Schottland GB, an u. spezialisierte sich auf Stadtverwaltung u. öffentl. Politik. Im Feb. 2017 wurde Kac gemäss eines Beschlusses des Regionalrats der Partei aus "Jabloko" wegen Verursachung von polit. Schaden ausgeschlossen. Trotzdem setzte Kac seine polit. Arbeit fort, von dessen Früchten "Jabloko" profitieren konnte.
Im März 2017 gründete er zusammen mit Dmitrij Gudkov das Projekt "Vereinigte Demokraten" mit dem Ziel, bei den kommunalen Wahlen vom Sept. demokratisch gesinnte Moskauer als Gemeindeabgeordnete wählen zu lassen. Dazu diente eine von Kac u. Gudkov erstellte Website. Insgesamt bewarben sich 3500 Personen als Abgeordnetenkandidaten, aber nur diejenigen, die klare demokrat. u. oppositionelle Positionen vertraten u. eine negative Haltung gegenüber dem amtierenden Präsidenten RF V. Putin hatten, wurden zugelassen. Von 999 Nominierten wurden 267 zu Abgeordnetenkandidaten gewählt, wobei in 17 von 125 Bezirken Moskaus solche Kandidaten die Mehrheit der Mandate gewannen. So wurde "Jabloko" mit 177 kommunalen Abgeordneten zweitgrösste Partei in der Stadt Moskau in Bezug auf die Anzahl der Abgeordnetenmandate. "Jabloko"-Chef s. Grigorij Javlinskij nannte Kac daraufhin einen „effektiven Verbündeten“ u. wies darauf hin, dass das Interesse der Jugend an den Wahlen geweckt worden sei. Im Jan. 2018 brach Dmitrij Gudkov die Zusammenarbeit mit Kac aufgrund von Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf "Jabloko" u. das Wahlbeobachtungsprojekt ab. Im April 2018 wurde der Parteiausschlussbeschluss gegen Kac vom Bundesvorstand der Partei aufgehoben. Im Okt. 2018 wurde Kac für die Kommunalwahlen 2019 zum Stabschef der SPB-er "Jabloko“ ernannt. Anfang Dez. 2018 wurde er zum Vorsitzenden der örtlichen Zweigstelle der Partei "Jabloko" im Moskauer Nordwestbezirk gewählt. Als Ergebnis der Kampagne wurden bei den Wahlen 2019 in SPB 99 Vertreter der Partei "Jabloko" als Gemeindeabgeordnete gewählt, während die Partei zuvor keine Abgeordnete in SPB stellte.
2019 beteiligte Kac sich an der Leitung der Wahlkampagnen von  s. Darja Besedina u. Anastasija Brjukhanova, Mitarbeiterinnen von "Stadtprojekte" von Kac u. Varlamov, für ihre Wahl in die Moskauer Stadtduma. Während Besedina zugelassen wurde, von Navalnyjs "Smart voting" unterstützt wurde u. die Wahl als Abgeordnete der Moskauer Stadtduma gewann, wurde Brjukhanova die Kandidatur verweigert, was Massenproteste in Moskau auslöste. 2021 wurde Kac Leiter der Wahlzentrale von Anastasija Brjukhanova bei den Wahlen zur Staatsduma RF. Obwohl die Kandidatin von der Wahlkommission zugelassen wurde, verlor sie die Wahl unter Berücksichtigung der elektron. Fernabstimmung. Nachdem es im Feb. 2020 Informationen über die Unzufriedenheit der Anhänger von Maksim Kac mit dem Verfahren zur Wahl der Führungsgremien der Partei gab, wurde er auf Beschluss des Bundesvorstands erneut aus der Partei "Jabloko", zusammen mit 15 Anhängern ausgeschlossen. Danach kündigte Kac Pläne an, eine städtische "Jabloko"-Fraktion zu gründen, sowie seine Absicht, die Partei zu leiten. Im Juli 2020 wurde Kac vom stv. Vorsitzenden der Partei, Kirill Goncharov, beschuldigt, sich für die Interessen der Trolleybushersteller einzusetzen, was den Ruf von "Jabloko" schädige.
Im Aug. 2020 begann Kac mit der Veröffentlichung von Videos von Protesten nach den Wahlen in Weissrussland, was ihm etwa 35% der Zuschauer aus Weissrussland bescherte. Vom März 2020 bis Nov. 2022 wuchs der "YouTube"-Kanal von Maksim Kac von 13´800 auf 1,6 Mln. Abonnenten, während die Anzahl der Aufrufe etwas weniger als 470 Mln. betrug. Im Feb. 2021 stellte Kac‘ Team ein Projekt vor, das im Zusammenhang mit Verhaftungen bei Protesten zur Unterstützung von s. Aleksej Navalnyj entwickelt wurde. Das Projekt sollte Menschen helfen, die bei Protesten festgenommen wurden. Demnach sollten Kac' Leute Geld direkt an die Inhaftierten schicken, um ihre Geldstrafe zu bezahlen. Im März 2021 gab Kac den Abschluss des Projekts bekannt, nachdem 26,79 Mln. Rubel gesammelt worden waren, um 1028 Menschen zu helfen. Emigration u. Strafverfolgung: Nach dem Beginn des von Putin entfesselten russ. Angriffskriegs gegen die Ukraine verliess er Russland in Richtung Israel, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt. Im Juli 2022 fügte das Justizministerium RF Kac der Liste der sog.  "ausländ. Agenten hinzu. Im Okt. 2022 nahm auch die ukrain. Website "Mirotvorec" /II III/ Kac in ihre Datenbank von Personen auf, die angeblich die nationale Sicherheit des Landes bedrohen. Als Begründung wurden Screenshots seiner Kommentare in sozialen Netzwerken beigefügt, in denen es z.B. etwa hiess, dass „die russ. Opposition niemandem etwas schulde, insbesondere nicht den Ukrainern“. Kac kommentierte den Eintrag in die "schwarzen Listen“, indem er seine Anerkennung als "ausländ. Agent“ in Russland als  Medaille“ annahm u. seine Aufnahme in die "Peacemaker“-Liste der Ukraine als  eine wichtige Errungenschaft“ bezeichnete. Ende Okt. 2022 setzte das Innenministerium RF Kac auf die föderale Fahndungsliste, ohne Angabe des Gesetzesartikels, weswegen er von der Justiz verfolgt werde. Offenbar wurde gegen ihn wegen eines Videos über das Massaker von Butscha ein Strafverfahren eröffnet. Im März 2023 verhaftete das Basmannyj-Gericht in Moskau Kac in Abwesenheit wegen der Verbreitung von "Fake News“ über die russ. Armee. Im Aug. 2023 beantragte die Staatsanwaltschaft RF 10 Jahre Haft in einem Gefängnis des allgemeinem Vollzugs mit einem 5-jährigen Verbot der Verwaltung von Websites. Dies war das erste Mal, dass die Staatsanwaltschaft die Höchststrafe nach diesem Artikel forderte. Am nächsten Tag wurde Kac in Abwesenheit vom Basmannyj-Gericht in Moskau zu 8 Jahren Haft in einem Gefängnis des allgemeinem Vollzugs mit einem 4-jährigen Verbot der Verwaltung von Websites verurteilt. Im Mai 2023 erhielt er einen Master-Abschluss von der Universität Tel Aviv u. schloss damit das Ausbildungsprogramm für Schuldirektoren ab.)

KACYV, Pjotr Dmitrievich II III IV (1953-, sowjet. Ingenieur im Auto- u. Verkehrswesen, ehem. hoher russ. Staats- u. Regierungsbeamter des Verkehrswesens im Moskauer Gebiet.
Absolvent des Moskauer Automobil- u. Strasseninstituts MADI. In der Sowjetzeit arbeitete er als Ingenieur in einem Automobilunternehmen in Khimki im Moskauer Gebiet u. später bei der Moskauer Abteilung für Personenverkehr "Mosgortrans" u. als Generaldirektor des Staatsunternehmens "Mostransavto". 2001-12 war er Verkehrsminister des Moskauer Gebiets. 2012 wurde er Leiter der Hauptverwaltung des Moskauer Gebiets für die Zusammenarbeit mit föderalen Regierungsbehörden im Rang eines Ministers. Nach der Auflösung des Ministeriums wurde er 2014 zum Vizepräsidenten der Russ. Eisenbahnen u. Leiter des Zentrums für die Entwicklung des Moskauer Verkehrsknotenpunkts ernannt, 2017 wurde er stv. Generaldirektor. 2019 trat er von diesem Posten zurück.
Das "Forum Freies Russland", das die
sog. "Putin-Liste" führt, wirft Pjotr Kacyv Beteiligung an Geldwäscherei u. Korruption vor. Das "Forum" strebt internationale Sanktionen gegen diese Personen an. Im Moskauer Gebiet wurde der Name Pjotr ​​Kacyv mit dem ehem. Finanzminister des Gebiets Aleksej Kuznecov in Verbindung gebracht, mit dem er gemeinsame Geschäftsinteressen hatte u. dem vorgeworfen wurde, durch finanzielle Mittel den Gegenwert von 1 Mrd. USD aus dem Haushalt des Gebiets gestohlen zu haben. Ausserdem wäre der Name des Regierungsbeamten Pjotr Kacyv wohl auch nicht in der Öffentlichkeit aufgetaucht, wenn die Geschäftsaffären seines Sohnes Denis Kacyv nicht bekannt geworden wären. Diesem wird vom "Forum Freies Russland" Betrug, Geldwäscherei, Korruption u. Steuerhinterziehung vorgeworfen. Denn als Eigentümer von "Mosobltrans-1" erhielt dieser 2006-10 50 Regierungsaufträge für fast 1 Mrd. Rubel, während die Kunden dieser Verträge ausschliesslich staatl. Institutionen waren, darunter das Verkehrsministerium des Moskauer Gebiets, das unter der Leitung seines Vaters Pjotr Kacyv selbst stand. In den frühen 2000er Jahren gründete Denis Kacyv zusammen mit seinem Vater 3 Offshore-Firmen mit Konten bei einer israel. Bank. Im Rahmen der Anwendung des Gesetzes "Über das Verbot der Geldwäsche“ in Israel wurden 2005 die Konten vieler Kunden beschlagnahmt, wobei auch Pjotr Kacyv betroffen war, der beschuldigt wurde, x-Mln. USD von der Bank an seinen Sohn überwiesen zu haben, u. somit der Geldwäscherei verdächtigt wurde. Die betroffenen Parteien lösten das Problem mit dem Abschluss einer Vergleichsvereinbarung. Die israel. u. dann die US-amerikan. Justiz hatten jedoch Grund zur Annahme, dass Dutzende u. Hunderte Mln. USD des "erfolgreichen Geschäftsmanns“ Denis Kacyv eigentlich seinem Vater gehörten. 2013 gab s. William "Bill" Browder, der Eigentümer der "Hermitage"-Stiftung, der für seine Lobbyarbeit für die "Magnitsky-Liste“ bekannt wurde, bei der US-Staatsanwaltschaft eine Erklärung ab, in der er Kacyvs zypriot. Unternehmen "Prevezon Holdings" u. dessen Tochtergesellschaften der Geldwäscherei, unsauberen Steuerpolitik u. Nichtzahlung von Steuern durch Verstecken von Realeinkommen beschuldigte. Die New Yorker Staatsanwaltschaft forderte vor Gericht das Einfrieren der Bankkonten eines Unternehmens von Kacyv Jr. u. die Beschlagnahmung von 2 seiner Wohnungen im Wert von 13 Mln. USD. "Prevezon Holdings" u. ihre Tochtergesellschaften waren in den USA an der Geldwäsche von 230 Mln. USD beteiligt, die der US-Justiz zufolge während der Steuerbetrugsaffäre im Zusammenhang mit der "Hermitage"-Stiftung aus dem russ. Haushalt gestohlen wurden. 2017 wurde der Fall abgeschlossen, nachdem "Prevezon Holdings" eine Vereinbarung mit den US-Behörden getroffen u. eine Geldstrafe von 5,9 Mln. USD bezahlt hatte, ohne eine Schuld zuzugeben. Nachdem die Namen Pjotr Kacyvs u. seines Sohnes Denis auch in den 2019 veröffentlichten Ermittlungen von US-Staatsanwalt Mueller u. US-Geheimdiensten erwähnt wurden, wurde die Häufung von Skandalen für die russ. Seite wohl zum Problem u. könnte dazu geführt haben, dass Pjotr Kacyv in hohen öffentl. Ämtern nicht mehr haltbar war, was vermutlich zu dessen Abgang bei den Russ. Eisenbahnen führte.)

KACHMAZOV, Jurij Mikhajlovich (1966-, russ. Top-Unternehmer ossetischer Nationalität. War Student am Polytechn. Institut in Samara. Er begann mit dem An- u. Weiterverkauf von Gold auf dem Markt u. wurde dann für den Weiterverkauf von Autos von "AvtoVAZ" umgeschult. Das Unternehmen hiess "SOK" u. befand sich auf dem Turm des Samaraer Hippodroms. Kachmazovs Geschäft genoss die Unterstützung der Steuerpolizei u. zweier namentlich bekannter FSB-Generäle. 1998-2008 war er Vorstandsmitglied von "RosLada" u. 1998-2010 Präsident u. Vorsitzender des Verwaltungsrats der "SOK"-Unternehmensgruppe. Nach dem Rating des russ. Forbes von 2007 lag er mit einem Vermögen von 700 Mln. USD auf Platz 93 der "Goldenen Hundert". Im Ranking der Zeitschrift Finance der reichsten Russen von 2010 belegte er mit einem Vermögen von 26,5 Mrd. Rubel den 126. Platz. Er kontrollierte die Firmen "AvtoVAZ", "IzhAvto/Lada Izhevsk", "Volgomost", das "Skopinskij"-Autoaggregatenwerk/"SAAZ Komplekt" u.v.a. russ. Unternehmen. 2005 wurde Kachmazov mit dem Goldenen Orden "Stolz Russlands" ausgezeichnet. 2011 setzte der Ermittlungsausschuss des Innenministeriums RF auf Ersuchen des grössten Gläubigers der "Sberbank" Jurij Kachmazov auf die föderale Fahndungsliste wegen "vorsätzlicher Insolvenz" von "Izhavto" u. des Abzugs von Finanzanlagen ins Ausland. Der in den VAE lebende Unternehmer hat auch die britische Staatsbürgerschaft u. führt Geschäfte in verschiedenen Ländern, so in Italien, China u. Russland, über Dritte durch.
Politik: 2006 unterzeichnete Kachmazov, dessen polit. Tätigkeit ein Bsp. für die Vermengung von Wirtschaft u. Politik ist, im Namen der "SOK"-Unternehmensgruppe eine Vereinbarung über die Umsetzung des innovativen Bildungsprojekts "Würdige Bürger eines grossen Landes“ zwischen der Partei "Einiges Russland“, vertreten durch s. Vjacheslav Volodin, u. der Regierung des Gebiets Samara, vertreten durch s. Konstantin Titov. Das Dokument sah die Modernisierung von mind. 30 Schulen im Gebiet Samara auf Kosten des föderalen u. regionalen Budgets unter Beteiligung eines Kapitals von 30 Mln. Rubel von Seiten der "SOK"-Unternehmensgruppe vor. Er unterstützte die Wahl von Viktor Tarkhov zum Bürgermeister von Samara u. von Viktor Khlystov zum Bürgermeister von Syzran. Vitalij Ilin, Vizepräsident der "SOK"-Gruppe, wurde Vorsitzender der Stadtduma von Samara. Er unterstützte s. Sergej Morozov zum Gouverneur des Gebiets Uljanovsk, wohin nach der Wahl die Spitzenmanager der "SOK"-Unternehmensgruppe berufen wurden u. von denen einer, Rustem Shijanov, zum Senator des Föderationsrats RF aus dem Gebiet Uljanovsk gewählt wurde. Kachmazov unterstützte auch s. Eduard Kokojty, den Präsidenten der Republik Südossetien, der 2 Spitzenmanager der "SOK"-Gruppe zu Ministern seiner von Russland abhängigen Pseudorepublik ernannte. Seine Ehefrau Ilona Kachmazova, Präsidentin der Wohltätigkeitsstiftung "Sport, Erziehung, Kultur", war eine Mitgründerin des regionalen Zweigs der "Grünen Partei" in Samara. "SOK" finanzierte bei den Wahlen zur Gebietsduma von 2007 die Russ. Ökolog. Partei "Grüne", wobei die "SOK"-Topmanagerin Elvira Surkova auf der Parteiliste im Gebietsparlament stand.)

 

Neuster Stand 06.23 / 12.24 (47)  Keine Garantie für Richtigkeit u. Vollständigkeit der Angaben.

Zurück zu K1    Fortsetzung s. K3